ein seltsam vertrauter Anblick

  • wann: im spätsommer
    wer: jeder, der mag


    Schon recht früh am Morgen waren die Segel der drei Schiffe am Horizont erschienen. Schnell nährten sie sich der Steilküste und bald waren sie auch mit blossem Auge zu erkennen. Zwei der drei Schiffe waren den Exilanten wohl bekannt: die BEREMON und die PHOENIX, die ein beziehungsweise zwei Jahre lang die Gastfreundschaft Exilias genossen hatten. Beide Schiffe führten die Flagge mit dem kaiserlichen Adler, die BEREMON hatte zusätzlich eine Flagge mit einem schwarzen Kreuz auf weissem Grund gesetzt.
    Das dritte Schiff entsprach in der Grösse etwa der PHOENIX, war aber von modernerer Bauart und hatte höhere aufbauten. Es war Rahgetakelt und wies die für kaiserliche Schiffe typischen Topsegel auf. dieses Schiff führte eine blaue Flagge auf der ein weisser Stern über einem weissen Kreuz prangte.
    Alle drei Schiffe gingen vor den Klippen vor Anker und refften die Segel. Die BEREMON feuerte einen salutschuss und grüsste mit dreimaligem niederholen der Flagge. dann ging das mit Exilia vereinbarte signal am Mast hoch, die rot-weisse Flagge mit der ein Lotse angefordert wird.


    An Bord der BEREMON standen auf der Brücke mehrere Personen in offizieller Robe: Heinrich Rotmantel und Körthany Randokar, Vallas von Hunoldshofe, der jetzt die Rangabzeichen eines Konteradmirals trug und der nunmehr zum Kapitän beförderte Timeon. Ausser diesen stand auch Othgar in der Uniform eines Kapitänleutnants und ein weiterer Mann in einer dunkelblauen Robe auf der Brücke. Dieser ergriff als erster das Wort: "Das ist also dieses Exilia... nun ich muss sagen, jetzt, wo ich die Steilküste sehe, bin ich wirklich beeindruckt. Diese Stadt verspricht wirklich, interessant zu werden."
    "Ja, lieber Konrad, das tut sie... aber warten wir ab, wie die Exilanten uns begrüssen, ich hoffe genauso freundlich, wie sie uns verabschiedet haben." Vallas wandte sich Heinrich zu "und Ser Heinrich, froh, wieder hier zu sein?" "Es ist ein wenig wie eine Heimkehr, wenn auch meine Heimat immer der Norden der Kaiserlande sein wird."
    "Antoninos kennt das ja schon, ich frage mich, wie Kapitän Jan Antoninin das aufnimmt..." der Mann in der blauen Robe, den Vallas Konrad genannt hatte, stützte sich auf die reeling des Heckaufbaus der BEREMON. "Er wird überwältgt sein, besonders wenn er die Hafenhöhle zu Gesicht bekommt... mit etwas Pech brauchen wir für die Rückreise einen neuen Kapitän" scherzte Timeon, "Zwerge bleiben nun mal Zwerge!" worauf ein Brummen aus dem Hintergrund anzeigte, dass sich auch Karl Brunczyk in Hörweite befand.


    Kurze Zeit später kamen Lotsen an Bord, die Anker wurden gelichtet, Schaluppen als Schlepper ausgesetzt und die Schiffe setzten sich langsam und mit kleiner Beseglung in Richtung der Hafeneinfahrt in Bewegung. Es zeigte sich, dass auf allen drei Schiffen Seeleute waren, die die Einfahrt von Exilia kannten, die Lotsen waren aus purer Höflichkeit und um des Protokolls wegen angefordert worden. Zum bedauern der Schiffsoffiziere war John Barent nicht unter den Lotsen, jedoch hofften die Kaiserländer, ihn in der stadt zu treffen. Man hatte bereits von den Seeleuten der Flotte deGoas einiges erfahren, was sich in der letzten Zeit in Mythodea zugetragen hatte, jedoch waren da keine näheren Informationen zu Exilia dabei gewesen. Zwei Monate zuvor, nur etwa 2 Monate nach der Ankunft, war die generalüberholte BEREMON als Flaggschiff einer kleinen Flotte von 5 Schiffen in See gestochen, hatte sich vor den Mittellanden den Schiffen deGoas angeschlossen und war mit diesen nach Mythodea gesegelt. die Flotte hatte sich im Osten von den Schiffen deGoas, die weiter in die freyenmark segelten, getrennt und hatte das Nordostkap weiträumig umrundet. Kurz hinter dem Kap hatten sich die Korvette WISSEMARA und die Kraweele des Tempelherrenordens SANKT JAKOB VON MYRNA von der Flotte getrennt, um Katzhafen anzulaufen, während die BEREMON, die PHOENIX, die jetzt als Auxilliarschiff klasifiziert war und die Gildegalease WULFERICA VII nach Exilia weitergesegelt waren.


    An Bord der BEREMON befanden sich neben Konteradmiral Vallas von Hunoldshove, Kapitänleutnant Timeon, Leutnant Karl Brunczyk und Kadett Janus Lucian auch Ser Heinrich Rotmantel, Ser Körthany Randokar und der Gildediplomat Ser Konrad von Buschhausen, zudem die volle Besatzung von 32 Mann, die meisten davon waren bereits bei der letzten Mythodeafahrt dabei gewesen.
    An Bord der PHOENIX befand sich Kapitän Antoninos Thalassonikes, Kapitänleutnant Othgar (der sich aber in diesem Moment an Bord der BEREMON befindet), Leutnant Johannes Küster, Bruder Ignatz und Wilric, der inzwischen auch im Kapitänsrang zum Flottenzahlmeister aufgestiegen war sowie 24 weitere Seeleute
    An Bord der WULFERICA VII befinden sich der zwergische Kapitän Jan Antoninin, Kapitänleutnant Inuk, der in Ozam Har'ol zur Besatzung der PHOENIX gestossen war, Leutnant Liam Amaleon, ein Inselelb von den Schicksalsinseln und der Gildeolderman Ihlerich von Rabenburg. Die Besatzung des schnellen Handelsschiffs bestand aus 15 Mann.

  • Natürlich waren die Schiffe der Kaiserländer schon von Weitem gesehen und auch recht schnell erkannt worden. Die Nachricht, dass die Kaiserländer zurückkehrten und das so unerwartet früh, verbreitete sich in Windeseile in der Stadt. Die meisten Bewohner Exilias hatten ihr Tagewerk bereits vollendet und so strömten sie in großer Zahl auf die Promenade der Unsterblichen, um die Einfahrt der Schiffe zu beobachten. Andere eilten hinunter zum Hafen um die Kaiserländer dort zu begrüßen. Nicht wenige von jenen hofften auch darauf, an Bord der Schiffe auch den ein oder anderen Exilanten zu finden, Freunde, die sie seit einigen Monaten nicht gesehen hatten.


    Als die Schiffe der Kaiserländer einliefen, waren überall an den Kais Bewohner der Stadt zu sehen, die ihnen zuwinkten oder einfach breit grinsend ihre Ankunft beobachteten. Die Lotsen holten die Lampen ein, die sie über die Bordwände der drei Schiffe gehängt hatten und dirigierten sie an die ihnen zugewiesenen Plätze. Dies nahm ein wenig Zeit in Anspruch, denn fast alle verbliebenen Liegeplätze wurden dafür in Beschlag genommen. Die WULFERICA VII wurde vor dem Kontor der Mitrasperianischen Hanse vertäut, die BEREMON und die PHÖNIX jeweils rechts und links daneben. Vor der BEREMON lag die inzwischen wieder vollständig instand gesetzte Siegberts Gabe, im Hafen waren aber noch ein paar weitere größere Schiffe zu sehen, manche davon wirkten sehr neu.


    John Barent hatte seine Schicht bereits beendet und war daher nicht Teil der Besatzung des Lotsenschiffes gewesen, doch gesellte er sich zu dem Empfangskomitee, dass sich vor dem Bug der BEREMON versammelt hatte. Sein bärtiges und wettergezeichnetes Gesicht strahlte den Kaiserländern in Vorfreude auf das bevorstehende Wiedersehen mit seinen alten Zechkumpanen über Namu Mananans Schulter hinweg entgegen. Die Hafenmeisterin stand breitbeinig am Kai. Hinter ihr hatten sich neben John auch noch Hetzbold van Grimmich (der zufällig irgendwelchen Geschäften im Hafen nachging, als die Nachricht von der Ankunft der Kaiserländer eintraf und der als einziger in der gesamten Versammlung den Eindruck erweckte, nur aus Pflichtgefühl dort zu sein- wobei ihm vermutlich niemend unterstellt hätte, überhaupt ein solches zu besitzen) und Av’Sha, die hochgewachsene Frau mit dem strengen Blick und dem gehörnten Haupt, die zwar oft mit mehr Aufgaben betraut zu sein schien, als sie leisten konnte, ohne die Exilia aber bei weitem nicht so gut funktionieren würde, sowie ein paar weitere Exilanten, die die Kaiserländer höchstens vom Sehen kannten und die teilweise Mitarbeiter der Hafenmeisterei oder der Bibliothek sein mochten, und zwei Dutzend Soldaten, von denen die Hälfte die schimmernden Rüstungen der Kavallerie trugen, versammelt. Mit ein wenig Abstand sammelten sich die übrigen Exilanten um diese Gruppe und alle blickten zur Reling empor. Als einem Landgang kaum noch etwas entgegenstand, wandte sich Namu an das versammelte Volk und rief „Exilia!“. „PREIS UND EHR!“ schallte ihr es laut und vielstimmig entgegen. Der Schall wurde von den Wänden der großen Höhle zurückgeworfen und schien den gesamten Raum zu füllen. Dann warteten alle gespannt darauf, dass die Kaiserländer ihre Schiffe verlassen würden.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Wie man es kannte, gingen bis auf den jeweiligen Wachhabenden mit den Lotsen zunächst die Offiziere von Bord, während die Mannschaften die Schiffe erst hafenfein machten. Dem aufmerksamen Beobachter fiel auf, dass das auf dem Gildeschiff genauso professionell und eingespielt vonstatten ging, wie auf den beiden Schiffen der kaiserlichen Flotte. Das ging aber auch recht schnell vonstatten.


    Unterdessen trafen die Offiziere gemeinsam bei den Offiziellen Exilias ein und begrüssten diese herzlich, besonders John Barent, mit dem die Offiziere, die bei der ersten Reise dabei gewesen waren, eine tiefe Freundschaft verband.


    Nach der Begrüssung ergriff Heinrich, der bereits bei der ersten Reise Wortführer der Kaiserländer gewesen war, das Wort: "Es ist uns eine Ehre, wieder hier sein zu dürfen. Die zuständigen Stellen in unserer Heimat zeigten suich hocherfreut über die Entwicklung und haben uns damit beauftragt, die Kontakte voranzutreiben und ein Handelsabkommen zwischen dem Kaiserreich und Exilia herbeizuführen. Wir profitierten freilich auch von dem Bündnis zwischen Aldaria und dem Tempelherrenorden, hat doch letzterer diese Reise mitfinanziert.
    Aber damit hat es keine Eile, jetzt ist erstmal Erholung von der Reise angesagt. Hafenmeisterin Mananan, Frau Av'Sha, Herr van Grimmich, ich nehme an, Ihr werden nicht die Zeit haben, uns auf einem Rundgang durch die Stadt zu begleiten, aber John, Sie leisten uns doch Sicher Gesellschaft, oder?"

    Vallas hatte sich inzwischen zur Hafenmeisterin durchgeschoben und sagte leiser zu ihr: "Ich denke, wir sollten die Formalitäten gleich klären." Damit gab er ihr eine Rolle mit Dokumenten und einen Beutel mit Münzen. "Wie gewohnt bezahlen wir die Liegegebühren in bar und im Voraus. Die Quittung hole ich bei Gelegenheit im Büro ab. Bei den Anmeldepapieren sind auch Abschriften der Messbriefe der Schiffe dabei. Wird die Hansepier benötigt, lasst die Schiffe einfach als Packet festmachen." (wenn Namu auf die Unterlagen schaut wird sie feststellen, dass Vallas alles soweit vorbereitet hat, dass nur die Eckdaten noch ins Hafenbuch eingetragen werden müssen. Minimaler Aufwand für die Hafenmeisterin)
    während die Gruppe Offiziere, begleitet von John Barent auf den Tunnel zur Stadt zuhält, hört man Randokar "... wollen wir doch mal sehn, was sich inzwischen hier getan hat..."


    Nach etwa einer halben Stunde waren die drei Schiffe fertig vertäut, die Decks aufgeräumt, die Takelagen klar und die besatzungen bereit zum Landgang. Wenig später waren nur noch die eingeteilten Wachen an Bord, während die Seeleute sich mit dem noch immer im Hafen befindlichen Volk mischten. Bald sah man in Exilia überall Uniformen der kaiserlichen Flotte
    und der Gilde.

  • „Korrekt und gut vorbereitet, wie üblich, Vallas“, antwortete Nammu, nachdem sie die Dokumentetnrolle und den Beutel mit Münzen entgegengenommen und einen kurzen Blick auf die Unterlagen geworfen hatte. “Das lob’ ich mir!“ Auch dass sie nicht darauf hinweisen musste, dass die Schiffe möglicherweise ins Paket gelegt werden mussten, schien sie zu freuen. Dann reichte sie beides an einen der hinter ihr stehenden Schreiber weiter. „Kommt in den nächsten Tagen in die Meisterei, dann erledigen wir die weiteren Formalien.“
    Als Heinrich geendet hatte, war es ebenfalls sie, die das Wort ergriff: „Euch auf einem Rundgang zu begleiten, steht uns zwar im Augenblick nicht frei und Barent wird euch ein guter Führer sein, doch werden euch Av’ Sha und ich, sowie der Großteil dieser Herren“, an dieser Stelle machte sie kleine Geste in Richtung der Schreiber und Kavalleriesoldaten, die offenbar eine Art Ehrengarde darstellten,“wenigstens hoch in die Stadt begleiten. Ich muss dem Protektor Bericht erstatten und gebe zu, dass ich nicht wenig neugierig bin, zu erfahren, wie es euch ergangen ist.“ An dieser Stelle fing sie einen stummen Blick Av’Shas auf und fügte hinzu: „Zuvor möchte ich aber die Einladung an die Besatzungen übermitteln, dem Volk Exilias heute Abend in der Großen Halle zur Abendspeise Gesellschaft zu leisten. Vielleicht wird es kein großes Fest, aber bei guter Exilianischer Küchenkunst und am warmem Feuer in der Halle wird die beste Gelegenheit sein, Geschichten auszutauschen und alte Bekannte und Freunde zu treffen. Die Herren Offiziere, Ritter, Kapitäne und jeder den Ihr, Heinrich, für würdig erachtet, sind zugleich eingeladen, heute Abend mit dem Protektor in dessen Amtsräumen zu speisen. Ich bin mir sicher, auch er wird Euren Berichten und Vorschlägen mit Freuden ein Ohr schenken.“


    Als sich die Gruppe in Bewegung gesetzt hatte, erklärte sie noch: „Ihr habt Glück, ihn überhaupt schon wieder hier anzutreffen. Der Protektor ist erst vor Kurzem vom Sommerfeldzug heimgekehrt. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass Ihr, während die Schiffsbesatzungen auf den Schiffen nächtigen, eure Unterkunft wie beim letzten Mal im Gasthaus zum Grünen Graben beziehen wollt. Im Augenblick dürften dort ausreichend freie Zimmer zur Verfügung stehen, anderenfalls findet sich auch dafür Lösung."


    Während sie empor stiegen, passierten sie mehrere Durchgänge, von denen die Kaiserländer, die Exilia bereits besucht hatten, wussten, dass sie zu den unterirdischen Getreidefeldern führten, auf denen die Exilanten den Duronius-Weizen zogen. Sie hatten schon etliche Windungen des langen Tunnels erklommen, als sie an einem recht neuen Durchgang vorbeikamen, aus dem Feuerschein und das emsige Hacken mehrerer Beile auf Holz zu hören waren, doch keiner der Exilanten kommentierte das. Kurz darauf hörten sie das Mahlen der Mühlsteine und schließlich erreichten sie die bewohnten Ebenen der Unterstadt, in deren verwinkelten, doch hervorragend ausgebauten Gängen und Höhlen die Heimat der meisten Zwerge, Drows und anderer die Dunkelheit und Tiefe vorziehenden Bewohner Exilias lag. Sie waren nun nur noch wenige Meter unter der Oberfläche und standen kurz darauf im hellen Sonnenlicht auf dem Platz zwischen Großer Halle und großem Markt. Sofort erfasste sie der ewige Atem Aeris, der nahezu ununterbrochen über das Plateau toste. Av’Sha und Mananan verabschiedeten sich (van Grimmich war verschwunden, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre) und gingen in Richtung Großer Halle davon. Ihnen folgten drei Schreiber und auch die Kavalleristen marschierten, nachdem sie sich abgemeldet hatten, in Richtung Kaserne davon.
    John Barent beschloss, die Kaiserländer zunächst ins nahe Zum Grünen Graben zu führen. Die Wirtin würde sich sicher auch freuen, ihre Dauergäste wiederzusehen und sie bestimmt auch mit einem starken und wärmenden Getränk willkommen heißen, ehe er sich mit ihnen aufmachte, die Veränderungen der Stadt zu erkunden und die letzten Ereignisse, soweit er von ihnen wusste, zu erörtern. Vielleicht würde sie ja sogar eine Flasche Löwenrum aus dem Keller holen- wenn man besonders freundlich war, konnte sie bisweilen sehr großzügig sein.



    Als sich am Abend das Volk Exilias in der großen Halle versammelte und sich die verlockendsten Düfte aus der Küche mit den Geruch der Holzfeuer unter der großen Kuppel mischten, stiegen die ausgewählten Kaiserländer zu den Amtsräumen des Protektors hinauf. Da sie geladene Gäste waren, ließ man sie nahezu ohne Wartezeit ein. Im Inneren fanden sie sich in dem selben großen Raum mit dem breiten Balkon, von dem aus man auf die Promenade der Unsterblichen hinabblicken konnte, in dem sie der Protektor schon einmal empfangen hatte wieder. Das Mobiliar hatte sich dem Anlass entsprechend ein wenig geändert: In der Mitte des kleinen Saals war nun eine elliptisch-ringförmige Tafel aufgebaut, der Thron des Protektors stand an der nördlichen Breitseite. Sie war erleuchtet durch dutzende Kerzen in silbernen Kandelabern. Von der Decke hingen Kohlepfannen und auch in der Mitte der Tafel und überall sonst waren ebensolche im Raum verteilt, sodass es trotz der geöffneten Vorhänge des Balkons angenehm warm war. In einer Ecke saß ein Barde und spielte leise auf einem Saiteninstrument. Neben dem Protektor waren noch einige andere Exilanten anwesend: Der Hauptmann, Cubitor Gräfalk, hatte wohl einen seiner besseren Tage und stand neben Lucanica Avia in Proelio, der Kommandantin der Larkkavallerie. Auch vier Zunftmeister, Thogrimm Himmelszorn, Zirombil Baltásar, Ogor Sternack und Gerd Zuckerbohne (wo sich Hetzbold van Grimmich herumtrieb, wusste offenbar niemand), Nammu Mananan, Siegbert aus der alten Welt und Dorna Torastochter, eine gut gekleidete junge Zwergin, hatten sich um den Protektor gruppiert.
    Dieser erhob sich, als die Kaiserländer eintraten und ging ihnen ein kleines Stück entgegen. „Willkommen in Exilia, Freunde und ehrenwerte Gäste von weit her, die ihr so unverhofft früh den Weg zurück zu uns gefunden habt!“, sagte er und lud sie, nachdem sich alle Anwesenden vorgestellt und begrüßt hatten, ein, sich zu setzen. Dem darauf achtenden Beobachter mochte als sich alle gesetzt hatten auffallen, dass sich die Exilanten so sehr unter die Kaiserländer gemischt hatten, wie es ihnen möglich war. Kaum einer von ihnen saß nicht zwischen zwei Kaiserländern. Nur Cubitor Gräfalk und Lucanica hatten nebeneinander Platz genommen und der Zwergin war der Platz zur Linken des Protektors zugeteilt worden. Zu seiner Rechten bat er Heinrich, der sich zuletzt stets als Wortführer der Kaiserländer hervorgetan hatte, Platz zu nehmen. Die ersten Speisen wurden aufgetragen und es versprach ein vergnüglicher Abend zu werden.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

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  • Im Saal des Protektors waren erschienen: Ser Heinrich Rotmantel, Ser Körthany Randokar, Ser Konrad von Buschhausen sowie Ihlerich von Rabenburg, alle in ihre Amtsroben gekleidet. Heinrich und Konrad trugen zudem goldgelbe Wämser mit einem aufgestickten kaiserlichen Adler, die Tracht eines Botschafters. Natürlich trugen sie alle ihre Amtsketten. Ausserdem wurden sie von Admiral Vallas von Hunoldshove sowie den Kapitänen Timeon, Antoninos Thalassonikes, Jan Antoninin und Willric begleitet. Diese trugen ihre Ausgehuniformen. Schliesslich begleitete auch Bruder Ignatz die Kaiserländer, in seine schlichte aber edle, graue, wollene Mönchskutte gekleidet und ein frech grinsender Tobi, der den Wappenrock des Hauses Körthany mit der goldenen Spottdrossel über seiner dunkelblauen Cotte trug.


    Heinrich ergriff das Wort, noch bevor die Gesellschaft sich setzte: "Ich danke für die Einladung, Protektor Camdagnir, und freue mich wieder hier zu sein. Zwar wird mein Besuch diesmal nicht so lange währen wie das letzte Mal, dafür bin ich in offizieller Mission hier. Ich überbringe die Grüsse Seiner Majestät, Ser Karl IX aus dem Hause Habichtsburg, Kaiser des Heiligen Reiches an Protektor Camdagnir und ganz Exilia." Hernach ergriff Konrad das Wort "Ich überbringe die Grüsse der Handelsgilde und ihres Gildemeisters Wulferich des IV. Auch ich freue mich, hier sein zu dürfen und danke für die Einladung." Vallas, der dem Protokoll nach auch hätte etwas sagen können, enthielt sich, schliesslich hatte er von niemandem zu grüssen und es war alles bereits gesagt worden.
    Während des Essens wurden eher belanglose Themen besprochen, wie die Dinge, die sich in Exilia getan hatten, Deteils zur Reise der Schiffe nach den Kaiserlanden und zurück, Geschichten über die anwesenden (und auch über die eine oder andere abwesende) Personen und andere Dinge. Dem Protektor wurden als Gastgeschenk mehrere wertvolle Bücher, darunter eines über Festungsbau und Fortifikation von Städten, ein anderes über die Heilflora, überreicht. Hernach zauberte Randokar aus der von Tobi mitgebrachten Tasche noch zwei Flaschen eines sehr edlen aber hochprozentigen Getränks hervor, von denen eine sofort geöffnet wurde, die andere Galwine übergeben wurde. Das Getränk, so erklärte Timeon, werde auf den Schicksalsinseln hergestellt und Uiscebeatha genannt, was soviel wie Wasser des Lebens bedeutet.


    "Werter Protektor", sagte Heinrich schlieslich, "Ich danke, auch im Namen meiner Begleiter, für die Einladung. Ich bitte Euch jedoch, mir mitzuteilen, wann wir im kleinen Kreise über die offiziellen Themen meines Besuches reden können. Politik ist nichts, was man in gemütlicher Runde mit Freunden bespricht, es ist harte Arbeit."
    Hernach baten die kaiserländer, sich zu den Bewohnern Exilias und den Seeleuten in die Halle begen zu dürfen, um dem Tag dort ausklingen zu lassen.


    Wie bereits beim letzten Mal hatten Heinrich und Randokar sowie die beiden Gildeherren im Grünen Graben Quartier genommen. Die Offiziere, für die der Platz eng geworden wäre, blieben zunächst an Bord der Schiffe, während manch ein Seemann die Nächte bei Freunden in der Stadt verbringen würde.

  • Die Bücher, die Galwine zum Geschenk erhielt, stießen bei ihm auf großes Interesse und er freute sich sichtlich. Als ihm aber Randokar die Flasche mit dem „Wasser des Lebens“ überreichte,zogen sich seine Augenbrauen ein wenig zusammen und sein Gesichtsausdruck wurde für einen Augenblick starr. Es war als hätte ihn eine schlechte Erinnerung überkommen. Schnell hatte er sich jedoch wieder gefangen und nahm die Flasche mit den gebührenden Gesten der Dankbarkeit entgegen. Als die zweite Flasche geöffnet wurde und auch die Kaiserländer dem Getränk großzügig zusprachen, gab er sich einen Ruck, ließ sich ebenfalls einschenken und genoss den herben Geschmack. Die zweite Flasche aber ließ er vorerst nicht öffnen, sondern übergab sie, als sich die Gespräche wieder anderen Themen zugewandt hatten, Dorna, die sie stumm entgegennahm, mit ihr im hinteren Bereich des Saales verschwand und kurz darauf mit leeren Händen zurückkehrte.


    Mochte Galwine anderer Meinung sein, so ließ er es sich zumindest nicht anmerken und antwortete Heinrich, als dieser seine Bitte vorgetragen hatte: „Dann sollten wir zusehen, dass wir sie schnellstmöglich erledigen! Ihr könnt schon morgen bei mir vorsprechen. Meldet euch zur zehnten Stunde des Morgens bei Av’ Sha oder, sollte sie gerade anderweitig beschäftigt sein, bei den Wachen vor meiner Tür.“

    Nachdem Galwine das Essen für beendet erklärt und die Gäste entlassen hatte, begleiteten die Exiliaten die Kaiserländer nach unten in die Große Halle und mischten sich gemeinsam mit ihnen unter das Volk. Lediglich Theodor Gräfalk und Lucanica Avia in Proelio blieben beim Protektor zurück. Einige Zeit später, als die Feuer schon teilweise heruntergebrannt waren und sich manche bereits zur Ruhe begeben hatten erschien auch Galwine in der Großen Halle, begleitet von Lucanica und beide setzten sich zu einer Gruppe Exilanten und Kaiserländer, die dem Met und Wein nicht im Übermaß zugesprochen zu haben schien.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Pünktlich zur zehnten Stunde erschienen Ser Heinrich Rotmantel und Ser Konrad von Buschhausen in Begleitung von Tobi in den Räumlichkeiten des Protektors. Tobi hatte eine grosse Tasche mit Papieren und eine Schreibertasche dabei, auch Heinrich und Konrad trugen Mappen mit diversen Schriftstücken bei sich. Sie wurden sofort zu Galwine vorgelassen und von diesem begrüsst.


    "Gut, kommen wir zum Wesentlichen." Heinrich legte Galwine drei Briefe vor, an denen wichtig aussehende Siegel hingen, "Hier sind die Schreiben der kaiserlichen Kanzlei, der Handelsgilde und der Empfehlungsbrief von Herzog Maximilian von Habichtsburg, des Neffen des Kaisers, der ihn in dieser Angelegenheit vertritt."


    Auch Konrad legte dem Protektor zwei Briefe vor: "Ich ergänze dazu das Schreiben des Gildemeisters und des Gildekonvents."


    (Die vorgelegten Schreiben waren diplomatisch-blumig formuliert, von den betreffenden Institutionen und Personen unterzeichnet und ansonsten weitgehend inhaltsgleich: Sie brachten den Wunsch nach einer dauerhaften Handelsniederlassung der Gilde sowie einer kaiserlichen Gesandtschaft in Exilia und der Entsendung eines Exilischen Gesandten in die Kaiserstadt zum Ausdruck.)


    "Nun muss dieses Vorhaben natürlich vertraglich geregelt werden, dazu sind wir hier. Ich bin in dieser Angelegenheit befugt, für den Kaiser zu sprechen, Konrad vertritt vollberechtigt die Gilde. Wir haben bereits einiges vorbereitet, aber sagt bitte erst, was ist Eure Position in dieser Sache, werter Protektor."

  • Sie befanden sich im gleichen Saal, wie am Abend zuvor. Die große Tafel war verschwunden, stattdessen stand Galwines Schreibtisch wieder an dem Platz, an dem ihn Heinrich bei den letzten Audienzen gesehen hatte. Dieses mal lagen jedoch keine Dokumente und unterlagen darauf, lediglich die Bücher, die die Kaiserländer am gestrigen Tag als Gastgeschenke übergeben hatten, stapelten sich am südlichen Ende. Auf ihnen thronte eine kleine silberne Schildkröte. Auch Dorna war wieder zugegen. Sie saß an der nördlichen Stirnseite des Tisches an einem transportablen Schreibpult, das sie auf seine Oberfläche gesetzt hatte. Von den Wachen, die sich kaum wahrnehmbar im Hintergrund hielten, abgesehen, waren sie und Galwine die einzigen Exilanten im Raum. Nach der Begrüßung hatte Galwine sich an den Tisch gesetzt und die Kaiserländer eingeladen, auf den Stühlen Platz zu nehmen, die ihm gegenüber standen. Insbesondere in Tobis Richtung hatte er einseinladende Geste gemacht, sich nicht zu scheuen, bei Bedarf für seine Schreibertätigkeit auch Platz auf dem Tisch in Anspruch zu nehmen.


    Galwine las die Briefe sorgfältig und in Ruhe und reichte sie einen nach dem anderen an Dorna weiter, die sie ebenfalls aufmerksam studierte.


    Als Heinrich geendet hatte, legte Galwine einen Moment die Fingerkuppen aneinander, blickte auf seine Hände hinab. Zwar konnte er wertschätzen, dass die Kaiserländer die bevorstehenden Verhandlungen rasch und effizient hinter sich bringen wollten, doch hatte er bisher mit Bedacht und Geduld stets -oder wenigstens fast immer (für einen Moment blitzte vor seinem inneren Auge das Bild eines Boten auf, den festzusetzen er sich nicht schnell genug hatte entschließen können, was ihm und einigen anderen einige Umstände bereitet hatte, aber dieses Bild war genauso schnell wieder verschwunden und seine Konzentration lag ungebrochen auf der Unterredung)- die besten Resultate erzielt. Er hob den Blick.
    „Grundsätzlich bin ich den hier formulierten Vorschlägen und Wünschen nicht abgeneigt. Allerdings geht es hier nach meiner Auffassung um drei von einander weitgehend unabhängige Komplexe. Jeder von ihnen ruft eine Vielzahl von Fragen hervor, die beantwortet werden müssen, ehe ich soweit ginge, mich zu positionieren.
    Die Eröffnung eines Handelspostens,
    die Eröffnung einer Gesandtschaft und
    die Entsendung eines Botschafters.
    Natürlich ist nicht auszuschließen, dass wir für alles eine Lösung finden, die alle drei Komplexe vereint und zu der ich dann eine übergreifende Position beziehe.


    Tragt Eure Vorschläge vor!
    Mich interessiert vor allem, was genau Ihr mit diesen Einrichtungen jeweils bezweckt und erwartet. Zwar kann ich mir auf das Meiste einen Reim machen, doch Vermutungen sind keine gute Grundlage für einen Vertrag, daher möchte ich es von Euch formuliert hören. Anschließend werden wir sehen, ob sich Eure Vorstellungen mit den von mir erwarteten Rahmenbedingungen vereinen lassen."

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "Nun wie ihr schon sagtet, sollten wir die drei Themen gesondert behandeln. Unsere Intentionen an sich sind sind recht schnell erklärt. Konrad?"
    "Nun, an dem Handelsposten ist vor allem die Gilde interessiert. Wir würden Waren aus den Kaiserlanden hier her bringenund dann von Exilia aus auf die Märkte Mythodeas verteilen. Zugleich würden wir hier Waren einkaufen und in die Kaiserlande verbringen. Mit dem Handel kann viel Geld erwirtschaftet werden, von dem Exilia einen Teil in Gestalt von Steuern abbekommen würde. Der Posten würde die Gestalt eines Hanelshauses haben, idealerweise in der Stadt. Man kann das natürlich mit der kaiserlichen Botschaft verbinden, aber das muss nicht sein."
    "Die Funktion der Gesandtschaft hingegen wäre eine diplomatische. Personen, die aus welchem Grunde auch immer in die Kaiserlande reisen wollen, könnten da eine Anlaufstelle finden. zugleich würde sie die Funktion einer Poststelle haben, die BVriefe und Nachrichten aus Mythodea in die Kaiserlande und umgekehrt weiterleiten würde. Nicht zuletzt würde ein kaiserliches Schiff, wahrscheinlich die PHOENIX, zur Unterstützung abgestellt und damit dauerhaft in Exilia, auch zum Schutz der Stadt, zur Verfügung stehen. Natürlich dient auch das alles dem Handel, aber nun ja..." erklärte Heinrich, "Was den Botschafter angeht, der hätte die selbe Funktion in den Kaiserlanden und wäre dort eine Anlaufstelle für Personen, die nach Mythodea reisen oder als Sieder hier her ziehen würden. Damit wäre Exilia auch der Ort, an dem sich vieles diplomatisch zwischen dem Kaiserreich und den Ländern Mythodeas abspielt, und Ihr wisst ja, Diplomaten bringen Geld mit, das sie ausgeben um standesgemäss zu residieren und standesgemäss zu tafeln. Geld das sie in Exilia ausgeben."

  • „Gut, ich denke, wir werden uns in den Grundzügen ziemlich schnell einig sein. Mir war wichtig, dass es sich bei der Handelsniederlassung nicht bloß um ein Lager bzw. einen Laden handelt, dessen Zweck es ist, Waren in Exilia zu verkaufen. Ich möchte, dass euch klar ist, dass ich keinen unkontrollierten Handel innerhalb des Protektorats dulde. Das bedeutet, als Handelspartner in größerem Stil kommt in Exilia nur das Protektorat Exilia, nicht aber seine Bürger in Betracht. In überschaubaren Mengen und zu vernünftigen Preisen werde ich kaiserliche Waren auf dem exilianischen Markt gerne als Bereicherung ansehen, ich werde aber nicht zögern, diese Berechtigung einzuschränken, sollte es mir sinnvoll erscheinen. Da euer Handelsposten einen anderen Zweck erfüllt, sollte euch das nicht stören. Darüber hinaus muss klar sein, dass für alle Personen und Güter innerhalb Exilias exilianisches Recht gilt, was in diesem Fall vor allem bedeutet, dass alle in dem Handelsposten umgeschlagenen und über Exilia verschifften Güter legal sein müssen- im Augenblick schränkt das hauptsächlich den Handel mit Tirolit ein- und ich halte euch für vernünftig genug, das zu beherzigen. Wenn ihr Sklaven verschifft, erwarte ich, dass zuvor mit mir Rücksprache gehalten wird.
    Zwar wäre es nicht weiter schwer, ein geeignetes Gebäude in der Stadt aufzutreiben, doch halte ich eine Niederlassung am Hafen ähnlich jener der Mitrasperianischen Hanse und in deren unmittelbarer Nähe für deutlich sinnvoller. Ihr könntet die Waren dort unmittelbar umschlagen, ohne erst den beschwerlichen Weg hinauf in die Stadt bewältigen zu müssen und für Nammu Mananan, die die Kontrolle und Registrierung der Waren übernehmen wird, wäre es ebenfalls eine Erleichterung. Mir schwebt vor, der Gilde dieses Gebäude zu verpachten, wobei die Pacht anteilig auf die Abgabe der umgeschlagenen Waren angerechnet wird. Aufgrund der Verhältnisse in unserem Hafen kann ich euch keinen dauerhaft freien Platz am Kai einräumen, über ein gewisses Vorzugsrecht für eure Schiffe ließe sich verhandeln, wobei ich dem in der Praxis wenig Bedeutung beimesse. Ihr, Heinrich, habt oft genug beobachtet, wie problemlos sich diese Frage bei der Mitrasperianischen Hanse lösen lässt und ich bin zuversichtlich, dass sich das auch für eure Schiffe umsetzen lässt. Eine Liegegebühr für alle ankernden Schiffe werde ich dennoch erheben müssen- auf diese Weise stelle ich sicher, dass unsere begrenzten Liegeplätze nicht über Gebühr beansprucht werden.
    Der Zugang zum Hafen und zur Stadt wird für die Angehörigen der Handelsniederlassung nicht anders beschränkt sein, als für die Exilanten, ihr werdet euch daher darauf einstellen müssen, dass Warenlieferungen nach dem Schließen der Tore des abends möglicherweise nicht mehr in die Stadt gelassen werden und natürlich hafte ich nicht für mögliche Handelsausfälle im Kriegsfall- allerdings scheint der Norden im Moment eine Phase des relativen Friedens zu erleben und Exilia wurde noch nie belagert, während wir für diesen Fall von Tag zu Tag besser gerüstet sind.
    Die Offene Frage der Höhe der Pacht hängt natürlich hauptsächlich davon ab, wie groß ihr diese Handelsniederlassung gestalten wollt. Die Mitrasperianische Hanse hat auf dem ihr zur Verfügung stehenden Gelände ausreichend Platz, um die Kapazität eines mittleren Handelsschiffes umzuschlagen. An welche Größenordnung habt ihr gedacht?“


    Galwine schien einen Moment zu überlegen, dann fuhr er fort:
    „Außerdem bleibt die Frage des rechtlichen Status’ eurer Angestellten in dem Kontor: natürlich müssen sie sich alle der exiliansichen Rechtsprechung beugen, daran führt kein Weg vorbei. Exilia versorgt alle seine Bewohner mit Unterkunft, Verpflegung und allem, was sonst zum Grundbedarf gehört. Im Gegenzug stellt jeder Exilant dem Protektorat seine Arbeitskraft zur Verfügung. Daneben sieht die Apokrypha Exiliae die Möglichkeit vor, auch jenen Zuflucht zu gewähren, die nicht in der Lage oder Willens sind, sich mit ihrer Arbeitskraft in den Dienst des Protektorats zu stellen, wenn sie stattdessen mit pekuniären Mitteln für Ausgleich sorgen. Für alle Kaiserländer, die in dem Handelshaus arbeiten werden, möchte ich diese Möglichkeit zur Anwendung bringen. Darüber hinaus bestünde allerdings auch die Möglichkeit, die dort Tätigen zu Exilanten zu machen, die dann gegen ein Entgelt im Handelshaus zur Arbeit eingeteilt werden. Vor dem gleichen Hintergrund könnte ich auch die Bücklinge bei Bedarf zur Arbeit dort einteilen, wenn ein Schiff be- und entladen werden muss und um entsprechende Unterstützung gebeten wird.


    Um diese Dinge tatsächlich ein wenig voneinander zu trennen, werde ich meine Äußerungen zu einer möglichen Gesandtschaft vorerst zurückhalten.“

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Konrad antwortete sofort: "Gut, beginnen wir mit dem Handelsposten. Was den Direktverkauf angeht, den legen wir vertrauensvoll in die Hände Exilias, da der Einzelhandel hier zentral verwaltet wird, wäre es Unsinn selbst etwas aufzuziehen. wir würden also nur mit Grosshändlern handeln, die die Ware weitertransportieren und eben mit der Stadt Exilia selbst.
    Was Handelseinschränkungen von Waren betrifft, da wird uns sicher jemand eine Liste zusammenstellen können, was nicht und was nur unter Auflagen gehandelt werden kann. Da sowohl im Kaiserreich als auch in kaiserlichen Niederlassungen der Handel mit Sklaven verboten ist, wird es da auch keine Probleme geben. Wir stellen unsererseits eine Liste der Waren zusammen, die nach kaiserlichem Recht nicht oder nur eingeschränkt gehandelt werden dürfen, denn auch an kaiserliches Recht müssen wir uns hier halten.
    Was ein geeignetes Gebäude betrifft, so ist uns Euer Vorschlag recht. Wir können in den nächsten Tagen geeignete Räumlichkeiten besichtigen. Auch über den Pachtzins werden wir uns schon einig. Was die Grösse der Niederlassung angeht, ich denke, bei Bedarf werden sich Möglichkeiten finden, diese zu erweitern."
    Heinrich gab hinzu: "Was die Liegeplätze angeht, bisher sind wir uns mit der Hanse immer irgendwie einig geworden, das sollte auch in Zukunft funktionieren, zumal die Gilde die Liegezeiten von Gildeschiffen sowiso möglichst kurz hält. Und Hafengebühren, nun, das kennen wir ja schon, die werden wie gehabt in bar bezahlt."
    "Was die Grösse angeht," setzte Konrad fort, "so werden wir zunächst mit einzelnen Schiffen beginnen, die Gildeschiffe sind alle etwa gleich gross, Ihr könnt die WULFERICA VII als Beispiel nehmen."
    "Die Gildekoggen entsprechen in der Ladekapazit etwa den mittleren Schiffen der Hanse, die Exilia für gewöhnlich anlaufen. Die berechnete Reisezeit auf der deGoa-Route beträgt etwa 6-8 Wochen, bei einem Einsatz von 4 Gildeschiffen wäre das ein Anlauf pro Monat."ergänzte Heinrich.
    "Bleibt nur die Frage nach dem Status, Heinrich?"
    "Nun, in den Kaiserlanden gilt generell 'wessen Land, dessen Recht' also ist in Exilia auch nach kaiserlichem Recht primär das Recht der Stadt Exilia anwendbar. Zum Recht kommen wir aber später noch. Was die Arbeitskräfte angeht, da dachten wir, wäre es das sinnvollste, die Verwaltung von Gildeleuten vornehmen zu lassen, die sich in Exilia niederlassen und je nach dem entweder hier Bürgerrecht erwerben oder Gaststatus haben. Arbeitskräfte würden wir der Praktikabilität halber vor Ort rekrutieren und gildeüblich entlohnen, das kann natürlich auch mit der zentralen Versorgung direkt verrechnet werden, ich denke, die Einzelheiten können später geklärt werden. Auf jeden Fall wird Exilia davon profitieren da durch uns Devisen in die Binnenwirtschaft Exilias eingebracht werden."
    Konrad entgegnete noch: "Für die Buchführung wäre es das einfachste, wenn wir alle im Handelshaus tätigen nach Gildetarif bezahlen würden, unabhängig davon, ob sie Bürger Exilias sind oder nicht. Es müsste dann geklärt werden, wie das mit der zentralen Versorgung geregelt wird, da aber gerade für Gäste und Reisende es ja üblich ist, Waren und Dienstleistungen in Bar zu bezahlen, sollte das auch auf die Mitarbeiter des Handelshauses anwendbar sein. Eine Direktverrechnung, wie bei Leuten, die direkt für die Zentralwirtschaft Exilias arbeiten, wäre in diesem Falle sehr kompliziert und würde weiteren Aufwand bedeuten, der Geld kostet."


    Heinrich fasste schliesslich noch einmal zusammen: "Über das Handelshaus an sich sind wir uns einig, das genauere Procedere wird sich in der Praxis ergeben. wir werden in den nächsten Tagen ein geeignetes Objekt suchen und dann über den Pachtvertrag verhandeln. Unklarheit besteht nur noch in der Frage der Entlohnung, ob diese direkt in Geld erfolgt oder über Verrechnung, hier würden wir die Variante der Barzahlung bevorzugen."

  • Galwine hatte während der Ausführungen von Konrad und Heinrich mehrfach zustimmend leicht mit dem Kopf genickt. Den Hinweis auf die erbetene Liste illegaler Waren begleitete er mit einem Blickkontakt zu Dorna, der diese wohl darauf hinweisen sollte, dass er es als ihre Aufgabe ansah, sich darum zu kümmern.
    Nun sagte er: „Gut, ich denke wir werden uns in diesen Belangen schnell einig. Das ist sehr erfreulich. Ich bin gerne bereit, euch in den angesprochenen Punkten erstmal soweit wie möglich entgegenzukommen, um den organisatorischen Aufwand gering zu halten. Die Gildenangehörigen bekommen also den Status von Gästen, respektive der Apokryphe folgend: Flüchtlingen- wobei hier eine entsprechende Anpassung des Terminus’ in naher Zukunft erfolgen soll, damit sich niemand kompromittiert fühlen muss.“ Erneut warf er Dorna an dieser Stelle eine stumme Aufforderung zu. „Was die Rekrutierung von Arbeitskräften in Exilia angeht, so schlage ich vor, dass ihr zunächst seht, inwieweit ihr in der Lage seid, euren Bedarf mit „gildeüblicher“ Entlohnung zu decken. Die Höhe dieser Bezahlung werde ich dabei nicht regulieren wollen, ich möchte aber darauf hinweisen, dass ihr bei dieser Regelung nur auf die Arbeitskraft zurückgreifen könnt, die die von euch angeworbenen Exilanten über ihr täglich zu verrichtendes Arbeitspensum für das Protektorat hinaus zu leisten bereit sind. Selbstverständlich darf die Hauptaufgabe der Betreffenden nicht darunter leiden- egal wie hoch die Entlohnung auch sein möge. Aber ich glaube nicht, dass sich dabei ein Problem ergeben wird. Falls doch, müssen wir über Lösungen nachdenken, die durch das Protektorat verwaltete Arbeit einschließt.
    Ich fasse die finanziellen Posten nocheinmal zusammen: die Gildeangehörigen bezahlen entsprechend für die erhaltenen Leistungen an Lebensmitteln, Wohnraum und sonstigem Bedarf in Bar an das Protektorat, darüber hinaus fallen Pacht und Liegegebühren sowie Abgaben auf die umgeschlagenen Waren an, die aber anteilig mit der Pacht verrechnet werden können. Dies alles wickelt ihr mit der Protektoratsverwaltung ab und ich denke, dass wir versuchsweise all diese Angelegenheiten in der Hand Name Mannanans zusammenführen. Exilianische Arbeitskräfte bezahlt ihr davon unabhängig in eigener Verwaltung.
    Ich denke, wir können schon morgen das Gelände und Gebäude besichtigen, das mir als Kontor vorschwebt. Dorna wird in der Zwischenzeit einen entsprechenden Vertrag aufsetzen."

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“


  • „Aus meiner Perspektive ist zu diesem Thema vorläufig alles wesentliche geklärt. Alles weitere ergibt sich bei der Besichtigung des Geländes, das mir im Moment vorschwebt und in der ausgearbeiteten Fassung des Vertrags, sobald Dorna ihn fertiggestellt hat.
    Gut, kommen wir also zur Gesandschaft: prinzipiell bin ich auch diesem Vorschlag und auch der Wechselseitigkeit sehr zugeneigt, ich denke allerdings, dass der Umfang dieser Niederlassungen wenigstens für den Anfang der Beziehungen zwischen Kaiserlanden und Exilia noch nicht besonders groß angelegt sein muss. Auch bin ich mir nicht sicher, ob ich in der Lage wäre, Euch auf eurer Heimreise sofort einen geeigneten Exilianischen Botschafter mit auf den Weg zu geben. Zwar habe ich bereits einen Kandidaten im Sinn, aber er wird vielleicht ein paar Wochen der Vorbereitung benötigen, um die Aufgabe in meinem Sinne erfüllen zu können. Darüber hinaus befindet er sich im Augenblick in Avis Liberis und wird frühestens morgen hier eintreffen, wenn ich heute nach ihm schicken lasse.
    Im Wesentlichen sehe ich es als Hauptaufgabe der Botschafter an, für eine Stabilisierung unserer Beziehungen zu sorgen, indem sie ein verlässlicher Ansprechpartner für die jeweils andere Seite vor Ort sind. Sie garantieren einen Informationsaustausch und organisieren in Zusammenarbeit mit der Gilde den Personentransport zwischen unseren Ländern. Ein Postsystem begrüße ich ebenfalls. Insbesondere jene Exilanten, die bereits mit euch gezogen sind, aber auch jene, die als Botschaftsangehörige in die Kaiserlade ziehen werden, werden das Bedürfnis haben, auf diesem Weg Kontakt zu ihren Angehörigen in ihrer Heimat zu halten und umgekehrt wird das wohl auch für die Kaiserländer gelten, die längerfristig hier bleiben.
    Was den rechtlichen Status eurer Botschaftsangehörigen angeht, so denke ich, werden wir es genauso handhaben wie bei den Arbeitern im Kontor. Umgekehrt werden auch die von mir entsendeten Exilanten Exilanten bleiben- das versteht sich bei Botschaften eigentlich von selbst. Während ich sie verpflichte, sich den Gesetzen der Kaiserlande unterzuordnen, muss ich allerdings darauf bestehen, dass ich die oberste gerichtliche Instanz für sie bleibe. Das bin ich ihnen als Protektor schuldig. Es wird also kein Exilant von einem kaiserlichen Gericht rechtskräftig verurteilt werden.
    Welche Anforderungen, denkt ihr, muss die Kaiserliche Niederlassung in Exilia erfüllen?“

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "Nun, ich denke ich muss zunächst einige Einzelheiten des kaiserlichen Rechts erläutern, bevor wir uns dieses Themas annehmen," begann Heinrich zu erklären, "Ein einheitliches Gesetzeswerk der Kaiserlande gibt es nicht. Anders als hier in Mythodea, wo das Reichsrecht nur in Einzelnen speziellen Fällen durch Gesetze der Protektorate ergänzt wird, hat in den Kaiserlanden jede Herrschaft, jede Stadt ja teilweise sogar manches Dorf sein eigenes Recht. Das kaiserliche Recht gilt vollumfänglich nur da, wo kein landesherrliches Recht gilt. Dabei muss neugeschaffenes Recht mit dem kaiserlichen Recht kompatibel sein, älteres Recht darf aber auch davon abweichen. Es gibt aber eine Vielzahl von Verträgen und Pakten, die Rechtskraft haben und die Wirkung landesherrlichen Rechts einschränken können. Also ist allein die Frage, welches Recht zur Anwendung kommt, schon eine Wissenschaft für sich. Für uns sind zwei wichtige Grundsätze relevant: Der erste ist ein Gewohnheitsrecht, wonach jeder als einheimisch gilt, der seit mindestens einem Jahr und einem Tag seinen Wohnsitz vor Ort hat, es sei denn, es ist ausdrücklich anders geregelt. Davon abweichende Reglungen haben vor allem die Handelsstädte. Jeder Einheimische unterssteht aber dem Recht des Territoriums in dem er einheimisch ist.
    Die zweite Reglung ist einer der vorhin erwähnten Verträge, der besagt, dass Gesandte, Herolde, Kartell- und Bannergänger und Botschafter nebst deren unmittelbarem Gefolge Streitigkeiten und Rechtsfragen immer auch nach dem Recht ihres Heimat- oder Entsendereiches regeln können, nicht einheimisch werden können solange sie im Dienst eines fremden Herren stehen und Unantastbar sind, solange sie nicht in einem Konflikt selbst Partei ergreifen.
    Daraus geht hervor, dass Ihr, Protektor Camdagnir, die Rechtshoheit über die Gesandtschaft habt, jedoch nur über die unmittelbaren Gesandtschaftsangehörigen, nicht über Exilanten, die aus anderen Gründen in den Kaiserlanden unterwegs sind.
    Den selben Status halte ich auch für die kaiserlichen Gesandten in Exilia sinnvoll."

    "Anbetrachts des für Fremde recht unübersichtlichen Rechts der Kaiserlande wäre es meiner Ansicht nach sinnvoll, der Gesandtschaft einen mit dem kaiserlichen Recht vertrauten Advocatus zur Seite zu stellen." ergänzte Konrad.
    "Ja, sicher, aber das hat Zeit. Wichtig ist jetzt, den Status der Gesandten selbst zu klären. Mein Vorschlag wäre, dass die Charta Imperii Agustaei pro Missiones et Ambasadae auch in Exilia angewandt wird." bei diesen Worten zog Tobi ein Schriftstück aus seiner Tasche und reichte es dem Protektor. Es handelte sich dabei um eine Abschrift des besagten Vertrags, der die Rechte und Pflichten und den rechtlichen Status von Gesandten und Botschaftern regelte und zumindest dem Titeltext nach wohl nicht nur in allen Reichen der Kaiserlande sondern auch in zahlreichen anderen Reichen des Kontinents galt. "Ich fasse die wichtigsten Punkte dieses Vertrags mal zusammen: Gesandte haben im gesamten Geltungsbereich ein Recht auf freies Geleit und bei konkreter Gefahr auch auf Geleitschutz, sie sind unantastbar, solange sie sich nicht an Konflikten beteiligen und sie können alle eigenen Angelegenheiten nach dem Recht der Entsendemacht regeln. Sie sind nur an Befehle und Weisungen ihrer Entsendemacht gebunden. Sie sind aber verpflichtet, sich als Gesandte zu erkennen zu geben und ihre entsendemacht offen zu nennen oder deren Wappen offen zu tragen und sich bei Bedarf mit einem Geleitschreiben auszuwiesen. Greifen sie in einen Konflikt ein oder beteiligen sie sich, so ist der Konfliktgegner nicht mehr an die Unantastbarkeit gebunden, darf sich also zur Wehr setzen und geeignete Massnahmen bis hin zur Festsetzung ergreifen. Ein Gesandter kann nicht einheimisch werden, kann keinen Territorialkörperschaften, Gilden oder Zünften beitreten, diesen aber sehr wohl bereits angehören, darf keine Heerfolge leisten und hat kein eigenes Fehderecht. Das Tragen von Waffen ist nicht einheitlich geregelt. Zudem wird von Gesandten erwartet, dass sie ihren eigenen Stand selbst finanzieren und keine eigenen Kredite eingehen. Im Namen ihrer Entsendemacht können sie gleichwohl das Fehderecht dieser vermittelnd Fehde erklären und auch für diese wirtschaftliche Verbindlichkeiten eingehen.
    für eine eventuell entsandte Exilische Gesandtschaft bin ich übrigens berechtigt anzubieten, ein Haus in der Kaiserstadt zur Verfügung zu stellen, wenn eine gleichsam entsandte kaiserliche Gesandtschaft Räume in Exilia erhält. Zudem wäre es sinnvoll, eine exilische Vertretung bei dem Gildekontor einzusetzen, von dem aus die Gildeschiffe abfahren."
    "Das wäre demfall Antwarp, Beremon, Hammerburg oder Luesburg, allesamt freie Handelsstädte mit eigenen Gesetzen und eigener Diplomatie." "Gut, das sollte dann mit den jeweiligen Räten abgeklärt werden, aber das sind Deteils. Wichtig ist die Botschaft in der Kaiserstadt.
    Wichtig zu klären ist eigentlich nur eines, wird die CIAMA angewendet oder wird ein Extra Vertrag ausgehandelt. Eine rechtliche Autonomie aller in den Kaiserlanden anwesenden Exilanten ist schlichtweg nicht möglich, im Falle der Anwendung der Charta sind aber alle Angehörigen der Gesandtschaft, das sind im Zweifel alle durch Exilia dienstlich bestallten Personen, autonom, jedoch an die Pflichten der Charta gebunden.
    Ich persönlich halte die Charta für eine gangbare und sehr praktikable Lösung, zumal sie bereits existiert und zumindest denen, die es betrifft in den Kaiserlanden auch hinreichend bekannt sein dürfte."

    Während des Gesprächs schrieb Tobi immer wieder Notizen auf eine grosse Wachstafel, wühlte in seinen Papieren oder hörte zu, beteiligte sich aber nicht am Gespräch.

  • Während Heinrich gesprochen hatte, hatte Galwine immer wieder bedächtig mit dem Kopf genickt. Die vielen unterschiedlichen Rechtssysteme ließen ihn ein wenig angewidert schaudern. Aber er würde es sich merken, vielleicht bestand einmal der Bedarf Dorna oder einen der anderen Rechtsgelehrten auf eine lange Forschungsreise zu schicken. Dort wäre sie mit Sicherheit gut beschäftigt. Nun sagte er:
    „Ich stimme Euch zu, Heinrich, die Charta scheint eine naheliegende Lösung zu sein, und Eurer Zusammenfassung folgend kann ich ihr auch weitgehend zustimmen. Nebenbei hatte ich ohnehin nicht die Gerichtsbarkeit über all jene angestrebt, die Exilia verlassen haben, um in den Kaiserlanden zu leben.
    Auch eurem Vorschlag gegenseitiger Bereitstellung von Räumlichkeiten stimme ich gerne zu. Ich habe bereits ein geeignetes Gebäude im Sinn. Vielleicht erinnert ihr Euch an das Haus am Exerzierplatz im Principal nahe der inneren Mauer. Ich glaube, es wäre von angemessener Größe und hat einen guter Standort für die Kaiserliche Botschaft.
    Ich habe allerdings folgende Einschränkungen zu der von Euch beschriebenen Charta zu machen: Das Recht auf freies Geleit kann nur soweit gewährt werden, wie ich es auch jedem anderen Exilanten gewähre. Das bedeutet im Wesentlichen -wie schon beim Warentransport der Gilde- nach Schluss der Stadttore sind diese auch für die Gesandten nicht zu passieren. Was den Geleitschutz angeht, so kann ich die Sicherheit innerhalb der Grenzen meines Protektorats gewähren und dort bei Bedarf auch einen Geleitschutz stellen, außerhalb davon werde ich das aber wenigstens im Normalfall nicht tun. Auf die ständige Kennzeichnung der Gesandten innerhalb der Stadt lege ich keinen gesteigerten Wert. Exilia ist klein genug, dass jeder jeden ausreichend kennt.“
    Er blickte seine Gäste an und musterte ihre Kleidung. „Außerdem glaube ich, dass sie auch ohne besondere Kennzeichnung als Kaiserländer erkannt werden. Handhabt das nach Gutdünken. Allerdings möchte ich, dass jeder Botschaftsangehörige, der neu nach Exilia kommt, im Fall höherer Stellung bei mir, in allen anderen Fällen bei Av’Sha vorstellig wird. Gleiches gilt für die dauerhafte Abreise.
    Es mag sein, dass es sinnvoll ist, in allen Hafenstädten, die die Gilde anläuft, Vertretungen im jeweiligen Gildekontor einzurichten, allerdings glaube ich, dass wir uns damit Zeit lassen und erlauben können, den sich entwickelnden Bedarf abzuwarten. Vorerst sollten wir uns auf die Botschaft in der Kaiserstadt konzentrieren.
    Jene Exilanten, die vor einigen Monaten mit euch reisten- wisst ihr, wo sie sich niedergelassen haben?"

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "Nun, es freut mich, dass Ihr die Charta für sinnvoll und anwendbar haltet. Die von Euch genannten Ausnahmen sind im Übrigen keine: Die Charta gilt nur auf dem Territorium des Territorialherren, der sie anerkannt hat, sie verpflichtet Euch also nur auf dem zu Exilia gehörenden Territorium zum Geleitschutz. Schliesszeiten für Stadttore sind sind auch in den Kaiserlanden vielerorts üblich und auch dort haben Gesandte zuweilen Wartezeiten in Kauf zu nehmen. " erklärte Heinrich, "Was das Haus für die Gesandtschaft angeht, das sehe ich mir gerne mal an, kann aber jetzt schon sagen, dass ich grundsätzlich einverstanden bin. Baumassnahmen werden, so sie nötig werden, sowiso mit der Verwaltung abgestimmt.
    Die Hafenstädte haben derzeit keine Priorität, ich wollte nur darauf hinweisen, dass das in der Zukunft sinnvoll werden könnte.
    Was die Exilanten, die mit uns in dien Kaiserlande gesegelt sind, so kann ich nichts weiter sagen. mir sind nur die beiden Seeleute, die in die Kaiserliche Flotte eingetreten sind und jetzt zur Besatzung der PHOENIX gehören, nach der Ankunft in Luesburg habe ich mich direkt auf den Weg in die Kaiserstadt gemacht und hatte keine Zeit, mich darum zu kümmern. Aber ich kann versuchen, das in Erfahrung zu bringen, fürchte aber, dass ich nicht jeden Weg verfolgen werde können."


    nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Ich empfehle Euch, das Gespräch zunächst zu vertagen und, eventuell mit einem Rechtsgelehrten, die charta nochmal in allen Einzelheiten durchzugehen, während wir uns nochmals mit dem hisigen Recht befassen. Ausserdem ist Essenszeit."

  • Es gab immer wieder Momente, in denen Galwine bewusst wurde, dass sich Kulturen, die sich oberflächlich noch so sehr ähneln mochten, in manchen Details überraschend unterscheiden mochten und dass auch im Falle der Kaiserlande bisweilen ein nicht unerhebliches Maß an Toleranz gefordert war. Ein Gast, der ein Gespräch mit einem höhergestellten Gastgeber beendet und sich herausnimmt, den richtigen Zeitpunkt für das nächste Mahl festzulegen und seinem Gastgeber auf diese Weise möglicherweise sogar unzureichende Gastfreundschaft unterstellt? Er unterdrückte ein Seufzen und nahm sich zusammen. Gut, dass in der Tat schon alles Wichtige besprochen war.
    „Ganz wie Ihr meint.“ Er wandte sich an Tobi: „Ich behalte die Charta einstweilen bei mir, um sie detailliert zu studieren, falls Ihr nichts dagegen habt.“ Dann fügte er an alle gewandt hinzu: „Ihr werdet im Grünen Graben speisen, nehme ich an. Den Weg in den Hafen werde ich Euch heute nicht mehr zumuten, das hat auch bis morgen Zeit, aber Av’Sha wird Euch nach der Mahlzeit im Gasthaus abholen und Euch die Räumlichkeiten hier in der Stadt zeigen, die mir für eine Botschaft geeignet scheinen.“
    Damit waren die Gäste entlassen.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Tobi sah den Protektor etwas erstaunt an: "Diese Ausfertigung der Charta war für Eure Unterlagen bestimmt, eine weitere wird der Bibliothek von Exilia übergeben."
    "Was das Essen im Grünen Graben angeht, das hatten wir so geplant, es sei denn Ihr habt andere Pläne. Über eine Besichtigung des Gebäudes würden wir uns jedenfalls sehr freuen." endete Heinrich. Die Kaiserlander erhoben sich, blieben aber abwartend stehen, offensichtlich die Offizielle Beendigung des Gesprächs durch den Gastgeber erwartend.

  • "Oh, wie zuvorkommend," kam die leicht überraschte aber ehrlich erfreute Antwort in Richtung Tobi.
    Als Galwine sah, dass die Kaiserländer aufgestanden waren und offenbar noch eine weitere Regung von ihm erwarteten, erhob er sich ebenfalls und sagtemit einem Lächeln aber beschließendem Ton in der Stimme:"Hervorragend, meine Herren. Av'Sha wird Euch nachher im grünen Graben abholen. Lasst es Euch munden!"
    Dann setzte er sich wieder und wartete, bis die Kaiserländer den Raum verlassen hatten, ehe er sich an Dorna wandte und mit ihr das weitere Vorgehen besprach.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“