Posts by Liadan

    Nickend antwortete sie "Sie ist verschwunden während du weg, in Trance warst. Ich kann es auch nicht so genau erklären. Ich habe die Energie gespürt und den Schmerz. Woran erinnerst du dich?"

    Fasziniert beobachtete sie wie die Narbe mit jeder ihrer Berührungen kleiner wurde und allmählich verschwand.
    Erleichtert holte sie tief Luft, als er die Augen aufschlug. Sie hatte es geschafft. Er war zurück.
    Sie stützte ihn und half ihm dabei sich langsam aufzusetzen. Dann bot sie ihm wortlos die Wasserflasche an.
    Nach einer Weile frage sie "Wie fühlst du dich? "

    Liadan traf sein Gewicht mit voller Wucht. Sie hielt ihn jedoch fest in ihren Armen. Er atmete schwer, aber gleichmäßig. Langsam ließ sie ihn zu Boden sinken und legte ihn neben sich auf den Boden. Sie nahm ihre Wasserflasche und goss ihm vorsichtig etwas Wasser über Kopf und Gesicht. Erst da bemerkte sie, dass die Narbe deutlich kleiner geworden war. Erstaunt untersuchte sie sie und strich ihm die nassen Haare aus dem Gesicht. "Cuilean kannst du mich hören? " Fragte sie besorgt.

    Liadan spürte die Energie die ihn durchströmte, die versuchte ihn weiter fort zu ziehen. Doch sie spürte auch den Schmerz in seinem Rücken. Es fühlte sich genauso an wie damals als der Faun Cuilean berührte. Sie erinnerte sich an seine Worte 'Halt ihn gut fest. Und du wirst alles spüren was er spürt. Bist du dazu bereit?' Ja sie war bereit. Sie hielt ihn weiter an den Schultern fest und versuchte seine Aeris -Energie mit ihrer Terra-Energie auszugleichen.
    "Cuilean komm zurück. Ich bin hier bei dir, komm zurück mit mir, komm zurück- zurück zu mir." Sie wiederholte die Worte immer wieder, in der Hoffnung, dass er sie hören konnte.

    Sie hatte gesehen wie sich sein Blick veränderte, sich nach innen richtete, doch dann ging alles so schnell.
    Sie saß noch immer unmittelbar vor ihm, berührte ihn jedoch zunächst nicht sondern beobachtete ihn nur.
    Im Sommer hatte sie ihn schon einmal in einer ähnlichen Verfassung gesehen. Nachdem Cupa in der Kelriothar die wilde Jagd in ihn getrieben hatte, war der Rabe in ihm erwacht.


    Er verharrte weiter in dieser Position und schien große Schmerzen zu haben, auch sein Gesichtsausdruck hatte sich wieder deutlich verändert. Daher beschloss Liadan ihn zurück zu holen, von wo auch immer er gerade war. Sie befürchtete das Schlimmste - Kelriothar. Doch wie sollte das möglich sein?
    Sie kniete sich vor ihn, legte ihre Hände auf seine Schultern, so wie sie es damals getan hatte und in einem beruhigenden Tonfall sagte sie "Ich bin hier Cuilean, hier bei dir und ich lasse dich nicht allein. Komm zurück - komm zurück mit mir." Gleichzeitig schickte sie Terra-Energie in ihn, in der Hoffnung ihn im Hier und Jetzt zu erden.

    Liadan erschrak bei der Kälte in Cuileans Stimme. Was hatte Donann bloß aus ihm gemacht.
    "Warum sollte es Donann noch interessieren, da du ja die Schildträgerschaft abgelehnt hattest." Sagte sie mehr zu sich selbst.
    Und zu Cuilean, wobei ihr sein veränderter Blick nicht entgangen war: "Ich habe hier im Stamm Subhachas Keyll so etwas wie eine neue Familie gefunden. Menschen die mir wichtig, mir ans Herz gewachsen sind. Und natürlich weil sie meine Hilfe als Heilerin benötigen.
    Und jetzt wo du, Andra, Cailin und noch ein paar andere O'Liarys dazu genommen sind, habe ich noch einen Grund mehr zu bleiben."

    Sie lächelte während sie die letzten Worte sprach.
    "Kannst du das verstehen?"

    Liadan runzelte die Stirn. Sie hatte vergessen wie mühsam es doch war mit ihm eine Unterhaltung zu führen. Daher konzentrierte sie sich zunächst wieder auf die Narbe.
    "Mit der Narbe ist sonst alles in Ordnung. Wenn sich etwas ändert sag es mir bitte. Du kannst natürlich auch direkt den Faun fragen ."
    Da ihr immer noch so viele Fragen durch den Kopf gingen fügte sie einer kurzen Pause hinzu :
    "Ich würde dich gerne noch einmal etwas über deinen Vater fragen, wenn es dir nichts ausmacht. "

    Liadan begann damit die Narbe abzutasten. Sie war nicht sehr tief und rührte von einem sauberen Schnitt her. Die Narbe schien dünner zu werden. Sie heilte tatsächlich nach so langer Zeit noch ab.


    "Habe ich das richtig verstanden, dein Vater hat mit dir trainiert und dir diesen Schnitt bewusst verpasst?"


    Das würde zu Donann passen. Er konnte es nie ertragen, dass sein Sohn anders war. Dies war auch der Grund warum er Cuilean ständig verprügelte, wenn er etwas falsch oder nicht so machte wie er es sich vorgestellt hatte. Als Liadan Donann darauf ansprach und ihm sagte, dass sie seine Erziehungsmethoden nicht tragbar fand, erwiderte er nur ‘Das bringt ihn schon nicht um es macht ihn nur stärker'.

    Das Warten hatte sich gelohnt.
    "Du hast mir gesagt, dass sich die Narbe anders anfühlt seit der Faun dich berührt hat. Ich habe eine Vermutung warum sie sich verändert. Cupa hatte deine Verletzungen mit Magie geheilt, dies hat wohl auch eine Auswirkung auf deine Narbe.
    Um sicher zu gehen würde ich mir die Narbe gerne genauer ansehen."

    Mit diesen Worten stand sie auf, in der Hoffnung, dass er ihre Berührung im Gesicht zulassen würde.
    "Während ich die Narbe untersuche könntest du mir noch einmal erzählen, wie du sie bekommen hast? Diesmal aber etwas ausführlicher, wenn du das kannst."
    Liadan schaute Cuilean die ganze Zeit an um seine Reaktion nicht zu übersehen. Meistens konnte sie durch seine Mimik mehr erfahren als durch seine Worte.

    Liadan nickte und setzte sich vor ihn auf den Boden. Sie schaute ihm direkt in die Augen.
    Vielleicht würde er ihr noch mehr erzählen.
    Ihr gingen so viele Fragen durch den Kopf, doch sie wollte Cuilean nicht überfordern.
    Sie hatte Zeit.

    Und das war sehr beeindruckend.
    "Hat dein Vater dich jemals so kämpfen gesehen?"
    Liadan wusste, dass diese Frage sehr heikel war. Doch sie wollte einfach wissen wie Donann reagiert hatte, als Cuilean zu den jungen Kämpfern gegangen war.

    Das hatte sie schon fast erwartet.


    "Wie du willst. Du solltest dir deine Tunika wieder anziehen!" Mit diesen Worten schaute sie sich um und entdeckte die Tunika auf dem Weg zum Ring auf der Erde liegen. Sie ging los sie zu holen.
    Auf dem kurzen Weg zurück zu Cuilean kam auch das besorgte Gefühl der Mutter zurück. Was sollte sie bloß tun, um sein Vertrauen wieder zu erlangen?


    Mit langem Arm streckte sie ihm die Tunika entgegen.
    "Kann ich im Moment sonst noch etwas für dich tun?"


    Eine weitere Frage bewegte sie noch "Warum bist du mit hier her gekommen, obwohl du wusstest das auch ich hier sein werde, wenn du so wütend auf mich und so enttäuscht von mir bist."


    Erwartungsvoll schaute sie ihn an und hoffte, dass sie mehr als nur ein Schulterzucken als Antwort bekommen würde.

    Liadan stand sofort auf und begann systematisch seinen Oberkörper abzutasten. Diesmal war sie voll und ganz Heilerin. Sie begann an den Armen, konnte jedoch außer ein paar Prellungen nichts feststellen. Als sie von den Schultern über den Hals tastete bemerkte sie sofort eine starke Verspannung und einen Wirbel der sich verschoben hatte. "Ich muss dir den Halswirbel einrenken sonst kannst du deinen Kopf nicht mehr richtig drehen. Du musst jetzt ganz locker lassen!" Mit der linken Hand unter dem Kinn und der rechten den Hinterkopf stützend bewegte sie den Kopf zunächst langsam und dann etwas ruckartiger einmal nach links. Man konnte ein leises knacken hören. Dann tauschte sie die Lage ihrer Hände und wiederholte das Prozedere nach rechts. Auch diesmal war das Geräusch deutlich zu vernehmen. Liadan nickte ohne etwas zu sagen und massierte noch eine Weile seine Hals-und Schulterpartie. Danach schaute sie sich seinen Rücken genauer an. Dieser war übersäht mit unterschiedlich alten Blutergüssen. Sie schüttelte den Kopf. 'Er hat wohl die letzten Tage nur im Ring verbracht.'
    Dann betrachtete sie seine Brust und den Bauch.
    "Steh bitte auf damit ich den Bauch besser abtasten kann."
    Auch Brust und Bauch waren mit unterschiedlich alten Blessuren übersäht. Doch sie konnte keine besorgniserregenden Verletzungen feststellen.
    "Du solltest dir heute Abend vor dem Schlafen gehen warme Umschläge auf deinen Hals und Nacken legen. Und heute nicht mehr in den Ring steigen, damit der Wirbel nicht wieder heraus springt.
    Wenn du willst kann ich deine blauen Flecken mit einer Kräutersalbe behandeln, damit sie besser und schneller abheilen."

    Mit ihren Heilsteinen brauchte sie bei ihm erst gar nicht anzufangen. Das würde mehrere Stunden Ruhe bedeuten und die hatte er schon als Kind nicht aufbringen können.

    Das hatte Liadan schon befürchtet. Donann war froh das sie fort war, warum sollte er noch über sie reden.


    Sie bemerkte wie Cuilean sich seine blauen Flecken anschaute. Ihr war nicht entgangen, dass sie sich vergrößerten und die Farbe änderten. Das gefiel ihr ganz und gar nicht.
    "Darf ich mir deine blauen Flecken genauer anschauen?"

    Liadan nickte schweigend. Ja das Leben war hart, das hatte sie am eigenen Leib erfahren müssen. Doch wie musste es für ihn gewesen sein? Er war viel zu schnell erwachsen geworden. Was hatte sie erwartet? Sie hatte die ganze Zeit den Gedanken an ihn und die Vergangenheit in ihrer alten Heimat verdrängt. Vermutlich war das auch der Grund warum sie Cuilean bisher aus dem Weg gegangen war. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen. Zuerst verlor sie ihren Mann und ihre Söhne in einem dieser Kriege und dann auch noch Cuilean. Und als Donanns Entscheidung gefallen war, dass sie den Stamm verlassen musste, hatte niemand zu ihr gestanden.


    "Ich verstehe dich und ich habe gesehen wie viel du aushalten kannst. Auch wenn du es mir vermutlich nicht glaubst, ich bin sehr stolz auf dich und was du alles alleine erreicht hast. Du bist ein sehr guter Kämpfer. Ich bin so froh, dass du hier bist."


    Sie versuchte ihm dabei in die Augen zu schauen. Sein Blick war hart, fast Ausdruckslos.


    "Was hat dein Vater dir erzähl als ich auf einmal fort war?"

    Liadan war erleichtert. Er war hier in guten Händen. Untersuchen konnte sie ihn später immer noch. Hauptsache er war bereit ihr zuzuhören.


    Sie folgte Cuilean und setzte sich wieder neben ihn auf den Boden.


    "Du wirfst mir vor, dass ich dich verlassen habe. Doch das tat ich nicht aus freien Stücken. Dein Vater wollte mich, nachdem dein Onkel gestorben war, mit seinem ersten Krieger verheiraten. Du kennst ihn und du weißt das ich das nicht tun konnte. Weil ich mich weigerte hat er mich aus dem Stamm verstoßen und du weißt genau was das bedeutet. Ich wollte dich mitnehmen, doch das hätte er niemals zu gelassen. Es zerriss mir das Herz."


    Sie machte eine kurze Pause, denn allein darüber zu reden schnürte ihr die Brust zu. Cuilean war wie ihr eigener Sohn. Er war außerdem der Grund warum sie gehen musste. Denn Donnann, ihr Stammesoberhaupt und Schwager, billigte ihre Einmischungen bezüglich der Erziehung seines Sohnes und sonstigen Belangen des Stammes nicht. Er konnte Liadan nicht ertragen und wollte sie daher mit seinem ersten Krieger verheiraten um sie zu zügeln.


    "Es tut mir so leid."


    Während sie das sagte beobachtete sie Cuilean. Konnte er es verstehen und was noch viel wichtiger war konnte er ihr verzeihen?

    Liadan atmete tief durch als sie sah, dass sich die beiden auf eine weitere Runde vorbereiteten.
    "Hört auf." Liadan sprach diese Worte laut und in einem deutlichen Befehlston, gleeichzeitig betrat sie den Ring und stellte sich zwischen die beiden Kontrahenten. Um ihre Aussage zu bekräftigen streckte sie ihre Arme aus, die Handflächen nach außen zeigend, die linke zu Cuilean und die rechte zu Anois. Sie hatten jetzt schon Verletzungen davon getragen, die sie eigentlich zu einer Pause zwingen sollte. Von Einem zum Anderen schauend ergänzte sie:
    "Ihr habt beide bewiesen, dass ihr ebenbürtige Kämpfer seit. Es nützt niemanden wenn ihr euch ernsthafte Verletzungen zuzieht."
    Und direkt an Cuilean gewandt, in einem ruhigen doch nicht weniger bestimmenden Tonfall "Es macht auch keinen Sinn, dass du deine Wut an jemandem auslässt, der nichts dafür kann. Macht eine Pause, lasst mich euch untersuchen und vor allem lass mich dir erklären, warum ich weg gegangen bin."


    Liadan hoffte inständig, dass Cuilean sich genug abreagiert hatte um auf diesen Vorschlag einzugehen.