Posts by Paision

    Eine Wolke zog am Himmel entlang und verdeckte die wärmenden Strahlen der Sonne. Ein leichter Wind trug kalte Luft hierbei und ließ einem eine Gänsehaut zurück. Nur der seltsame Reisende würde all dies nicht mehr bemerken. Sein Atem hörte auf und sein Herz schlug nicht mehr. Hier sollte seine Reise wohl enden, so nah am Ziel doch viel zu fern. Einzig ein Geist wusste um seinen Weg und seine Bestimmung.
    Die Wolke zog vorüber, die Sonnenstrahlen wärmten den Boden. Friedlich wog das Gras im leichten Wind und von irgendwo hörte man das fröhliches Zwitschern der Vögel.

    Die dreckige Haut war heiß, und der Puls ging sehr schnell. Die Krämpfe schüttelten den seltsamen Reisenden durch. Als er von Tovak auf den Boden gelegt worden war, ebbte der Fieberschub ein wenig ab. Und leises Keuchen machte dem vorherigen Röcheln platz. Bei genauerer Betrachtung war es nicht verwunderlich das der Reisende erkrankt. Keinen Schutz vor Wind und Wetter trug er, keinen Beutel mit Essen, ja nicht einmal Schuhwerk besaß er. Wovon auch immer er aufrecht erhalten wurde, es hatte ihn an den Rand der Erschöpfung gebracht, vielleicht darüber hinaus.

    Der seltsame Reisende wurde ruhiger, und schaute auf. Mit ernster Miene musterte er den mächtigen Geist, der schon soviel wusste. "Beim Eisen wurde etwas vergessen, doch ohne wird alles zerbrechen. Sie war nicht eisern, sie war mehr. Aber Eisen hatte sie auch. Die Zeit läuft ab, das Ende ist da. Ich gehe den Weg zu Ende und verkünde die Warnung, vielleicht erkennt nicht nur ein freier Geist die Wahrheit, sondern auch eine lebende Seele." plötzlich erfasste ihn ein Husten und er begann sich in Krämpfen zu schütteln, Schweiss tropfte von der Stirn und seine Augen glänzten fiebrig. "Die...Qual...Strafe...Schmerz.." röchelte er.

    Der seltsame Reisende nickte, ein mächtiger und weiser Geist war vor ihm. "Die Wahrheit wird nicht getilgt, nur verschleiert. Vereint und getrennt gleichzeitig wird sie am Ende sein. Und jene die mit dem Eisen eins sind, werden leiden. Jene die mit Silber handeln, werden verblendet sein und jene die glauben Gold vor sich zu haben, merken das es gefälscht ist. Warum nur Geist? Warum nur? War die Wahl der Krone falsch? War die Krone falsch? Sind die Regeln des Spiels nur ein Spiel mit den Regeln?"
    brabbelte er vor sich hin.

    "Du bist frei, Geist, ich bin es nicht." murmelte er. "Gedeihen wird nichts, wenn nicht die Wahrheit bekannt ist. Die Entscheidung ist gefallen, nur die Warnung muss noch gesprochen werden. Die Vergangenheit wird sich nicht ändern und die Zukunft wird brennen." langsam blickte er auf. In den alten traurigen Augen glitzerte es, und die ersten Tränen rannen sein Gesicht herab. "Keiner hört zu, keiner versteht. Müssen erst die Geister wiederkehren bevor verstanden wird?"
    Er schlang seine Arme um sich selbst und begann leise zu wimmern.

    Je öfter der Geist beteuerte das er ein Mensch sei, desto mehr war sich der seltsame Reisende sicher, das es ein Geist sein muss.
    "Ich wandere, und verbreite die Warnung vom Ende der Zeit. Von dem einen Schwarzen zum anderen. Am Ende bleibt die Mitte, und wenn sie nicht alle erkennen, was sie vergessen und verleugnet haben, dann wird die Welt brennen." wisperte er.

    Abrubt hörte der seltsame Reisende auf im Boden zu wühlen und sah mitleidig sein Gegenüber an und kam der Bitte wortlos nach. Ohne jedoch die Hand zu nehmen, denn dies wäre ein Frevel sonders gleichen gewesen. "Es steht mir nicht zu, Geist, zu urteilen ob du aus Fleisch und Blut bist, und deine Macht ist groß genug das meine Sinne alles glauben werden. Bitte reisse mich nur nicht mit in dein Reich, bevor ich meine Aufgabe nicht erfüllt habe!" flehte er nun, mit dem Blick auf den Boden. Gebrechlich und steif stand er vor dem Wesen, das er für einen Geist hielt.

    "Nein!" schrie er und versuchte aus seiner knienden Position zurück zu kriechen. Der Geist will ihn ablenken, in aller Stille in die Schatten ziehen. Voller Argwohnen sah er der ausgestreckten Hand entgegen."Lass mich gehen, Geist! Die Warnung muss verbreitet werden!" bettelte er voller Verzweiflung. Und begann erneut im Boden zu wühlen, ohne Rücksicht auf seine Hände.

    Panisch zuckten seine Augen umher, wie sollte es gelingen den Geist zu umgehen? Er sah keinen Ausweg. "Ich flehe dich an mächtiger Geist, ich muss sie warnen! Jeder der noch lebt muss gewarnt sein!" sprach der seltsame Reisende und sank auf die Knie.
    "Die Schritte sind ungezählt, doch das Schwarz wird kommen. Vergessen wurde es, mit Eisen geschlagen. Verkauft wurde es mit Gold. Verleugnet in Silber und keiner will es erkennen. Du, oh machtvoller Geist, weisst es. Du bist dort gewesen und spürtest keinen Schmerz."
    Hilfesuchend sah er sich um, und begann verzweifelt den Boden aufzuwühlen.

    "Du wirst mich nicht täuschen können, ich erkenne was du bist!" erwiderte er, doch konnte er sich sicher sein? "Die Prophetin erschien im Westen und Osten, warnte jeden und verschwand." kam seine Antwort, mit zitternder Stimme. Dann versuchte er einfach durch sein Gegenüber durch zu laufen, und wunderte sich das dies nicht möglich war. Es musste ein sehr mächtiger Geist sein, der vor ihm stand.

    Sah er einen Geist? War dieser Mann der dort sprach einer von jenen die in seinem Traum erschienen sind? Oder war es seine trübe Erinnerung? Vorsichtig schritt der seltsame Reisende auf den Geist zu, und beobachtete ihn. "Das Ende der Zeiten naht, Geist, es ist vorher bestimmt. Die Prophetin hat es gesehen und so wird es geschehen." Antwortete er dem neugierigem Wesen. "Er blickte durch ihn hindurch, als gäbe es ihn nicht. Dann blinzelte er verwundert, machte die Augen längere Zeit zu und öffnete sie wieder erneut. Doch der Geist schien nicht verschwinden zu wollen.
    Ratlosigkeit machte sich auf dem zerschundenen dreckigen Gesicht breit. Das wirre fettige Haar wippte als der seltsame Reisende seinen Kopf schüttelt, doch der Geist blieb vor ihm. Ängstlich wich er zurück.

    Mühsam kämpfte er sich die Straße entlang. Es war die längste Straße auf der er jemals gewandert war. Doch er fühlte sich besser als noch vor einigen Tagen. Sein Gang war immer noch schleppend aber das fast lahme Bein behinderte ihn nicht mehr so sehr. Der Dreck war durch die regelmäßigen Schauer teilweise abgewaschen und sein Durst war gestillt. Er sehnte sich nach dem endgültigen Ende, vor dem er bereits so viele gewarnt hatte. Es blieb nicht mehr viel Zeit, das wusste er. Aber es wussten nicht alle. Freundlich nickte er den Reisenden zu, wenn sie an ihm vorbei kamen, und rief: "Viel Glück! Das Ende kommt in Sicht!" und er bekam freundliche Antworten. Was auch immer geschehen war, man hörte ihm plötzlich zu! Seine Kleidung war sauber, und gewaschen. In reinem weiß war seine Robe und kein Loch ließ den Wind mehr hindurch pfeifen. Die Sonne schien auf ihn herab, und die sanfte Wärme durchströmte ihn. Er wusste sein Ziel ist fast erreicht. Seine Aufgabe, die zuvor noch so schwer auf ihm lastete, schien lösbar, fast einfach. Sein fröhliches Lächeln war von purem Glück gezeichnet und die strahlenden Augen sahen in die verheissungsvolle Zukunft.
    Dann sah er sie. In einem blau weissem Kleid stand sie dort. Um sie herum waren einige Menschen, und es wurden stetig mehr. Der Himmel verfinsterte sich und dichte Regenwolken zogen auf. Das Lächeln auf seinem Gesicht erstarb. Nein! Er rannte los, wollte zur Menge. Sie wurde niedergerissen, und in weiter ferne schlugen die ersten Blitze ein. Ein lautes Donnern rollte über die Ebene, ein Erzittern ging durch alle Umstehende. Sie war tot. Und jeder der sich dem Eisen verschworen hatte wand sich in Agonie und Schmerz. Die Arme des seltsamen Reisenden zuckten unwillkürlich, ein Schmerz erfasste ihn.


    Mit einem Schrei erwachte der seltsame Reisende, der noch eben so friedlich im Gras lag. Man hätte ihn für eine Leiche halten können, mit seinem zerlumpten Kleidern und dem vielen Dreck im Gesicht. Die eingefallenen Wangen und die abgemagerten Arme taten ihr übriges. Panisch blickte er um sich, griff an sein Herz und atmete tief durch.
    "Erinnert euch stets, die Taten der Vergangenheit sind unauslöschlich" murmelte er, erhob sich und humpelte, ein Bein nachziehend, den Weg entlang. Er machte für jeden Reisenden platz der den Weg entlang kam und rief mit krächzender Stimme "Das Ende ist da!".

    Die Sonne schien hell am Tag, warm und angenehm versprach der Sommer zu sein. Ausnahmsweise schien die Feldarbeit heute nicht so schwermütig wie sie es sonst in dunklen Zeiten sein könnte. Nur der seltsame Bettler, der den Weg entlang ging, gestützt von einem halb morschen Ast und gehüllt in dreckige Lumpen, die zwischen dreckigem Grau und Braun auch die ein oder andere Stelle aufwiesen die leicht gelblich verfärbt war. Wenn man überhaupt noch von Kleidung sprechen konnte, denn so zerlöchert und zerschlissen wie diese Fetzen Stoffes die dieser seltsame Bettler trug, waren, ist es nicht mehr fern bis er wohl nackt umher springen würde. Ein Bein immer wieder nachziehend sah er sich um. Verkrustete Wunden am Kopf, dreckige schwielige Hände mit teilweise gesplitterten Fingernägeln und wirrem fettigem Haar machten ihn nicht gerade ansehnlich. Er mochte noch als warnendes Beispiel dienen, um Kindern zu zeigen was passieren würde, wenn man nicht hart arbeitet. Keiner sah was er wirklich war. Keiner erkannte was er in sich trug.
    Wie so oft blieb er stehen und sah die armen Menschen ihr Tagewerk verrichten. Wie so oft wollte er sie warnen. Bisher hörten ihm nur wenige zu. Ein gütiger Herr, ein gnädiger Henker und drei strenge dunkle Wesen waren die wenigen die ihm Beachtung und Leben schenkten. Doch es war seine Pflicht, es war seine Aufgabe und er durfte nicht versagen, niemanden im Stich lassen und hoffe das sie verstehen würden.
    "Die Zeit naht dem Ende entgegen" krächzte er mit heiserer Stimme "rettet euch und eure Liebsten! Sie hat es gesehen und die Warnung überbracht, im Osten und Westen! Ich will euch warnen! Gebt acht auf die Wahrheit! Erkennt ihr sie noch wenn ihr sie seht? Erkennt ihr sie noch wenn ihr sie hört? Erkennt ihr sie? Wahr wird eine Lüge wenn es keinen mehr gibt der die Wahrheit kennt, doch die Welt erinnert sich immer! Aus dem Feuer geboren, aus den Winden gezeugt, aus dem Wasser entsprungen und aus der Erde erwachsen. Zusammen gemengt und doch wird etwas vergessen! Was fehlt liegt im dunkeln, was fehlt ist schwarz. Was genommen wurde war golden, was verkauft wurde war silbern, was genutzt wurde war eisern. Findet die Wahrheit bevor es zu spät ist!" rief er klar vernehmlich. Er wirkte wie ein Schandfleck mitten in der Welt dort zwischen den saftigen Feldern und dem hellen Licht. Dreckig und heruntergekommen sah er aus.
    Dann ging er weiter, und lies den Ast zurück. Den würde er nicht mehr brauchen.

    Kopfschüttelnd sah der Maat von seinem Schiff dem seltsamen Mann hinterher, der scheinbar auf direktem Wege aus Mrimm'Rath geworfen wurde. Was auch immer die dunkelhäutigen Wesen von ihm zu hören bekamen, es schien ihn zumindest am Leben zu lassen.
    Währenddessen beglich der Kapitän des Schiffes jeden Fluch unterdrückend die Strafzahlung, wegen unerlaubter Abfallentsorgung.

    Die Welt lag in düsterem Schatten, trotz des begonnenen Sommers war der Himmel verdunkelt und voller Wolken. Regen strömte herab und jeder der nicht dringende Geschäfte zu tätigen hatte verkroch sich vor dem Wetter. Jeder der ein Dach über seinem Kopf wusste, oder zumindest eine trockene Stelle kannte zog sich dorthin zurück. Das Wasser lief die Straßen hinab und die nicht gepflasterten Wege wurden schlammig und schmierig. Der Regen suchte sich jede noch so kleine Ritze und hinterließ ein kaltes klammes Gefühl. Der seltsame Greis schien dies alles nicht zu bemerken. Er schlurfte langsam, auf einem langen stabilen Ast sich stützend, durch die Straße. Er trug weder Schuhe noch einen Mantel, führte keinen Beutel oder andere Habe mit sich. Der Regen rann an seinem spitzen Kinn herab, tropfte von seinen Lumpen auf den Boden und jeder Tropfen schien dunkel, fast ölig, zu werden. Jeder Schritt den er ging, jedes nachziehen seines lahmen Fußes, wurde vom prasseln des Regens begleitet. Doch immer wieder wurde es von einem dunklen >>Tock<< , >>Tock<< des Holzes das den Boden traf übertönt.
    Unbeirrt ging er durch die Straße. Voran, "Voran" wisperte er. Plötzlich blieb er stehen, warf den Kopf in den Nacken und rief "VORAN!" . Husten erfasste ihn, rang ihn zu Boden auf die Knie. Überall lief es kalt herunter, doch der strömende Regen versteckte zumindest seine Tränen. Tränen des Schmerzes, den er fühlte. Tränen der Angst, die er hatte. Tränen über die Lügen in seinem Leben, Tränen über den Verlust den die Welt erlitten hat. "Voran" flüsterte er und bemühte, mit Hilfe des Astes, sich zu erheben.
    "Der Unrat wird fortgespült!" rief er durch den Schleier aus Wasser. Irgendwo dort vorn waren Menschen, in einem Gasthaus oder vielleicht nur Neugierige? Er konnte es nicht sehen, denn sein Blick war getrübt. "Die Zeit naht! Rettet eure Liebsten, rettet euch! Stemmt euch gegen den Strom und erhebt euch! Eisen wird euch schmerzen, Gold könnt ihr euch nicht leisten! Silber ist verlogen und die Wahrheit ist teuer! Nur zusammen ist nichts, nur getrennt ist nichts. Nichts aber kann nicht sein! Im Dunkeln liegt das Schwarz, der Weg ist klar. Voran! Rettet euch!"
    Seine Warnung klang seltsam klar, trotz des Unwetters.
    >>Tock<< entfernte er sich,
    >>Tock<< langsam, immer weiter,
    >>Tock<< weiter voran.

    Schwerfällig wirkte der seltsame Wanderer, der zu diesem Dorf kam. Einen langen Ast führte er als Wanderstab mit sich, doch nichts weiter was von Nutzen sein könnte für einen langen Weg. Seine Kleidung war mit Löchern gespickt, er trug keine Schuhe und ein seltsamer Geruch umgab ihn, der an faulenden Fisch erinnerte. Er war vor kurzem auf der Straße erschienen, vermutlich wanderte er zuvor durch den nahen Wald. Doch wie konnte jemand wie er diesen Marsch überleben? War diese Kreatur so verabscheuungswürdig das sich nicht einmal Tiere an ihn heran wagten? Seine Augen zuckten umher und beobachteten, sein Blick war seltsam und schwankte zwischen Wahnsinn und Erkenntnis. Er saß am Rande des Dorfes und starrte in den Himmel als würde dort die Antwort auf all seine Fragen lauern.
    "Narren!" rief er als die ersten Menschen an ihm vorbei liefen. Sie liefen einen Bogen, um bloß nicht mit diesem Mann gesehen zu werden. "Narren!"rief er erneut, lauter und energischer. "Ihr solltet dir Warnungen beachten, die Güte darin sehen und den Mummenschanz beenden!" faselte der seltsame Wanderer vor sich hin. Eine Windböe umwehte ihn, und der faulige Geruch verbreitete sich. "Narren!" rief er. "Narr ist, wer nichts auf dem Kopf trägt, aber es trotzdem Krach gibt. König der Narren ist, wer eine Narrenkrone trägt. Aber warum tragen soviele eine Narrenkrone? Die Krone ist falsch! Ha! Sie machen sich zu Narrenkönigen. Und ein Narr sein, kann ein jeder!"
    Seine Augen zuckten wild umher. Er sah hinauf zum Himmel. Ruckartig erhob er sich, warf seinen Kopf hin und her, schlug um sich, als wäre er auf der Jagd nach Fliegen die um ihn kreisen. Doch dort war nichts.
    "Eine Frau und ein Mann, beide sind Narren, doch einer hat eine Krone. Die Glöckchen leuten, den Untergang ein." brabbelte er. Dann stand er völlig gefasst da und für einen Augenblick sah man unendliche Traurigkeit in seinem Blick. Er sah sich ruhig um, blickte zum Dorf herüber. Er neigte sein Haupt und sprach:
    "Ehre den Elementen, denn sie sind unsere Schöpfer. Ehre den Kindern der Elemente, denn sie sind unsere Schöpfer. Das Ende naht, macht euch bereit. Sie hat es gesehen. Die Schuldigen werden sterben, so wird es geschehen. Die Gerechten bleiben stark, doch groß ihr Leid. Mythodea wappne dich für das Ende dieser Zeit! Sie leuten zum Ende, die Glocken der Narrenkrone, denn vergessen wurde was einst war. Eisen, Silber, Gold es sind doch nur Metalle. Am Ende bleibt die Mitte. Rettet euch!"
    Dann stürtze er zu Boden, und blieb dort liegen, von fauligem Geruch umgeben.

    Zwischen einigen Tonnen und Seesäcken lag er dort. Ein abgemagerter seltsamer Mann. Lumpen wäre eine Beschönigung seiner Kleidung gewesen und der Geruch von Seetang, und faulendem Fisch tat sein übriges um jeden auf Abstand zu halten. Während die Seeleute die Ladung löschten, lag er dort zwischen all dem Tant und Dingen die verkauft und verschifft werden sollten. Keiner wusste wo er her kam, oder wie er so lange unbemerkt auf dem Schiff gewesen sein konnte. Ja nichtmal sicher war es ob er überhaupt auf einem der Schiffe zuvor war. "He da! Dreckige, stinkende Leut' wie dich woll' wa nicht zwischen unserer Fracht!" brüllte ihn der Schiffsmaat an, der seine Leute beaufsichtigte. Der seltsame Mann begann die Augen zu öffnen, leicht blinzelnd stellte er fest das es hell war. Die Welt war noch nicht untergegangen und er war noch am Leben. Gedämpft drangen die Worte des Maats an sein Ohr und langsam mischten sich die Geräusche von anderen Menschen hinzu. Das kreischen von Möwen war zu hören, Stimmengewirr in den Gassen und das ferne rauschen des Meeres. Jemand packte ihm an seinen Lumpen, zog ihn hoch. Er griff nach etwas, das er vermisste. Er griff ins Leere. Kaum in der Lage zu stehen, klärte sich nach und nach sein Blickfeld. Vor ihm der Schiffsmaat der ihn auf die Beine gestellt hatte und mit der Faust drohte. Der Hafen von Mrimm'Rath. "Ich bin hier um euch zu warnen, zorniger Herr" begann der seltsame Mann. Doch der Maat wollte von sowas nichts hören! "Ich warn' dich Bürschchen'! Aye. Zieh Leine und lass dich nicht mehr bei meinem Kahn sehn !" Mit einem kräftigen Stoß landete er wieder im Dreck. Auf dem harten Stein des Hafens. Der seltsame Mann erhob sich langsam und versuchte jeden Blick auf den Seefahrer zu vermeiden, der seine Hand am eigenen Hemd abwischte, als hätte diese arme Kreatur eine anstreckende Krankheit. Langsamen Schrittes entfernte er sich, doch die Warnung musste gesprochen werden, und so sprach er weiter auch wenn der Seemann bereits außer Hörweite war:
    "Der Untergang naht, rettet eure Liebsten. Der Untergang kommt. Sie hat es gesehen. Die Schuldigen werden sterben, so wird es geschehen. Die Gerechten bleiben stark, doch groß ihr Leid. Mythodea wappne dich für das Ende dieser Zeit! Das Eisen wird vor Schmerzen schreien, das Silber unter dem Hammer zerbrechen und das Gold im Feuer schmelzen. Am Ende bleibt das Schwarz und jeder hat vergessen was dahinter steht. Im Osten und Westen ist sie erschienen, der Süden ist gewarnt Im Norden hat die Zeit neubegonnen. Am Ende bleibt die Mitte."
    So hinkte der seltsame Mann davon. In die Gassen der Stadt verwschwand er, begleitet von seinen Lumpen und dem Geruch von faulendem Fisch.