Er nickte, als sie ihm über das Verlorensein erzählte.
"Wenn man sich verläuft, ist es, als rufe man um Hilfe. Und manchmal wird dieser Ruf gehört, auch von denen, die uns nicht hätten hören sollen. Und wenn man Aufmerksamkeit auf sich zieht ist es fast unmöglich sie wieder zu verlieren."
Er wirkte mit einme mal recht still und in sich gekehrt.
"Ihr müsst wissen, dass ihr euch auf einem gefährlichen weg befindet. An eurer Rede höre ich, dass ihr voller Zweifel seid, nicht bereit euch vollends für das zu öffnen was vor euch liegt. Ihr sagt, ihr isst nicht, ob euch die Veränderungen in euch gefallen. Vielleicht befürchtet ihr, dass ihr euch verliert. Das Chaos hat nichts zu tun mit gut und böse, auch wenn euch das viele glauben machen wollen. Es bietet euch einfach Möglichkeiten, die anderen verschlossen bleiben. Viele nehmen diese Chancen frei an, suchen gerade zu nach diesen Wegen. Andere bemerken vielleicht gar nicht, auf welche Pfade sie sich begeben haben. Aber, ob bewusst oder unbewusst auf dem Weg des Chaos wandelnd, riskiert, sich als nicht stark genug für die Freiheit zu zeigen und daran zu zerbrechen. Schwächere werden sich in den niederen Emotionen verlieren, verwandeln sich in blutdürstige Bestien. Andere scheitern daran, sich ihrer inneren Zwänge zu entledigen, scheitern an den Grenzen in ihrem Kopf und verlieren sich im Wahnsinn."
Er blickte sie fest an.
"Es bietet sich euch hier eine Gelegenheit. Diese kann euch stärker machen und weiter bringen, als ihr je geglaubt hättet. Sie würde euch dazu bringen, euer Potential voll zu entfalten. Aber wenn ihr zögert, wenn ihr euch nicht sicher seid, moralische Bedenken habt und diese nicht überwinden könnt, dann seid sicher, dass ihr auf eure ultimative Vernichtung zustrebt. Und damit meine ich nicht nur eine rein körperliche."
Für einen kurzen Augenblick blickte er sie mit zwei dunkelbraunen Augen an. "Es ist noch nicht zu spät."
Dann verging der Moment. Die weiße Iris leuchtete hell als der Hexer lachte und sich erhob.
"Der nächste Sharun'ar? Glaubt ihr denn, dass er wirklich frei war? Er war genauso in seinen Wünschen und Hoffnungen gefangen wie der geringste Bauer. Als abgrundtief bösen Vernichter sehe auch ich ihn nicht, wobei ich mit dem Konzept von Gut und Böse generell eher wenig anfangen kann. Und wenn es war ist, dass er nur für die Freiheit und gegen die Zwänge der Elemente kämpfte, dann ist sein Weg noch bedauerlicher und zeigt umso mehr auf, dass er moralischen Konventionen unterlag. Aber warum sollte ich danach streben einen Kontinent zu beherrschen?" Er schüttelte den Kopf.
"Ämter und Würden sind nur wieder neue Bande die wir uns auferlegen. Und wer liegt in stärkeren Fesseln als der Herrscher eines Landes? Jeder Landstreicher ist freier."
Er wies mit einer Handbewegung auf den Raum. "Glaubt ihr, mir läge etwas an Titeln? An den Zwängen die sich mit sich bringen? Aber machmal sind es Stationen, die auf unserem Weg liegen."
Er trat ans Fenster, blickte hianus und drehte ihr den Rücken zu.
"Ich strebe nicht nach dem was Argus im Sinn hatte. Aber ihr solltet euch fragen, was euer Weg ist, sonst werdet ihr zum Spielball anderer. Es war ein Vergnügen eure Bekanntschaft gemacht zu haben."