Posts by Melekh Blacksoul

    Melekh sah kurz zu Ravi, dann zu Maya. Er schüttelte den Kopf und sah Sylvana an.


    "Nein, du irrst dich nicht. In gewisser Weise hat die letzte Zeit wohl Auswirkungen auf uns alle gehabt. Und nicht nur körperlich. Ich habe auf diesem Feldzug vieles gelernt. Begriffe, die ich für wertlos hielt, sehe ich nun zum Teil mit anderen Augen."


    Melekh lachte leise, aber es klang freudlos. "Ich habe Konzepte kennengelernt, über die es nachzudenken und die es zu bewerten gilt. Sie sind ungewohnt und neu, aber vielleicht sind sie eine Chance. Und andere möchte ich nicht mehr missen, selbst wenn sie mich schwächen würden."


    Sein Blick schweifte von Sylvana zu Ravi und Fae und dann weiter zu Maya.
    "Liebe, Familie, Freundschaft, Vertrauen. Nichts davon war je erstrebenswert, da alle diese Dinge als einengend, beschränkend, ablenkend und schwächend angesehen wurden."


    Er kniff kurz die Augen zusammen, als der Schmerz hinter seinen Schläfen stärker wurde.

    Melekh blickte sie an. Er wusste, dass noch immer etwas in ihr arbeitete, belies es aber dabei.


    "Nein, hast du nicht. Komm herein. Fae schläft noch", sagte er leise und mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
    "Wir sprachen nur gerade noch einmal über das was bei Zerahl passiert ist, und dass alles noch so glimpflich ausging."


    Glimpflich? Er erinnerte sich daran, wie verstörend und schmerzhaft es gewesen war Sylvana so zu sehen. Sie in dem Zustand zu sehen, in den sie nach dem Ritual verfallen war.

    "Eine Familie, ja." Das Wort klang so ungewohnt.


    Dann jedoch lächelte er. "Sie fühlt sich zumindest wohl unter ihren Patentanten."
    Wieder glitt sein Blick zu Ravi und Fae. Noch mehr Seelen, die ihm etwas bedeuteten. Noch mehr Sorgen.


    Als Maya von Zerahls Ritual erzählte verblasste sein Lächeln. Ja, das war genau das gewesen, was Maya hatte befürchten müssen. Ging es nicht immer darum, Macht zu gewinnen? Macht über Menschen zu erlangen, wenn es den eigenen Zielen diente? Und doch hatte er es nicht getan. Hatte versucht zu helfen ohne dadurch Vorteile zu ziehen.


    Er nickte.
    "Ich kenne dieses Gefühl. Es ist... es war normal für mich Verrat hinter allen zu vermuten, vom Verrat anderer von vornherein auszugehen." Er massierte seine Schläfe. "Fast wie die Drow", fügte er bitter hinzu.

    Die Augenbraue des Erzhexers glitt überrascht nach oben, er nickte jedoch nur.


    "Du hast gehandelt, wie ich es erwartet hatte und wie ich ebenfalls gehandelt hätte."


    "Zumindest früher einmal", fügte er hinzu.


    "Und ja, ich glaube ich weiß was du meinst. Entscheidungen die man nicht mehr nur für sich selbst trifft."
    Er blickte zu Ravi und dem schlafenden Kind.


    "Warum hast du mich damals ausgewählt?" Er wand sich wieder zu Maya. "Das habe ich nicht verstanden, genauso wenig wie ich meine Zustimmung verstanden habe. Aber... ich bin froh, dass du es getan hast. Selbst wenn ich nur eine Verlegenheitslösung war."

    "Fast das selbe Gespräch führte ich bereits mit Sylvana. Es wird von vielen als Sieg verkauft. Den Fall von Agrus, die Vernichtung der Ebene der Leere, das Brechen des Fluchs der Edalphi. Aber ist es ein Sieg, oder nennt man es nur so um die enormen Verluste zu rechtfertigen die wir hatten? Und anstatt Argus ist es nun die Leere, die uns gegenüber steht. Nein, es fühlt sich nicht wie ein Sieg an."


    Er lies sich zwischen den beiden Frauen nieder.


    "Wie geht es dir eigentlich. Nach Zerahls Prüfung und dem Ritual meine ich." Seine Hand strich unbewusst über seinen Hals, wo ihn die Klinge aufgeschlitzt hatte.

    Melekh blickte zum Eingang.


    "Natürlich. Komm herein." Fae schien sich nicht stören zu lassen und schlief ruhig weiter.


    Er musterte die Magierin neugierig. Das gebräunte Gesicht war ungewohnt nach all der Zeit.
    Mit Maya war die Person in Melekhs Leben getreten, die nach Sylvana die größten Veränderungen der letzten Zeit mit sich gebracht hatte. Ob zum Gute würde sich noch zeigen müssen.

    Melekh spürte die Blicke der jungen Frau. Er drehte sich zu ihr um, lächelte.


    "Ich beneide dich um die neun Monate, die du mir bei Fae voraus hast, weißt du das?" sagte er leise. Vorsichtig stand er auf, ging hinüber zu ihr und ging in die Hocke.
    "Und ich möchte mich bei dir bedanken, für das was du für Fae und Sylvana tust und getan hast."


    Er blickte noch einmal auf das schlafende Mädchen hinab bevor er es Ravi reichte. "Magst du Sie einmal nehmen?"


    Ravi, was wusste er über die Frau. Das erste mal war er ihr begegnet, als sie ihr das Leben retteten. Damals hatte er sich von Sylvana und Zerahl überreden lassen, denn von allein wäre er zu der Zeit nicht auf den Gedanken gekommen, seine Energie für jemand völlig unbekanntes zu verschwenden, für jemanden, der ihm keinen Nutzen brachte.


    Sylvana und Zerahl hielten große Stücke auf sie. Und er musste zugeben, dass sie seit dem von einem Schatten an Sylvanas Seite zu einem festen Bestandteil seiner Umgebung geworden war; ihm wichtig geworden war.


    Er erinnerte sich dunkel daran, sie gesehen zu haben, als er verletzt an der Palisade gelegen hatte. Wie sich die Umstände doch ändern konnten.


    Melekh spürte, dass er Kopfschmerzen bekam.
    Vielleicht sollte er sich noch einmal mit Zerahl unterhalten. Irgendwie hatte es der alte Hexer geschafft etwas in Melekh in Gang zu setzten. Er musste fast lachen, als er daran dachte, welche Eigenschaft Maya als erstes geopfert hatte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass gerade diese nun bei ihm erwachte. Die unnötigste und einschränkenste von allen.


    Oder konnte sie ihn auch befreien?

    [Wann: In den Tagen nach dem CoM]
    [Wer: Melekh, Sylvana, Maya, Assiah, Ravi, andere bitte auf Anfrage]


    Melekh hielt Fae im Arm und betrachtete schweigend das schlafende Kind. Die Kerzen im Zelt verbreiteten ein mattes Dämmerlicht ohne die Kleine zu stören.
    Wie so oft in den letzten Tagen fragte sich der Hexer, was geschehen war. Was hatte ihn so erschüttert, dass er sich nun so verändert fühlte?
    Oder hatten die Geschehnisse nur etwas beschleunigt?


    Er erinnerte sich an Mayas Frage an ihn. Sie hatte ihn damals überrascht, in dem sie ihn zu Zerahl mit einlud. Was hatte sie sich dabei gedacht ihm so weit zu vertrauen. Und wieso hatte sie Recht behalten?
    Etwas in ihm hatte einen Stich verspürt sie dort liegen zu sehen, sie leiden zu sehen. Als Zerahls Ritual das erste Opfer gefordert hatte, war der nächste Stich gekommen.
    Aber warum? Hatte nicht Melekh selbst Maya aufgefordert dieses Opfer zu bringen? Assiah zu opfern? War dieses Vorgehen nicht das, was er selbst ohne zögern getan hätte?


    Er blickte auf das Kind. Was war noch wie früher? Was war daraus geworden, dass wahre Stärke nur dann erreicht werden konnte, wenn man nur den eigenen Zielen folgte.
    Mitleid war Schwäche. Liebe und Freunschaft waren Schwächen. Niedere Emotionen, selbstgewählte Einschränkungen und moralische Fesseln.


    Oder etwa doch nicht?
    Sollte Zerahl womöglich Recht behalten?
    So viele Fragen, so wenig Antworten.

    Kalte Flammen, Abschottung von Emotionen,... So hatte wohl jeder seine eigene Art mit den Dingen umzugehen. Und Melekh mochte weder die eine, noch die andere.
    Er löste sich von Sylvana und beobachtete die beiden Frauen.

    Sein Blick folgte dem ihren zu Ravi und Fae.
    Er spürte die Leere in Sylvana, auch wenn er sie nicht in allen Aspekten verstand. Doch das war hier und jetzt egal.


    Melekhs Blick glitt zu Assiah. Auch sie schien diese Neuigkeiten schlecht aufzunehmen.

    Ein Mann trat aus den Schatten einer Mauer. Ein schmales Lächeln stand auf seinem Gesicht.


    Es war so einfach, dachte er und befestigte einen weiteren Zettel an der Wand.
    Dann verschwand er wieder im Gewirr der Gassen.

    Mit einem mal was Melekh alles egal. Er wusste, dass Tarabas in der Nähe war, spürte den Blick von Starkad, die Präsenz von Assiah. Es war ihm egal.
    Sanft zog er Sylvana in seine Arme und küsste sie.


    "Wir werden gemeinsam herausfinden, was ihnen angetan wurde", sagte er leise.

    Melekh blickte zu Ravi, erst verstand er nicht. Dann jedoch nickte er ihr zu.
    "Es geht ihr gut. Du kannst sie holen, wenn du magst und ich dich darum bitten darf."


    Er wendete sich Sylvana zu. Sie sah so mitgenommen aus, dass ihm das Herz blutete. Seine Finger strichen über ihr Haar.


    "Niemand hat dir was gesagt?"

    "Was soll ich dir sagen? Vieles beschäftigt mich. Du weißt selbst, wie ungeübt ich mit mentalen Abschottungen bin, wie sehr mich Mayas Frage überrascht hat. All dies sind eben Dinge über die ich reflektieren muss. Gegebenenfalls werde ich mich noch einmal mit Zerahl unterhalten, wenn er die Zeit findet."


    Er hob Fae hoch und warf sie ein wenig hoch. Ihr vergnügtes Glucksen erfüllte den Raum.

    Melekh nickte nur. Er wusste nicht genau, was sie erfahren hatte, aber es hatte sie fast vernichtet.


    Er eilte zu ihr und sank vor ihr auf die Knie.


    "Sylvana", flüsterte er. Assiah und Sylvana hatten sich umarmt und er wollte sie nicht unterbrechen, auch wenn er Sylvana am liebsten na"an sich ziehen wollte.

    "Es ist alles in Ordnung. Es waren nur sehr viele Eindrücke in letzter Zeit. Mayas Worte und Taten haben mich überrascht. Zerahl hat ein übrigens getan. Das ist alles."

    Er sah Starkad an.


    "Etwas ist passiert, mit ihr passiert. Ich habe es so deutlich gespürt, als sei ich selbst betroffen gewesen."


    Er blickte hinüber zu den anderen und lief los.
    Im rennen rief er Starkad noch zu, "Kannst du mir sagen, was geschehen ist?"


    Jetzt, nachdem die physischen Schmerzen aufgehört hatten, konnte er den Ruf des Fauns hören.
    Dort war er, bei Sylvana und den anderen. Er musste zu ihr.