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    Zeitpunkt: Anfang Wintermond
    Ort: In Engelsweg / Yunalesc
    Personen: Sylvana, Lares-Edorian


    Als Lares-Edorian die Augen öffnete, hatte Mahrukkaa bereits das Zimmer verlassen gehabt, ihre Ausrüstung war fort und es war bereits hell gewesen. Auch die kleine Kenderfrau war nicht mehr anwesend, vermutlich bereits zu Tisch, um sich für die Reise zu stärken.


    Er hatte geträumt, nur wusste er nicht, ob es ein guter oder schlechter Traum war...


    Er hatte nicht viel Gepäck mit, nur seinen Gambeson, über die er sein Kettenhemd zog, die Plattenschultern, seinen terragefälligen braunen Flickenüberwurf, sein Schwert, sein Schild, seine Provianttasche.


    Zügig verließ er das Zimmer, überquerte den Hof, teilte Mahrukkaa mit, dass er sich noch verabschieden wolle und erreichte kurz darauf das Ordenshaus.


    Mit der Bitte zu Sylvana vorgelassen zu werden betrat er das Ordenshaus.

  • Irritiert ob der Anfrage nach der Neches Re bat man ihn der Wache zu folgen. Denn die Mutter Konfessor war des Nachts ins Lazarett geleitet worden. Dort führte man ihn schweigend hin und verwies ihn auf die halb geöffnete Tür aus der eine leise Unterhaltung zu hören war.


    Die Wache klopfte sachte und das Gemurmel verstummte.


    Nur herein...


    Wenn Lares das Zimmer betrat, dann fand er Sylvana aufrecht auf einem der Lager sitzend, ein Kind im Arm, das Haar leicht zurück gebunden und die Züge von dezenter Übermüdung gezeichnet, aber glücklich. Einige Meter neben dem Bett lehnte der Dunkelelf der die letzten Tage für einigen Wirbel gesorgt hatte mit verschränkten Armen an der Wand.


    Lares... Ich hatte nicht mehr daran geglaubt dich noch einmal zu sehen bevor du abreist.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Während er gleichmütig und in Gedanken das Zimmer betreten hatte, erhellte sich seine Mine, als er überrascht Sylvana mit dem Neugeborenen im Arm sah. Wer Lares-Edorian näher kannte würde meinen, dass soeben die Sonne aufgegangen war.


    Leicht Kopf schüttelnd stand er eine Weile da und bewunderte das neue Leben, welches wohl in dieser Nacht den Weg in diese Welt gefunden hatte. Und gesund schien es auch zu sein.


    "Alle sprechen darüber, ich wollte Euch nur noch mit meinen eigenen Augen sehen bevor ich abreise..." Antwortete er leise, aus Angst, der Zauber dieses Momentes würde verfliegen, würde er seine Stimme über diesen erheben.


    Er legte mit langsamen Bewegungen um niemanden, besonders den Dunkelelfe in der Ecke, aus der Ruhe zu bringen, seinen Rüstgürtel mit der Schwertscheide am Eingang zur Seite, legte seinen Dolch daneben auf einen Stuhl und näherte sich der jungen Mutter und ihrem Spross bis auf wenige Schritt, dann kniete er sich nieder.


    "Ihr zwei seht wirklich gut aus..." Dies traf mit Sicherheit auf den Säugling zu, sicher nicht auf Sylvana, denn sie sah sehr müde aus.

  • Sie ist... das Beste was mir je geschehen ist... ganz gleich in welchen Sturm sie hinein geboren wurde...


    Sanft strich sie der kleinen über die Wange und blickte dann zurück zu ihrem Beuscher.


    Möchtest du sie halten?


    Ihr war der Ausdruck in seinem Gesicht nicht entgangen...

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Lares-Edorian hob die leeren Handflächen und deutete, dass es keine gute Idee wäre. Blickte dabei auch kurz zu dem Dunkelelfen.


    "Nein, ich denke nicht. Ich bin in der Lage ein Schwert in die Schlacht zu führen und dies vielleicht mit nicht wenig Geschick, aber ein Kind in den Armen halten ist eine Herausforderung, der ich nicht gewachsen bin." Scherzte er und lehnte dankend ab.

  • Sicher? Bedauerlich... man wächst mit seinen Aufgaben... selbst in solchen Dingen...


    lächelte sie.


    Geht es dir inzwischen besser? Wollen wir die Unterhaltung unter vier Augen fortführen? Dann schicke ich Kelnozz vor die Tür. Noch haben wir Gelegenheit dazu.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Lares-Edorian nickte stumm.


    "Ich denke, es ist dem Zweck dienlich, wenn wir unter vier Augen sprechen, ja."


    So ich nicht ständig Angst um mein Leben haben muss, bei einem falschen oder missverständlichen Wort, dachte er zynisch.


    Es gab gegenwärtig leider keinen Grund, besser über Kelnozz zu denken, auch eine Angelegenheit, weshalb er mit Sylvana sprechen musste oder wollte.

  • Die Neches Re nickte schweigsam und gab Kelnozz ein Zeichen sich vor die Tür zu begeben. Kein Widerspruch, nur ein Nicken in Sylvanas Richtung und ein kühler Blick für den Besucher. Dann verschwand er hinaus und schloss die Tür.


    So... nun haben wir Ruhe... hoffe ich.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Lares-Edorian lächelte.


    "Ich mache Dir keinen Vorwurf, Sylvana, eine Frau in Deiner Position, ob im Orden oder im nördlichen Siegel, in diesen für uns alle schweren Zeiten, auch wenn einige es nicht wahrhaben wollen..." Lares-Edorian hatte schon ganz andere Menschen an weniger zerbrechen sehen, wenn die Last zu groß wurde auf den Schultern. Er wusste wovon er sprach und Sylvana erinnerte sich vermutlich auch. Es gab keinen Grund ihr irgendeinen Vorwurf zu machen.


    "Es ist schön zu sehen, dass es Dir und dem Kind gut geht, wenngleich nicht hier ausschließlich hier bin, um Glückwünsche zu entrichten..." Sie konnte in seinem Gesicht etwas wie Bedauern ablesen, als ob er sich dafür schämen musste diesen Moment zu schmälern, einen Moment der Freude, der Gesundheit, mit schlechter Kunde zu vergiften.


    Lares-Edorian verzog leicht das Gesicht.


    "Ich bin ein wenig besorgt..." Die Worte klangen wie weggeworfen, als wolle er versuchen die Bedeutsamkeit herunterzuspielen.


    "Die Geschehnisse um Dich, um den Orden, um Walays, um Kelnozz, waren verwirrend und verstörend genug. Ich könnte nicht fortreisen ohne mit Dir darüber gesprochen zu haben. Dieses Gefühl welches in meinem Magen zurückbleibt ist kein Gutes, kein guter Proviant für eine Reise in den Süden." Lares-Edorian brauchte sicher nicht zu erwähnen, wo er lebte und wem er diente. Er war Berater der Nyame des Südens, ja, aber er war ihr nicht verpflichtet und würde nicht wie ein Laufbursche zu ihr Eilen, um Bericht zu erstatten. Die Wege, die ihn nach Yunalesc und genauer Engelsweg geführt haben, waren deutlich verschlungener.


    "Mehr sorgt mich gegenwärtig die Erkenntnis, die ich am gestrigen Abend durch ein Gespräch mit Queezax erlangte..." Besorgt blickte er zu Boden, seine linke Hand umklammerte einen Anhänger, den er seit kürzlich um den Hals trug, goldene Blätter die einen großen Bernstein umschlossen.

  • Sie lehnte isch ein wenig zurück und wiegte das Kind in ihren Armen als es leise anfing zu quengeln. Das helle Stimmchen erfüllte die kaum merkliche Kluft zwischen den Beiden und entlockte Sylvana ein sanftes "ssscht...", mit dem jedoch das Kind und nicht Lares gemeint war.


    Ganz langsam und Schritt für Schritt. Wir können über alles was dich beschäftigt sprechen. Ich laufe dir weder fort noch habe ich heute etwas anderes vor. Wo möchtest du beginnen?

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Er blickte Sylvana an, nickte bedächtig und legte die Handflächen aufeinander.


    "Von Anfang an? Ein Traum oder eine Vision führte mich nach Norden. Ich musste mich nach der Expedition zum Gefängnis von Ama'rez in Caladh Maháir erstmal von den Heilern wieder zusammenflicken lassen. Sieben Tage lang war ich auf meinem Krankenbett, es waren nicht alleine die sichtbaren Verletzungen, die waren schnell versorgt, es war vielmehr die Erschöpfung und die seelischen Wunden. Ich habe bisher mit niemanden genau darüber gesprochen...


    Dann hatte ich einen sehr verstörenden Traum, fremde Sinneswahrnehmungen, Geräusche, Gerüche, Gedankenbilder, Bilder und Gefühle. Eine Freundin war in Not, ich war mir ganz sicher, also verließ ich am siebten Tage das Krankenbett, traf letzte Besorgungen und verließ Caladh Maháir ohne ein Wort. Durch die Tore Terras gelangte ich in das Orkland im Norden, es war Zufall oder Schicksal, dass ich dort Mahrukkaa traf. Ich war da in etwas hineingeraten, aber dies tut hier gerade nichts zur Sache.


    Im Norden angelangt veränderten sich die Träume. Ob ich schlief oder wach war, hatte ich stets das Gefühl, dass jemand oder etwas mit langen scharfen spitzen Fingernägeln über steinigen Grund kratzte. Etwas wollte sich mir bemächtigen und ich hatte das Gefühl langsam wahnsinnig zu werden. Mich haben diese Gefühle und Eindrücke bis in meine Träume verfolgt gehabt, ich hatte Sorge und Angst, die Leere könne mich als Tor benutzen, um über den Traum...


    Aber das ist nie geschehen. Und wird auch niemals geschehen.


    So viel Macht haben sie nicht, über mich auch nicht."


    Nachdenklich rieb er sich die Hände. Wenngleich es leicht für ihn schien all das zu erzählen, so konnte Sylvana seine Sorge spüren. Er hatte sich wohl sehr viel Gedanken gemacht, vielleicht schon zu viel, womöglich hätte er früher zu ihr kommen sollen, auf der anderen Seite war Lares-Edorian jemand, der ungerne auf Hilfe angewiesen war, denn dazu gehörte ein Grad der Selbstoffenbarung, den er selten bereit war zu leisten. Vertrauen.


    "Ich bin Mahrukkaa nach Engelsweg gefolgt, nenne es Schicksal, dass ich ihr hierher gefolgt war. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich ließ mich von den Elementen hierherführen, doch wie es schien..." Er schluckte die Worte runter. Dann starrte er auf einen Punkt in der Ferne, entglitt dem Moment, verlor sich in düsteren Gedanken und Erinnerungen.

  • Doch wie es schien...? wiederholte sie seine Worte und sah ihn abwartend an.


    Innerlich hoffte sie, dass Kelnozz, sollte er irgendwas von dem was hier gesprochen wurde hören, die Ruhe bewahrte. Auch wenn er für seine Verhältnisse beinahe entspannt wirkte war Lares vermutlich ind en Augen des Drow mit den Dingen die er da aussprach ein Risiko zuviel...


    Sylvana indes blieb ruhig und konzentrierte sich auf die Worte und Gefühle ihres Gegenübers.


    Nun, das mit dem Traum... unwahrscheinlich. Die Leere wandert nicht über den Traum und selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintritt sie im Traum zu sehen, dann ist es im Höchstfall der eigene Verstand der dir Trugbilder eingibt. Die "Macht" der Leere wirkt nicht über Magica... vieles der Träume, wenn nicht gar alles, jedoch schon...

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Lares-Edorian ergriff die helfende Hand seine Gedanken neu zu ordnen bereitwillig, hob seinen Kopf, blickte Sylvana dankend an.


    "Ja, Du hast natürlich recht. Ich habe sehr lange mit Earainne darüber gesprochen..." Seine Mine erhellte sich ein wenig. Earainne. Ein Lächeln flog über sein Gesicht. Aber näher wollte oder konnte er darauf nicht eingehen, was im Traum geschehen ist. Vielleicht war es zu privat und Lares-Edorian hoffte sehr, dass Sylvana dies respektieren würde.


    Lares-Edorian straffte sich ein wenig, kratzte sich am Kopf.


    "Ich darf ihnen durch meine Gedanken keine Macht geben. Doch dies ist leider bereits geschehen. Dies wurde mir in dem Gespräch mit Queezax bewusst. Ich habe ihnen Macht über mich gegeben, ich habe zudem einen Akolythen der Leere sehr verärgert..." Er lachte grimmig, legte kurz den Kopf leicht zur Seite.


    "Wurde Dir berichtet, dass ich von der Leere angegriffen wurde, am Morgen des Lichterfestes?"

  • Es wirkte nicht so als hätte Sylvana Interesse an Dingen über die er nicht von selbst sprach.

    Und wie soll das geschehen sein, dass du ihnen Macht gegeben hast? Ich zweifle nicht an den Worten des Naldar, im Gegenteil, aber es interessiert mich.


    Sie beobachtete während er sprach sehr genau. Er wirkte stets ein wenig abwesend und wenn die Neches Re sich die Arbeit machen würde ihn mehr zu lesen als sie es bereits tat, dann würde sie vermutlich ein recht eigenwillig und zur Zeit durchaus dämmriges Bild von ihm erhalten. Es verwunderte sie im grunde nicht, dass er so eine ANgriffsfläche für die Leere bot. ihr gesamter Orden tat es ihm gleich.

    Nun... einen Akolythen zu verärgern ist halb so wild. Es sollte nicht unterschätzt werden, aber es gibt weitaus schlimmeres...


    Aniesha Fey... Maebreth... Alte Herrscher... die Elemente...

    Nau, davon wusste ich nichts. Aber Informationen dieser Art bewegen sich in Yunalesc selten bis gar nicht zu mir, außer jemand weiß, dass es mir wichtig sein könnte dieserlei Dinge zu erfahren. Meist personengebunden...

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • "Queezax und auch Khalil warnten mich davor, mich zu viel mit der Leere zu beschäftigen, in Gedanken, in Schriften. Es sei gefährlich. Sie könnten so Einfluss auf mich nehmen oder schlimmer noch... Ich verstehe zu wenig davon, aber diese Warnung nehme ich ernst. Und ich werde handeln, darum werde ich nach unserem Gespräch abreisen müssen, zurück in den Süden."


    Er versuchte sich ein wenig zu entspannen, schloss für einen kurzen Moment die Augen und sah wieder Earainne.


    Weißt du überhaupt, was es bedeutet, wenn sie in den Traum gelangen, erinnerte er sich an ihre Worte.


    Beständig nickte er, ja, er wusste was dies zu bedeuten hatte, darum würde er alles tun um genau dies zu verhindern.


    Einen kurzen Moment schwieg Lares-Edorian, dann nahm er die Rede wieder auf.


    "Einige Siedler wurden von der Leere angegriffen, ich weiß von Alexij und einem Mitglied Deines Ordens, ich fand ihn im Wald, total verstört, ihm fehlte ein halbes Jahr seiner Erinnerung. Ich blieb bei ihm, bis ihn sein Bruder und einige andere Ordensmitglieder fanden...


    Mich haben sie auch erwischt. Ich erinnere mich noch, dass ich der Füchsin am Tempel von unserer Entdeckung in der Nacht im Wald erzählen wollte, am Morgen des Lichterfestes, dann brach ich unter Schmerzen zusammen. Ich hatte alle meine Erinnerungen verloren, zum Glück konnten sie wiederhergestellt werden und zurück blieb nur ein Kopfschmerz, der mich fast den ganzen Tag quälte und meine Konzentration forderte. Ich habe mich von Tiara Lea prüfen lassen, aber wie es schien, blieb keine Essenz in mir zurück und auch alle Erinnerungen waren wiederhergestellt worden.


    Glück? Zufall?


    Was ich nicht weiß ist, ob sie sich mein Wissen einverleibt haben, meine Ängste und Sorgen, die mich schlussendlich hierher geführt haben und ich ihnen so einen Weg gewiesen habe noch größeren Schaden anzurichten.


    Wenn dem so wäre, kann ich es nicht mehr ändern, dennoch kann ich nicht tatenlos herumstehen und nichts tun..."

  • Ich halte es für recht unwahrscheinlich, dass die Leere euch eure Erinnerungen genommen hat. Ich denke vielmehr, dass sie nur der Auslöser für einen Schock waren. Was die Leere nimmt kehrt nicht wieder. aber das können wir hier nicht mehr prüfen. was das sich beschäftigen mit der Leere angeht, das stimmt. Je mehr du sie verstehst umso mehr wirst du ihnen in die Hände fallen...


    Sie schwieg einen Moment und warf einen Blick auf die kleine Scherpe an ihrem Gürtel, der unweit auf dem Tisch neben dem Lager lag. Der goldene Greif stach gleichsam hell wie auch düster auf dem weißen Stoff hervor.


    Leomir ist das beste Beispiel unserer Geschichte für ebendies...


    Du musst lernen sicherer mit deinem Selbst zu sein. Wenn du mich fragst, solltest du mit einer Art Fokus beginnen... entweder in Form eines Gegenstandes oder eines geistigen Wächters. Das hält sie nicht ewig ab, aber es gibt dir Sicherheit und das ist meist schon der halbe Kampf.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Leomir Greifenkind. Lares-Edorian nickte wissentlich, presste die Lippen aufeinander.


    Khalil sprach viel von Leomir den Abend, als Lares-Edorian mit der Kunde über seine Befürchtungen hineinplatzte...


    Kenne deinen Feind, dachte er, aber manchmal konnte Unwissenheit ein Segen sein wie es schien.


    Lares-Edorian schüttelte leicht den Kopf.


    "Ich bin nun gezwungen zu handeln, ich muss handeln, ich habe schon viel zu viel Schaden angerichtet, auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist, aber meine Schwäche ist eine Einladung an den Feind gewesen..." Gedankenverloren strich er über seinen Anhänger, der um seinen Hals hing.


    Dann blickte er Sylvana an.


    "Ein geistiger Wächter?"

  • Xas.


    Sylvana nickte nachdenklich.


    Ein Wächter der gewisse Kanäle und Eingänge deines Verstandes bewacht. Das kann ein Tier, eine Person oder auch etwas gänzlich anderes sein. Meist in Form von Dingen oder Wesen die dir in deinem Leben begegnet sind und einen starken Einfluss auf dich hatten. Sie agieren, wenn sie gut gewoben sind zu einem großen Teil der Zeit beinahe eigenständig, da sie mit deinem Unterbewusstsein verwoben sind.
    Sie sind meist praktischer als alle Wege zu verschließen, weil du dann jenen die dir helfen wollen die Möglichkeit offen halten kannst sie zu passieren. Weiterhin geben sie dir eine innere Sicherheit die dir die Unsicherheit nimmt welche dich angreifbar macht.


    Sie tippte sich nach Worten suchend mit dem Zeigefinder an die Unterlippe.


    Ich glaube ich könnte das besser zeigen als erläutern. Ich tue mich noch ein wenig schwer damit klare Gedanken auch in klare Worte zu kleiden.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.

  • Ein Wächter,... dachte Lares-Edorian.


    "Ein geistiger Fokus, den ich um Hilfe bitten kann, der mich begleitet, wo immer ich auch bin, ein Licht in der Dunkelheit..." Sinnierte er. Unweigerlich musste er an das Geschenk denken, welches er von Earainne erhalten hatte, Hoffnung, ein Licht in der Dunkelheit.


    Lares-Edorian atmete schwer, hielt sich die linke Hand vor den Mund.


    Dann blickte er Sylvana ernst an.


    "Ich habe zwischendurch gedacht, ich schaffe es nicht mehr, Sylvana. Diese... Angst, sie hatte mich vollkommen eingenommen, mein Denken und mein Handeln bestimmt. Schicke mir eine Horde Untoter und gebe mir ein Schwert, dann gibt es nichts, was ich fürchten muss, aber bei den Dienern der Leere, fühle ich mich... hilflos. Und das muss sich ändern. So schnell es irgendwie geht, denn ich fürchte, das war hier erst der Anfang..."

  • Allein diese Angst vor ihnen bietet ihnen fruchtbaren Boden... ich denke auch, dass dem Abhilfe verschafft werden muss. Dabei wird ein Fokus oder ein Wächter aber nicht ausreichen. Du wirst vor allem auch an dir, deiner Einstellung und der Disziplin deiner Gedanken und Gefühle arbeiten müssen.


    Sylvana wusste, dass ihre Worte für jemanden der sich fürchtete gewiss hart klingen mochten. Doch zum Einen war sie mit der Zeit nicht mehr das Wesen dafür ihren Schülern oder jenen die um Rat baten zu viel Zeit zu lassen und zum Anderen war es schlichtweg die Wahrheit. Es brachte jenen die Hilfe suchten keinen einzigen Vorteil sich Zeit für die Lektionen des Lebens auf diesem Kontinent zu lassen. Dafür war er zu schnelllebig. Man hatte diese Zeit einfach nicht. Lares hatte recht, vermutlich hatte er bereits schon viel zu viel Zeit verstreichen lassen.

    Nur indem wir unser eigenes Licht ohne Angst scheinen lassen geben wir anderen Menschen die Erlaubnis und den Mut, das Gleiche zu tun.