im Gasthaus zum Grünen Graben

  • wann: einen monat vor dem Sommerfeldzug
    wo: na ratet mal... genau, im Gasthaus zum Grünen Graben
    wer: jeder, der grad in Exilia ist


    Seit der Rückkehr der BEREMON und dem Erscheinen der PHOENIX trafen sich die Offiziere der Schiffe fast täglich im Gasthaus zum Grünen Graben um zu essen und sich zu besprechen. Wurden Anfangs noch wichtige Dinge wie die Weiterbildung der Seeleute, Anfällige Arbeiten an den Schiffen und Ähnliches besprochen, wurden die Gesprächsthemen immer lockerer und inoffizieller.
    Nachdem sich die kaiserländer mit dem Protektor besprochen hatten, wurden die Ergebnisse dieser Besprechung ebenfalls umgesetzt: die BEREMON würde bis zur Rückkehr der exilischen truppen vom Feldzug die Seeseitige Sicherung Exilias übernehmen, während die PHOENIX transport- und Handelsfahrten primär zur Versorgung der Stadt unternehmen würde.
    Wann immer beide Schiffe im Hafen lagen, war die Offiziersrunde recht gross und ansehnlich.


    Eines Schönen tages gesellten sich Heinrich und Randokar zu den Offizieren. "Ser, Wollt Ihr uns nicht etwas von Euch erzählen?" fragte Antoninos den Reichsritter. Dieser sah zunächst Heinrich fragend an. "Wie wärs mit Pesiolus und den tausend Guden? Erzählst du selbst oder soll ich?" "Erzähl du, du kannst es besser... es wird zwar nicht alles meinen Erinnerungen entsprechen, aber dafür haben die Anderen was zu Lachen..." antwortete Randokar.


    Heinrich begann: "Also, es war zur Zeit unseres seeligen Kaisers Ludwig, Ich war gerade zum Ritter gesalbt worden..." "Ihr seid Ritter, Freigraf? Das wusste ich gar nicht. Ich muss Euch ja dann wohl Ser nennen..." fiel ihm Vallas ins Wort "Alles zu seiner Zeit, das ist eine andere Geschichte" Heinrich grinste "Also, es war unter Ludwig, als Randokar zu einem inoffiziellen Besuch auf der Rosenburg weilte. Herzog Max war noch nicht geboren und unser jetziger Kaiser, Karl, war Herzog der Ostermark. Herzog Karl hatte in jenen Tagen viel Ärgernis mit einer religiösen Sekte von Sündenpredigern und Pesiolus war der Schlimmste von ihnen. Weniger um das seelenheil der Leute und mehr um den eigenen Geldbeuten besorgt, predigten diese Halunken, man müsse sich von allem weltlichen trennen oder zumindest eine angemessene Summe zur Sündenvergebung zahlen. Nun, diese Prediger waren Karl ein Ärgerniss und Randokar war schon damals als chaotisch und unorthodox aber erfolgreich bekannt. Also bat Karl ihn in einer geheimen Unterredung, dem lästerlichen treiben der ablassprediger ein Ende zu bereiten, wenn möglich, ohne die Kirchen damit zu verprellen."
    "Naja, bitten ist nicht ganz das richtige Wort, Karl war seinerzeit alles andere als begeistert von meiner Art..."
    "Kein Wunder, Randokar, du bist zwar ein Reichsritter, aber benimmst dich wie der letzte Streuner. Naja, randokars bedingung war eine Privataudienz beim Kaiser. "


  • "Und die bekam ich sofort. und sofort heisst sofort... das war ein Ritt sag ich euch, von der Rosenburg in die Kaiserstadt in nur 3 Tagen, 15 Pferdewechsel und mein Arsch fühlte sich an wie unter die Räder gekommen..." fiel Randokar ein.
    "Ich dachte, ich erzähle" meinte Heinrich. "Ja mach weiter!" "Nun, ratet mal was Randokar von seiner majestät wollte?"
    "Keine Ahnung..."
    "Er fragte, ob er sich aus der Privatschatulle tausend Gulden leihen könne. Nach einigem Hin und Her bekam er das Geld." "Es war anstrengender, den Kaiser zu überzeugen, als in 3 Tagen die Kaiserstadtz zu reiten, das könnt ihr mir glaubemn... und es waren Hundert Gulden in Münz und weitere 400 in Schatzbriefen der Handelsgilde, keine tausend."
    "Tausend klingt aber schöner" sprach Heinrich und drückte Randokar einen vollen Bierkrug in die Hand "und jetzt lass mich endlich erzählen: Also, er bekam die fünfhundert Gulden und reiste sofort wieder in die Ostermark. diesmal liess er sich etwas mehr Zeit." Heinrich grinste als er sah, dass sich Randokar eine bemerkung verkniff, um nicht das Bier über den ganzen Tisch zu prusten. Dieser Plan war aufgegangen. "Aber er reiste nicht zur Rosenburg zurück, sondern nach Lincium, wo diese Predigersekte ihr Unwesen trieb. Ihr erinnert euch doch sicher an die Dolcinische Häresie. Dieser war leicht beizukommen, da die Dolciner sich an kein Recht hielten und raubten und plünderten. Diese Sekte war anders, sie war gierig und bestrebt, sich die Obrigkeit nicht zum Feind zu machen. Also war denen mit den üblichen Mitteln, sprich mit Vogt und Büttel nicht beizukommen. was macht also Randokar? Er kauft sich einfache Reisekleidung und geht zu Pesiolus und hört sich dessen Predigt an dann rennt er zu ihm, gibt ihm fünf Thaler und bekommt einen Ablassbrief. Im Gespräch fragt er dann, ob man auch für eine noch nicht begangene Sünde schon einen Ablass erwerben könne und was das koste. Nun dem Pfaffen leuchteten die Guldenzeichen in den Augen und er erklärte, dass das ein sehr teures Unterfangen sei. Tags drauf war randokar wieder da und legte Pesiolus die fünfhundert Gulden... Ja, Randokar, bevor du mich wieder unterbrichst, es war weniger, aber das ist jetzt egal... er legte die auf den Tisch und sagte, er müsse etwas stehlen, ob das so in Ordnung gehe. Nun, gierig wie er war, schrieb ihm Pesiolus auch diesen Ablassbrief aus. Nun hatte aber unser Reichsritter vorher auskundschaftet, was der ehrenwerte Pfaffe nachts so trieb, und als seine Scheinheiligkeit gerade im Bordell verschwunden war, drang er in dessen Stube ein und nahm alles mit was nicht niet und nagelfest war. also neben der Kasse auch die sonstigen Sachen und natürlich die schon vorgefertigten Ablassbriefe nebst dem Stempel. " Nun meldete sich Randokar wieder: "Ich war sogar so dreist, anschliessend im Puff noch seine Kutte mitgehen zu lassen." "Und auf diese Schandtat bist du wahrscheinlich auch noch stolz..." "Aber ja!"
    Unterdessen bekamen sich die anderen nicht mehr ein vor lachen...
    "Hatte das ein nachspiel? Immerhin kam das Geld ja vom Kaiser." fragte Othgar, der die Kaiserlande nur aus Geschichten kannte. "Ja, Pesiolus hat Randokar vor dem Vogt verklagt. Nun ist der bei einem Reichsritter nicht zuständig, also solle sich der Pfaffe an den Kaiser selbst wenden. Und, man glaubt es kaum, beim nächsten Hoftag stand er da, der feiste Knilch, und forderte sein Geld zurück." "Und der kaiser?" "Hat gelacht und auf den Ablass verwiesen. Da ich aber auch gegen das Gesetz des reiches verstossen hätte, solle ich doch bestraft werden. Nun, Seine majestät verurteilte mich dazu, ihm die Totenwache zu halten, wenn er dereinst stürbe und bis dahin an seiner tafel wilkommen zu sein. Nichts hindere einen missetäter so daran, die nissetat zu wiederholen, wie die Freundschaft eines Herrschers." Randokar war sein Stolz nun deutlich anzusehen. "Leider musste ich die Pflicht, um die mich die gesamte Ritterschaft noch immer beneidet, viel zu früh erfüllen, als Ludwig von einem gedungenen Mörder heimtückisch umgebracht wurde." "Ja, das ist der traurige teil der geschichte, mögen die Götter, undzwar alle, die dieser und die unserer Welt, unserem seeligen Kaiser Ludwig gnädig sein! Auf Kaiser Ludwig!" "Auf Kaiser Ludwig! Und auf Ser Randokar Körthany!" stimmten die anderen mit ein. Die übrigen Gäste sahen verwirrt zum Tisch der Kaiserländer hinüber, aber eigentlich war ihnen dieser Kaiser Ludwig genauso egal, wie die Länder in denen er herrschte.


    Tags drauf war Vallas dran: "Ich möchte Euch von einem der seltsamsten feste berichten, die ich je erlebt habe. Ihr kennt alle das Pellkartoffelfest, dass wir zu Ehren on kaiser Ludwig feiern. Nun, auch andere Länder haben ihre Feste, aber das Sendfest ist was besonderes. Wer schon mal in Siebenhafen war, weiss wie die Leute da drauf sind: fromm und streng, niemals würde es einem Siebenhafener einfallen, ohne Hut aus seiner Schlafkammer, geschweige denn aus dem haus zu gehen. Naja, ausser an einem Tag im Jahr, dem Sendfest..."

  • Vom Nachbartisch lehnte sich ein Exilant in einem aufwendig gearbeiteten Gewand herüber. Mit Festen kannten sich die Exilanten aus und in dieser Geschichte schien es zudem ums Essen zu gehen. Seine Aufmerksamkeit war geweckt.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "Ich war mit Bartholomäus von Waldstein unterwegs, der treibt mit den Siebenhafenern Handel, kauft da Butter und Wolle und liefert Wein und Gewürze. Naja, wir waren mal in Winter da und sassen wegen ungünstigem Wetter fest. Waldstein bestand darauf, im Landesinneren eine Bibliothek zu besuchen und ich begleitete ihn, in der Hoffnung, was über dieses seltsame Volk da zu lernen. Die siebenhafener sind streng gläubig und hängen alle dem selben Kult an. Diese Religion hat auch ihre Feste und das wichtigste und seltsamste ist das Sendfest. Es wird im Winter gefeiert und geht auf ein Treffen von irgendwelchen Heiligen zurück, wenn ich das richtig verstanden habe."
    "Klar, die meisten Feste sind religiös""Das Pellkartoffelfest nicht!" "Doch, ein guter Priester kann dir erklären warum." "Das will ich hören" "Ja, aber nicht jetzt!" ging Vallas dazwischen. "Also, das Sendfest ist das wichtigste Fest in Siebenhafen. Es begint mit einem Gottesdienst" "war klar!" "Lass den Käp'tn ausreden!" "Danke! Danach hängen die Leute ihre Hüte an die Türen und sitzen beisammen, essen und reden." "Wie langweilig!" "Sei endlich still!" "Keineswegs! es ist nämlich beim Sendfest üblich, dass die Standesunterschiede aufgehoben sind. Der Fürst selbst soll am Sendfest am Herd stehen." "Und anschliessend wird gegessen was die Köche tags zuvor vorbereitet haben!" Gelächter breitete sich aus. "Kann sein, ich war nie am Hof dort. aber in einer Gesellschaft, in der jeder glaubt, die Götter hätten jedem seinen Platz im Leben zugewiesen und dieser sei unabänderlich, ist sowas schon erstaunlich. " "Ich war auch mal in Siebenhafen, die Leute dort sind freundlich aber sehr fromm, es wundert mich wirklich, dass sich ein solches Fest dort entwickeln kann," fügte Heinrich ein.
    "Und was hat das mit den Hüten auf sich?" "Nun, irgendwann stiehlt sich ein jeder mal weg, auf den Donnerbalken oder in die Küche oder was auch immer. und am Abend werden die Hüte zurückgenommen und jeder hat kleine Zettel oder Kärtchen mit Grüssen, Wünschen oder Gebeten drin. Tags drauf ist dann wieder alles beim Alten."
    "Mir ist unser Pellkartoffelfest lieber, fressen bis zum umfallen und es wird nix verdreht, ausser dein Magen, wenn du dich überfrisst." "Mag sein, aber ich würde schon gerne mal wieder ein Sendfest erleben. Wie lange sind wir jetzt hier?" "fast zwei Jahre" Es war deutlich zu spüren, dass die Kaiserländer Heimweh verstpührten. An diesem Tage gingen alle früh zu Bett.


    Tags drauf traf sich die Runde wieder, fröhlicher als sie am Vortage auseinandergegangen war. "Antoninos, erzähl du uns doch mal was!" "eine Geschichte aus deiner Heimat, den Hellenischen Inseln"
    "Kennt Ihr die Geschichte von dem Helden Thesios, der einen Drachen bezwungen haben soll?" "Nein!" "Erzähl!"
    "Einst wurde die Insel Lyxos von einem Untier geplagt, das die Fischerboote frass, mitsamt dem Fang und den Netzen."Antoninos' Stimme fesselte die Zuhörer sofort. Elben hatten ihre Eigenarten. "Die Fischer wandten sich an den König und der kannte nur eine mögliche Lösung: den Held Thesios." ...

  • " Nun war Thesios aber nicht so leicht zu bewegen, etwas zu tun, sein Verhältnis zum König war nicht immer das Beste, und eigentlich hatte er sich schon lange zur Ruhe gesetzt. Der König, zwar kein Tyrann, aber auch vom Ideal des weisen Philosophen weit entfernt, überlegte lange, wie er den Helden zur Mithilfe bewegen konnte."
    "Wenn dieser Thesios ein Herld ist," warf jemand ein, "wiso hilft er dann nicht von sich aus?" "Das liegt wohl an dem Wort Held", erklärte Antoninos, " Wir auf den Inseln sagen ήρωας zu solchen Leuten wie Thesios, das bedeutet aber eigentlich nur, dass er ein bedeutender und erfolgreicher Kämpfer ist und sagt nichts über seine Gesinnung aus. Die Strahlenden, rechtschaffenen Helden finden sich nur in den Sagen und Märchen des Festlandes."
    "Mir sind dann unsere Festlandhelden lieber!" "Gut, aber lasst mich weitererzählen"
    Antoninos' nahezu wissenschaftliche Art solche Dinge zu erklären zeiugte, wie tief er in der Kultur der Inseln verwurzelt war.
    "Nun, Thesios war glücklich verheiratet, reich und hatte sein eigenes Anwesen, Ämter und Ehrungen hatte er schon mehrfach abgelehnt und die Krone wollte ihm der König dann doch nicht anbieten. Was also sollte er tun?
    'Es ist die herausforderung, die einen helden zum handeln bringt', meinte schliesslich des Königs Tochter, 'Gib ihm eine, bringe ihn dazu, sich selbst bestätigen zu wollen' Und so kam es, dass der König verkünden liess, selbst Thesios sei den Ungeheuer nicht gewachsen. Das liess sich der ήρωας natürlich nicht zweimal sagen und zog sofort los, sich das Biest mal anzusehen. Es war ein riesiger Leviathan, dem mit dem Schwert nicht beizukommen war, hier musste also List her.
    Thesios überlegte sich, wie man den Drachen bekämpfen könne und erkannte, dass er nur von Innen zu bezwingen war. Also füllte er Körbe mit Kalk und salz und legte Fische darauf, diese stellte er in ein Boot, das er am Ufer festband. Der drache liess nicht lange auf sich warten und verschlang das Boot. Von dem Kalk und Salz durstig geworden begab er sich zu einem Fluss, denn das Seewasser war salzig und ungeniessbar. Und das Biest trank und trank zund trank bis es platzte.
    Thesios schnitt dem Vieh den Kopf ab und schickte ihn mit besten Grüssen dem König."

    "Und dann?" "Ich denke er ging wieder nach hause, er hatte die Aufgabe erfüllt und dem König gezeigt, dass er mit dem Biest doch fertig wurde."
    "Sonst nichts? keine belohnung?" "Davon ist nichts überliefert, viellkeicht ist es ja das, was thesios zum Helden macht: Er tut, was er tun muss und geht wieder..."


    "Das erinnert mich an die Geschichte des Ritters Habedank" warf Karl Brunczyk ein. Der böhmische Zwerg hatte sich bisher in Zurückhaltung geübt und Brot und bier genossen, dazu Pfeifenkraut (echtes, nicht das Zeug, das Timeon aus Buchenblättern herstellte)."Auch der hat einen drachen bezwungen, sogar auf recht ähnliche Weise, Interessant ist da aber das Nachspiel"

  • "na dann lass mal hören, Karl"
    "Also, es war als Sigismund aus dem Hause Premysel auf dem Marmorthron(1) sass, dass ein Drache in den Riesenbergen hauste. Der begnügte sich nicht mit dem Fang der Fischer, der frass bevorzugt Jungfrauen, so sagt man. Und da niemand dem Umtier die Stirn bieten konnte oder wollte, wurde jeden Monat eine Jungfrau zu dem Biest geschickt. Die wurden ausgelost, wobei die namen aller Jungftauen des Landfes in den Lostopf kamen." "was für eine grausame Sitte! Wo sind die Ritter, wenn man sie mal braucht?" "im Schanksaal und besoffen!" "Lasst doch Karl auch mal erzählen!"
    "Eines schönen Tages fand Wanda, die Tochter von Fürst Ladislaus, einen ganzen Sack mit Losen mit ihrem eigenen Namen, offensichtlich hatte der Fürst seine eigene Tochter aus der Auslosung ausgeschlossen. Darob war diese recht verärgert und stellte ihren Vater zur Rede. Da dieser nichts vorzubringen hatte, gab sie alle Lose mit ihrem Namen in den Topf und wurde prompt gezogen. Nun ging dem Fürsten die Angst ein und in seiner Verzweiflung versprach er dem, der den Drachen bezwingt, die hand seiner Tochter." Karl erzählte die geschichte in seiner unvergleichbaren zwergischen Art, die so ganz anders als die des Elben war, aber den Zuhörer nicht weniger fesselte.
    "Nun hatte Wanda aber einen Liebsten, den Handwerkerssohn Krak, welcher wohl Schreiner oder Tischler war. Und genau der machte sich nun auf, seine Wanda zu retten. Unter normalen Umständen wäre es unmöglich gewesen, dass ein Handwerker die Tochter eines Fürsten heiratet, aber nun bot sich die gelegenheit, und er musste sie ergreifen, wollte er Wanda nicht für immer verlieren, sei es an das Untier oder an einen Anderen."
    "Und, wie hat er den drachen besiegt?"
    "genauso wie Thesios in Antoninos' Gescvhichte. Er nähte aus einem Kleid Wandas eine Puppe und füllte sie mit Schwefel. die legte er vor die Drachenhöhle und wartete. Das Untier fras die puppe und sie bekahm ihm nicht besonders, denn der Schwefel entzündete sich und brannte im Bauch des Drachen, der begann viel Wasser zu trinken und platzte schliesslich."
    "Das hatten wir doch grade..." "Warte doch mal auf das Nachspiel!"
    Karl setzte fort: "Krak nahm den kopf des Drachen und ging zum Fürst. Dieser hatte Wanda aber eingeschlossen und wollte nicht zu seinem Wort stehen. Er wolle sie nur einem Ritter zur Frau geben. Krak aber führte er in die Schatzkammer, wo er sich nehmen solle, was er wolle. Krak sagte zum Fürst, er werde in drei tagen wiederkommen, und sich seine Belohnung holen, dann ging er von Dannen. Er reiste in die nahe Kaiserstadt zu Sigismund und klagte diesem die Geschichte. da er aner als Drachentöter Mut, Stärtke und Weisheit bewiesen hatte, schlug ihn dieser kurzerhand zum Ritter. 'Habe dank' sprach Krak zum Kaiser und Sigismund verkündete 'Das soll denn dein name sein, Krak, von heute an sollst du Ritter Habedank heissen, dein Wappen soll ein eisernes w sein, das bedeutet Wyrmtöter und du sollst deine Wanda haben, ich selbst werde euch vermählen!'
    Krak, der nun Habedank hiess und ein Ritter war, kehrte zu Fürst Ladislaus zurück. Als er am dritten tage wieder vor der Schatzkammer stand, nahm er den goldenen Ring von seinem Finger und warf ihn zu den anderen Preziosen, zum Fürsten aber sprach er: 'Gold ist dem Eitlen, dem Gierigen und dem falschen, Gold war von jeher der Lohn des Verräters. Eisen will ich tragen, mit Eisen will ich mich schlagen, wie der kaiser mich zum Ritter geschlagen hat. Mein Lohn soll Wanda sein, und wenn mein oder dein blut darob kommen muss' und er hielt dem Fürsten den Fehdehandschuh hin.
    Ladislaus war, wie wir bereits gehört haben ein ängstlicher Fürst und da er zum einen sich vor dem Duell fürchtete, zum anderen Krak Habedank nun ein Ritter war, liess er Wanda kommen und gab ihre Hand in die seine. Und nicht lange danach heirateten die beiden in der Kaiserstadt und der seelige Sigismund traute sie persönlich. Ladislaus aber, um seinen Ruf und sein Gewissen zu reinigen, gründete eine Stadt an der Stelle, wo Krak den drachen bezwang und die Stadt wurde nach ihm Krakau genannt."

    "Das ist doch mal ein Held nach meinem Geschmack!" warf Vallas ein. "Ja, wohl wahr. Aber genug der alten Sagen, Heinrich... ähm Ser Heinrich, Du schulödest uns noch eine Erklärung!" erwiederte Othgar. Das Ser war ihm offensichtlich fremd und kahm nur zögerlich über die Lippen.
    "Lass den Ser ruhig weg, hier in Mithraspera sind die Titel der Alten Welt ohne Belang und selbst dort verwende ich diesen nicht." Heinrich sah in die Runde, es war spät geworden und im Schanksaal sassen ausser den Kaiserländern nur noch ein Reiter, der weiter nach osten wollte und hier zu übernachten gedachte sowie ein Seemann der Hanse, der sein Schiff verpasst hatte. Beide waren, wie auch die Kaiserländer, deutlich müde und hatten nur Karls geschichte zuende hören wollen, waren aber zwischendrin immer wieder eingenickt.
    "Ich werde euch morgen von meinen Abenteuern berichten, heute bin ich zu müde und der Wein tat das seinige." Heinrich stand auf und ging zur Tür, die zur Treppe nach oben zu den Zimmern führte. die anderen tranken aus und folgten ihm.

  • Es sollte dann doch noch einige Tage dauern, bis die Kaiserländer sich wieder trafen, die BEREMON war zu einer Patroullienfahrt rausgeschickt worden. Nach ihrer Rückkehr aber trafen sich die Seeleute wieder wie gewohnt im "Grünen Graben".
    "So, Heinrich, jetzt erzähl endlich!"
    "Ich weiss nicht, wie gut ihr das Recht in den Kaiserlanden kennt, darum erkläre ich das mal kurz. Es gibt das kaiserliche gesetz, das gilt in der Kaiserstadt, auf den Reichsstrassen und überall da, wo kein landesherrliches recht gilt. Landesrecht muss dem kaiserlichen recht entsprechen, es sei denn es ist älter als das kaiserliche, denn das ältere ist immer das höhere Recht. Die landesherrlichen Gesetze wiederum unterscheiden sich oft nur in deteils, allerdings kann man sie grob in zwei Systeme einteilen. Im Süden gilt das frankische Recht, das in Büchern verfasst ist, während im Norden sächsisches recht gilt, das von den Vögten und Schöppen fortgeschrieben wird, dort sind Richter an alte Urteile gebunden.
    Während es im Süden für die Vollstreckung von Urteilen spezielle Büttel gibt, die nicht ehrbar sind, ist es im Norden Brauch, dass der richter, der ein Urteil gesprochen hat, auch dafür zuständig ist, dass es erfüllt wird. Richter aber sind immer ehrbar.
    Soviel zum Recht. Nun, ich stamme aus einer alten, frankischen Büttelfamilie und es war mir von daher verwehrt ein ehrbares Handwerk zu erlernen oder gar in den höheren Stand aufzusteigen."

    "Und trotzdem seid Ihr ein Ser!" warf jemand ein. "Ja, da will ich ja grade hin... Also, es war in der Kaiserstadt, in der zeit der unsäglichenh dolcinischen Häresie und der mit ihr verbundenen Probleme, als ich als junger Büttel damit beauftragt wurde, diesem Treiben mit Einhalt zu gebieten. In diesen Tagen waren die Gefängnisse und Pranger überfüllt, die Richter verhandelten täglich, sogar an den Feiertagen und es mussten leider auch reichlich Todesurteile gefällt und vollstreckt werden. Und in solchen Zeiten glaubte der eine oder andere Adlige durch denunziation und falsche Anklage Rivalen loswerden zu können.
    Irgendwann in dieser zeit wandte sich eine junge Frau an mich, sie trug einfache Kleidung, jedoch sah man ihr an, dass sie aus höherem Hause stammte. Sie erzählte mir, ihr stelle ein gieriger und durch und durch schlechter mensch nach und sie fürchte um ihren Verlobten. Sie gab mir eine genaue beschreibung des Verlobten, dessen Name sie nicht nennen wollte und nannte mir auch den Namen des üblen Nachstellers. Nun bekam ich sowas in diesen tagen ständig zu hören und sollte da nichts drauf geben, wenn da nicht ein Deteil in der Beschreibung gewesen wäre, das mich stutzig machte: Sie sagte, ihr verlobter trug seit Kindertagen einen silbernen Ring, der so eng war, dass er im guten nicht abzunehmen sei, dieser Ring sei mit einem gravierten stein versehen, der einen gekrönten Löwenkopf zeige. Auch diesem ring hätte ichg keine grosse beachtung geschenkt, hätte ich nicht das Wappen als das des Hauses Perlau erkannt. Die Perlauer waren ein ausgestorbenes böhmisches Geschlecht, die letzte tochter dieses Hauses war die im Kindbett verstorbene erste Frau des Prinz Karl, nicht des jetzigen Kaisers, der ja nie verheiratet war, sondern seines Onkels, des jüngeren Bruders von Kaiser Ludwig. "

    "Wie kann ein Verwandter des Kaisers denn angeklagt werden? die kennt man doch!"
    "stell dir einen Prinzen mal im Bettlergewand vor, würdest du ihn erkennen? Und nun lass Heinrich weitererzählen!"
    "Nun, es dauerte dann auch nicht lange, und ich fand in einem der Lochgefängnisse einen Jungen Mann auf den die Beschreibung der dame zutraf und dem der Ringfinger der rechten Hand fehlte. Dieser sollte Tags drauf als Räuber hingerichtet werden. Ich verbrachte die Nacht bei diversen Alchimisten, um Mittel zu finden ihn vor dem Tode zu retten, dann das wäre die einzige Möglichkeit, Licht in die Sache zu bringen. Tatsächlich gelang es mir, ihn so zu behandeln, dass er die "Hinrichtung" von den Zeugen unbemerkt überlebte. Ich brachte ihn in mein Quartier um ihm dort die Möglichkeit zu geben, wieder zu Kräften zu kommen und den fall dann aufzuklären, doch dazu kam es nicht, denn einige Tage später stand die junge Dame die mich besucht hatte plötzlich als Hexe vor Gericht. Sie hatte sich unmittelbar nach der Hinrichtung geweigert, ihren aufdringlichen (und deutlich älteren) Verehrer zu heiraten. Dieser hatte daraufhin ein komplott gegen sie eingefädelt, um sie zu strafen. Es war der einzige Fall in meiner gesamten Praxis, in dem Zeugen die hochnotpeinliche Befragung angedroht wurde. Nun, die Frau wurde verurteilt, auf dem Scheiterhaufen zu sterben."
    "Und Du hast sie natürlich auch gerettet!" "Nein, dieses Verdienst gebührt Ser Körthany Joslaw, Randokars Vater. Als Reichsritter und Hauptmann der VI. Legion verfügte er pber ganz andere, sehr viel direktere Mittel als ich. Er hatte den Auftrag, Prinz Johann, den verlobten der Dame, die nemand andere als die Gräfin Andressy Elizabetha war, zu finden und ging bis dahin noch davon aus, Johann wäre tot.
    Ich hielt mich noch zurück, ich wollte Johanns Geschichte hören, bevor ich mir ein Urteil bildete, ausserdem hatte ich mit Johanns Rettung klar gegen das Gesetz verstossen und musste um meine Stellung fürchten.
    Es dauerte noch fast einen Monat bis ich die ganze geschichte aus Johanns Mund gehört habe: Johann war incognito auf Reisen um sich seine Sporen zu verdienen und nicht aufgrund seines königlichen Blutes bevorzugt zu werden. Seine Verlobte war ihm gegen seinen Rat gefolgt. Ihr anderer Verehrer, der wie sich herausstellte ein hochverschuldeter Ritter, dessen Namen ich aus Rücksicht auf seine ansonsten untadelige Familie nicht nennen möchte, war, hatte ihre Identität erfahren und gehofft mit der Heirat seine Kasse aufbessern zu können. er hatte das Komplott gegen Johann geschmiedet und, als Elizabetha ihn offen und mit Hinweis auf seine finanzen zurückgewiesen hatte, sann er auf Rache.
    Wie ihr euch vorstellen könnt, konnte ich Johann nicht viel länger davon abhalten, Elizabetha zu sehen."

    "Elizabetha, die die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben hatte, hat mich inzwischen beauftragt, Johann zu finden. Und so lernte ich Heinrich kennen." warf Randokar ein
    "Genau. so kamen die beiden wieder zusammen."
    "Und wie kommt Ihr nun zum Ritterstand?"
    "Nun, Johann bestand darauf, dass ich an seiner Schwertleite assistiere, dazu musste ich allerdings Ritter sein. Nach der Geschichte, die inzwischen zu Kaiser Ludwig vorgedrungen war, war dieser bereit, mich zum Freigraf zu ernennen und zum Ritter zu salben. Das war schon alles."
    "Und was wurde aus dem üblen Kerl, der das Komplott angezettelt hatte?"
    "Nun, der verschwand auf nimmerwiedersehn... darüber, ob er die Leiche in Herzog Johanns Keller ist, möchte ich nicht spekulieren."
    "Ich denke, damit ist alles gesagt." antwortete Randokar mit einem sehr breiten Grinsen.

  • In den Tagen und Wochen des Sommerfeldzuges leisteten die kaiserlichen Schiffe einen wichtigen beitrag für die Sicherheit Exilias, in dieser Zeit fanden keine Treffen statt. Und auch nach dem Feldzug herrschte rege Geschäftigkeit an Bord der Schiffe und bald machten Gerüchte die Runde, die BEREMON und die PHOENIX würden in Kürze Exilia verlassen und in ihre kaiserliche Heimat zurückkehren.