• Inzwischen hatte man sich an das Kaiserliche Schiff im Hafen Exilias gewöhnt. Die BEREMON war repariert und neu ausgerüstet worden, man hat nicht nur die Schäden des Sturms behoben sondern auch einige kleinere Veränderungen am Schiff vorgenommen. SAo hatte die BEREMON jetzt ein Steuerrad und verfügte über eine neue Kombüseneinrichtung. Der Hecksaal, der als Navigationsraum gedient hatte wurde komplett erneuert und die Messe war nun von der Kombüse aus beheizbar. Auch äusserlich hat sich einiges getan, so war es Karl Brunczyk, dem zwergischen Schiffszimmermann gelungen, irgendwo dunkelblaue Farbe aufzutreiben, dass der Anstrich des schanzkleides erneuert werden konnte. Ein Teil der Besatzung lebte weiter an Bord, die meisten Kaiserländer hatten aber inzwischen auch Quartiere in der Stadt.
    Während der Vorbereitungen des Sommerfeldzuges und während des Feldzuges selbst war die BEREMON immer wieder ausgelaufen um vor der Küste zu patrolieren.
    Allerdings war es bisher weder Heinrich Rotmantel noch Vallas von Hunoldshove gelungen, ein Gespräch mit dem Protektor zu führen. Zwar hatte man alle Formalitäten mit exilischen Beamten klären können, trotzdem war die frage nach dem Status der BEREMON und ihrer Besatzung bisher nicht zufriedenstellend beantwotet worden.

  • Nachdem die BEREMON mit der gesamten Besatzung ausgelaufen war, um vor der Hafeneinfahrt Position zu beziehen und dort Ehrenwache für den gefallenen Protektor zu halten, kehrte sie nach Ende der Trauerwoche in den Hafen zurück. der Trauerflor am Heckspiegel verblieb dort.
    dann kehrte wieder Alltag an Bord ein.

  • Einige Tage nachdem Valentin aus Exilia nach Norden geschickt worden war, wurde der Alltagstrott auf der BEREMON durch einen Besuch Nammu Manannans unterbrochen. Die dunkelhäutige Hafenmeisterin mit dem breiten Hut stand eines Morgens am Kai und gab bekannt, sie hätte eine Nachricht für "den Kommandanten Vallas von Hunoldshove, den Ritter Randokar Körthany und den Freigrafen Heinrich Rotmantel und jeden weiteren, der berechtigt ist, für die BEREMON und ihre Besatzung zu sprechen." Die Namen und Titel, sowie den zuletzt genannten Zusatz laß sie dabei mit dem ihr eigenen Schmunzeln von einem Schriftstück ab, dass sie anschließend wieder zusammenrollte, während ihr Gesichtsausdruck wieder ernster wurde und so der allgemeinen Trauerstimmung, die auch hier im Hafen noch immer allgegenwärtig war, eher entsprach.
    Ohne abzuwarten, ob einer der genannten erscheinen möge, aber nachdem sie sich versichert hatte, dass mindestens drei Matrosen der BEREMON ihr Gehör schenkten, erklärte sie, es handele sich um eine Einladung in die Amtsräume des Protektors. Man würde dort gerne mit ihnen über die Zukunft der BEREMON sprechen. "Sollten die Herren jemanden benötigen, der ihnen den Weg weist, so wird Wachoffizier Barent hier", und dabei wies sie auf den Mann, der inzwischen neben ihr stand, "diese Aufgabe übernehmen." Dann drückte sie Barent das Schriftstück in die Hand, nickte allen Anwesenden zum Abschied freundlich zu und machte sich eiligen Schrittes auf den Weg zurück in die Hafenmeisterei. Sie war alles andere als unzuverlässig, sah ihre eigentliche Aufgabe aber nicht darin, die Laufbotin zu mimen und fand, dass sie den Auftrag, die Nachricht zu überbringen, die ihr gerade durch einen Boten aus der Großen Halle überbracht worden war -er hatte zur Begründung, warum er die Botschaft nicht bis zu ihren eigentlichen Empfängern getragen hatte, angegeben, die Männer zum einen nicht persönlich zu kennen, vor allem aber dabei einem ausdrücklichen Befehl zu entsprechen, der ihn anwies, Nammu mit der Überbringung zu betrauen- vorbildlich erfüllt hatte. Außerdem hatte sie mit der Einrichtung des Handelskontors für die Mitrasperanische Hanse parallel zu ihren sonstigen Aufgaben im Augenblick ausgesprochen viel zu tun und Barent würde zuverlässig dafür sorgen, dass die Gäste rechtzeitig in der Großen Halle erschienen.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Noch wärend Nammu ihre Mitteilung verkündete, erschien Karl Brunczyk an der Stelling. Auf dem bärtigen Gesicht des Zwergs war keinerlei Regung zu erkennen. Nachdem die hafenmeisterin gegangen war rief er Wachoffizier Barent zu: "John, kommen Sie an Bord, Sie kennen sich ja inzwischen aus. Vallas und Timeon sind im Hecksaal, Heinrich und randokar in ihrem Quartier oben in der Stadt."

  • John Barent bedankte sich bei dem Zwerg, während er die Brücke erklomm, die Kai und Schiff verband. Oben angekommen wandte er sich dem Heck des Schiffes zu und erschien kurz darauf in dem Saal, in dem er Vallas und Timeon zu finden erwartete. " Den Elementen zum Gruße und einen guten Morgen, die Herren", sagte er freundlich, doch nicht fröhlich- für eine solche Stimmung zeichneten ihn der Schock und vor allem die Trauer noch immer zu sehr, als er die Gesuchten entdeckte. "Wie es scheint, seid Ihr endlich geladen, euch gemeinsam mit dem Ritter Körthany und dem Freigrafen Rotmantel in der Amtsstube des Protektors einzufinden. Mir wurde aufgetragen euch baldmöglichst dorthin zu geleiten. Karl meinte, Heinrich und Randokar seien wohl oben in der Stadt. Wenn Ihr einverstanden und sobald ihr bereit seid, schlage ich vor, dass wir uns auf die Suche nach ihnen machen und dann in die Große Halle gehen." Er zögerte einen Moment, beschloss dann aber in Erinnerung an den guten Grog, den man ihm bei der Ankunft der BEREMON in Exilia hier serviert hatte, dass er es wagen konnte, sich auch unaufgefordert zu setzen und den anderen damit zu signalisieren, dass sie sich durchaus ein wenig Zeit lassen konnten, sich auf den Besuch in der Stadt vorzubereiten. Er wusste nicht, wie oft Timeon und Vallas inzwischen oben in der Stadt gewesen waren, aber mit Sicherheit kannten sie sich ausreichend aus, um Heinrichs und Randokars Quartier schnell zu finden (auch wenn er schon zu wissen glaubte, wo sie untergekommen waren) und zu wissen, dass eine kleine Stärkung vor dem bevorstehenden Aufstieg nicht unangebracht war.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Vallas deutete John Barents verhalten wohl richtig: "Wir sollten zuvor frühstücken. ich lasse gleich was bringen." dann legte er die papiere in denen er gelesen hatte zur Seite und ging zu einem Rohr, das aus der Wand ragte und mit einem Korken verschlossen war. Er zog den Korken heraus und pustete in das Rohr, dann sprach er hinein "Bringen Sie uns doch drei mal Frühstück in den Hecksaal bitte"


    Das Frühstück bestand aus excellentem exilischen Brot, dazu aus den Beständen der BEREMON kaiserländischer Honig, siebenhafener Butter und Käse aus Gallien. Dazu wurde eine Schale mit Sarazenentrunk gereicht, heiss, schwarz und mit Zucker stark gesüsst.
    Es war nicht das erste Frühstrück das John Barent an Bord der BEREMON genoss, und er genoss es wirklich, auch wenn er sich langsam fragte, wie lange die Vorräte an Honig, Butter und vor allem Kaffje wohl noch reichen würden.


    Während des Frühstücks unterrichtete Timeon ihn darüber, dass er weitere kleinere Verbesserungen an der Technik der BEREMON plane, so könnten getrennte Windenanlagen beispielsweise das Ablegen in konventionellen Häfen und auf Reede deutlich beschleunigen.


    Nach dem Essen nahm Vallas Wams, Schärpe und Hut auf und meinte: "So, wir sollten jetzt in die Stadt, ich vermute nämlich, dass wir bei Heinrich ein zweites Frühstück bekommen werden..."

  • Barent erhob sich, strich den grünen Waffenrock glatt und straffte sich ein wenig, um die leichten Schuldgefühle zu unterdrücken, die ihn im Laufe des Frühstücks beschlichen hatten. Doch wer konnte schon den Versuchungen einer reich gedeckten Tafel widerstehen, die das beste Brot der Welt und exqusisite Spezialitäten ferner Länder zusammenführte? Bei dieser Gelegenheit beschloss er auch gleich, sich auch gegenüber einem dritten Frühstück nicht ablehnend zu zeigen, wenn ihm eines angeboten würde. Die Seeluft machte hungrig.
    Die drei Männer verließen die BEREMON und begannen, das Hafenbecken zu umrunden. Man hatte das Schiff am langen äußeren Kai in der Nähe des Einfahrtstunnels vertäut, vor allem, weil dort das Wasser tief genug war und da dieser Liegeplatz nicht der einzige im Tiefwasserbereich des Hafens war, konnte er auch für einen recht langen Zeitraum besetzt bleiben. Der Preis dafür war, dass der Weg in die Stadt ein gutes Stückchen länger wurde. Das Hafenbecken hatte in seiner Gesamtheit eine grob rechteckige Form. Der Einfahrtstunnel lag im Osten und so wandten sich die drei nach Westen. Noch bevor sie die Nordwestliche Ecke erreicht hatten, passierten sie den Bereich, der gerade für die Nutzung für die Mitrasperanische Hanse vorbereitet wurde. Der westliche Teil des Hafens war fast vollständig der Werft vorbehalten. An einer Stelle überquerten sie eine hochklappbare Brücke, die über einen kurzen Kanal geschlagen war, der das Hafenbecken mit der Höhle verband, in der das Trockendock untergebracht war. Vor wenigen Wochen hatten die Männer der BEREMON hier den Stapellauf eines der beiden Handelsschiffe beobachten können, die die Exilanten im Auftrag ihrer Exzellenz für die Mitrasperanische Hanse bauten. Im hinteren Bereich der Werft-Höhle, der nicht geflutet werden konnte, aber über eine Rampe mit dem Trockendock verbunden war, konnten sie jetzt bereits das Spantenskelett des zweiten Schiffes erkennen. Allerdings waren dort im Moment nur wenige Arbeiter im Einsatz. Stattdessen hörten sie die Geräusche vieler emsig arbeitender Hände von Bord eines großen Exilianischen Schiffes, das linkerhand im Wasser lag. Offenbar wurde es, obwohl sein Zustand an sich nichts zu wünschen übig gelassen hätte, einer Generalüberholung unterzogen, doch Barent gab dazu keine weiteren Erklärungen ab. Nachdem sie etliche Meter an kleineren Gebäuden und Stapeln von Fässern, Kisten und aufgeschichteten Brettern entlanggelaufen waren, erreichten sie die die Südwestliche Ecke des Hafenbeckens. Hier war das Wasser für größere Schiffe bereits nicht mehr befahrbar und allgemein war dies der wohl ruhigste Abschnitt des kleinen Hafenrundganges, den zu unternehmen sie gerade aufs neue gezwungen waren. Man hatte hier einen Weg auf dem rauen Untergrund des Eingangs einer großen Höhle, deren Grund zu nicht geringen Teilen mit Wasser bedeckt war, deren Decke beinahe so hoch war wie die der Hafenhöhle und deren rückwärtige Wand nicht zu erkennen war, geebnet, der nun den nördlichen und den südlichen Abschnitt des Hafens miteinander verband. Möglicherweise würde die Höhle eines Tages genutzt werden, wenn die Aktivitäten im Hafen und damit dessen Platzbedürfnis weiter stiegen. Schließlich erreichten sie im Süden den größten und geschäftigsten Teil der Hafenanlage. Die Höhlenwand trat hier weit zurück und der dadurch zur Verfügung stehende Platz war gefüllt und umsäumt mit Gebäuden (unter anderem befand sich die Hafenmeisterei hier), zwischen denen sich Holzkonstruktionen aufreihten, auf denen die Fischer ihre Netze zum Trocknen aufhängten, Räusen stapelten, kleinere Boote zur Inspektion aufgebockt waren und Wagen mit Kisten und Fässern be- und entladen wurden. Von hier aus führte auch ein langer hölzerner Pier hinaus aufs Wasser, wo viele Fischer- und kleinere Küstenboote vertäut lagen.
    Der große Gewindetunnel war über einen kurzen Gang erreichbar, der sich im Südosten in die Hafenhöle öffnete. Darauf hielt Wachoffizier John Barent nun zu. Bevor sie mit ihrem Aufstieg begannen, zog er drei Fackeln aus einem Fass und reichte seinen Begleitern jeweils eine. Dann bat er sie- obwohl sie es vermutlich ohnehin getan hätten, schließlich kannten sie den Weg, aber dies war auch eine Frage der Höflichkeit- sie an seiner eigenen, die er soeben an eine in einer Wandnische stehende Kerze gehalten hatte, zu entzünden.
    Etwa während der ersten Hälfte ihres Aufstieges in dem Tunnel, der so breit war, dass zwei schmale Wagen darin problemlos aneinander vorbeifahren konnten und der sich in ordentlichen Windungen durch den Fels nach oben schraubte, gab es, von hin und wieder in das Gestein getriebenen Nischen mit verschlossenen Fässern voll Fackeln für den Notfall, keinerlei Gänge, in die sie hätten abbiegen können. Dann jedoch folgten eine ganze Reihe von Öffnungen in weitgehend südlicher Richtung. Die hier mündenden Gänge führten zu den unterirdischen Feldern, die die Exilanten angelegt hatten. Aus einigen dieser Gänge war hin und wieder ein Schnauben und Blöken zu hören und wies darauf hin, dass die Roth-Gehege nicht fern sein konnten. Aus einem der Gänge recht weit oben schien ein helles Licht, das die Männer, deren Augen sich inzwischen an den Fackelschein gewöhnt hatten, blendete. Doch ungefragt gab John auch dazu keine Erklärung ab, da er die Gäste nicht langweilen wollte. Als sie schon fast an der Oberfläche angekommen waren, zweigte ein langer gerader Gang leicht ansteigend nach Südosten ab. Hier bogen die meisten Exilanten ab, die sie mit Waren beladen den Gewindetunnel hinaufsteigen gesehen hatten. John erwähnte, es handele sich um den Verbindungstunnel mit dem großen Lager. Schließlich passierten sie noch die unterirdisch gelegenen Räume der Mühle, die sie am deutlich vernehmbaren Scharren der Mühlsteine hinter den verschlossenen Türen erkennen konnten und erreichten schließlich die Oberfläche. Das morgendliche Licht stach ihnen in die Augen und es dauerte eine Weile, ehe sie ihre Umgebung erkennen konnten. Sie waren im Norden des Fisch- und des Großen Marktes, der, wie sie durch die Mehlstaubgasse hindurch erkennen konnten, im Moment nicht mehr als eine große gepflasterte Fläche war, an die Oberfläche gekommen. Vor ihnen, auf der anderen Seite der großen Straße erhob sich das große Gebäude des Lagers, rechts daneben fand sich die Kaserne. Hinter diesen Gebäuden lag das Principal, das wohl vornehmste Viertel Exilias. Doch John nahm nicht an, dass Heinrich und Randokar bereits Unterkunft in einem der Wohnhäuser angeboten worden war, schließlich waren sie Gäste des Protektorats. In der Gästeresidenz in der Großen Halle mochten sie vielleicht die ersten Nächte verbracht haben, doch war dieser Ort nicht für einen längeren Aufenthalt gedacht und ihre Exzellenz hatte Exilia vor wenigen Wochen einen Besuch abgestattet und die Räumlichkeiten dabei höchstwahrscheinlich für sich beansprucht. Es gab nicht besonders viele verbleibende Möglichkeiten und so wie er Heinrich und Randokar einschätzte... "Die Herren schlafen im "Grünen Graben", nicht wahr?", fragte er und deutete in die Richtung, wo sich das edelste Gasthaus der Stadt befand. Es war nicht weit, doch die Fleischerei und das Wohnhaus des Cubitors Duronius verdeckten ihnen die Sicht.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Während Vallas seine Besuche in der Stadt bisher auf das unbedingt nötige Mass beschränkt hatte, war Timeon des öfteren unterwegs gewesen. Der junge und neugierige Elb hatte die Stadt bereits ausgiebig erkundet und war inzwischen recht vertraut hier. Die baulichen Anlagen, die er hier sah, faszinierten und inspirierten den Ingennieur, so dass er bereits grössere Mengen an Papier mit Ideen beschrieben hatte.


    Die Gruppe erreichte das Wirtshaus zum Grünen Graben und begab sich durch einen Seiteneingang, der für Gästen vorgesehen war und nicht in den Schanksaal, sondern direkt zu den Zimmern führte, hinein. Vallas klopfte an die Tür eines grösseren Zimmers. "Herrein" war von drinnen zu hören und die drei betraten den Raum, wo Heinrich Rotmantel und Randokar Körthany am Tisch sassen und frühstückten.
    "Wilkommen Wachoffizier Barent, Vallas, Timeon, kommt und setzt Euch, wir haben gerade erst angefangen" Heinrich wies zu den weiteren 4 Stühlen am Tisch. "Was verschafft und die Ehre?" letzteres war klar an John Barent gerichtet. Randokar nickte den Leuten unterdessen zur Begrüssung zu und strich sich die Krümel aus dem Bart.

  • John verkniff sich ein Lächeln. Vallas hatte mit seiner Vermutung richtig gelegen und das missfiel ihm überhaupt nicht. Allerdings verspürte er inzwischen alles andere als Hunger und würde sich wohl ein wenig zurückhaltend zeigen müssen. Außerdem hatte er das Gefühl, dass es vielleicht nicht den schlechtesten Eindruck machen würde, wenn er die Gäste frühzeitig in der Residenz des Protektors ablieferte. Während er sich setzte antwortete er, mit einer Geste auf das Schriftstück weisend, das in seinem Gürtel steckte:
    "Ihr alle seid zu einer Audienz in der Großen Halle geladen. Fragt mich nicht, warum das ausgerechnet jetzt geschieht. Vielleicht ist nach Protektor Valentins Bestattung", hier machte John eine kurze Pause und blickte für einen Moment nach oben ehe er fortfuhr: "nun ausreichend Ruhe eingekehrt, um auch wieder auf andere Bedürfnisse achten zu können." Dann griff er nach dem Brot. Er hatte zwar eigentlich keinen Hunger, aber einem Bissen vom besten Brot der Welt konnte er auch jetzt nicht widerstehen.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "interessant... gut, aber bevor wir uns der Politik zuwenden, wir gegessen. Langt zu, es ist genug da."
    Anders als an Bord waren alle zutaten des Frühstücks hier zwar auch von bester Qualität aber einheimischen Ursprungs.
    Bei Tisch wurde nicht viel geredet und das wenige was gesagt wurde, war belanglose Plauderei. Nachdem alle ferig waren meinte Heinrich: "Nun lasst mich das Schreiben doch mal sehen..." er überflog das Schriftstück "Hm, nun gut, dann wollen wir mal!" Heinrich stand auf und nehm seine Schaube von einem Wandhaken, zog sie an und warf die zweite Randokar zu, der sich prompt in dem weiten Kleidungsstück verhedderte. Heinrich setzte seinen Hut und klemmte sich den Ransdokars unter den Arm, dann ging er zu einer Truhe, schloss sie mit einem Schlüssel, den er am Gürtel trug auf und entnahm dieser eine Kette mit einem grossen Amulett und einen ledernen Schriftrollenbehälter. Nachdem die Truhe wieder verschlossen war, legte er sich die Kette (deren medaillon einen schwarzen doppelköpfigen Adler auf goldenem Grund zeigte) um und hängte den Behälter ebenfals an den Gürtel.
    "Ich denke wie können"

  • John Barent fühlte sich nun ausreichend gestärkt, um den letzten - und zugegebenermaßen sowohl kürzesten, als auch komfortabelsten- Abschnitt ihrer kleinen Reise in Angriff zu nehmen.
    Er erhob sich, als die Übrigen signalisierten, bereit zum Aufbruch zu sein, und führte sie auf dem gleichen Weg aus dem Gasthaus, auf dem sie es zuvor betreten hatten. An der Spitzte der kleinen Gruppe lief er über den noch immer unbevölkerten Großen Markt und bog auf die Hauptstraße ein. Die Sonne stand nun schon recht hoch und sobald sie die Bäckerei passiert hatten, erfasste sie der beständig über den Sturmhang fegende Wind, während sich über ihnen die Große Halle mit ihrer hohen Kuppel, im Licht der nun schon hoch gestiegenen Sonne erstrahlend, erhob. Sie passierten den Torbogen der äußeren Umfriedung der Großen Halle, die früher, in den ersten Tagen de Siedlung, der äußere Befestigungswall Exilias gewesen war, inzwischen jedoch in daran angebaute Gebäude integriert und nur noch schwerlich als solcher zu erkennen war, überquersten den Vorhof und erklommen die Stufen der Großen Halle. Auf halber Höhe dieser großen Treppe war durch eine Änderung der Stufenform ein kleines Podest gebaut worden. Dort blieb John, ganz wie es seine Gewohnheit war, einen kurzen Moment stehen und legte den Kopf in den Nacken. Von hier aus, genau auf der Höhe der Außenmauer, erschien ihm das Mauerwerk, das sich über ihnen erhob, immer am mächtigsten und er fand diesen Anblick erhebend. Er sagte jedoch nichts weiter und ging die verbleibenden Stufen hinauf. Auf dem breiten oberen Treppenabsatz flankierten zwei Soldaten in grünen Waffenröcken das gewaltige Tor, dessen Flügel weit geöffnet waren. Der eine nickte John freundlich zu und sie machten keine Anstalten, die Männer aufzuhalten. Tagsüber war die Geschäftigkeit in der großen Halle recht groß, viel Volk ging ein und aus und solange die Jahreszeit es zuließ, verzichtete man darauf, die Tore nach jedem, der sie durchschritt, wieder zu schließen.
    Im nächsten Moment befanden sich die Männer von der BEREMON und ihr Begleiter im Inneren dessen, was mit Fug und Recht als Herzstück der Siedlung bezeichnet wurde: über 25 Meter breit, erstreckte sich vor ihnen ein gewaltiger Saal, dessen Stirnseite sich in gut dreißg Metern Entfernung vor ihnen erhob. In sie waren große schmale Fenster eingelassen, durch die Licht fiel und die den Blick automatisch nach oben lenkten, ebenso wie die gewaltigen Säulen, zwischen denen sich die umgebenden Wände spannten und die sich oben aufzufächern schienen, um mehr als fünfzehn Meter über ihnen die große Kuppel zu tragen, die so prägend für das Erscheinungsbild dieses Gebäudes war. Die Stirnseite der Halle wurde von einem großen Podest dominiert. Zwei Stufen führten zu ihm hinauf und ein langer leicht gebogener Tisch mit einigen reich verzierten Stühlen dahinter war dort zu sehen, doch im Augenblick war der hohe Tisch verlassen.
    John Barent ging auf ihn zu. Es gab viele Wege in die oberen Stockwerke und er hatte beschlossen, den einfachsten und direktesten zu wählen, statt sich beispielsweise direkt nach Betreten der Großen Halle nach rechts oder links zu wenden und eine der breiten geschwungenen Treppen zu erklimmen, an deren Fuß er dort stand. Bevor sie das Podest umgehend durch einen offenen Bogen in der östlichen Wand den Hauptraum der Großen Halle verließen, passierten die Männer vier geräumige Nischen, die jeweils in die Ost- und Westwand eingelassen waren. Jede war mit Tischen und Sitzgelegenheiten ausgestattet und wies am hinteren Ende einen Kamin auf, mit dem sie beheizt werden konnte. Damit die Wärme nicht entwich (und möglicherweise ungebetene Gäste fernblieben) war jede dieser Nischen mit einem schweren Vorhang ausgestattet, der bei Bedarf zugezogen werden konnte. Auf Höhe des dritten Stocks traten die Wände über den Nischen zurück und bildeten Galerien, auf denen sich das Volk sammeln konnte, wenn es auf dem Boden der Halle nicht mehr genügend Platz gab. Doch im Augenblick waren, obwohl die Geräusche geschäftigen Treibens aus allen Richtungen auf sie eindrangen, von zwei Bücklingen, die den Fußboden scheuerten und die Nischen auskehrten, abgesehen, keine Exilanten zu sehen.
    Als sie in den kurzen Gang in der nordöstlichen Ecke der Halle betraten, erhob sich nur wenige Meter vor ihnen bereits die Treppe, auf der sie in den zweiten Stock kamen. Dort fanden sie sich in einem geräumigen Gang wieder, der hier, breit und dank Fenstern in der östlichen Außenmauer lichtdurchflutet, eine Art Vorraum zu den Gemächern des Protektors bildete. Wieder sahen sie sich Bewaffneten gegenüber: zwei schwergerüstete Gardisten in den Farben Exilias standen vor einem breiten Durchgang in der Nordmauer des Gebäudes und versperrten ihnen den Weg. John trat vor, verkündete, wer sie seien und verwies auf die Einladung, die seinen Begleitern durch ihn überbracht worden sei. Einer der Gerüsteten bat sie, einen Augenblick zu warten und verschwand in dem Durchgang, um ihre Ankunft zu verkünden.
    Schließlich gab John bekannt: "Meine Herren, es war mir wie immer eine Freude! Ich bin nicht geladen und werde mich daher hier von Euch verabschieden. Da ich schonmal hier bin, werde ich gleich noch ein bisschen weiter nach oben gehen und der Kommandantur einen Besuch abstatten. Wer weiß? Vielleicht erspare ich ja irgendeinem Laufburschen einen Weg nach unten zum Hafen, wenn ich ohnehin dorthin zurückgehe. Viel Glück, bei was auch immer euch dort drin erwartet!" Dabei wies er in Richtung des Durchgangs und setzte schließlich hinzu: "Gibt es noch etwas, mit dem ich euch behilflich sein kann? Irgendeine Frage, die ich euch vorher beantworten kann?"

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  • "Danke!" erwiederte Heinrich, "Ich denke, wir werden das Gespräch mit dem Protektor heute Abend an Bord auswerten, verbunden mit einem Abendessen. Wenn Sie nichts anderes vorhaben, betrachten Sie sich als eingeladen. Fragen, denke ich, können wir später noch stellen, ich bin zwar mit dem hisigen Protokoll nur am Rande vertraut, aber so der Protektor Zeit für uns hat, sollten wir diese nutzen und ihn nicht unhöflich warten lassen."
    Dann wandte sich Heinrich seinen Begleitern zu und sah sie sich an. er griff zu Randokars schaube und richtete den Pelzkragen, dann nam er sich in gleicher weise die Schärpe Timeons vor, schliesslich waren alle 4 Kaiserländer salonfein gemacht und bereit vom Protektor empfangen zu werden.

  • Kurz nachdem John Barent sich verabschiedet hatte und auf einer Wendeltreppe in die oberen Stockwerke verschwunden war, erschienen drei Personen im Zugang der protektoralen Gemächer. An der Spitze lief mit zügigem Schritt und harten Gesichtszügen eine hochgewachsene Frau. Der Blick jener, die ihr zum ersten mal begegneten, wanderte stets ein Stückchen über ihre Stirn hinaus, zu den Spitzen der Hörner, die ihrem Kopf entsprangen und ihrer Gestalt etwas Furchteinflößendes verliehen. Sie nickte den Wartenden zu, lief dabei aber zielstrebig weiter. Hinter ihr her eilte ein vergleichsweise kleiner Mann, der auf einer Schreibunterlage, die er sich vor den Bauch gespannt hatte, ein Pergament mit einer Feder bearbeitete und offenbar zu notieren versuchte, was ihm die Frau diktierte. Viel davon konnten die Männer von der BEREMON nicht aufschnappen, doch offenbar ging es um Lagerbestände, Erzlieferungen und Rohstoffzuweisungen. Mehrfach hörte sie die Worte "Hafen" und "De Goa". Av'Sha hatte seit dem gewaltsamen Dahinscheiden Valentins und der Rückkehr der Exilanten vom Sommerfeldzug einmal mehr eine Erweiterung ihres Aufgabenbereichs erfahren und war Galwine so weiterhin eine entschiedene Hilfe in der Verwaltung des Protektorats.
    Der letzte, der in dem Durchgang erschien, war der Wachposten, der zuvor darin verschwunden war, um ihre Ankunft zu melden. An Heinrich und die übrigen gewandt, erklärte er: "Ihr dürft nun eintreten. Man erwartet euch."
    Der Durchgang stellte sich als kurzer Gang heraus, der bereits kurz nach seinem Beginn einen scharfen Knick nach links vollzog und dann leicht ansteigend einige Meter geradeaus führte. Am oberen Ende stand eine massive Flügeltür offen, der Blick hindurch war aber durch einen schweren dunkelgrünen Vorhang versperrt, der jedoch von unsichtbaren Händen beiseite gezogen wurde, als sich die Männer näherten.
    Vor ihnen öffnete sich nun ein Saal, dessen Decke auf mehreren frei im Raum stehenden Säulen ruhte. Von Norden fiel Licht durch große Fenster und auf der kleinen Empore davor stehend hätten sie einen grandiosen Blick auf die Weite des nördlichen Ozeans, den fernen Horizont und auch die Promenade der Unsterblichen gehabt, die sich dort genau zu ihren Füßen befunden hätte, doch vorerst viel ihr Blick auf einen langen Tisch auch dunklem Holz, der etwa in der Mitte des Raumes stand. Neben einer kleinen Schatulle lagen einige Schriftstücke und Schreibutensilien darauf. Auf einem niedrigen Dokumentenstapel auf der rechten Seite thronte die kleine, silberne Skulptur einer Schildkröte und diente offenbar als Briefbeschwerer. Das linke Drittel des Tisches war einzig einem grünen Hut vorbehalten, der dort offenbar mit großer Sorgfalt niedergelegt worden war und dessen Stirnpartie eine großen Muschel und ein Spruchband mit den Worten "Mein Hort vor Wind & Meer" zierte. Hinter dem Tisch aber saß in einem reich verzierten Stuhl ein Mann, der den Neuankömmlingen einen ruhigen Blick zuwarf, eher er zu sprechen begann.
    Wie so oft trug Galwine an diesem Tag ein großes blaues Barett, seine Hände steckten in feinen ledernen Handschuhen, über deren linken er einen Ring gestreift hatte und an der Brust seines ebenfalls blauen Wamses prangte die weiße Larkfeder eines Cubitors. Er legte das Dokument, das er gerade noch gelesen hatte, zu den anderen auf den Stapel, setzte die Schildkröte wieder auf dessen Spitze und begrüßte die Gäste: "Seid willkommen ehrenwerte Männer von der BEREMON. Es freut mich, dass ihr der Einladung, auf die ihr so lange warten musstet, so schnell entsprochen habt." Hier machte er eine winzige Pause, blickte in Richtung einer Ecke außerhalb des Blickfeldes der vier anderen Männer und machte eine kleine Geste. Kurz darauf trug ein grüngewandeter Mann Stühle für die Gäste herein, die er vor dem Tisch aufstellte und auf die Galwine mit einer weiteren Geste einladend wies, wofür er sich für einen Moment erhob. "Mir ist das Schicksal der BEREMON und seiner Besatzung in groben Zügen bekannt, da es mir oblag -und genau genommen noch immer obliegt- die Rahmenbedingungen eures Aufenthaltes hier zu verwalten und ich glaube auch die Antworten auf manche meiner anderen Fragen zu kennen, doch bitte seid so gut, mir zu sagen, mit wem ich die Ehre habe und erzählt mir, wie es euch in Exilia bisher ergangen ist. Auch möchte ich gerne aus erster Hand erfahren, wie es die BEREMON in unsere Stadt verschlagen hat und welches weitere Schicksal sich ihre Besatzung für sie wünscht." Mit diesen Worten lehnte er sich in dem großen Stuhl zurück, legte die Fingerspitzen aneinander und blickte den Männern, deren An- oder wenigstens Wortführer er noch nicht eindeutig erkannt hatte, mit einem leichten Lächeln nacheinander in die Gesichter.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Heinrich Rotmantel sah seine Begleiter kurz an und ergreiff dann das Wort: "Im Namen Seiner Majestät, Kaiser Karl, dem neunten seines Namens aus dem Hause Habichtsburg, des Flottenmeisters Admiral Ludwig von Habichtsburg und der Kaiserlichen Korvette BEREMON Grüsse ich Euch! Ich bedanke mich im Namen der Besatzung für diese Einladung udn die gastfreundschaft, die uns bisher in dieser schönen Stadt zuteil wurde." Er wies auf einen seiner uniformierten Begleiter "Dies ist der derzeitige Kommandant der BEREMON, Kapitänleutnant Vallas von Hunoldshove." Vallas nichte leicht. "Dies ist der erste Offizier Leutnant Timeon" auch Timeon verbeugte sich, dabei wippten seine langen Ohren, die den Blick auf sich zugen, ein wenig. Heinrich wies auf den mann in zivil links neben sich "Dies ist der Reichsritter Körthany Randokar" Auch Randokar grüsste "Das Protokoll, das mir auferlegt, mich als letzter vorzustellen, macht mich zugleich zum Wortführer der BEREMON, obwohl ich, wie Randokar, nicht zur Besatzung gehöre. Ich gehe zwar davon aus, dass unsere Ränge und Titel hier keine über das Protokoll hinausgehende bedeutung haben, halte es aber für angebracht, sie trotzdem zu nennen. Ich bin Freigraf Heinrich Rotmantel, kaiserlicher Gerichtsbeamter und Heiler. " Heinrich wartete offenbar ab, dass sich auch sein Gegenüber vorstellte

  • Während Heinrich sprach, hatte Galwine seinen interessierten Blick lächelnd beibehalten und lediglich bei der Erwähnung des "Protokolls" ganz kurz die Augenbrauen gehoben. Als Heinrich seine Qualifikation als Gerichtsbeamter und Heiler nannte, machte er sich gedanklich eine Notiz. Nun spach er, die Hände auf die Lehnen seines Stuhles legend: "Zwar muss ich bekennen, dass mir bisher weder der Name Kaiser Karls noch der des Admirals, von dem Ihr spracht, zu Ohren gekommen sind, doch freue ich mich deshalb nicht weniger, Eure Bekanntschaft zu machen und heiße Euch erneut willkommen. Ich bin Galwine Camdagnir, designierter und regierender Protektor Exiliae urbis et conterminorum. Bitte fahrt fort."

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  • "Nun, Protektor Galwine Camdagnir, Nochmals dank für die Einladung!" meldete sich Heinrich wieder zu Wort. "Ihr wolltet wissen, wie es uns bisher hier ergangen sei, nun, wie Ihr seht sind wir bei bester Gesundheit und Laune" ein grinsen huschte über Heinrichs Gesicht "was wir vor allem dieser schönen Stadt zu verdanken haben. Es war uns inzwischen möglich, alle Schäden am Schiff zu beheben und sogar einige technische Verbesserungen vorzunehmen. Die Stadt selbst hat uns freundlich empfangen und, da auch unser kaiserliches Gold hier wilkommen ist, mit allem versorgt, was wir benötigen." wieder lächelte Heinrich.
    "Was nun die Geschichte angeht, wie wir hier her gelangt sind, das kann Euch Vallas, ähm Kapitänleutnant von Hunoldshove sicher besser erzählen." Heinrich wandte sich zu Vallas um
    "Nun, um es kurz zu machen, der Kaiser hat vor nicht ganz einem Jahr eine Flotte losgeschickt, um neue Seewege zu erkunden und Handelsbeziehungen zu knüpfen. Diese Flotte stand unter dem Kommando von Admiral Prinz Ludwig, dem Bruder des Kaisers. Die Beremon war Teil dieser Flotte. Jedes Schiff hatte, für den fall dass es von anderen getrennt werden würde, die anweisung erhalten den Auftrag der Flotte fortzusetzen, aus diesem Grunde war an Bord jedes Schiffes ein kaiserlicher Beamter mit Siegelrecht anwesend, bei uns Herr Heinrich Rotmantel, der zwar als Schiffsarzt fungierte, als Gerichtsbeamter aber Siegelrecht hat.
    Nachdem die Flotte Meobes Strudel, das ist eine Art Portal im Fiannischen Meer, das Reisen zu weit entfernten Orten zulässt, gut passiert hatte, geriet sie in einen Sturm, der es uns nicht möglich machte, genau zu bestimmen, wo wir eigentlich sind. Dieser Sturm trennte die beremon vom Rest der Flotte und verschlug uns vor die Mythodeische Küste. Nachdem wir feststellten, dass wir uns nahe der Küste befanden, habe ich diese mit der Schaluppe erkundet und traf dabei auf den Küstenschoner unter Wachoffizier John Barent, der uns schliesslich in den Hafen lotste. Alles weitere wisst Ihr bereits."
    Vallas hatte seinen bericht in einem militärischen Ton vorgetragen, der keinen Zweifel daran liess, dass er durch die harte Schule einer militärischen Marineakademie gegangen war.
    "Der Auftrag besteht weiterhin, auch für uns. " warf Randokar ein.
    "Randokar, ähm Reichsritter Körthany..." "Heinrich, das kaiserliche Protokoll interessiert hier keinen, es wissen auch so alle wer gemeint ist, also sparen wir uns die Titel." "Ähm... nun gut. also Randokar hat Recht, unser Auftrag besteht weiter. Wir sollten also darüber nachdenken, wie wir zum einen am besten in die Kaiserlande zurückkehren können und zum Anderen unsere bekanntschaft wirtschaftlich nutzen können. Einer Handelsbeziehung zwischen Exilia und dem Kaiserreich wäre ich persönlich nicht abgeneigt, obwohl ich fürchte, dass das wunderbare Brot, das man hier backt, eher nicht für lange Transporte geeignet ist. Vieles in diesem Land ist im Aufbau, es werden Waren benötigt, Werkzeuge, Materialien und vieles mehr. Auch Luxusgüter wie Sarazenentrunk oder Rauchkraut können auf diese Weise den Weg zu den Siedlern dieses Kontinents finden. Im Gegenzuge können Rohstoffe, die hier zu finden sind exportiert werden und der Wirtschaft anderer reiche zugeführt werden. Nicht zuletzt sollten wir daran denken, dass auch aus den kaiserlanden siedler den Weg hier her finden werden, um sich in diesen Landen niederzulassen. Eine Stadt wie Exilia kann vom Seehandel nur profitieren. " Heinrich sah sich kurz um. " Die Anwesenheit von Schiffen eines handelshauses im hafen beweist, dass auch andere die günstige Lage der Stadt erkannt haben."
    "Aber dazu müssen wir erstmal den Heimweg finden, was mir schlichtweg unmöglich erscheint, ohne genaue Kenntnisse des Seeweges in uns bekannte Gestade" warf Vallas ein.
    "Genau das ist unser Dilemma. " antwortete Heinrich, "diesen Weg zu finden. Ich denke, daran können wir gemeinsam arbeiten."

  • Galwine war sehr erfreut darüber, wie die Gäste der Stadt über die erfahrene Gastfreundschaft sprachen, doch er konnte nicht umhin, sich auch ein wenig Enttäuschung darüber einzugestehen, dass sie offenbar nicht vorhatten, dauerhaft in Exilia zu bleiben. Als er die Salutschüsse der BEREMON vor wenigen Wochen vernommen hatte und das inzwischen wieder stolze Schiff vor der Küste ankern sah, war in ihm die Hoffnung gekeimt, die große Schar disziplinierter Seemänner und fähiger Handwerker bald zu den Bewohnern des Protektorats zählen zu können und die BEREMON als Flaggschiff der Flotte Exilias hinzufügen zu dürfen.
    Doch die Aussicht, weitere Handelspartnerschaften aufbauen und auf diesem Weg eine möglicherweise noch größere Zahl Einwanderer anlocken zu können und auch die Ahnung, dass die Erkenntnisse, die die Bootsbauer der Werft durch das Beispiel der BEREMON gewonnen hatten, ausgesprochen wertvoll waren, war kein schlechter Trost, wenngleich er zugleich abzuwägen versuchte, ob aus dem Kontakt mit dem Heimatland der Kaiserländer nicht eine Gefahr erwachsen könnte. Ein Kaiserreich, das mächtig und reich genug war, umfangreiche und offenbar in jeder Hinsicht ausnehmend gut ausgestattete Expeditionen in unbekannte Gebiete zu entsenden- lediglich mit dem Ziel, Handelspartner und Absatzmärkte zu finden- musste sich zweifellos auch mit dem Gedanken der Kolonialisierung tragen. Doch sofort dachte er auch an die Stärke Exilias, die Höhe der Klippen, die Unerschütterlichkeit seiner Mauern und Bewohner und schließlich die feste Hand mit der Archon und Nyame des Nordens ihr Reich zu verteidigen wussten- und schließlich antwortete er lächelnd:
    "Es ist Exilia eine Freude, euch seine Gäste nennen zu dürfen und spürtet ihr den Wunsch zu bleiben und dieses Land als eure Heimat anzunehmen, so würdet ihr mit offenen Armen empfangen. Doch ehre ich den Wunsch, einen erhaltenen Befehl auszuführen, solange die Möglichkeit besteht und ich vermute, dass der Weg in eure Heimat leichter zu finden sein wird, als Ihr, werte Herren, im Augenblick annehmt. Auch wenn ich hoffe, dass euer Aufenthalt hier wenigstens noch eine kleine Weile andauert. Ich bin mir sicher, dass alle Seiten von einem gezielten und intensiven Wissensaustausch profitieren würden."
    Hier blieb sein blick für einen Moment an Heinrich hängen. Ein Gerichtsbeamter und Heiler? Er würde Bruder Vitus und vielleicht auch Dorna nahelegen, sich einmal näher mit ihm zu unterhalten.
     Wie bereits gesagt, muss ich gestehen, vor eurer Ankunft hier und auch zu jener Zeit, als ich noch in der alten Welt lebte, noch nie von Kaiserreich Karls gehört zu haben," hier schoss ihm für den Bruchteil eines Augenblicks das Bild des neuen Archons der Dornen durch den Kopf, "doch ich bin mir sicher, dass ein so bedeutendes Reich, wie es zu sein scheint, unter jenen, die zur See fahren und auch über die Grenzen Mythodeas hinaus Handel treiben, nicht unbekannt bleiben kann. Der Weg über das Meer nach Mythodea ist, soweit ich weiß, nur auf sehr verschlungenen Pfaden zu erreichen und jene, die diese Pfade kennen, hüten ihr Geheimnis gut, sodass die Mythodeanische Seehandelsgilde praktisch den gesamten Schiffsverkehr zwischen diesem Kontinent und allen Hinnenlanden kontrolliert. Jeder Kapitän und jeder Händler, der seine Waren per Schiff transportieren lässt, steht mit ihnen in Kontakt- und umgekehrt. Ich rate also dazu, mich an einen dieser Händler, oder besser noch an die Gilde selbst zu wenden, wenn euch jemand durch Weisung des Wegs helfen kann, dann wird er sich dort finden. Falls andere Kräfte, wie jene von Magiern oder Alchemisten, von Nöten sind, werden ich jene Exilanten, die ihrer kundig sind, anweisen, euch ihre Hilfe zuteil werden zu lassen. Zweifellos ist euch nicht verborgen geblieben, dass heute Morgen drei Schiffe des Handelshauses de Goa in den Hafen eingelaufen sind. Zufällig weiß ich mit Sicherheit, dass Don Silvio zu jenen Händlern gehört, die auch außerhalb der Grenzen Mythodeas Handel betreiben. Wenn ich richtig vermute und er sich an Bord eines jene Schiffe befindet, wird sich unverhofft schnell die Gelegenheit ergeben, mehr über die Seehandelsgilde und die Schifffahrtsrouten von und nach Mythodea zu erfahren."

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

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  • Heinrich glaubte, Bedauern und ein wenig Sorge im Blick Galwines gesehen zu haben, vermutlich wäre es ihm lieber gewesen, wenn die BEREMON und ihre Besatzung sich in Exilia niederlassen würde. Nun, das läge durchaus im Bereich des Möglichen, jedoch stand dem der Befehl entgegen, an den die Kaiserländer noch immer gebunden waren. Zwar würde ihnen wohl unter den gegebenen Umständen niemand einen Vorwuref machen, wenn sie hier blieben, aber es war ein Gebot der Höflichkeit und auch der Ehre, die Flotte zumindest darüber zu informieren, was sich ereignet hatte. Zudem hatte Heinrich noch immer Aufgaben in den Kaiserlanden, offensichtliche und weniger offensichtliche und auch solche, von denen nur er und seine Auftraggeber wussten. Die innere Stabilität des Kaiserreiches war trotz der grossen Beliebtheit des Kaisers gefährdet, was sich schon an den abenteuerlichen Ereignissen vor Beginn der Expedition in Bohenien und der Ostermark gezeigt hatte. Prinz Ludwig hatte die Kaiserstadt nur incognito und mit Hilfe zwielichtiger Gestalten verlassen können und die Flotte hatte sich erst in den Häfen der Schicksalsinseln versammelt. Von alledem konnte der Protektor Exilias nichts wissen. Da unter dem Begriff "Alte Welt" hier offenbar alle Länder ausserhalb Mythodeas zusammengefasst wurden, war es durchaus möglich, dass die Kaiserlande völlig unbekannt waren.
    "Nun, ich denke es wird sich noch Gelegenheit finden, Euch, möglicherweise in weniger formellem Rahmen, mehr über die Kaiserlande zu erzählen. Ich muss zugeben, dass auch mir Mythodea bisher völlig unbekannt war." Heinrich sah fragend in die Runde seiner begleiter, alle schüttelten den Kopf. "Ich hab in Siebenhafen mal was von Mythodea gehört, ein paar Søderborger seien wohl mal da gewesen und der eine oder andere Sedlache auch, aber genaueres wusste ich auch nicht, bevor wir hier eintrafen" gab Timeon zu.
    "Aber kommen wir zum praktischen. Ich halte es nicht für ratsam, in dieser Jahreszeit grosse Fahrten zu unternehmen, ich denke, im späten Frühjahr, wenn sich das Wetter beruhigt, ist es deutlich günstiger. Bis dahin erbitte ich die Gastfreundschaft Exilias und stelle die BEREMON für die Verteidigung Exilias zur Verfügung, allerdings nur mit der eigenen Mannschaft. Sollte es sonst etwas geben, das wir für Exilia tun können, so lasst es uns wissen. Werden meine Dienste als Heiler benötigt, stehe ich zur Verfügung, gleiches gilt auch für die Hamdwerker an Bord. Timeon?"
    "Ich bin gerne bereit, die Werft als Ingenieur zu unterstützen." antwortete dieser.
    Auch Randokar äusserte sich: "Ich bin nur ein Reichsritter, sprich alles was ich beherrsche ist der Umgang mit dem Schwert und die Kriegskunst. Wenn ich damit nützlich sein kann, sagt es mir." "Und ich stelle gerne mein nautisches Wissen zur verfügung, allerdings bin ich mit mythodeischen Gewässern nicht vertraut" Vallas hatte bei allen Fahrten der BEREMON John Barent als Lotse mit an Bord gehabt.
    "Zudem wäre ich darüber nicht unglücklich, diesen Handelsherren Don Silvio de Goa mal kennenzulernen.
    Selbstverständlich wird für unseren Aufenthalt sowohl der Liegeplatz als auch alles was wir verbrauchen in bar bezahlt. Für die Dienste, die wir hier leisten, bitten wir um die übliche Vergütung. "
    schloss Heinrich.

  • "Sowohl Gastfreundschaft als auch einen gerechten Lohn sollt ihr bekommen, denn eure Dienste nehme ich mit Freuden in Anspruch", antwortete Galwine. Wenn er die Männer von der BEREMON mit dem Geld bezahlte, dass sie im Gegenzug für Nahrung, Liegeplatz und Unterkünfte ausgaben, war das in seinen Augen durchaus mit der üblichen Regelung (Grundversorgung für Exilanten und Fluchtsuchende gegen Dienst für das Protektorat) vereinbar. Er wandte sich nun einzeln seinen Gästen zu: "Randokar, vielleicht ist es nicht die Kraft eures Schwertarms, mit der ihr Exilia einen Dienst erweisen könnt- wenigstens hoffe ich, das es nicht vonnöten sein wird- doch gleube ich, dass ihr es vermöchtet, indem ihr euch mit meinen Hauptmännern und Feldwebeln unterhaltet und ihnen beibringt, was ihr von der Kriegskunst wisst. Im Gegenzug, da bin ich sicher, werdet ihr bei dieser Gelgenheit manches erfahren könnt, das euch einmal von Nutzen sein kann.
    Euch, Heinrich, bitte ich um ähnlichen Dienst: Exilia ist im stolzen Besitz einer gut ausgebauten Krankenstube, eines großen Kräutergartens und viele Exilanten haben sich der Forschung verschrieben, sodass sich die Fähigkeiten unserer Heiler mit jenen der Meister der Akademie zu Selfiran messen können. Sie alle unterstehen den Forschenden Zünften und somit Zirombil Baltâsar, doch der Leiter der Krankenstube ist Bruder Vitus und mit ihm bitte ich euch, euch in Verbindung zu setzen. Die Heilkunst ferner Lande mag die hiesige bereichern und ihr mögt dort erfahren, was ihr wissen müsst, wenn ihr euch wieder auf den Weg macht und euch möglicherweise eine Zeit lang mit Auswüchsen der Pestilenz herumschlagen müsst, die in eurer Heimat unbekannt sind. Des Weiteren wünsche ich, dass ihr einem Rechtsgelehrten hier alles, was ihr über Gesetz und Rechtsprechung eurer Heimat wisst, beibringt. Möglicherweise kann Exilia von eurem Beispiel lernen.
    Ihr, Timeon, habt mir ebenfalls einen wertvollen Dienst angetragen, den ich anzunehmen gedenke und so trage ich euch auf, Skip Talbot, den Vorsteher der Werft, mit eurem Wissen zu unterstützen. Die Fähigkeit, Karavellen vom Rang der BEREMON zu bauen und eure möglichen Ideen zur Verbesserung der Schiffe, wie wir sie bauen, würde eine Bereicherung für Exilia bedeuten.
    Zuletzt- und ich habe Euch, Vallas, nicht vergessen- habe ich einen Vorschlag zu unterbreiten, der vermutlich den Ratschluss aller hier anwesenden erfordert: Euch wird nicht entgangen sein, dass in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit und Arbeit darauf verwandt wurde, ein im Hafen liegendes Schiff unserer kleinen Flotte mit allen Mitteln der Kunst zu einem Glanz zu verhelfen, der den zum Zeitpunkt seines Stapellaufs übersteigt. Und ihr werdet ebenfalls bemerkt haben, dass große Mengen an Vorräten und Ausrüstung an Bord gebracht wurden und sich eine umfangreiche Besatzung einefunden hat. Auch wenn ich vorerst über den Zweck diese Unterfangens schweigen werde, kann ich doch sagen, dass diesem Schiff eine weite Reise bevorsteht und es in Kürze in Richtung Westen aufbrechen wird. Als ich nun euren Vorschlag hörte, Vallas, kam mir in den Sinn, dass es eine Möglichkeit gibt, euch umfangreich Gelegenheit zu bieten, euch mit den mythodeanischen Gewässern vertraut zu machen. Wenn ihr meinem Wunsch zustimmt, werte Herren, wird dies zugleich die Mission jenes anderen Schiffes möglicherweise erheblich erleichtern und die Erfolgsaussichten stark erhöhen. Ich wünsche, dass die BEREMON das Schiff auf seiner Fahrt bis zur Landzunge nördlich des Usst Yu'na Nair, westlich von Klá Verden Avendre, begleitet, ihm Schutz gewährt - wenn ich die Fahrt auch nicht als gefährlich einstufe, sind doch alle Länder, an deren Küsten sie entlang geht, wie wir Protektorate des Nordens- und die Besatzung mit Vorräten versorgt, sodass sie ihre eigenen erst auf der weiteren Fahrt anrühren müssen.
    Die Fahrt wird die Schiffe stets in Sichtweite der Küste halten und ich würde euch, Vallas, einen der erfahrensten Navigatoren Exilias zur Seite stellen. So solltet ihr Erfahungen sammeln können, die es euch erlauben, die BEREMON im Frühjahr sicher durch die mythodeanischen Gewässer und hoffentlich in eure Heimat zu führen. Zugleich werdet ihr auf eurer Fahrt in den Westen Ozam Haro'ol passieren und wenn es euch beliebt, mögt ihr auf dem Rückweg den dortigen Hafen anlaufen. Vielleicht findet ihr dort einen Händler oder Seefahrer, der euch auf der Suche nach eurer Heimat zu helfen vermag. Was meint ihr? Kann ich auf die Unterstützung der BEREMON zählen?"

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“