Posts by Liadan

    “Ich beobachte diese Vögel schon seit einigen Tagen. Sie sind fast immer erfolgreich gewesen. Das Geschwindigkeit nicht immer von Vorteil ist weiß ich sehr wohl. Doch diese hier kombinieren fast bewegungsloses Verharren, wärend sie ihrer Beute auflauern, mit extremer Geschwindigkeit, um sie anschließend zu erlegen. Eine Katze macht das auf ähnliche Weise. Vielleicht ist es gerade das was mich fasziniert.“
    Liadan schaute leicht in sich gekehrt, in Gedanken versunken erneut zum Himmel den Falken hinterher.
    Nach einer kleinen Pause stand sie auf, schüttelte ihren Kopf, so als ob sie ihre letzten Gedanken abschütteln wollte und drehte sich zu Iodoc um.
    “Einige Pflanzen hier im Norden unterscheiden sich von denen aus dem Süden und sogar denen aus meiner alten Heimat. Viele sind jedoch vergleichbar oder in ihrer Wirkung ähnlich.
    Ich helfe dir sehr gerne dabei. Mit den Tieren kennst du dich jedoch viel besser aus. Da kann ich sicherlich noch etwas von dir lernen.
    Womit möchtest du anfangen?“

    Liadan freute sich sehr darüber, dass Iodoc mit diesem Anliegen zu ihr kam. Sie genoss seine Gesellschaft und die hatte sie leider sehr selten, da er oft lange und alleine unterwegs war.

    Sie musste ihre Fragen also nochmals vereinfachen.
    “Weißt du noch warum ich Kräuter sammle?“
    Liadan versuchte geduldig zu bleiben, doch so leicht wie früher fiel es ihr nicht
    Aufgeben war jedoch auch keine Option.

    Sie folgte Iodocs Hand in den Himmel. Ihre Gesichtszüge veränderten sich sofort und ihre Augen strahlten.
    “Darauf bin ich neidisch! Diese Geschwindigkeit mit der sie zielsicher auf ihre Beute hinab stürzen und der scharfe Blick den diese Vögel haben müssen um ihre Beute aus dieser Höhe aufzuspüren“ sagte sie fast schwärmerisch. Sie seufzte und wandte sich dann wieder Iodoc zu.
    “Was genau möchtest du denn über die Herstellung von Tränken und Salben wissen?“ fragte sie mit einem leichten Stirnrunzeln.
    Es überraschte sie schon, dass er sie so direkt auf ihre Fähigkeiten ansprach. Das hatte er so noch nie getan.

    Liadan bemerkte seinen irritierten Blick und schüttelte verneienend den Kopf. Gleichzeitig deutete sie mit ihrer freien Hand auf eine Stelle im Gras. “Nein! Schau, es gibt Unterscheide.“
    Sie deutete dabei auf ein dunkelgrünes sehr flach wachsendes Moos.
    “Kanst du dich daran erinnern wie du als kleiner Junge mit mir zum Kräuter sammeln gegangen bist?“

    Diesmal wandte Liadan ihren Blick vom Himmel ab und schaute Iodoc direkt an.
    “Es ist wohl eher die Art wie sie jagen, die Geschwindigkeit. Vielleicht haben sie auch so etwas wie Neid in mir geweckt. Möglicherweise auch so etwas wie Jagdinstinkt. Ich bin mir da noch nicht so sicher. “ Erwiderte sie lächelnd.
    “Aber du bist sicherlich nicht hier um dich mit mir über Greifvögel und deren Jagdverhalten zu unterhalten, oder etwa doch?“
    Sie hatte Iodoc schon ein paar mal bei Streifzügen durch Wälder begleitet, meist jedoch um Fallen zu kontrollieren. Bei dieser Gelegenheit hatten sie sich ab und zu auch über die Jagd unterhalten. Doch das Sammeln von Wildgemüse, Beeren und Kräutern lag ihr mehr als das Jagen von Wild.

    “Keine Angst, das wird schon nicht geschehen. Dafür ist Terra viel zu stark in mir.“
    Erwiderte sie lachend.
    “Aber schau sie dir an, sind das nicht wundervolle Geschöpfe?“
    Liadan hatte vor einigen Tagen den Turm mit der Aussichtsplattform entdeckt. Sie wollte sich ein genaueres Bild von der Umgebung verschaffen. Daher war sie hinauf gestiegen. Umso überraschter war sie, als sie die Falkenzucht entdeckte. Diese wundervollen Tiere hatten sie sofort fasziniert. Ihre Anmut und Geschwindigkeit, die Art wie sie in der Luft fast still stehend ihrer Beute auflauerten. Diese Greifvögel hatten eine unbekannte, unfassbare Sehnsucht in ihr geweckt.

    Sie nickte und lächelte. "Das ist gut."


    Liadan beobachtete jetzt vermehrt den Wegrand gegenüber der Mauer. Hier war ein kleiner Abhang auf dem allerlei Moos wuchs. Sie untersuchte die Stelle genauer und fand tatsächlich eine flechtenartige Sorte, die sie zuletzt in ihrer Heimat gesehen hatte.
    Dies erinnerte sie plötzlich daran als Cuilean noch ein kleiner Junge war.
    Er hatte sie hin und wieder bei ihrer Suche nach Kräutern begleitet. Doch hatte er nie so ganz verstanden warum sie das tat. Wie kleine Kinder jedoch so sind, war auch er neugierig und versuchte es ihr gleich zu tun. Er zupfte hier und da das ein oder andere Kraut. Die meisten waren jedoch nicht zu gebrauchen, da er sich das Aussehen der Heipflanzen nicht merken konnte. Eines Tages jedoch fand er dieses besondere Moos das graugrün und gewellt wie kleine Geweihe aus dem Boden wuchs. Liadan lobte ihn damals sehr für diesen Fund und erinnerte sich wie stolz er gewesen war. In diesem Winter litten viele Stammesmitglieder unter einem starken Husten, der mit den üblichen Kräutertees und selbst ihren Heilsteinen nur schwer zu kurieren war. Auch Cuilean war davon betroffen. Liadan hatte noch einen Vorrat von diesem 'Lungenmoos' wie es ihre Großmutter nannte, und verabreichte ihm einen Tee daraus. Zusehends ging es ihm danach besser. Jetzt konnte Liadan ihm auch erklären wofür das Kräuter sammeln gut war. 'Siehst du Cuilean, mit dem Moos das du gefunden hast konnte ich deinen Husten heilen! Dafür ist das Kräuter sammeln gut.' In wie weit er es damals wirklich verstanden hatte war schwer zu sagen.


    Liadan zupfte eine Handvoll von dem Moos und zeigte es Cuilean. "Erinnerst du dich daran?"
    Sie war sehr gespannt auf seine Reaktion.

    Liadan hatte wohl wieder zuviel erwartet.
    Sie wollte noch eines wissen, danach würde sie ihn erst einmal in Ruhe lassen.
    "Im Moment hast du keine Schmerzen, oder?"
    Sie stellte die Frage beiläufig während sie dem Pfad um die Mauer weiter folgten.

    Überrascht von seiner promoten Antwort wurde ihre Miene wieder ernster.
    "Gut. Ich verstehe."
    Die Schmerzen tauchten also plötzlich auf.
    "Hast du etwas anderes gespürt bevor die Schmerzen anfingen?"
    Sie hoffte auf noch mehr Informationen.

    Wie sie schon vermutet hatte, er war völlig überfordert mit ihren Fragen.
    Sie musste lächeln bei seinem Versuch aus dieser Situation auszubrechen.
    "Ja wir gehen gleich wieder Kräuter suchen." Sagte sie halb lachend.
    Sie machte eine kurze Pause, doch zunächst wollte sie versuchen die Fragen etwas einfacher zu stellen und eine nach der anderen.
    "Als ich von Familie und Heilen erzählt habe hast du da auch Schmerzen gespürt?"

    Liadan war überrascht von seinen intensiven Ausführungen. Sie schaute ihm aufmerksam zu und ließ ihn in Ruhe ausreden. Er zeigte unter anderem auf den Kopf, so als ob jemand einen Hut oder ein großes Gebilde darauf trägt.
    Sie sah seine verzweifelten Gesichtsausdruck. Doch in den vier Worten die er immer und immer wiederholte lag eine Verbindung, die Cuilean jedoch nicht verstehen konnte.
    Sie hatte eine Ahnung, eine ganz wage.
    Ihre Gedanken rasten.
    Stück für Stück ergaben die Worte und sein gestikulieren einen Sinn...


    Magie
    Cupa hatte Hörner auf dem Kopf und er hatte Magie zum Heilen verwendet. Aber hatte Cuilean nicht, bevor er von ihr untersucht wurde schon einen Verband?
    Jemand hatte ihn schon zu heilen versucht. Dann erinnerte sie sich an die Aeris Priesterin.
    "Bevor der Faun dich berührt hatte, da war die Aeris Priesterin bei dir. Die Frau mit dem weißen Gewand, mit dem Baum auf dem Kopf. War es nicht so?"
    Sagte sie eher zu sich selbst als die Frage an Cuilean zu stellen.
    Sie hatte völlig vergessen, dass er das beiläufig erwähnt hatte.


    Mächtig
    Es wurde also zweimal innerhalb einer kurzen Zeitspanne Aeris-Energie in ihn hinein gepumpt. Somit blieb wohl ein Überschuss in seinem Körper, speziell im Rücken, zurück.

    Verletzung
    Im Ring wurde er heute wieder an der Wirbelsäule verletzt.


    Gleich
    Die gleiche Art der Verletzung? Die gleiche Art der Energie die er gespürt hatte?
    Sollte das der Auslöser gewesen sein?
    "Als du heute im Ring gestürzt bist, hast du da ähnliche Schmerzen empfunden wie im Sommer bevor die Priesterin und der Faun dich berührt haben? Hast du die gleiche Energie gespürt bevor du in Trance gefallen bist?"
    Wenn dem so war, dann wurde vermutlich die überschüssige Energie frei gesetzt die mit dazu geführt hatte, das die Narbe verheilt war.


    Liadan sah seinen nach wie vor verzweifelten Gesichtsausdruck.
    Er verstand vermutlich nur einen Bruchteil von dem was sie sagte und fragte, geschweige denn dachte.

    Liadan nickte.
    "Das dachte ich mir schon. Je mehr Aeris die Naldar freigesetzt haben desto intensiver wurde deine Verbindung mit dem Raben. Damals hatte es schon eine ganze Weile gedauert bis du zurück kamst.
    Was ich jedoch noch nicht ganz verstehe ist wieso du vorhin in Trance gefallen bist. Lag es an etwas was ich zu dir gesagt habe? Oder ist das in den letzten Tagen schon einmal passiert?"

    Also ging sie voraus.
    Da auch ihr die frische Luft gut tat beschloss sie, solange das Licht mitspielte, sich noch etwas außerhalb des Berges aufzuhalten. Sie wandte sich nach rechts, einem Pfad folgend der an einer der Mauern entlang führte.
    Cuilean folgte.
    Liadan erkundete zunächst den Weg betrachtete hin und wieder eine Pflanze. Vor allem am Grund der Mauer sah sie genauer hin. Sie wusste, dass dort geschützt von Wind und Wetter oft einige interessante Kräuter wuchsen. Bisher konnte sie jedoch nichts entdecken.
    Immer wenn sie stehen blieb oder sich bückte um etwas genauer zu untersuchen blieb auch Cuilean stehen.Wenn sie weiter ging lief er immer ein Stück hinter ihr.
    Er sprach die ganze Zeit über kein Wort.


    Nach einer Weile, sie hatten noch nicht einmal ein viertel der Mauer umrundet, ließ sie sich soweit zurückfallen, dass sie neben ihm ging. Sie ertrug es nicht die ganze Zeit zu schweigen.
    "Du hast mir heute Mittag, nachdem du aus der Trance aufgewacht bist gesagt, dass du ein Gefühl von Freiheit gespürt hast.
    Wie ein Vogel.
    Du bist also mit dem Raben in dir geflogen. Kannst du mir sagen was du gesehen hast.?"

    Liadan löste ihre Hände von seinem Gesicht und stand langsam auf. Sie war froh darüber endlich die Kaserne verlassen zu können. Zunächst wartete sie bis auch Cuilean aufstand, dane ging sie den Flur zurück den sie gekommen waren, am Übungsraum vorbei hinaus ins Freie. Die Sonne stand schon recht tief.
    Während sie weiterhin schweigend auch den Kasernenhof überquerten gingen Liadan viele Fragen durch den Kopf. 'Wie fühlte Cuilean sich tatsächlich? Warum war er so versessen darauf zu kämpfen? Wie wäre es ihm ergangen wenn sie damals nicht fort gegangen wäre?' Doch darauf würde sie wohl nie eine Antwort erhalten.


    Als sie die Kaserne endlich verlassen hatten schaute sie sich kurz um, um sich zu orientieren.
    "Sollen wir direkt zurück zur Engelswacht gehen oder möchtest du noch etwas im Freien bleiben? "
    Bei dieser Frage drehte sie sich zu ihm herum.
    Sie hoffte nicht schon wieder nur ein Schulterzucken als Antwort zu bekommen.

    Es musste irritierend für ihn sein. Die Narbe, die ihn über Jahre hin begleitet hatte, war auf einmal verschwunden. Möglicherweise war sie tatsächlich so etwas wie ein Symbol für 'Nicht Schwach' für ihn geworden. Dies war eine andere Form von 'Schmerz'. Ob es so etwas wie Identifikationsverlust für ihn war? Donann hatte ihn lange genug spüren lassen, dass er ihn für Schwach und unfähig hielt.
    Vorsichtig nahm Liadan seinen Kopf zwischen ihre Hände und blickte ihn unmittelbar an. Mit ruhiger Stimme sagte sie
    "Du brauchst die Narbe nun nicht mehr. Jeder der dich kämpfen gesehen hat sieht sofort, dass du nicht schwach bist." Sie hoffte inständig, dass er verstand.
    "Lass uns raus gehen, weg von diesen Gemäuern. Vielleicht bringt dich das auf andere Gedanken. Was meinst du?"
    Jetzt lag es an ihm. Sie konnte nichts weiter tun als ihm ihre Hilfe anbieten. Er musste sie nur annehmen.

    Liadan merkte schon an Cuileans 'Mhh' das er ihr nicht zugehört hatte. Das er ständig mit seinen Fingern über seine Wange fuhr machte sie ebenfalls stutzig.
    "Was ist los mit dir? Hast du doch noch Schmerzen?" fragte sie in einem besorgten und gleichzeitig bestimmten Tonfall. Sie ging vor ihm in die Hocke, schaute ihm direkt in die Augen, um so mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen. So hoffte sie zumindest. Bei ihm konnte man schwer vorhersagen wie er reagierte.

    Liadan überlegte eine Weile.
    Sie war auf dem Weg die Umgebung von Engelswacht zu erkunden ihrer Nase gefolgt und hier gelandet.
    „Hast du dir denn schon Teile der Festung angeschaut? Ich habe erst begonnen Engelswacht zu erkunden. Auf den Weg dorthin könnte ich schauen, ob ich noch einige Kräuter oder Beeren finde die ich brauchen kann. Du könntest mich begleiten, dann würde ich mich sicherer fühlen.“
    Sie befanden sich zwar nicht auf Feindesland doch sie waren neu hier und es könnte durchaus sein, dass es einige Personen befremdlich fanden, wenn sie hier so durch die Gegend streifte. Ein 'Heilerschutz' könnte daher nicht schaden.
    „Du weißt, dass ich nicht besonders gut mit meinem Dolch umgehen kann.“
    Außerdem hoffte sie, dass sich dann noch die Gelegenheit bot sich etwas mit ihm zu unterhalten um, ihn wieder besser kenne zu lernen.

    Liadan öffnete die Tür und schaute sich um. Sie sah mehrere unterschiedlich große Tontöpfe, Holzschalen und Krüge. In einer Ecke des Raumes standen Körbe gefüllt mit Wurzelgemüse und verschiedenen Früchten. Über der Feuerstelle hing noch ein Kessel mit Resten vom Eintopf. Doch Liadan benötigte etwas was ihr schneller Energie geben konnte. In den Tontöpfen fand sie Getreide, Hülsenfrüchte und getrocknetes Fleisch, in einem Nüsse und in einem weiteren etwas Trockenobst. In ein paar kleineren sogar Fruchtmus. Sie nahm eine Handvoll vom Trockenobst und aß es gierig auf. Dann füllte sie ihre Flasche an der Wasserstelle und leerte anschließend eine Kelle voll Wasser in beinahe einem Zug.
    In einer Holzschale entdeckte sie unter einem Tuch ein frisch gebackenes Brot, das herrlich duftete. Sie brach sich ein Stück davon ab und ging zu Cuilean zurück.
    "Hier sind einige Köstlichkeiten zu finden."
    Liadan zeigte auf den Raum hinter sich und schaute dabei Cuilean lächelnd an. "Ich wusste das Kämpfer gutes Essen bekommen doch das habe ich nicht erwartet. Soll ich dir etwas bringen?" Ergänzte sie, während sie genüsslich auf dem Brot kaute.

    Liadan stand langsam auf. Ihr zitterten vor Erschöpfung leicht die Knie und sie hatte einen Moment lang Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten.
    Sie brauchte dringend etwas zu essen, ganz gleich was. "Kannst du uns dorthin bringen? Wir werden sicher das ein oder andere essbare finden."

    Sie hatte also richtig vermutet, er war mit dem Raben geflogen. "Du hast also alles noch einmal durchlebt. Das erklärt so einiges."
    Liadan griff nach der Wasserflasche und nach der Hozschale. Jetzt hatte auch sie Hunger und Durst, denn sie hatte einiges an Energie verbraucht. "Wir sollten etwas essen. Wo finde ich denn den Koch?"