Eine Besucherin

  • "Davon habe ich nicht gesprochen. Ich habe nur gesagt, dass ich einiges in der Lebensweise der Drow unter den Umständen in denen sie leben und aufwachsen nachvollziehen kann. Das bedeutet nicht das ich sie befürworte."


    Sie sah Dormen offen an.


    "Ich, oder auch Walays dürfen auch nicht immer mit dem Herzen denken, sondern müssen der Vernunft, der Logik und dem Recht nachgehen, ganz gleich was unsere Gefühle uns manchmal sagen. Nicht alles was sich gut anfühlt ist auch gut, nur weil wir es vielleicht als solches erachten."

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • "Das bezweifel ich nicht."


    Wenn man sich bewusst entscheidet, in die Politik zu gehen, muss man wohl im Leben Abstriche machen.. Einigen fällt das vermutlich schwerer als anderen.


    dachte sie, behielt es aber für sich. Sie würde beizeiten gegebenenfalls drauf zurückkommen.
    Dann wandte sie sich wieder Katharina zu.


    "Was hat Euch veranlasst die Illythiri wieder zu verlassen?"

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • Katharina hatte der Unterhaltung der beiden Frauen interssiert zugehört. Sylvana schien tiefere Einsichten in die Kultur der Drow zu haben, aber sie hatte ja auch gesagt, dass sie sich mit Vorn unterhalten hatte.
    Dormen erinnerte sie an sich selbst zu beginn ihres Abenteuers in Mythodea. Sie hatte ähnliche Fragen gestellt. Still lächelte sie vor sich hin als sie sich dieser Gedanken bewusst wurde.


    "Ich glaube nicht, dass sie alle Gefühle ausmerzen, sie lernen sie zu verbergen und zu unterdrücken. Manche besser, manche weniger. Zorn und Hass werden bewusst geschürt - besonders von den Klerikern. Denn er erlaubt es den Priesterinnen ihr Volk leichter zu kontrollieren und zu steuern, und lenkt die Aufmerksamkeit vom eigenen Leben ab. Ausserdem stachelt er sie an, gibt ihnen Kraft.
    Bestimmt war ihr auch schon einmal zornig und fühltet das brodeln in euch. Ich fühle mich dann immer wie ein Kessel, dessen Deckel zu fest sitzt.


    Im übrigen muss ich Sylvana zustimmen. Manchmal ist es notwendig Gefühle abzuschirmen, einige machen uns empfänglich für Einflüsse von aussen, verleiten uns zu entscheidungen, die wir mit etwas mehr überlegung nicht fällen würden. Oder machen uns gar erpressbar. Ein jeder von uns, der dazu Auserwählt wurde Verantwortung für andere zu übernehmen, lernt früher oder später sein eigenes ich, seine bedürfnisse zurückzustellen um die beste Entscheidung für die Gemeinschaft zu treffen und weniger angreifbar zu sein. Die Illythirri führen diese Entwicklung schon sehr früh ein und dann bis zur Perfektion weiter. Es heisst auch nicht, dass sie nichts fühlen - es bedeutet, dass sie diese Gefühle nicht in ihr Bewusstsein vordringen lassen."


    sie liess, diese Worte ein wenig wirken bevor sie fortfuhr, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen
    "Was genau meint ihr mit verlassen?"

  • "Gibt es eigentlich nur Priesterinnen? Oder auch Priester?"


    Sie trank einen Schluck des inzwischen abgekühlten Tees und wirkte kurzzeitig ein wenig nachdenklich.


    "Mit verlassen meinte ich... hm. Ich hab es so verstanden, dass Ihr eine Weile bei den Illythiri gelebt habt. Das würde für mich bedeuten, eine Weile fort von zuhaus, von einer bekannten Umgebung, zu sein. Aber inzwischen seid Ihr in diese alte Umgebung zurückgekehrt, nicht wahr? Wenn..."


    Sie überlegte wieder einen kurzen Moment.


    "Wenn Ihr aufzählen solltet, was Ihr von den Illythiri gelernt habt... Was wäre das?"

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • "Generell lässt sich die Frage mit Nein beantworten. Die Kleriker Lolths sind alle weiblich, denn es ist das herrschende Geschlecht. Regiert wird jede Stadt von einem Hohen Konzil aus 8 Matronen, die den 8 höchstrangigen Häusern entstammen. Die Häuser werden beherrscht durch diese Matrone und deren Töchter. Je mehr Priesterinnen ein Haus vorweisen kann um so besser.
    Aber wie immer gibt es auch Ausnahmen, allerdings indirekter Art. Es gibt niedrigere Gottheiten, zb. einen Sohn der Lolth, der als ihr Champion gilt. Unter den Männern der Gesellschaft wird er oft angebetet und er gilt als eine Art Kriegsgott. Dort sind die Priester männlich, erreichen aber nie den selben Status wie eine Priesterin der Lolth"

    ein kurzes nippen an der Tasse, ein Biss vom Kecks


    "Was das verlassen betrifft... Ich habe tatsächlich meine gewohnte Umgebung verlassen, wie ich sagte, war ich vorher noch nie woanders. Ich habe das vereinbarte Jahr im Underdark verbracht und bin dann zu meinen Brüdern und Schwestern zurückgekehrt. Aber... " sie zögert ein bischen ob sie davon berichten soll "aber wirklich verlassen habe ich die Ilythirri nie. Ich werde nach wie vor gebraucht und habe mir in diesem einen Jahr einen gewissen Status erarbeitet. Ich habe dort soetwas wie eine zweite Heimat gefunden. Nicht zu vergleichen mit dem Leben im Orden aber auf seine eigene Art wichtig. Und um damit auch eure Dritte Frage zu beantworten, ich habe gelernt Diplomat zu sein. Kein Parkett ist gefährlich und rutschiger als das der Diplomatie. Man muss auf jedes seiner Worte achten, überlegen wie es interpretiert werden könnte. Unter Ilythirri ist es ähnlich, da zwei von dreien in deiner Umgebung darauf warten eine Blöße zu entdecken oder dir aus deinen Worten einen Strick zu drehen... wie es so treffend heisst. Es ist eine harte, aber gute Lektion, denn es zwingt einen sich seiner Aussagen bewusst zu sein und hat mir fast mehr über den Weg des Ausgleichs so wie Achenar ihn uns schenkte, beigebracht als mein Orden. Zumindest mehr praktische Erfahrung."

  • Dormen hatte den Ausführungen interessiert zugehört.


    "Es tut mir leid, wenn das im Moment ein wenig wie ein Frage-Antwort-Spiel wirkt. Wenn ich Euch mit einer Frage zunahe trete, dann sagt mir das bitte.",


    bat sie und wartete ein paar Sekunden, um nachzudenken.


    "Eine zweite Heimat... Ich baue grad daran, Mythodea zu einer Heimat zu machen. Ich hatte gedacht, mein Leben würde durch den Ortswechsel fließend weiterlaufen, aber das war ein Irrtum. Ich habe festgestellt, dass es mir nicht immer leicht fällt, Menschen und Altbekanntes zurückzulassen. Ich hatte gedacht, es wäre leichter... Wie schwierig und einsam das manchmal sein kann, wird mir jetzt erst langsam bewusst.
    Hattet Ihr Hilfe, Euch bei den Ilythirri einzugewöhnen? Es ist ein großer Schritt seine Leute zu verlassen."

    Sie stockte einen Moment. Sie zupfte sich eine Strähne am Hinterkopf zurecht und strich sich über den Nacken. Als sie wieder aufblickte, lächelte sie ein wenig unschlüssig.


    "Was meint Achenar mit dem Weg des Ausgleichs?"

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • Sylvana hörte einfach zu.


    Als Dormen von Einsamkeit sprach konnte man meinen das sich etwas an Sylvanas Blick änderte, doch wenn dem so war, dann hielt dies nicht lange an. Es war ganz angenehm einmal Zuschauer zu sein. Vor allem wenn man bedachte, dass die kleine Runde sehr ehrlich zueinander zus ein schien.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • "Macht euch keine Gedanken, der Weg des Ausgleichs beinhaltet auch Wissen weiterzugeben. Wenn euch meine Erfahrungen helfen können, erzähle ich euch gerne davon."


    sie lächelt der Novizin warm zu und überlegte ob sie selbst damals so naiv war. Die junge Frau hatte die Veränderungen um sie herum noch nicht verinnerlicht, das machten ihre Fragen deutlich. Aber sie war auf dem richtigen Weg


    "Warum glaubt ihr ich hätte meine Leute verlassen? Ja, wir waren durch große Entfernung getrennt und doch trage ich meine Brüder und Schwestern immer im Herzen. Und auch meinen Glauben und meine Überzeugungen sind stets in mir. Sicherlich ist es in eurem Orden genauso. Es gab keinen Anlass nicht daran zu glauben, das mein Orden für mich da sein würde, würde ich sie brauchen. Was aber natürlich keine akute Hilfe beim eingewöhnen war. Da kam mir die Hierarchie der Ilythirri zu gute. Ich habe ganz unten angefangen sie kennen zu lernen und durfte Xune in ihren Aufgaben als Zofe unterstützen. Sie hatte viel Geduld mit mir und war mir eine gute Lehrerin. Wenn man die wichtigsten Grundregeln beherrscht und sich an das Essen gewöhnt hat, ist das Leben in ihrer Gesellschaft nicht mehr ganz so schwer. Es verändert sich durch die Aufgaben die einem andere oder man selbst stellt. Aber sie zu lösen, stärkt die eigene Überzeugung. Und hierin liegt auch der Weg Achenars. Man schenkte uns eine Wahl. Es gibt nicht nur zwei Seiten - gut oder böse, licht oder dunkelheit, wie viele glauben. Wir nennen es den dritten Weg, der zwischen beiden liegt. Und man hat uns - also den Lebewesen die Entscheidung frei gelassen, welchen man davon beschreiten will. Viele denken, sie hätten keine Wahl, das versuchen wir zu ändern. Nicht indem wir sie bekehren oder zu überzeugen suchen, sondern indem wir unser Wissen mit ihnen teilen. Ihnen zeigen, wie sie über ihren Weg reflektieren können. Wir schaffen den Ausgleich zwischen den beiden Wegen, damit die Lebewesen ihre Wahl treffen können."

  • Sylvana lächelte.


    "Es freut mich zu hören, dass wir darin eine große Gemeinsamkeit haben Katharina. Auch wenn es in unserem Orden so ist, dass viele diese Wahl und jenen Weg der damit einhergeht nicht erkennen oder verstehen. Für uns war der Start auf diesem Weg teilweise voller Verlust, denn viele unserer Brüder und Schwestern sind in die Alte Welt zurückgekehrt, um dort einen Weg weiterzuführen den ich als Glaubenführerin hier nicht gutheißen kann. Einige haben uns sogar verlassen, glauben immer noch dem Weg der Sechs zu folgen, warfen aber ihr Wappen in den Schmutz."


    Sachte schüttelte sie den Kopf.


    "Im Augenblick ist es für viele von uns schwer. Wir verlieren Freunde, Familie und Gefährten und das nicht durch Krieg und Tod, sondern durch Zweifel. Aber wie ihr bereits sagtet, jedes Wesen ist frei zu entscheiden welchem Weg er dienen möchte."

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Mitgefühl glomm in den Augen der Achenar auf als sie die Worte der Mutter Konfessor vernahm. Sie konnte ihre Gefühle verstehen.


    "Ich weis, was ihr meint. Auch unser Orden ging gespalten seinen Weg weiter. Mythodea öffnet uns einen neuen Aspekt die Wege zu betrachten. Und selbst wenn wir als Achenar offen dem dritten Weg gegenüber stehen so kommen auch wir aus einer Welt in dem die Seiten oft festgelegt scheinen. Man wusste wen man wo erwarten durfte, mit wem man verhandeln musste. Es gab eine Zeit in unserer Geschichte, wo der Orden Achenar den dritten Weg mit dem Schwert beschritt. Immer galt unsere Loyalität Trawonien und doch durften wir die dunklen Lande wie Torognai und gewissen Voraussetzungen frei bereisen. Unsere Krieger kämpften auf der Seite des Lichts wenn die Dunkelheit stärker zu werden schien. Der Weg der Diplomatie war nicht immer unsere erste Wahl. Dies hat sich geändert, aber immer noch gab es welche die diesen neuen Weg nicht mit vollem Herzen unterstützten. Die Entdeckung Mythodeas war der Scheideweg an dem einige von uns sich dafür Entschieden den alten Weg wieder aufleben zu lassen und wir uns entschieden den Mittellanden den Rücken zu kehren. Wir haben neue Heimat gefunden, etwa in den Goldlanden und dann auch hier auf Mythodea. Aber der Weg dahin war schmerzhaft und verlustreich."


    sie gestatte sich ein leises seufzen


    "Unser Engel hat damals zu unserem Primus gesprochen und ihm offenbart, dass die Schöpfun hier in Gefahr wäre. Deshalb kamen wir hier her. Es gefällt mir zu glauben, das es eine Prüfung an uns war und ist. Um ums unsere Überzeugungen gewahr zu werden und den Stillstand zu vermeiden. "


    dann sprach sie mehr zu Dormen "Ich denke, dass ich es leichter hatte als andere den Weg des Ausgleichs hier zu erkennnen, wo er so offen vor uns liegt. Dadurch dass ich unbelastet von Erfahrungen auf die Lebewesen hier traf, konnte ich alle neu entdecken. Vorurteilsfrei.. oder zumindest so gut wie. Es stimmt schon, viele Grausamkeiten im Volk der Ilythirri ließen sich anfangs sehr leicht vor mir verbergen, aber ich war auch gezwungen sie in der jeweiligen unmittlbaren Situation zu bewerten. Es ändert nichts daran, dass sie brutal und in unseren Augen unmöglich erscheinen, aber es zwingt uns zu sehen, dass Menschen und andere Völker oft gleiches oder zumindest ähnliches tun... oft genug auch ohne dazu gezwungen zu werden."


    waren ihre Worte bisher ernst gewesen löste sie jetzt die Spannung durch ein kurzes Auflachen "Wäre es anders, wäre es mir nicht gelungen, die Krieger des Stählernen Sterns davon zu überzeugen, dass die Ilythirii nicht aus purer Bosheit so handeln wie sie es tun - oder wovon man gehört hat - wenn es in ihrer Lebensumgebung nicht notwendig gewesen wäre. "

  • "Deine Geschichte und deine Kultur macht dich zu dem was du bist und sie zwingt dich dazu ganz gleich wie es in dir aussieht. Ob man daraus ausbrechen kann, oder besser gesagt, ob man die Chance dazu erhält liegt nicht immer bei dir, sondern bei jenen die dir begegnen und wie sie dir begegnen. Wenn man dir stets mit Hass und Abscheu begegnet, dann hast du keine Wahl als dem zu entsprechen wenn du überleben willst."


    Sagte sie nachdenklich.


    "Zumindest sind mir sehr viele Gruppierungen begegnet, die sich zwar "licht" und als "rechtschaffend" bezeichnen, in meinen Augen aber völlig blind durch die Welt laufen und eher zerstören als zu schaffen. Ich jedoch kann darin nichts gutes sehen."

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

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  • "Wenn ich sage, die Natur eines Wesens zwingt es etwas zutun, dann reduziere ich doch dieses Wesen auf seine Instinkte.
    Wenn Tiere nur nach ihren Instinkten handeln, können wir dagegen nichts sagen, aber Menschen und andere höher entwickelte Wesen sind zivilisiert, kultiviert. Und das heißt für mich, sie sind fähig, Erziehung und Lebensart in Frage zu stellen und neu zu definieren, also einen Prozess von Entwicklung in Gang zu setzen.


    Ich finde es schwierig zu sagen, die Kultur - was auch immer das Wort genau beinhaltet - zwingt einen zu handeln, wie man handelt. Der Einfluss von Erziehung ist ein Teil unseres Wesens, aber es gibt doch noch andere. Es ist gefährlich alles auf die Kultur zu reduzieren, weil es genug gibt, die Greueltaten genau mit diesem Argument rechtfertigen wollen.


    Aber wo gerade das Wort genannt wurde: Abgesehen von den Gesellschaftsstrukturen - was beinhaltet die Kultur der Ilythirri? Ich halte den Begriff für schwer fassbar."

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • "Ich sagte ja man kann sich davon lösen und andere Wege beschreiten. Aber du siehst an unseren eigenen Brüdern und Schwestern, dass viele es nicht können oder einfach nicht wollen. Es gibt Dinge wie Gewohnheiten, Glaube und andere Aspekte die dich prägen. Es ist dir unter Umständen egal welche Möglichkeiten sich auf dem ein oder anderen Weg erschließen können, denn es scheint für dich einfach absurd, paradox oder ketzerisch. Du unterschätzt den Einfluss einer Umgebung auf ein Lebewesen, das liegt fern von puren Instinkten."


    Sylvana rümpfte leicht die Nase.


    "Menschen können noch so zivilisiert sein und legen ein Handeln an den tag das nicht barbarischer sein kann. Ist es rechtschaffend Wesen zu richten, weil sie nicht menschlich sind, aber vielleicht ein friedliches Leben führen? Ich habe viele gesehen die nicht nachfragen, die einfach zuschlagen, töten, abschlachten..."


    Als sie merkte, dass sie sich leicht in rage sprach, atmete sie sachte durch. Auch sie musste noch lernen mit ihrem Geschenk der Elemente umzugehen.


    "Wenn du Jahrhunderte lang nur unter Deinesgleichen bist, ihre Lehren hörst, mitgerissen wirst und nichts anderes siehst als das was man dir bietet, warum solltest du beginnen diese Dinge die für dich wahr sind, in Frage zu stellen? Ausbrechen kann man nur dann, wenn man die Möglichkeit erhält."

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • "Man muss immer mit den Konsequenzen seines Handelns leben, egal was man tut. Wenn ein Wesen, egal ob Mensch, Ork, Drow beispielsweise ein anderes quält, kann dieses Handeln nicht mit Hinweis auf seine Kultur gerechtfertigt werden. der Begriff Kultur ist zu schwer fassbar und zu leicht zu missbrauchen.
    Das war es, was ich gerade sagen wollte."

    Sie ließ den letzten Satz noch einmal durch ihren Kopf laufen.


    "Ausbrechen kann man dann, wenn man die Möglichkeit erhält. Da stimme ich zu."


    Dormen spitzte grüblerisch die Lippen.

    Welche Gruppierung möchte wohin ausbrechen und bekommt die Möglichkeit nicht? Ich meine aktuell, jetzt gerade. Wenn ich annehme, dass es Drow gibt, die ausbrechen wollen, was erwarten sie von anderen und was sind sie selber bereit zu geben?"

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • "Du denkst zu sehr in geraden Bahnen. Mythodea ist da völlig außen vor. Die Ilythiiri haben die gleichen Probleme wie die Orks, wir Menschen und andere Völker. Die einen finden die Wege gut die uns hier eröffnet werden, andere warten ab, wieder andere begreifen sie nicht oder wollen diese Veränderungen nicht. Sicher ist das Wort Kultur schwer fassbar, aber das ändert an den Tatsachen nichts, dass es eben genau diese Dinge sind, die die meisten Lebewesen auf ihren Wegen führt. Sich gedanken zu machen ist oft einfach zu umständlich für die meisten. Du musst anfangen nicht von dem auszugehen was du denkst, glaubst und welche Ansichten du vertrittst und da bist du schon auf einem guten Weg. Wenn du in die Diplomatie möchtest musst du lernen alle Sichtweisen zu verstehen egal wie paradox sie dir scheinen mögen. Nicht unterstützen aber verstehen, denn nur so kannst du die Argumente finden die du brauchst umd eine Ziele zu vertreten. Und vor allem vorhersehen welche Ausmaße gewisse Gespräche nehmen können."


    Sie lächelte. Dormen hatte, sofern sie ihre Denkweise ein wenig löste und dennoch ihre scharfen Gedankengänge beibehielt eine große Zukunft vor sich.


    "Aber wir schweifen ab und haben Katharina gar keine Gelegenheit gelassen dir auf deine Frage zu antworten."

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Katharina hört lächelnd zu. Es tat ihr gut diesem geistigen Disput zu folgen, und schien ihr wie eine kleine Offenbarung. Vielleicht sprach Achenar ja auch zu ihr - nur eben durch Zeichen wie diese.


    "Hört nur nicht auf zu überlegen und zu theoretisieren nur wegen mir. Ich höre gerne zu und sehe wohin die Saat gefallen ist. Auch dies hier ist eine Ausprägung des Wegs des Ausgleiches. Ich lasse euch meine Erfahrungen zu teil werden und ihr denkt darüber nach, kommentiert sie, stellt sie in Frage. Dadurch entspringt neues Wissen und neue Erkenntnisse.


    Ich stimme im übrigen mit euch überein, mit beiden. Wenn ihr Dormen allerdings in euren Worten Kultur mit Umwelt ersetzt, dann könnt ihr eurer Schwester Gedanken vielleicht besser verstehen.
    Kultur ist etwas was jedes Volk für sich selbst definiert, doch Umwelt ist etwas das wir kaum beeinflussen können - es sei denn wir ziehen woanders hin oder verändern sie so komplett, dass sie nicht mehr natürlich ist. Manchmal geht das aber nicht, der Underdark ist so ein Ort. Er lässt sich kaum verändern, hat aber ungeheuren Einfluss auf seine Lebewesen. Bis auf wenige Ausnahmen ist es ein ungastlicher, oft lebensgefährlicher Ort. Wer überleben will, darf keine Skrupel kennen zu tun was nötig ist, muss ausgeprägte Reflexe besitzen und seinen Instinkten vertrauen. Ein Mensch der sich in dieser Weise anpassen würde, würde in unserer vertrauten Umgebung roh, wild und agressiv wirken.


    Zuerst formt uns also unsere Umwelt - unbewusst oft aber notwendig fürs überleben. Und dann erst im zweiten Schritt beeinflusst uns die Kultur. Sie kann die Einflüsse der Umwelt unterstützen oder behindern, je nachdem wird sich diese Rasse in ihrer Umwelt besser oder schlechter behaupten können. Gegen die Kultur kann man sich entscheiden, kann darüber nachdenken - gegen seine Umwelt kann man nur schwerlich ankämpfen.


    Nehmt folgendes Gegenbeispiel. Jemand der in einem weiten friedlichen Land lebt, in einer Gemeinschaft die sich unterstützt, in der es genug zu Essen gibt. Diese Umwelt ist doch gut geeignet friedliebende Lebewesen zu beherbergen. Und wird dies vermutlich auch tun. Welchen Grund hätten sie irgend jemanden zu verdammen?


    Dann kommt dazu die Kultur - abhängig von Glauben und Gesellschaftsstruktur kann sich innerhalb kürzester Zeit aus dieser bisher friedlichen Gruppe eine sogenannte kultivierte Rasse bilden, die alles was sie nicht kennt verteufelt und ohne nachfrage tötet.


    Die Kultur der Ilythirri ist eine von den Kulturen, die ihre Umwelt unterstützt. Das Leben dieser Rasse ist ständig bedroht also werden Eigenschaften wie Stärke, Schnelligkeit, Kampfkunst als erstrebenswert angesehen. Sie bilden die Grundlage ihres Bewertungsschemas für den einzelnen. Allerdings ist ihre Kultur sehr stark geprägt von ihrem GLauben, dieser bestimmt den Tagesablauf und oftmals den Ablauf eines gesamten Lebens. Allerdings sind das nur die sichtbarsten und oberflächlichsten Ausprägungen ihrer Kultur. Darunter liegen noch weitere Schichten, die aber nur schwer für Außenstehende zu finden sind.
    Ilythirii haben wie Elfen auch einen ausprägten Sinn für Schönheit und Eleganz, sie kennen gesellschaftlichen Tanz. Nur das dabei alles zu einem Wettkampf ausartet. Diese tieferen Schichten ihrer Kultur konnte ich leider nicht kennenlernen.
    Dazu hätte ich Arach Suliss besuchen müssen, allerdings säße ich dann nicht hier und könnte euch von ihnen berichten.
    Denn so ... kommunikativ und... tolerant sich die Ilythirri hier zeigen, mit Arach Suliss hat das nichts zu tun."

  • "Habt Ihr Euch dort auch angepasst? An die Umwelt und Lebensweise im Underdark?"


    Dormen machte sich auf ihrem Sitz unbewusst ein wenig kleiner. Sie war sich nicht sicher, ob ihre Frage angemessen war.
    Sie hatte eine vage Vorstellung von dem, was Menschen verändern konnte, war sich aber nicht sicher, in welchem Ausmaß.

    "Wenn die Übernahme bestimmter ausgerpägter Verhaltensweisen wie Skrupellosigkeit und Instinkthaftigkeit nötig ist, um dort zu überleben - insbesondere wenn man so lange dort war -, wie schwer ist es, diese Verhaltensweisen, die man sich im Underdark aneignet, an der Oberfläche wieder zu unterdrücken?"


    Dann huschte ein Lächeln über ihre Lippen. Gesellschaftlicher Tanz?
    Ein paar Bilder flogen ihr durch den Kopf. Die Vorstellung wirkte fremd, aber sie gefiel ihr irgendwie.

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • "Innerhalb meiner Möglichkeiten und soweit es nötig war ja. Allerdings ist ein Jahr kaum ein Wimpernschlag und meine Anpassung betraf hauptsächlich das Leben mit dem Haus Zress. Mit Ausnahme des Kampftrainings und des Sehens im Wärmespektrum. Diese beiden Dinge sind sehr hilfreich, wenn man den Underdark bereist. Und ich habe etwas gelernt... lernen müssen .... was Soldaten meist erst in ihrem ersten wirklichen Kampf lernen.....
    Wollte man sich wirklich dem Underdark anpassen müsste man viel mehr Zeit dort verbringen. Das was ich gelernt hab, reichte um mich stärker zu machen, belastbarer aber nicht um mein Wesen zu verändern. Zumindest denke ich nicht, dass es mein Wesen verändert hat"
    Katharina grübelte kurz darüber "Es dauerte allerdings eine Weile bis ich mich wieder an helles Sonnenlicht gewöhnt hatte"

  • Dormen lächelte erleichtert. Wenn man ehrlich mit sich war, konnte man wahrscheinlich herausfinden, ob man sich im Wesen veränderte. Sie war beruhigt, dass dies wohl nicht zwangsläufig der Fall sein musste.
    Sie war sich inzwischen auch sicher, dass die Welt vielschichtiger war als es ihr auf Samar beigebracht worden war. Sie letzten zwei Jahre des zeitweiligen Herumreisens hatte ihre Augen und Ohren offener gemacht.


    "Das Sehen im Wärmespektrum? Kann man das denn lernen? Ich dachte, das wäre eine... angeborene Fähigkeit."


    Sie würde ihre Gedanken erst einmal ordnen müssen und nahm sich vor vieles genau aufschreiben, was sie gehört hatte.

    "Alle Menschen müssen sterben", meinte Boileau einst am Hofe Ludwigs XIV. Als der Sonnenkönig ihn darauf scharf ansah, korrigierte sich Boileau sofort: "Fast alle Menschen, Sire, fast alle!"

  • "Lernen im Wärmespektrum zu sehen - ja und nein. Ihr habt recht, es ist eine den Ilythirri angeborene Fähigkeit. Doch sie beschäftigen einige Rassen, die dies nicht beherrschen und Dienstboten, die ihren Weg nicht finden sind selten hilfreich. Daher nutzen sie Amulette die ihrem Träger diese Fähigkeit geben. Es reicht allerdings nicht, einfach das Amulett umzulegen. Man muss diese Art des Sehens erst trainieren. Es ist einfach... völlig anders" Katharina fiel einfach keine passende Beschreibung ein "Decke, Wände und Boden sind aus dem selben Material und deshalb kaum voneinander zu unterscheiden und doch gibt es Nuancen.. aber die wollen erstmal erkannt werden" sie stöhnte leise als sie sich an diese Tortur erinnerte, welchselte dann plötzlich Thema und Stimmung. Sie deutet auf zwei Schriftrollen, die etwas abseits auf dem Tisch lagen "Bevor ich darauf vergesse. Ich habe damals eine Arbeit über das Rechtssystem der Ilythirri geschrieben um meine Ausbildung zur Magistra abzuschliessen. Ich habe mir erlaubt für euch beide eine Kopie anzufertigen. Es wird einige eurer Fragen Dormen hoffentlich beantworten"