Posts by Maya Aedaa

    Irgendwie schien sie in dem Moment sogar bedrückt zu sein und die Entschuldigung hatte ehrlich geklungen. Offenbar hatte sie es wirklich getroffen. Aber immerhin war es Zeichen genug, dass ihr Gewissen wirklich nicht beschädigt worden war... oder Assiah.
    "Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt dort handeln würde."
    Dann schüttelte sie den Kopf, als ob sie einen unliebsamen Gedanken los werden wollte und sah zu den dreien, wieder lächelnd.
    "Das ist alles schon so eine große Familie geworden, oder? Fae, Sylvana und du, Melekh. Und dann die sich sorgenden Tanten und Onkel, wie dich Ravi." Dabei sah sie auch in Ravis Richtung, noch immer leicht lächelnd.
    Entscheidungen die einen nicht mehr nur selbst betrafen. Es würde schwer werden. Sie hoffte nur, dass sowas sie nicht in Zukunft lähmte. Diese Sorgen.


    Dann sah sie wieder zu Melekh. "Als Zerahl mir sagte, dass ich fünf Leute mitbringen soll, denen ich mein Leben anvertraue, dachte ich, ich würde scheitern. Vertrauen ist... war... ein Fremdwort für mich. Dafür bin ich zu oft verraten worden. Ich dachte auch, dass ich die Fähigkeit zu vertrauen vollständig verloren hätte. Auf der Reise zum Treffen in Exilia vor dem Feldzug hab ich lange nachgedacht. Ich habe auch sehr früh an dich gedacht. Aber auch daran, wie du zum Beispiel in Yunalesc versucht hast an mein Blut zu kommen. Und an andere Begegnungen mit dem Chaos wie Vitus, dem ich den Arm zu verdanken habe und auch in anderen Ländern. Ich hatte tatsächlich Angst dich mit einzubeziehen. Hätte damit gerechnet, dass du die Gelegenheit nutzt in meinem Geist zu sein.
    Als ich dich schließlich gefragt habe, bin ich ein Risiko eingegangen. Zumindest für meine Verhältnisse. Genauso bei Slaiga. Bei Sylvana und Ravi und Assiah war ich mir sicher, dass sie nichts tun. So auch Arkadius. Ihn und mich verbindet dafür eine zu lange Geschichte. Ich habe lange in der Hinsicht nichts mehr riskiert und ich danke euch, dass ihr... nun. Mich nicht verraten habt. Das hat mir etwas von meinem Vertrauen zurück gegeben. Mir gezeigt, dass ich es noch kann, wenn ich mich genug traue und mich nicht jeder sofort verrät, als ob ein Fluch an mir dran hängt."
    Sie lächelte etwas schief und tastete einen Moment nach ihrem linken Oberarm. Dort, wo die drei Narben, die sie schon so viele Jahre trug, noch immer waren. Nie verblassten. Und auch noch immer schmerzten.

    Maya schien einen Moment nachzudenken. "Ich denke die Ebene der Leere zu zerstören war ein Fehler. So wie der alte Quai es erklärt hat, war sie ein wichtiger Bestandteil des Schleiers. Der Puffer sozusagen. Damit fremde Ideen nicht Mythodea erreichen können, aber von Mythodea aus auch nichts nach Außen dringt. Wir werden sehen, was wir davon haben. Und die Verluste... sie sind groß." Sie seufzte leise und strich sich eine der roten Strähnen zurück, die sich aus dem Zopf gelockert hatten. Dann blieb ihr Blick jedoch an Melekhs Hand hängen, als er über seinen Hals tastete.
    "Seltsam frei. Als sei eine Last weg. Was ja auch durchaus so ist. Stärker, weil ich mehr meiner Kraft nutzen kann... sie nicht mehr für andere Dinge brauche. Aber es hat auch.. Dinge los getreten. Jetzt wo alles wieder eins ist.. alles wieder verbunden.. muss ich auch damit leben. Gedanken, Gefühle... Dinge, die lange kein Teil mehr von mir waren. Sogar Erinnerungen. Es ist... seltsam. Ich werde.. sehen was ich damit mache. Wie ich damit zurecht komme. Ich denke es braucht Zeit sich daran zu gewöhnen. Es ist, als ob man auf einem riesigen, freien Feld steht, von dem dutzende Wege abgehen. Und ich weiß nicht, welchen ich nehmen soll, auch wenn einige Entscheidungen, die ich hier getroffen habe, zumindest eine grobe Richtung vorgeben. Eine.. die ich so nie für möglich gehalten hätte. Nicht für mich."
    Sie legte den Kopf etwas zur Seite.
    "Ich denke du weißt, was ich meine. Diese... Dinge, die aufkommen. Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Und das Gefühl, dass man sie nicht mehr nur für sich selbst trifft. Nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist." Das ist das irgendwo Angst machte, gestand sie nicht ein. Auch nicht, wie unsicher sie sich dabei fühlte. Aber um das zu bemerken musste man sie auch nur beobachten. Sie schien noch nachdenklicher als sonst.


    "Die Dinge, die ich beim Ritual getan habe... sie tun mir leid. Ich habe aus Angst gehandelt. " Das hingegen war ein ziemlich großes Eingeständnis der Magierin.

    Sie schob die Plane im Eingang noch etwas mehr zur Seite und ließ sie wieder zurückfallen, nachdem sie eingetreten war. Danach sah sie sich kurz um. Auf Fae blieb der Blick einen Moment länger liegen. Danach nickte sie auch Ravi lächelnd zu und setzte sich. Ja das Gesicht der Magierin hatte sich wieder verändert. Das Weiss war weg, aber ein Auge war noch immer dieses helle, strahlende Blau, während das andere noch immer tief rot und von schwarzen Musterungen durchzogen war.
    "Der Feldzug war seltsam. Ich kann ihn... nicht in gut oder schlecht einordnen, zumindest nicht, was die Geschehnisse um das Land betrifft." Ja irgendwie hatte dieser 'Sieg' einen sehr schalen Beigeschmack. Sie hätte einige Dinge anders gemacht, wenn sie gekonnt hätte.
    Sie zog die Beine heran und setzte sich wie meist im Schneidersitz hin, um durch die Runde zu sehen.

    Maya war durchs Lager gewandert. Nachdenklich, grübelnd. Sie trug Teile ihrer Rüstung, hatte aber auf Arm- und Beinschienen verzichtet und auch ihren Stab hatte sie im Moment nicht bei sich. Sie dachte über die Zeilen nach, die sie mit Gold auf ihren Waffenrock gebrannt hatte. Sie stimmten nur noch teilweise. Aber eine andere Frage hatte sich mittlerweile in den Vordergrund geschoben. Sie war jetzt frei. Frei von den Lasten aus der alten Welt, frei von den Beschränkungen, die sie sich im Inneren selbst auferlegt hatte. Aber mit dieser Freiheit war eine Unsicherheit gekommen, die sie nicht kannte. Gedanken, die sich wie von selbst in ihren Kopf setzten, offensichtlich nur, um sie zu verwirren. Gefühle, die immer in den unpassensten Momenten hervorbrechen wollten und die sie nicht mehr ganz unter Kontrolle hatte.
    Als sie aus ihren Grübeleien aufwachte, hatten ihre Füße sie vor ein Zelt geführt. Eins, das sie kannte. Sie seufzte leise und blieb einen Moment unschlüssig stehen, bevor sie den Eingang ein Stück öffnete.
    "Darf ich eintreten?"

    Maya war noch immer da. Sie hatte einen Moment gebraucht um sich wieder zu sammeln, da der Schutz, den sie aufgebaut hatte in dem Sinne nicht nötig gewesen war. Dennoch formten ihre Lippen noch immer ihr Mantra, das früher ein Mal eigentlich nur dafür gedacht war sich selbst zusammen zu halten. Jetzt spürte sie jedoch auch, wie es.. sich auf die anderen ausweitete.
    Sie war nicht mehr nur mit sich selbst eins.. nicht mehr nur ihr Geist eins oder ihre Seele eins. Alles wurde eins. Eins mit den anderen, mit denen sie verbunden war. Mehr als nur magisch verbunden.
    Sylvana würde, wenn sie auf ihre Kraft zugriff, spüren, dass dort mehr war, als man früher gespürt hatte. Als hätte sich eine neue Quelle aufgetan, die das Gefäß füllte. Dabei war nur Kraft zurückgekehrt, die vorher eine andere Aufgabe gehabt hatte. Und es war noch vom beidem genug da. Magische Kraft und Lebenskraft, auf die Sylvana durch die Verbindung würde zugreifen können. Und auch würde sie spüren können, das Maya nichts davon zurück hielt. Sie konnte sich nehmen, was auch immer sie davon brauchte.
    Aber durch die Verbindung kam auch mehr als nur Kraft. Auch die Gedanken und Emotionen, Emotionen die Maya schon lange nicht mehr gespürt hatte und die ihr fremd geworden waren. Sie war noch unsicher, was dieses wieder gefundene Vertrauen anging, die Gefühle, die nur eine Familie hervorbringen konnte. Angst, Sorge, der Wunsch danach zu helfen und die hier Anwesenden zu schützen. Aber auch die Unsicherheit und die Angst davor schwach zu sein oder schwach zu werden.

    Maya schloss die Augen, als sie die Welle kommen sah. Ihr war klar, dass eine zweite Woge der Art nicht mehr nur einer hier aufhalten konnte. Als sie die Augen wieder öffnete, richtete sie ihren Blick auf Tiara, die schon am Boden lag. Mayas Blick versuchte sich in ihre zu bohren, ein Auge rot, das andere blau, schienen sie zu versuchen sie irgendwie zu fangen. Mental versuchte Maya Tiara irgendwie mit abzuschirmen, Mauern zu errichten, selbst wenn sie nicht halten würden, wovon sie fest ausging, hoffte sie doch, dass sie noch wenigstens ein wenig aufhalten würden. Sie konzentrierte sich auf die Verbindung und auf die Erde unter sich, auch darin bemüht einen Teil der Kraft, die sie durchströmte, abzuleiten. Eine Art Widerstand zu errichten.
    So würde Tiara vielleicht eine schützende Präsenz spüren können, die sich vor sie und die anrückende Welle drängte, um sie darin zu unterstützen. Weiter die Wogen glätten, damit die anderen Zerahl zurück holen konnten. Es würde nichts bringen, wenn sie ihn alle suchten, nur um der Reihe nach von den Energien zerrissen zu werden.

    Als sie merkte, wie die anderen mit einfielen, verstärkte sie ihre Anstrengungen. Versuchte weiter die Energien zu sortieren, die Wogen zu glätten, fließen zu lassen. Sie spürte die Verbindung, die sich mit den anderen immer stärker und stärker aufbaute, über Ravi, Sylvana, Tiara, Assiah, zum Teil sogar zu Cupa und Theyben. Sie versuchte die Einigkeit weiter herzustellen, das Mantra, zuerst nur ein Murmeln, um den eigenen Geist zu stärken, wurde kräftiger, als mehr und mehr einfielen. Auch ihre eigene Stimme wurde wieder stärker.
    Nur kurz flackerte ihre Stimme und auch ihre Sinne, die Konzentration drohte einen Moment zusammen zu brechen, als sich die Brandblasen auf ihren Händen bildeten, verbrannt von den Energien, die sie zu kanalysieren versuchten. Aber sie riss sich zusammen, fasste den Schmerz wieder und nahm ihn auf, um ihn weiter zu nutzen, so wie sie auch andere Emotionen immer versucht hatte zu nutzen und setzte das Mantra fort. Die Blitze waren nur weitere hellere Lichter die sich zu denen, die eh schon vor ihren Augen tanzten, gesellten. Im ersten Moment spürte sie nur die Energien, die sich durch die Verbindung fortsetzen.
    Dann bäumte sich Zerahl auf und Maya biss die Zähne zusammen.
    "Jetzt. Versucht ihn jetzt zu finden und wieder zu holen. Danach die Barrieren."
    Und kaum waren die Worte gesprochen, setzte sie das Mantra auch schon wieder fort.

    Ihre Finger schlossen sich wieder fester um Zerahls Handgelenk, nachdem sie den Puls gefunden hatte, auch wenn er nur flüchtig war. Barrieren waren gebrochen, die Energien verschoben. "Tiara seine Energien sind.. verschoben. Und zu stark. Viel zu stark für einen. Wir müssen sie irgendwie wieder.. richten."
    Noch immer hatte sie Mühe zu sprechen und wie die anderen verfiel auch sie wieder in ihr Mantra. Ihr altes Mantra, dass ihr so lange geholfen hatte am Leben zu bleiben und sich zusammen zu halten. Etwas, das dank Zerahl und den anderen nun nicht mehr in dem Sinne nötig war wie früher.
    "Eins im Geist, eins in der Seele, eins im Denken, eins im Handeln. Eins im Geist, eins in der Seele, eins im Denken, eins im Handeln." Sie konzentrierte sich auf sich, auf Zerahl und versuchte auch noch die anderen zum Teil zu erfassen, auch wenn die Energien, die umherpeitschten ihre Konzentration bis zum Zerreissen spannten. Sie nahm die fremden Emotionen und Energien, die an ihrem Geist rissen, versuchte sie zu ordnen, Ruhe einkehren zu lassen und diese Ruhe auch auf die freien Energien im Raum auszubreiten. Es würde viel Kraft erfordern, viel Konzentration, aber es war diese Form von Kontrolle, die sie überhaupt so lange hatte leben lassen. Das, was sie wirklich konnte. Und so lange diese Energien hier frei umherschwirrten, würden sie alles andere nur erschweren. Sie zwang sich ruhiger zu atmen, gleichmäßiger, tiefer, nahm den Schmerz, den die Energien zufügten, um ihrem Geist wieder mehr schärfe zu geben, zwang ihn für sich zu arbeiten.
    Sie richtete sich selbst Stück für Stück auf, ein kleiner Punkt der Ruhe, den sie versuchte zu vergrößern.

    Endlich bei Zerahl angelangt und nachdem ein wenig Licht in das Zelt kam, griff Maya mit ihrer freien Hand nach Zerahls. Was war hier los? Lag es noch am goldenen Kind? War es dafür nicht schon etwas spät? Er war doch direkt am Portal schon zusammen gebrochen oder kamen die Folgen jetzt erst Stunden später?


    "Was....passiert .. hier?"


    Sie hatte Mühe zu sprechen oder sich umzudrehen, als der Faun an ihr vorbei stürzte, scheinbar begleitet von noch zwei weiteren. Sowohl Tiara, wie auch Sylvana, Ravi, Maya und Assiah und natürlich auch Zerahl schien es ziemlich übel zu gehen und auch Cupa schien etwas zu haben.
    Schließlich schaffte Maya es Zerahls Hand zu fassen und zwischen den Wellen, die durch ihren eigenen Körper schlugen, versuchte sie seinen Puls am Handgelenk zu finden oder herauszufinden, ob man etwas an ihm spüren konnte, irgendetwas, das einen Hinweis auf das gab, was hier passierte.

    Maya griff fest Ravis Hand. Fest genug wahrscheinlich, als das es schmerzen würde, aber es war eine Ablenkung von den Wellen, die immer wieder über beide hereinbrandeten. Sie ging weiter und zog Ravi teils mit sich, teils würde Ravi sie ziehen müssen, aber gemeinsam kamen sie voran. Durch das Tor des Magielagers bis zu Zerahls Zelt, das Sylvana und Tiara schon erreicht hatten. Mehr wankend und kriechend schob sich auch Maya durch den Zelteingang. Sie blieb an eienr der Zeltstangen hängen und fiel, zog sich aber trotzdem weiter, Ravi noch immer bei sich, wie sie hoffte. Stück für Stück näher zu Zerahl, Sylvana und Tiara, tastend über die Trümmerstücke. Sie war sich nicht sicher, ob sie sich an etwas geschnitten hatte, es war ihr aber auch egal. Wichtiger war es zu den anderen zu kommen. Mit ihrer freien Hand tastete sie nach Zerahl und den anderen.

    Mit jeder Welle die kam und ging schaffte Maya es sich ein wenig weiter auf die Beine zu heben. Vielleicht konnte man die Gestalt auf der Wiese sehen, die sich da wieder aufrappelte. Ohne ihren Stab, der wie die meiste Zeit der letzten Tage im Zelt stand, gestaltete sich das alles als etwas schwieriger, aber sie schaffte es wieder auf die Beine zu kommen und auch die ersten Schritte in Richtung Zerahls Zelt zu gehen.
    Ihr Kopf fühlte sich an, als ob er platzen wollte, aber es war nicht so, als hätte sie keine Erfahrung mit dieser Form von Schmerzen. Die Quelle war zwar eine ganz andere, der unkontrollierbare Strudel jedoch...
    Schritt für Schritt wankte sie weiter. Am Magielagertor war keine Wache, was hatte sie auch erwartet. Weitere Gestalten schienen auch hierher zu kommen. Am Rande des ganzen Chaos erkannte sie Tiara, die ein wenig vor ihr ging. Auf sich aufmerksam machen war schwer, mehr als ein angeschlagenes, leicht gequältes Stöhnen kam nicht von der 'Magierin'.

    Wo: Vor den Toren des Viribus Unitis
    Wann: Stunde des Wolfs, Samstag auf Sonntag


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    Maya war auf dem Weg zu ihrem Zelt, nachdem sie den letzten Abend noch ein wenig durch die Lager gezogen war, um Freunde zu sehen, denn so nannte sie mittlerweile wirklich einige Bewohner Mythodeas. Egal, was die Zukunft bringen wollte, sie hatte sich entschieden. Auch wenn ihr Arkadius Aussagen nicht aus dem Kopf gingen. Hatte er wirklich Angst sie an ein Land zu verlieren? Sie verstand ihn auf der einen Seite, aber er hatte seine Heimat in Arista gewählt, sie auf Mythodea. Sollte ihr eine Heimat und eine Familie verwehrt bleiben, nur weil es weiter weg war? Nein. Sie hatte es ihm schlussendlich erklärt, auch so, dass er es wohl verstanden hatte.
    Sie fühlte sich freier. Frei, wie schon lange nicht mehr. Eigentlich nie. Und dennoch tobten da auch andere Dinge in ihrem Kopf, die sie eigentlich so lange verborgen hatte. Sorge, Vertrauen, Dankbarkeit. Dennoch fühlte sie sich damit vollständiger. Nicht schwächer.
    Sie hielt gerade wieder auf das Tor des Viribus Unitis Lagers zu, als etwas sie packte. Eine Kraft riss sie zu Boden. Ein erstickter Aufschrei entfuhr ihr, wurde aber von der Kraft erstickt, die ihr die Luft aus den Lungen trieb. Sie konnte sich kaum rühren, als ob der Druck sie zerquetschen wollte und bemühte sich darum wieder zu Atem zu kommen. Ihre Gedanken waren in dem Moment kaum zu greifen, als hätte sie ein Schlag getroffen. Sie konnte nichts spüren, was einem Angriff ähnelte, keine Magie, die auf sie wirkte, keine Präsenz, die sie attackiert hatte. Aber sie hatte eine Ahnung. Etwas, was sie noch nicht fassen oder begreifen konnte, aber seit dem Ritual da war, bei dem sie das goldene Kind gerufen hatten. Diese Form von Verbindung, die ihrem Wunsch, dass dieses Land ihre Heimat wurde, eine.. festere Form genommen hatte. Auch wenn sie eigentlich noch so schwach war, dass sie nicht gedacht hätte, dass es daher kommen konnte. Dennoch würde sie mit Zerahl sprechen müssen.
    Auch wenn sie noch nicht wusste wie, denn diese Kraft hielt sie noch immer am Boden und sie hatte schon Zeit gebraucht, um die Gedanken überhaupt in eine halbwegs klare Form zu bringen.
    Irgendwann, ihr kam es wie eine halbe Ewigkeit vor, in der sie gegen den Druck kämpfte, konnte sie sich jedoch wieder aufrichten, zumindest so weit, dass sie kniete und sich mit den Händen abstützen konnte. Aber es brauchte Kraft, mehr als nur im körperlichen Sinne, um überhaupt wieder so weit vom Boden zu kommen. Trotzdem wollte sie noch nicht aufgeben und versuchte es weiter...

    [i]Maya musste unwillkürlich anfangen zu Grinsen. "Ich wüsste da die ein oder andere Methode, wie wir sie unterrichten können. Ich glaube zwar nicht, das uns ein.. lebendes Versuchsobjekt zur Verfügung gestellt wird, um die Auswirkungen von Überladung zu zeigen, aber wir könnten... die Schüler überladen? Nur ein ganz klein wenig. So hab ich gelernt damit umzugehen."
    Dabei musste sie an die vielen Male denken, die Ashgar sie überladen hatte. Und sich dann hämisch über ihre Kopfschmerzen gefreut hatte.
    "Die nette Variante wäre, dass sich jeder der Schüler vorstellt und sagt, ob und wenn ja wie er bei sich schon Magie gespürt hat. Und wenn es dazu gekommen ist, was für Effekte sie dabei hatten. Ein wenig mythodeanische Magietheorie sollte auch dabei sein, sie sollten wissen, wie das hier funktioniert, damit sie keine Fehler machen. Ansonsten ist es denke ich alles eher abhängig von den Schülern. Wie schnell sie begreifen und wie viel Talent sie zeigen. Am sinnigsten wäre es ihnen beizubringen, wie sie kleine Flammen rufen oder kleine Lichter machen können. Ich denke das sind die für Söldner nützlichsten Lehrlingssprüche. Und im Lager sicher immer gerne gesehen. Damit können sie dann auch verhindern, dass sie sich überladen.
    Und natürlich bin ich auch dafür, dass wir Melekh da mit einbeziehen. Und Magon ist auch nicht verkehrt. Viel Potanzial, wie ich finde."

    Maya lächelte leicht. "Mein Weg geht mit deinem mit. Ich begleite euch dann nach Paolos Trutz, wenn du keine Einwände hast. Mit Ravi würde ich so oder so noch gerne vor dem Feldzug reden. Ihr beiden wisst ja warum."
    Sie holte sich eine ihrer Zigaretten aus ihrem Beutel und zündete sie nach einem leisen Murmeln mit der Flamme, die auf ihrer Hand erschien an.
    "Dann können wir auch noch ein wenig planen. Ich wollte Arkadius vielleicht mit in die Ausbildung der Söldnerlehrlinge einbeziehen. Er ist was Magie angeht mindestens so bewandert wie ich. Er hat zwar in manchen Dingen andere Ansichten, aber ich denke das tut keinen Abbruch. Und für gewöhnlich weiß er, was er tut."

    Wieder huschte ein kurzes Lächeln über ihr Gesicht und sie musterte die beiden einen Moment schweigend.
    "Wahrscheinlich habt ihr recht. Ich sollte weder mich noch euch nicht noch verrückter machen, als wir es so schon sind. Es kommt so, wie es kommen soll. Dieser Orden klingt aber recht interessant, Slaiga. Also die Ansicht. Hat etwas für sich. Wenn man als 'Toter' in die Schlacht zieht, braucht man die Schlacht wohl nicht mehr zu fürchten... "
    Eigentlich eine wirklich interessante Sicht der Dinge.
    Dann wandte sie sich wieder an Sylvana. "Weißt du schon wohin es gehen soll? Bleibt es bei Gales Morgan oder soll es doch woanders hin gehen? Ich muss auf jeden Fall noch Arkadius einsammeln und ich sollte vorher auch noch mal in Paolos Trutz vorbei, das hatte ich.. nun vergessen."
    Sie schob sich eine der roten Strähnen zurück hinters Ohr und sah zwischen den beiden hin und her. Slaiga schien ja zuerst mit Sturmhart mit zu reisen.

    Alvaraez sah die Magierin einen Augenblick lang hinterher. Dann nickte sie Slaiga zu und lud ihn mit in die Runde ein.
    "Nein du störtst nicht. Du reist direkt mit Sturmhart weiter? Verstehe. Halt mal die Augen nach ... Söldnern auf, die die Fähigkeit zur Magie haben. Vielleicht kannst du Sturmhart ja helfen die Leute zusammen zu sammeln, die er uns schicken will. Ich will noch einen alten Bekannten.. einen Mitschüler überzeugen zu helfen. Arkadius. Er kommt auch mit zu Zerahl."
    Sie sah wieder zu Sylvana. "Es gibt Dinge bei denen ich lieber nicht unter Druck arbeite. Auf der anderen Seite bin ich aber auch selbst Schuld. Sowohl am .. Grund wie auch an der verbleibenden Zeit." Sie hatte es schließlich schon lange genug hinausgezögert. Bis ihr selbst nichts mehr eingefallen war. "Und ich hoffe, dass es nicht zu aussichtslos wird. Oder zu riskant für euch."

    "Hattest du. Und ich hatet auch Bedenken wegen seiner Eignung... nicht mal wegen seiner Einstellung. Es ist zu riskant. Wir bleiben besser bei vier."
    Ihr Kopf ruckte herum, als sie eine Gestalt aus den Augenwinkeln sah und es dauerte einen kurzen Moment, bis sie Slaiga im Dunkeln erkannte.
    "Guten Morgen. Scheinbar wandert noch die halbe Zusammenkunft umher." Sie rang sich ein Lächeln ab und warf einen kurzen Blick zum Haus, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die beiden legte. "Habt ihr schon gepackt?" Ein schnellerer Themenwechsel war ihr wohl auch nicht eingefallen.

    Vielleicht hatte das einzelne Wort wie eine Beschwörung gewirkt. Beinahe so mochte es zumindest anmuten.
    Sie hatte Sylvana zuerst nicht wahrgenommen. Zu sehr kreisten ihre Gedanken um alles, was die nächsten Wochen bringen mochten. Die junge Magierin seufzte und klang dabei einen Moment unendlich müde. Es galt sich noch mal zusammen zu nehmen. Nicht nur für die Schlacht gegen die Verfemten.
    Ein Klopfen ließ sie allerdings herum fahren. Wachsamkeit hatte sie sich angewöhnt, auch schon lange vor Mythodea.
    Als sie die Gestalt sah, entspannte sie sich allerdings.
    "Du bist auch noch wach? Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass sich schlafen nicht mehr lohnt. Die Reise wird wohl das erholsamste werden, was wir in den nächsten Wochen bekommen."
    Auf der anderen Seite hatte sie auch unmöglich schlafen können. Zumindest nicht auf normalem Weg.
    "Hat sich der Dunkelelf wieder ein bekommen?" Der Dunkelelf. Sie hatte Kelnozz noch nie so genannt.

    Wann? - Nach dem ZFG 2
    Wo? - Vor der Tür des Haupthauses
    Wer? - Wer auch immer da war; offen


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    Es war noch recht früh am Morgen, als Maya das Haus verließ, in einer Hand noch ein zusammengerolltes Stück Pergament, dass in der fest geschlossenen Faust zerknitterte. Wie auch schon die letzten Tage trug sie Teile einer Plattenrüstung, den Gürtel und Beinschienen, aber auch wieder den schwarzen Waffenrock, der mit seltsamen Symbolen bedeckt war, und die Plattenschultern.
    Sie atmete tief durch und schloss einen Moment die Augen. Hunderte Dinge schwirrten ihr durch den Kopf, über den Feldzug, aber auch über die Leute, die sie dort hin begleiten würde. Ob auch.. alles funktionieren würde. Vier hatte sie. Ihre fünfte Wahl war schlecht gewesen, ein Fehlschlag, den sie schon bereute. Sie hätte nicht damit anfangen sollen. Aber mit der heutigen Nachricht waren es schon mal vier, auch wenn sie sich nicht gestattete wirklich zu hoffen.
    Sie ging ein paar Schritte und zündete sich ein Rauchkraut an. Die Geräusche der Rüstungsteile waren nur leise, aber in ihren Ohren noch immer ungewohnt. Oder noch nicht wieder gewohnt. "Schwester..." sie murmelte das Wort leise. Auch eine neues Geräusch. Oder wieder neu. Jedoch eines, das sie einen kurzen Moment zum Lächeln brachte. Es war lange her, dass man sie ohne Hass so genannt hatte. Ehrlich gemeint.
    Sie warf einen kurzen Blick zum Himmel. Es würde bald Zeit sein abzureisen. Aber noch galt es zu klären wohin. Noch mal in die Hauptstadt? Oder sollten sie direkt zum Feldzug aufbrechen?