Beiträge von Elsa

    Elsa reagierte nicht sofort. Sie ging in ihrem Kopf alle Möglichkeiten durch. War Haniavelle bei Leomir? Ist etwas geschehen? Verdammt, sie musste dringend gelassener werden. Es war nicht unüblich, dass der Ordensführer seine Ewigen Schwerter um sich scharrte. Als Anwärterin wurde sie nur selten mitgenommen. Konzentriert atmete sie ein paarmal ein und aus.

    "Den letzten Tanz mit dir lasse ich mir sicherlich nicht nehmen", antwortete Elsa nach einer Weile und trat an Landuin heran.

    "Freut mich Euch kennenzulernen, Herr.", sagte Thorgen und folgte dann Idra.


    "Weiß ich noch nicht. Aber ich muss morgen Früh in den Osten nach Carrasmünd aufbrechen. Leomir braucht mich dort. Er hat extra nach mir und vier weiteren Ewigen Schwertern gefragt. Darius, Manius, Valentin und Valeria machen sich von der Herzfeste dorthin auf. Runia ist bereits dort. Die Nachricht muss kurz nach meiner Abreise eingetroffen sein."

    Elsas Gedanken rasten. Wofür brauchte Leomir genau sie? Was war in Carrasmünd? Die junge Frau konnte nicht einmal genau sagen, wo dieser Ort liegt - außer natürlich im Östlichen Siegel. "Hast du eine Karte von Mitraspera hier? Oh und..." Nun verzog sie das Gesicht zu einem betretenen Schmunzeln. "Könnten Gwen oder Gilia vielleicht das ein oder andere Kleidungsstück entbehren, damit Runia Wechselkleidung hat? Ich glaube nicht, dass sie für eine lange Reise gepackt hatte."

    Elsa kam näher und strich mit ihrer Fingerspitze an Landuins Schläfe entlang, als wollte sie ihm das Haar zurückstreichen. Dann jedoch trat sie gesittet einen Schritt zurück, so dass ihre Haltung zueinander eindeutig als anständig eingestuft werden konnte.

    "Mein Name ist Thorgen Beringen. Ich bin ein Bote, geschickt von Darius von Adlitz-Eichenfels auf Anordnung von Leomir Abendstern. Ist das Ewige Schwert Thea Elsa Marastochter hier anzutreffen?"


    Elsa stand plötzlich sehr gerade und ging ein paar Schritte auf das Tor zu. Yurris drehte sich herum und fing ihren Blick auf. Sie nickte einfach nur und der Knecht öffnete das Tor. Davor stand ein sehr staubiger Bote. Er sah erschöpft aus und hielt die Zügel seines Pferdes in der Hand. Elsa ging schnurstracks auf ihn zu. "Weisheit der Almahandra. Um welche Botschaft handelt es sich?" Thorgen musterte Elsa einen kurzen Moment, dann öffnete er seinen Mantel und zog ein Stück Pergament aus der Innentasche seiner Weste. Sie faltete es auf und trat näher an eine der Laternen um Darius feine Handschrift lesen zu können. Es war nur eine kurze Bemerkung von ihm und eine Abschrift von einem Brief von Runia. Elsas Herz begann heftig zu klopfen. Dann drehte sie sich zu Landuin um.
    "Ich brauche deine Hilfe", sagte sie mit fester Stimme.

    Das war so ganz anders als das, wie sie sonst tanzte, weder in ihrer alten Heimat noch hier. Aber es wäre gelogen, wenn sie behauptete, sie hätte keinen Spaß daran. Der Rock des Kleides schwang weit mit, während sie sich an Landuin festhielt. Das Tempo zog an und irgendwann taten Elsa die Füße vom Tanzen und der Bauch vom Lachen weh. Doch so schnell der Ritter das Ewiges Schwert auch durch den Hof wirbelte, er ließ sie niemals fallen. Ein Rausch, wie er schöner nicht sein konnte. Für einen kurzen Moment wünschte sie sich ein Fläschchen Libellengift. Wie es brennend ihre Kehle hinunterläuft und die Welt an Farben intensiver wird. Wie jedes Gefühl ihr fast das Herz zerreißt und die Welt nur noch daraus besteht. Der Kuss kam unerwartet und schnell. Doch spielte Landuin damit nur in ihre Hände. Elsa legte eine Hand in seinen Nacken und erwiderte den Kuss. Ignis brannte sich den Weg durch Elsas Adern. Ihre Wangen glühten und ein breites Lächeln zierte ihre Lippen, als sie sich lösten.

    "Ich bin dir ganz furchtbar böse", flüsterte die junge Frau und versuchte angestrengt ihre Atmung zu beruhigen. "Wenn du das weitertanzen verträgst, sicher." Sie trat einen Schritt zurück und lachte befreit auf. Ein Moment, in dem der Krieg so elend fern erschien.

    Plötzlich klopfte es laut am Hoftor.

    Schlachtenlärm dringt an Elsas Ohr. Links und rechts kämpfen ihre Brüder. Das Buch der Eisernen hält sie fest in ihrer Hand. Abwechselnd schmettert sie gemeinsam mit Hick die Worte zu Ehren der Sakralen Fünf gegen die Verfemten und zur Stärkung der eigenen Truppen. Ein hässlicher Schmerz in ihrem Oberschenkel lässt die Tivahar auf die Knie fallen. Ein mit dreckigdn Federn besetzter Schsft eines Pfeiles ragt heraus. Rasch stopft sie das Buch in ihre Rüstung und reißt gerade rechtzeitig ihre Glefe über ihren Kopf. Der Untote blickt auf sie herab und lacht gackernd. Ehe sie sich aufrappeln konnte blitzt ein Schwert von rechts in ihr Blickfeld. "Finger weg von Elsa, du fauliges Stück Scheiße!", brüllt der Ritter und schickt den Verfemten zurück zu seiner dreckigen Königin.


    Elsa blinzelte einen Moment. "Eine große Frage, Landuin. Ich schätze aber, dass ich im Moment keinen Anlass hätte, es nicht zu tun, nicht wahr?" Sie sah ihm für einen kurzen Moment tief in die Augen, als suchte sie einen Grund für Verrat. Aber wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, dann wollte sie ihm vertrauen.

    "Und auf Ganura und Andreana.", setzte Elsa hinterher. Wenn er schon auf ihre Schwestern und Vahatare trinken wollte, dann auf alle.

    Elsa genoss das Essen sehr. Sie hörte meistens lieber zu, als dass sie selbst redete. Die Reise war lang und anstrengend gewesen und der Wein machte sie fast ein wenig müde. Aber als Landuin um den Tanz bat, hob sie nur grinsend die Augenbrauen. "Das Essen war viel zu gut. Aber deswegen hält mich doch nichts vom Tanzen ab." Sie legte ihre Hand in seine. Je nachdem was gespielt wurde, war sie gespannt, ob sie die Tanzschritte noch konnte. Die Turney des Ostreiches war nun doch schon länger her.

    "Also seid ihr dem Hausherrn mit Rat und Tat zur Seite gestanden, Idra.", entgegnete Elsa freundlich, als sie saß. Dies schien ein entspannter Abend zu werden und Elsa freute sich sehr darauf. Sie zwinkerte Landuin zu. "Es ist wunderschön. Danke, euch allen." Sie sah jedem einzeln in die Augen.

    "Ich würde sie im beständigen Kampf nur verlieren. Bisher habe ich wenige Frisuren gefunden, die einen Kampf mit den Verfemten überlebt. Selbst deine Federn musste ich auf dem Feldzug an meiner Rüstung statt meinem Schleier befestigen, damit ich sie nicht verliere. Ich bin schon immer froh, wenn mein Schleier noch dort sitzt, wo Runia oder Talea ihn morgens hingesteckt hat."

    Elsa kommentierte die Frisur nicht weiter. Leomir sah gut aus, ganz egal was dieser Mann tat. Dass ihm andere Männer nacheiferten war nichts neues.
    "Sie sind sehr schön. Alles ist schön. Ich glaube, dabei belasse ich es, sonst blamiere ich mich nur."

    "Euer Werk, o edler Recke", sagte Elsa lächelnd und knickste vor Landuin. "Das Kleid ist aber auch wunderschön. Irgendjemand war wohl sehr gut in der Lage, meine Größe zu schätzen. Und überhaupt..." Elsa holte tief Luft. "Danke.", hauchte sie. Ihre Stimme hatte einen samtenen Ton angenommen und ihre Augen strahlten mit ihrem Lächeln um die Wette.

    Elsa schreckte hoch. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie eingenickt war. Es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, wer vor der Tür stand. Elsa stand auf und strich ihr Kleid glatt, dann öffnete sie Landuin die Tür. "Darfst du.", antwortete sie lächelnd und trat ein paar Schritte zurück.

    "Sicher. Danke, dass ihr mir geholfen habt." Elsa lächelte den beiden zu. Sie wollte sie auf keinen Fall aufhalten.


    Als die beiden den Raum verließen ließ sich Elsa im Sessel nieder und atmete erst einmal tief durch. Bis auf die wenigen Minuten im Badezimmer war sie ständig unterwegs oder von Leuten umgeben gewesen. Sanft legte sie den Kopf an der Lehne ab, damit Gwens Meisterwerk nicht zerstörte und schloss die Augen. Jetzt hatte Gwen sie gar nicht mehr nach einem heimlichen Verehrer gefragt. Elsa lachte leise. Vielleicht hatte ihre Mutter ihr noch einmal gehörig den Kopf gewaschen, so dass sie sich nicht mehr getraut hat.
    So schweiften Elsas Gedanken langsam in alle Richtungen, während sie so auf dem Sessel saß und es sehr genoss, dass niemand redete.

    "Ihr werdet niemals jemanden aus dem Orden der Tivar Khar'assil finden, der nicht bewaffnet ist.", entgegnete Elsa nur. "Und ich bin klein. Wenn es um blanke Gewalt geht, dann unterliege ich oft. Die ein oder andere Klinge ist da sehr hilfreich." Sie nickte und ließ sich von Gilia die Ohrringe geben. "Also wenn ihr so erzählt könnte ich fast glauben, dass ihr hier in Winterfeld zu wenig Feste feiert."

    Elsa schüttelte leicht den Kopf. Landuin spinnt wirklich!, dachte sie schmunzelnd. Aber sonst ließ sie sich nichts anmerken.


    "Ja, im Bart. Ich meine, dafür braucht der Herr auch einen ordentlichen Bart. Und es sah wirklich hübsch aus. Außerdem habe ich nicht gesagt, dass sie auf dem Kopf keine trugen."
    Gwen und Gilia hielten das Kleid für Elsa offen. Der Stoff war sehr angenehm auf der Haut. Auch wenn der Pelzbesatz sicherlich besser zu Ganura passte, als zu ihr. Gwen hatte ebenso ein Händchen wie Runia, was Haare anging. Sie hatte die Haare so gesteckt, dass die Haare an Elsas Schläfen geflochten waren und in einem Dutt endeten. So konnten sie immer noch Elsas Schleier anbringen und außen herum die Rosen einstecken. Als sie fertig waren, hielt Gilia ihr einen Spiegel vor. Elsa erkannte sich kaum wieder. Das war wohl das höfischste, was sie je getragen hatte. Sobald sie sich drehte, schwang der Saum des Kleides um ihre Beine. Elsa betrachtete sich eine Zeitlang schweigend. Schließlich ging sie zu ihrem Gepäck und löste die Messerscheide von ihrem Gürtel. Mit zwei schmalen Lederbändern befestigte sie es an der Außenseite ihrer Wade.
    "Jetzt ist es besser", meinte sie zufrieden, als sie sich noch einmal im Spiegel betrachtete.

    "Das kenne ich aus meiner Heimat auch. Die Männer flochten sich dann auch Blumen in den Bart. Das habe ich hier bisher noch nicht gesehen." Elsa ließ die beidem Frauen wuseln. Stattdessen griff sie nach der kleinen geheimnisvollen Schachtel, die noch neben den Rosen stand. "Ausgiebig und lang, würde ich mal behaupten. Mit Tänzern und Gedichten und Liedern. Und natürlich prahlen wir an Orphaliots Tafel." Elsa lächelte versonnen und öffnete den Deckel.

    "Gern." Die Tivar Khar'assil wandte sich den beiden Frauen zu. "Wenn wir im Orden feiern, dann helfen wir uns immer gegenseitig. Runia und Aysa können wundervoll Haare stecken." Sie drehte die Rose zwischen ihren Fingern. "Meint ihr, ihr könntet mir von denen ein paar einflechten? Würde La... Sähe das gut aus?"

    Fast kam es Elsa so vor, als hätte sie heute noch wenig anderes getan, als zu lächeln. Sie zog eine der Rosen aus dem Strauß und roch daran. Sie kannte die Botschaft hinter weißen Rosen. Und dabei, dachte sie, würde Landuin keine mehr verschenken. Sie griff nach dem Schächtelchen, als ihr Blick auf den Schrank fiel. "Du bist ja wahnsinnig", flüsterte Elsa, als sie das Kleid sah. Beinahe ehrfürchtig trat sie an das gute Stück heran und strich sanft über den kostbaren Stoff.
    "Kommt herein", rief Elsa abwesend. Landuin übertrieb. Vollständig und komplett. Elsa war ein wenig froh, dass er nicht hier war und bemerkte, wie sprachlos sie gerade war.

    Elsa blickte Gilia hinterher und seufzte. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, dass der Krieg Spuren bei Landuin hinterließ.

    Sie stieg aus der Wanne und trocknete sich ab. Kurzerhand warf sie sich ein Unterkleid über und schlüpfte vom Bad in ihr Zimmer hinüber. Es war dasselbe wie beim letzten Mal. Gespannt war sie schon, was für sie für diesen Abend vorgesehen war.

    "Wenn er darüber reden möchte, dann wird er es tun. Aber es spricht nichts dagegen, ihn darauf anzusprechen, wenn ihr euch alle Sorgen macht, dann fragt ihn." Elsa seufzte und wusch sich das Gesicht. "Magst du mir bitte das Leinentuch geben, Gilia.", bat sie die Magd, als sie sich aus dem Wasser erhob. "Ich verstehe die Beziehungen zwischen Bediensteten und Herren nicht immer. Ich kann dir nicht genau sagen, was sich gehört und was nicht. Ich hatte nie Bedienstete oder habe je bedient. Das Schlimmste ist, dass er euch wegschickt." Sie wickelte sich das Tuch um den Körper und stieg über den Rand der Wanne. "Aber ich danke dir, dass du es mir erzählt hast. Ich werde dir nicht versprechen, mit ihm zu reden. Jeder trägt seine Last. Aber die Feierlichkeiten werden ihn sicherlich ablenken."

    Es verging ein Augenblick, ehe Elsa etwas sagte. Wenn Landuin schreiend aufwachte und im Schlaf ihren Namen flüsterte, dann war das sicherlich kein Grund, sich glücklich zu schätzen.

    "Nun, jeder der in den Krieg zieht wacht gelegentlich schreiend auf. Vor den Schrecken, die in uns selbst lauern ist niemand gefeit." Elsa griff über den Rand der Wanne und trank noch einen Schluck. "Aber wenn ihr so besorgt seid und ihn schon lange kennt: Habt ihr ihn einfach mal gefragt?"

    Elsa lächelte ein wenig. Mal sehen, wie lange diese Freude anhielt. Normalerweise war sie selten auf Dauer ein Grund, weswegen das andere Geschlecht glücklich war.

    "Sicher, ich werde schweigen.", versprac sie der Magd.