Posts by Liadan

    Wo: ...auf der Reise von Collinstad nach Engelswacht und zur Kargen Weite
    Wann: Nach dem Aufbruch aus der Hohld
    Wer: Liadan und später Emain (wenn Liadan in Yunalesc angekommen ist)


    Liadan war mit den anderen Nordsiedlern aus der Bluttann nach Collinstad zurück gekehrt und von dort mit einer Schiffspassage Richtung Norden aufgebrochen.
    Sie war erschöpft, doch außer ein paar kleinen Brandblasen, war sie unverletzt.
    Liadan hasste Schiffsreisen, denn sie wurde immer seekrank, ganz gleich bei welchem Seegang und das Wetter machte es auch nicht leichter, weil sie bei Gewitter unter Deck musste und dort wurde ihr Zustand nur noch schlimmer. Sogar das Kauen von Ingwerwurzel half ihr diesmal nicht, auch nicht der kandierte Ingwer, den ihr Balian mitgebracht hatte.
    Dort stand sie nun mit vom Schlamm des Feldlagers braun verfärbter, blutbefleckter und leicht zerrissener Kleidung, an der Reling des Schiffes. Ihre roten, zerzausten Locken wehten im Wind und ihr Blick war starr auf den Horizont gerichtet. Sie war froh, dass sie dort alleine stand denn ihre Gesichtshaut war fahl mit einem leichten grünen Schimmer und ihr war speiübel. Also kein schöner Anblick und keine gute Voraussetzung für Gesellschaft.


    Es würde noch ein paar Tage dauern bis sie in Raetien eintreffen würden, von wo aus sie nach Engelswacht reiten wollte. So hielt sie sich von den anderen fern, und ließ ihren Gedanken freien Lauf.


    So vieles war die letzten Tage und Nächte passiert. Wie sollte sie bloß all das in der richtigen Reihenfolge den nicht mitgereisten berichten?
    Es wurde Zeit, dass sie endlich lesen und schreiben lernte.

    Auch Liadan genoss die klare, kalte Luft dieses Wintermorgens. Sie war froh, dass das Warten endlich ein Ende hatte.
    Schon vor Wochen hatte sie alle Heilkundigen aufgefordert genug Verbände, Heiltränke und Salben herzustellen und ihre Taschen zu packen und griffbereit zu halten.
    Ihre eigene Tasche war schon lange gepackt und hing an ihrer rechten Seite. Sie marschierte mit den anderen Heilern zusammen mit dem Tross.
    Die Stimmung war allerseits recht gut. Eine gewisse innere Anspannung konnte sie jedoch nicht unterdrücken. Was würde sie wohl erwarten?

    "Dann also abwarten... "sagte Liadan mehr zu sich selbst. Geduld zählte nicht gerade zu ihren Stärken.
    "Also vertrauen wir auf Späher und Boten die bald mit Neuigkeiten zurück sind. Meine Tasche ist gepackt. Ich bin bereit."

    "Und darauf verlasse ich mich." erwiderte Liadan nachdrücklich.
    Sie wusste das Emains Wort bindend war. Und das war sehr beruhigend.


    Liadan nahm den Tonbecher vom Tisch und trank... Nachdem sie ihn geleert und umgedreht auf den Tisch gestellt hatte sah sie Emain beim Schleifen zu.
    "Gibt es denn Neuigkeiten zum Schwarzen Eis? Ich habe bisher nur Gerüchte gehört." fragte sie nach einer Weile.

    Liadan nickte nur zustimmend.
    Sie hatte Cuileans Blick ebenfalls gesehen.
    "Nein hat er nicht. Ich habe ihn jedoch auch nicht gefragt und du weißt, dass er von sich aus wenig redet.
    Sprich ihn doch selbst darauf an. Du hast schon Seite an Seite mit ihm gekämpft. Ich bin mir sicher er wird es trotzdem wieder tun, auch wenn du jetzt einen Torque trägst und nicht mehr wie er zu den Freien gehörst."

    'OhDuMeineHeilermeisterin' Liadan musste immer lachen wenn Emain sie so nannte, das wusste sie ganz genau. Und genau das passierte auch.
    "Ja ich komme mit nach Tamiels Faust. Ich kann euch doch nicht ohne die Heilermeisterin gehen lassen." erwiderte sie nun ebenfalls mit einem Zwinkern.
    "Was Cuilean angeht... so gehe ich davon aus, dass er mitkommt. Die Aussicht zu kämpfen lässt er sich normalerweise nicht entgehen."

    Liadan ließ Emain gewähren. Es tat gut, dass sich einmal jemand um sie kümmerte. Doch sie hasste es schwach zu sein und vor allem diese Schwäche zu zeigen. Emain war bisher die einzige der sie ausreichend vertraute, dass sie es zulassen konnte.
    Sie schüttelte den Kopf um die falschen Gedanken zu vertreiben, bevor sie antwortete
    "Natürlich hast du nicht versagt. Und du hast Recht, wenn ich es so betrachte habe ich auch nicht versagt. Dennoch fühlt es sich so an."
    Mit einem zaghaften Lächeln schaute sie Emain direkt in die Augen.
    "Danke"

    Liadan schüttelte ernergisch den Kopf. Es war ja nicht der Traum alleine.
    "Nein noch habe ich hier nicht versagt, in der Vergangenheit aber schon. Ich habe schon zwei Söhne verloren und Cuilean alleine bei diesem Tyrann gelassen. Hier habe ich versagt."
    Endlich hatte sie Cuilean wieder und sie näherten sich allmählich aneinander an. Doch er würde ihr wohl nie mehr so bedingungslos vertrauen, wie das früher der Fall war. Es war einfach zu viel passiert und er war zurecht wütend auf sie.
    "Ich habe meinen einzigen noch lebenden Sohn verraten und alleine gelassen. Ja ich weiß und ich habe es selbst schon gesagt: ich hatte keine andere Wahl!" Liadans Augen füllten sich langsam imit Tränen.
    Sie hatte ihre Trauer schon viel zu lange zurück gehalten.

    Liadan hörte den Ausführungen der Kriegerin ausführlich zu. Sie verstand schon was Emain sagen wollte, doch das änderte nichts daran, dass sie den Unmut der Kriegerin wahrnahm.
    Als sie dann jedoch das Thema wechselte beließ sie es dabei.
    Auf Emains Frage hin zuckte Liadan zunächst mit den Schultern und sie wich ihrem Blick aus.
    "Wirklich schlafen konnte ich nicht. Doch es geht mir schon etwas besser, seitdem Tiodhlac mir die Runen gelegt hat. Doch ganz sicher bin ich mir noch immer nicht was ich von dem Traum halten soll."
    Sie suchte erneut den Blick der Heilerin.
    "Steckt die Angst erneut zu versagen in mir tatsächlich so tief?" fragte sie fast schon verzweifelt.

    "Es hat doch eine Bedeutung, dass 87 Krieger ihren Torque für 2 Tage nieder legen. Sie muss doch spüren, dass es so nicht weiter gehen kann. Du bist einfach nicht du selbst!" erwiderte Liadan eindringlich.
    "Ich kenne mich mit der Kriegs- und Heerführung nicht aus, doch mein Gefühl hat mich selten getäuscht. Und es geht keinesfalls darum, dass ich Kenna ihr Amt als 1. Kriegerin nicht zutraue. Doch Du weißt ich höre zu, beobachte und sage meine Meinung gerade heraus."
    Nach einer kurzen Gedankenpause ergänzte sie "Selbst Kenna sagte 'du fehltst' und hat ihren Torque nieder gelegt. Wie kannst du da nur sagen 'es ändert nichts' ?"
    Stirnrunzelnd sah Liadan Emain weiterhin direkt an.

    Liadan bemerkte den resignierten Gesichtsausdruck sofort. Sie nickte zustimmend, es musste schwer für Emain sein.
    Bevor sie die nächste Frage stellte, atmete sie einmal tief ein und aus.
    "Hat Iria noch nicht mit dir gesprochen?"

    Liadan nickte kurz und setzte sich links neben Emain auf die Bank.
    Dankbar nahm sie den Becher entgegen und nahm einen großen Schluck. Das Wasser schmeckte angenehm kühl.
    Sie stellte den Becher zurück auf den Tisch, strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schaute Emain zunächst schweigend an. Dabei wanderte ihr Blick unwillkürlich zum Torque.
    Ihr Blick ruhte etwas zu lange darauf daher sprach sie Ihren Gedanken lieber laut aus: "Wie fühlt es sich an ihn wieder zu tragen?"
    Liadan schaute nun direkt in Emains Augen.

    Liadan war auf einem Ihrer Rundgänge, wie jeden Tag. Tief in Gedanken versunken lief sie wieder einmal - unbewusst- in Richtung Kaserne .
    Es war viel passiert in den letzten Tagen und sie war immer noch verwirrt ob ihrer Träume, oder waren es doch Visionen? Emain und Tiodhlac hatten zwar versucht sie zu beruhigen und die Deutung der Runen fiel auch eher positiv aus, ein gewisses Unbehagen schwang jedoch noch immer nach.


    Als sie in den Innenhof der Kaserne gelangte hörte sie schon von weitem das monotone Schleifgeräusch von Stein auf Metall. Sie ging weiter, immer dem Geräusch nach.
    Da entdeckte Sie Emain, wie sie in aller Ruhe auf einer Bank saß und ihr Schwert bearbeitete. Ein leises Lächeln huschte über Liadans Lippen. Selten sah sie die Kriegerin in solch äußerlichen Ruhe. Doch auch Emain schien in Gedanken versunken zu sein.


    Liadan ging direkt auf die Kriegerin zu.
    "Darf ich mich zu dir setzen?" fragte sie ohne Umschweife.

    Ganz zufrieden war sie nicht mit seiner Antwort. Sie hatte jedoch auch keine Lust mehr zu streiten. Das er es so eilig hatte konnte sie noch immer nicht ganz nachvollziehen, doch wo er nun schon einmal seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt hatte könnten sie auch mit seinem Weg weiter fortfahren.
    "Dann lass uns einen geeigneten Ort finden, wo wir die Experimente fortführen können."


    Und wenn er schon das Tempo vorgab, dann sollte er jetzt auch die weitere Verantwortung übernehmen.
    "Hast du eine Idee? Und wo bekommen wir das restliche Zubehör und den Alkohol her?"


    Sie hatte noch nicht die ganze Festung erkundet, außer den Privatgemächern und der Küche kannte sie noch keine weiteren Räume. Ausserdem hatte sie sich bei schönem Wetter meist im Freien aufgehalten.

    Genau diese Art von Reaktion hatte sie befürchtet. Sie sah ihm stumm zu und schüttelte blos langsam den Kopf um ihrer Ablehnung Ausdruck zu verleihen.
    Sie war immer noch verärgert, doch es brachte nichts ihn jetzt weiter anzuschreien.
    Sie atmete zweimal tief ein und aus um ihren Blutdruck zu normalisieren. Dann wendete sie sich von ihm ab und ging ein paar Schritte von ihm weg.
    Als sie sich wieder beruhigt hatte ging sie direkt auf Iodoc zu. Sie nahm seine Hand und betrachtete den Verband, wobei sie den Arm bewusst unsanft drehte.
    Sie nickte. Der Verband saß perfekt.
    Dann schaute sie Iodoc eine Weile fragend an. Während sie wiederholt den Kopf schüttelte. Was ging blos in ihm vor?


    "Du weißt genau, dass ich von dieser Art von Selbstversuchen nichts halte, oder. Warum provozierst du mich auf diese Weise?


    Ohne eine Antwort abzuwarten erklärte sie:
    "Ich dachte eher daran, dass du vielleicht in der Bibliothek in einem der Bücher oder Schriftrollen etwas findest. Immerhin kannst du im Gegensatz zu mir lesen!"


    Und wieso kam er auf einmal darauf das Pulver in Alkohol lösen zu wollen? Sie hatten doch schon darüber gesprochen, dass Alkohol auf dem Schlachtfeld eher Mangelware war.
    "Wieso willst du auf eimal Alkohol zum lösen des Pulvers verwenden?"

    Seine herablassende Art machte sie wütend. Auch ihre Körperhaltung änderte sich apprupt. Sie richtete sich ebenfalls auf und stemmte ihre Hände auf ihre Hüften, dabei sah sie ihn mit funkelnden den Augen an. Was dachte er blos wen er hier vor sich hatte.
    Mit erhobener Stimme, deutlich lauter als zuvor erwiderte sie:
    "Dann veränderst du jetzt also unseren vorherigen Plan. Was dich doch eben noch so aufgeregt hatte.
    Und nein ich bin nicht der Meinung, dass diese beiden Kräuter ausreichen auch wenn wir die Tinktur mit Alkohol herstellen. Der Alkohol desinfiziert zwar das Moos. Doch nachdem wir das ganze getrocknet haben ist der Alkohol verflogen und wir benötigen noch eine zusätzliche antiseptische Substanz um dem Übertragen einer möglicherweise infizierten Wunde vorzubeugen. Darüber hatten wir ebenfalls bereits gesprochen. Es sei denn du hast ein Wissen über die Eigenschaft einer der beiden Pflanzen, die mir fehlt.
    Da du jedoch, nach deiner eigenen Angabe, das Hirtentäschel nicht kennst.
    Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, wenn du begründete Nachweise vorbringen kannst. Ich habe nie behauptet, dass ich alles weiß. Ich schöpfe aus dem Wissen meiner Vorfahren und dem was ich unterwegs von anderen Heilern lernen kann.
    Was willst du denn dann von mir, wenn nicht Wissensaustausch?"


    Ihr Atem ging schnell und sie spürte wie ihr Herz ungewöhnlich schnell schlug. Es gefiehl ihr ganz und gar nicht in welche Richtung sich das ganze entwickelte.