Nachspiel

  • Wo: In den Gemächern des Protektors in der Großen Halle in Exilia

    Wann: Kurz nach dem „Treffen unter Gleichgesinnten 1“

    Wer: Mahr und Galwine, andere auf Anfrage


    Nach der Zusammenkunft auf Einladung Kjonas in Paulos Trutz, die so sehr von Ro Yaros Aktivitäten überschattet worden war, hatte Galwine sich kurz Zeit genommen, einen Bericht für ihre Exzellenzen zu verfassen, und war dann umgehend mit seinem Gefolge aufgebrochen, um nach Exilia zurückzukehren, wo noch immer große Aufregung herrschen musste. Sie hatten ein wenig länger gebraucht, weil die meisten nicht zu Lark unterwegs waren, sondern auf Pferden ritten. Vadania hatte sich ihnen angeschlossen und begleitete sie nach Exilia. Ihre Motivation hatte Galwine, wie so oft, nicht gänzlich zu entschlüsseln vermocht, sich aber darauf verlegt, sie als Geleitschutz zu betrachten, für den er nicht undankbar war.


    Sie hatten Glück gehabt und auf der Straße lediglich unzählige Spuren der ausgebrochenen Larks sehen können. Eine Begegnung mit einem marodierenden Riesenvogel war ihnen erspart geblieben, und es hatte nicht lange gedauert, bis sie auf die Larkreitereskorte stießen, die sie den Rest des Weges zurückbegleitete.

    Es war noch nicht Mittag gewesen, als sie in Exilia eintrafen. Galwine hatte sich umgehend in der Großen Halle einen Bericht der Hauptleute und der Stadtmeisterin geben lassen. Inzwischen hatte man einen deutlich besseren Überblick über die Situation, als der Brief, den er erhalten hatte, vermuten ließ. Offenbar war der größte Teil der gut ausgebildeten Larks der schweren Kavallerie nicht in Panik verfallen und sogar in den Stallungen geblieben, sodass diese Tiere genutzt werden konnten, die entlaufenen Larks zu verfolgen. Auf diese Weise waren schon nicht wenige wieder zurückgebracht worden. Trotzdem fehlte noch immer ein erheblicher Teil der Herde und manche der Tiere hatten sich nicht einfangen lassen, sodass sie getötet werden mussten. Es war ein erheblicher Schlag für den Larkbestand in Exilia und es wurden bereits Überlegungen angestellt, ob man die Zucht wieder intensivieren sollte. Theodor Grävalk hatte in seinem Brief von vier toten Exilanten und etlichen Verletzten berichtet. Später hatte man noch ein paar weitere, übel zugerichtete Leichname in den Larkstallungen gefunden. Offenbar handelte es sich dabei um die Eindringlinge, denn sie konnten nicht als Exilanten identifiziert werden und es wurde auch kein Exilant mehr vermisst. Eine hochgewachsene, dunkelhaarige Frau war nicht darunter. Eine Exilantin mit Namen Nyx war keinem der Anwesenden bekannt, doch war es naheliegend, dass sie in Exilia einen anderen Namen verwendete. Über die Erkenntnisse bezgl. Ro Yaros bewahrte Galwine vorläufig Schweigen. Er wollte verhindern, dass die Organisation zu viel Wind von möglichen Plänen bekam, die man gegen sie schmiedete.

    Nach dieser Besprechung war er zur Krankenstube gegangen, hatte nach den Verletzten gesehen und ihnen, soweit sie ansprechbar waren, Mut zugesprochen. Dann harte er die Hinterbliebenen der Verstorbenen besucht, ihnen, so gut er es vermochte, Trost gespendet, Unterstützung zugesichert und ihnen versprochen, die Toten würdig nach Norden zu schicken.

    Als die Sonne schon nah über dem Horizont stand, kehrte er schließlich in seine Gemächer zurück. Es gab noch etwas, das er heute erledigen musste.

    Lucanica Avia Inproelio hatte ihm berichtet, dass sich Mahr aktiv und mit gutem Erfolg an der Verfolgung der entlaufenen Larks beteiligte. Sie wurde aber gegen Abend zurück in der Stadt erwartet. Galwine ließ dem Stallaufseher einen kurzen Brief für sie zukommen, der sie darüber informierte, dass er sie noch an diesem Abend zu einem Gespräch über die Ereignisse der letzten Tage empfangen werde. Sie solle sich aber die Zeit nehmen, sich vorher ein wenig zu stärken und den Schmutz der Jagd loszuwerden.


    Den Wachen hatte Galwine die Anweisung gegeben, Mahr nicht aktiv aufzufordern, ihre Waffen abzulegen. Es schien ihm in diesem Fall zu leicht als Provokation oder Zeichen des Misstrauens verstanden werden zu können.

    Als Mahr eintrat, saß der Protektor auf seinem hohen Stuhl hinter seinem Schreibtisch. Die kleine silberne Schildkröte war wieder an ihren angestammten Platz auf einen kleinen Stapel Dokumente am südlichen Tischende zurückgekehrt, ein neues und etwas größeres Exemplar, das sich bei näherem Hinsehen als Vergrößerungslinse erwies, stand auf einer Karte am nördlichen Rand und vergrößerte einen Bereich westlich von Exilia. Dazwischen lag eine Reihe kleinerer Dokumente und Objekte.


    Er nickte leicht und sah sie schweigend und ernst an, als sie den Raum betrat und sich dem Tisch näherte. Zwar gab es mehrere Stühle an den Wänden, an einem kleineren Tisch und auf den Stufen der Empore vor dem Fenster, doch vor dem Tisch stand kein Stuhl. Sie schienen in dem Raum allein zu sein.

    Seine Arme ruhten auf der Tischplatte und er legte die Fingerspitzen seiner behandschuhten Hände aneinander.

    „Mahr…“ Er schien eine Winzigkeit zu zögern und sein Blick wurde für einen Moment deutlich freundlicher. „Lucanica sagte, dass du dich bei der Jagd auf die entflohenen Larks gut schlagen würdest. Sehr schön.“ Doch dann wurde wieder strenger und hob eines der kleinen Dokumente hoch, die vor ihm lagen. Er schien nun teilweise zu zitieren: „ Ja, ich verstehe, wenn ich es auch nicht billige, was du getan hast." Er legte es zurück an seinen Platz. "Aber das ändert nichts daran, wie du gehandelt hast. Du hast meinen ausdrücklichen Befehl ignoriert. Du warst in einer offensichtlich bedrohlichen Situation mit meiner Sicherheit betraut und hast es vorgezogen, deinen Posten zu verlassen. Als Feldwebel und Veteranin vieler Feldzüge bist du Vorbild vieler Exilanten. Erkläre dich!“

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

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