Nebel hält Einzug

  • Es war spät am Tag und die Dämmerung setzte bereits ein. Die wenigen Wachen hatten die Fackeln bereits entzündet, als sich zwei Gestalten auf Pferden näherten. Die Pferde waren schwer bepackt und die Gestalten trugen dicke Mäntel. Die Kapuzen waren bis tief in die Gesichter gezogen und Tücher waren vor ihren Mund gezogen. Schon von weitem fiel ein Größenunterschied auf. Der Zweite, der schräg hinter dem Ersten ritt, war auffallend klein und saß zudem gekauert und unbeholfen auf dem Reittier.

  • Da die Wachen nicht zu reagieren schienen, setzten sie ihren Weg unbeirrt fort.


    "Oh man. Hier haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns, wenn die Deppen hier irgendwann mal das bewachen sollen, was wir hier vor haben. Sturm wird das nicht erfreuen." murmelte der Größere dem kleinen zu.

  • Kurz hinter dem offenstehenden Tor waren dann doch noch ein paar Gestalten zu sehen, die hier und da ihren Aufgaben nachgingen. Ein Kerl der dem Aussehen nach ziemlich kräftig war sah auf und pfiff laut durch die Zähne, woraufhin auch andere ihre Tätigkeiten beendeten und zu den vermummten "Neulingen" sahen. Ein jüngerer Bursche nahm kurz darauf die Beine in die Hand und rannte weiter ins innere der kleinen Siedlung hinein. Die anderen hielten ihre Werkzeuge, in erster Linie langstielige Hämmer, Spaten oder Spitzhacken, parat und beobachteten die beiden Reiter sorgfältig. Keiner sprach ein Wort und dennoch lag eine seltsame Anspannung in der Luft.

  • Unsichtbar für andere musste der Große doch Grinsen. "Na geht doch... zumindest etwas Überlebensinstinkt."


    Ein Ausatmen von dem Kleinen war die Antwort, woraufhin sich der Große zu ihm Umdrehte. Er nahm das erschöpfte Kopfschütteln des Kleinen zur Kenntnis, der anfügte "Kannst du das nicht ein einziges mal ohne Provokationen klären? Ich hab Hunger und ich muss Scheißen und überhaupt tut mir der Arsch weh von dem Mist den wir die ganze Reise fressen mussten."


    Der Große schaute wieder in Richtung des Dorfes und für die Dorfbewohner war ein lautes, leicht diabolisches Lachen zu hören. Die Fremden näherten sich bis auf 20 Meter an, ehe sie die Pferde anhielten. Keiner Sprach.

  • Der kräftige Kerl sah sich die beiden auf dem Pferd genauer an und versuchte herauszufinden wie viel Gefahr von den beiden ausging. Nach kurzem Zögern sprach er sie an. "Zum Gruß, Frrremde. Man nn...nennt mich Beron und ich bin der Schmied hier im Dd...ddorf. Wer seid ihr und was wollt ihr hier?" Während er so stotterte verschränkte Beron seine muskulösen Arme, die er betont anspannte. In seinem Gürtel steckten zwei kurzstielige, schwere Hämmer und ein Messer und er ließ die Fremden nicht aus den Augen.

  • Der Große zog seine Kapuze zurück und das Tuch vom Gesicht was seine kurzen blonden Haare, sowie ein unrasiertes Gesicht zum Vorschein brachte, während der Kleine schien, als wäre er eine Statue. Weder von seinem Pferd, noch von ihm selbst ging eine Bewegung aus.


    Zum Gruße Beron, man nennt mich 'Nebel'. Er deutete auf den Kleinen. Das ist mein .... sagen wir Begleiter... er grinste ... man sagte mir, dass dieses aufstrebende Dorf auf den Namen Neu Quroi Uqe hört und ich bin einer der wenigen, die diese Worte verstehen. Von daher betrachte ich es jetzt schon als meine Heimat. Mal abgesehen davon, dass Sturm mir mitteilen ließ, dass ich endlich meinen Shebs hier hinbewegen soll.

  • Beron hörte aufmerksam zu, bis die Worte 'Nebel', Quroi Uqe und Shebs fielen. Schlagartig wurde ihm klar wer da vor ihm stand und eilig ging er auf ein Knie runter und senkte den Blick. "Mmm... Mmmu`Rai Herr 'Nebel'. Mmir wurrde berrrreits vo... von euch berichtet." Dann drehte er kurz den Kopf und rief laut "Ah ...Alii!" woraufhin sich die anderen Beobachter wieder etwas entspannten und größtenteils ihrer Arbeit nachgingen. Wieder in 'Nebels' Richtung sprach er "Www... Wie kann ich euch und eurem ...Be...Begggleiter zu diensten sein?" 

  • Überrascht sah Nebel seinen Begleiter an und grinste. Doch schon besser, als ich vermutet hätte... Sturm hat das alles gut im Griff. Mit gekonntem Rucken brachte er sein Pferd wieder in Bewegung und der Kleinere folgte. Während sie langsam auf die Anwesenden zuritten sprach er an Beron gewandt: Eine Kleine Stadtführung wäre nicht schlecht. Vor allem dürstet es mich sehr und es wird Zeit, dass der Kleine hier mal wieder eine Taverne zu sehen bekommt.

  • "Gg...gg...ganz, wie ihr wünscht." stammelte Beron und nickte mit dem Kopf. "Ssstadt...führung trifft es wohl noch nicht ganz, aa...aaber die Taverne steht zumindest schon. Nnneben de...dem H...Hhhafen und ein p...ppa...paar an...hnderen Hütten." fuhr er grinsend fort und beeilte sich in Richtung der Taverne vorweg zu eilen.

  • Wortlos schwang sich Nebel von seinem Pferd und er führte es am Strick. er versuchte gar nicht erst Beron hinterherzueilen. Der Bursche würde schon warten. Neugierig und Aufmerksam versuchte er stattdessen jede Ecke, jeden Winkel und jeden MIllimeter des Dorfes aufzusaugen und abzuspeichern. Immerhin musste er sich hier bald besser auskennen, als irgendwo sonst.

    Der kleine Begleiter blieb auf seinem Pferd, wobei man ihm die schmerzen Ansah, die es verursachte. Vermutlich sorgte er sich einfach, dass sein Rückgrat bricht, wenn er sich hinzustellen versucht.

  • In der Tata wartete der Schmied an Wegkreuzungen oder Gabelungen, um 'Nebel' und seinen Begleiter nicht abzuhängen. Hier und da wurden sie von Leuten in dem Dorf beobachtet, meist offen und neugierig, seltener hingegen misstrauisch. Da das Dorf nicht sonderlich groß war, waren sie recht zügig bei der Taverne. "Hhh...hier ist auch schon die Ttt...Taverne, H...Herr 'Nebel'. "

    Eine kleine, einstöckige Taverne aus dicken Holzstämmen wurde hinter einer Biegung sichtbar. Sie maß höchstens 27 Fuß in der Länge und 20 Fuß in der Breite (ca. 8 x 6 Meter). Lediglich die Front und die linke Seite wiesen ein paar kleine, glaslose Fenster auf, die abgesehen von der schweren Holztüre an der Stirnseite die einzigen sichtbaren Öffnungen in dem Gebäude waren. Die Sonne schien auf das Dach und die umliegende freie Fläche.


  • Nebel sah sich kurz um, um eine Stelle zu finden an der er die beiden Pferde anbinden konnte. Als er einen scheinbar geeigneten Balken erspäht, führt er das Pferd dort hin und bindet es mit einem leichten Knoten fest. Er drehte sich zu dem kleineren Mann um und grinste. Jetzt bin ich gespannt, wie lange DU wohl brauchst um da runter zu fallen. Noch bevor er ausgesprochen hatte fiel ihm der kleine scharf ins Wort Halt die Fresse! In einer unerwartet schnellen Bewegung ließ er sich nach rechts fallen und landete nach einer seitlichen Drehung tatsächlich auf den Füßen. Für einen kurzen Moment sah man in Nebels Gesichtszügen Überraschung, ehe er sich lachend zu Beron umdrehte. Er griff in einen Beutel, den er am Gürtel trug und holte eine Silbermünze heraus, die er Beron zuwarf. Das ist für dich. Könntest du dich noch drum kümmern, dass einer der Stalljungen die Pferde holt und sich um sie kümmert? Sein Tonfall überspielte die nette Ausdrucksweise und Beron sollte klar sein, dass es kein "Nein" gab.

  • Ungeschickt fing Beron die Münze auf und ließ sie in seinen Taschen verschwinden. Etwas irritiert sagte er dann "W...wie ihr ww...wwwünscht." verbeugte sich dann leicht vor 'Nebel' und seinem Gast und ging den selben Weg wieder zurück, den sie hergekommen waren. Als er wegging konnten aufmerksame Beobachter sehen, wie Beron testweise auf die Münze biss, um deren Echtheit zu testen.

  • Nebel sah Beron einen kurzen Moment kopfschüttelnd nach, nicht lange genug um das Testen der Münze zu sehen. Er drehte sich dann zur Taverne und schritt ohne auf seinen Begleiter zu achten zur Tür und schob die schwere Tür rücksichtslos auf, ehe er schnellen Schrittes eintrat.

  • Der Schankraum war nahezu leer. Abgesehen von ein paar Möbeln, Tischen und Bänken, die genauso gut in jeder anderen Taverne zu finden waren. Irgendwo aus Richtung der Küche waren ein paar Geräusche zu vernehmen, die darauf hindeuteten das doch noch Jemand da war.