Posts by Silas Fenn

    Nachdem alle eingetreten waren, zog Silas die Tür hinter sich zu, und sperrte Wind mit Regen aus. Die Gespräche waren für einen langen Moment verstummt, als die Mutter Konfessor eingetreten war, und wurden jetzt, etwas leiser vielleicht, wieder aufgenommen. Während die neuen Gäste es sich noch gemütlich machten, ging Silas durch die dichten Reihen der langen Tische hindurch und gesellte sich zu den Trosslern, die ihm heute Abend im "Zwielicht" aushalfen.


    Nach einer freundlichen Begrüßung und ein paar derben Scherzen legten zwei der Schankhelfer ihre Schürzen ab und reichten eine davon an Silas weiter. Dieser verstaute seinen Mantel und Wappenrock in einem Schrank, rollte die Hemdärmel hoch und zog sich dann die fleckige Schürze über, bevor er sich hinter den Tresen stellte und einen langen Blick durch seine Taverne schweifen ließ.

    Als Corvin das "Zwielicht" verließ, grüßte Silas ihn mit der Faust über dem Herzen und hielt ihm die Tür auf. Mit einem Blick über die Schulter des Ritters ssh er den grauhaarigen Trossler hinter dem Tresen stehen, etwas ratlos auf den vorbereiteten Korb mit dem Essen für den Protektor blickend.


    Mit einem Schulterzuckem zu dem Schankhelfer wartete Silas, bis der Rest der Gruppe die Taverne betreten hatte.

    Die Tür wurde von außen geöffnet, und ein klammer Windhauch brachte ein paar Regentropfen in den behaglich warmen Schankraum. "Nur herein, hier drin ist es angenehmer." Silas blieb noch draußen stehen und hielt die Tür für Sylvana auf, die noch von Salim, Ravi und Nemeth begleitet wurde.

    "Ravis Vorschlag hat was für sich.", stimmte Silas zu. "So seid Ihr einen kleine Weile präsent und könnt Euch danach zurückziehen."


    Er deutete mit dem Arm einladend in Richtung der Taverne. "Wenn Ihr erlaubt, gehe ich voran. Wollen wir doch mal sehen, ob wir für euch alle einen Tisch im besten Haus am Platz freimachen können." Den letzten Satz sprach der Magier mit einem deutlichem Schalk in der Stimme aus.

    Der Magier deutete mit dem Daumen in die grobe Richtung Nord-West. "So weit weg ist Dreistätt ja nicht, und wenn ihr eh unterwegs seid, bietet die Gelegenheit sich ja förmlich an."

    Für einen kurzen Moment sahen alle drei sich in überraschtem Schweigen an, dann kratzte Silas sich verlegen am Hinterkopf. "Oh, ich dachte, ihr hättet das mitbekommen."


    Er sah kurz zu Boden und bemühte sich Gedächntis. "Wie war das noch...? Ah ja, das stand im Freien Boten, den man auf dem Konvent in Holzbrück dieses Frühjahr kaufen konnte. Angeblich hätte die Nyame diverse Wunder gewirkt, und in Dreistätt, als was davon noch übrig ist, wäre ein Gedenkstein errichtet worden. Gerade bei den Soldaten, die im Krieg gegen das Schwarze Eis verwundet worden sind, wäre die Anbetung besonders stark."


    Mit einer entschuldigenden Geste zuckte Silas mit den Schultern. "Vieles davon ist wahrscheinlich Übertreibung. In Holzbrück haben wir uns noch darüber lustig gemacht, dass der angeblich so erfolgreiche Handel mit Devotionalien wohl übersehen hat, dass das Bild der Nyame auf jeder einzelnen Münze zu sehen ist."


    "Davon mal abgesehen, habe ich während des ganzen Krieges nicht einen Soldaten gesehen, der zu der Nyame gebetet hat."

    Während Sylvana sprach, kam Silas etwas wieder in den Sinn, etwas, dass er vor einer ganzen Weile in der Zeitung gelesen hatte...


    "Was hält ihre Exzellenz eigentlich von dieser Heiligenverehrung die ihr zuteil wird?"


    Der Magier legte den Kopf etwas schief und hatte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck aufgesetzt, als er sich an die Details des Artikels zu erinnern versuchte.

    Silas war von der Geste Sylvanas sichtlich überrascht, und sah etwas hilfesuchend zu Salim herüber. Er war bei weitem nicht mit allen Gebräuchen Samars vertraut, und wusste schlicht und einfach nicht, ob und wenn ja, was von ihm erwartet wurde.


    Der Magier setzte schnell wieder ein freundliches Lächeln auf und versuchte über seine Verwunderung hinweg zu gehen. "Wisst Ihr schon, wie lange ihr alle in Engelsweg bleiben werdet?"

    Nach einem kurzen Gespräch bringt einer der Schankhelfer einen abgedeckten Tragekorb aus der Küche und stellt ihn vor Corvin auf den Tresen. Der ältere Trossler zieht das Tuch beiseite, so dass der Ritter den Inhalt; einen Steinguttopf, einen Leinenbeutel und eine Schale mit Gebäck sehen konnte.


    "Gefüllte Kartoffeln mit Käse und Speck, ein paar Äpfel und das in der Schale sind kleine Zimtkuchen."Ebenfalls im Korb waren noch zwei Sätze Geschirr und Besteck verstaut.


    "Das trifft sich gut, dass Ihr kommt, wir wollten das gerade zu Vater Murdo bringen lassen." Der Mann beugte sich ein wenig über den Tresen und lächelte wissend. "Wenn es viel zu tun gibt, vergisst die Obrigkeit manchmal zu essen, wisst Ihr?"

    Zusammen mit dem Adepten war Silas über Schlachtfeld gegangen und sie hatten hier und dort Bodenproben entnommen. Dabei hatten sie sich besonders auf die seltsamen Krater konzentriert, die wahrscheinlich die Einschlagspunkte der Trümmerstücke gewesen waren. Gerade hatten sie die letzte Probe in der Kiste verstaut und zurück zum Wagen gebracht.


    Als Salim zurückkam, nahm Silas gerade einen tiefen Zug aus seinem Wasserschlauch und sein Gesicht war gerötet von der Anstrengung. Er lies noch etwas Wasser über seine dreckigen Hände fließen und sah seinen Ordensbruder skeptisch an.


    "Die Proben hätten wir, auch wenn es für mich wie einfache Erde aussieht. Hoffentlich kann man damit in Engelswacht mehr anfangen. Was das Ritual angeht... Er sah sich nach dem anderen Magier um.

    Silas richtete sich wieder auf, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. "Der Stadt an sich geht es soweit gut, allerdings haben wir durch den Krieg viele Verluste zu beklagen. Viele fürchten, dass das Schwarze Eis sich nur zurückgezogen hat, um einen weiteren Angriff vorzubereiten. Die Vorkehrungen für den Winter laufen aber wie gewohnt weiter an."


    Er ließ kurz den Blick zu Sylvanas Begleitern wandern und nickte allen freundlich zu.


    "Wenn Ihr noch jemanden erwartet, sollten wir vielleicht hier bleiben? Heute werden sich die meisten Bewohner hier oder in der direkten Umgebung aufhalten, da werden Gäste von außerhalb mit Sicherheit zuerst hierher geschickt."

    Als Corvin die Kapuze abzog und sich zu erkennen gab, entspannte Silas sich gleich wieder. Er hatte zwar angenommen, der Ritter mit dem strengen Gebaren wäre wieder auf dem Weg nach Samar, aber da hatte er sich wohl getäuscht.


    Dann waren Sylvana und ihre Begleiter heran und Silas trat ihnen noch einen Schritt entgegen. Er neigte den Kopf respektvoll, die Faust über dem Herzen. "Mutter Konfessor. Es freut mich, Euch zu sehen. Ich hoffe, es geht Euch gut?"

    Silas war tatsächlich überrascht gewesen, Kahina heute hier zu sehen, aber auf eine gute, positive Art und Weise. Insgeheim hätte es ihn nicht all zu sehr überrascht, wenn die Kleriker-Novizin es vorgezogen hätte, das Lichterfest mit den anderen in Paolos Trutz zu begehen.


    Als er bemerkte, dass die Gruppe um Sylvana sich zumindest ungefähr in seine Richtung bewegte, stieß Silas sich von der Mauer ab und trat einen Schritt auf den regennassen Platz hinaus. Damit rechnend, dass er gleich zumindest eine freie Hand brauchen würde, stellte der Magier seine Kerze sicherheitshalber auf ein nahes Fensterbrett, wo sie recht gut gegen Wind und Regen geschützt sein sollte.


    Während er sich noch der näher kommenden Gruppe zuwandte, fiel Silas die große Gestalt im Kapuzenmantel auf, die sich Vater Murdo nähert. Die große, bewaffnete Gestalt, wie die Ausbeulungen des Umhanges verrieten. Wer kommt denn bewaffnet zum Lichterfest? Silas war sich durchaus klar, dass er hier wahrscheinlich zu misstrauisch war, aber er hatte es sich schon lange zur Gewohnheit gemacht, die Umgebung im Auge zu behalten. Und auf dem Konvent in Holzbrück hatte sich das schon mehrmals bezahlt gemacht.


    Also blieb er stehen, wo er war, den Blick abwechselnd auf Vater Murdo und die Mutter Konfessor richtend.

    Auch wenn Phis Bestellung und ihre Bitte, den Spielmann ruhig zu stellen, ziemliche Irritation hervorrief, stand bald ein Teller Plätzchen mit dickem Schokoladenguss vor ihr. Dazu kam dann noch ein Krug heisser Trinkschokolade.


    Als Davion sich mit dem Lautenspieler unterhielt, weiteten sich dessen Augen für einen kurzen Augenblick, begleitet von einem nervösen Blick in Richtung der Fae. Dann aber nickte er freundlich, legte seine Laute auf den Stuhl und gesellte sich zu einer geselligen Gruppe in Tresennähe, von der schon bald das Geräusch fröhlich klackernder Würfel zu vernehmen war.

    Nachdem er eine der Kerzen entgegen genommen hatte, blieb Silas eine Weile am Rande des Platzes unter einem Vordach stehen und beobachtete die versammelte Menge. Er hielt die freie Hand schützend über die flackernde Kerzenflamme und spielte kurz mit dem Gedanken, ein klein wenig seiner Magie aufzubieten um sie gegen Wind und Regen zu schützen, entschied sich aber dagegen. Die Kerzen waren Teil eines religiösen Ritus, und es kam ihm irgendwie nicht richtig vor, damit herumzutricksen.


    Also lehnte er sich einfach weiter gegen die Wand, schützte die kleine Flamme mit den Händen und beobachtete neugierig Gäste wie Ordensmitglieder. Cupa und Emain kannte er natürlich, die Gestalt mit den Kringeln auf dem Gesicht allerdings nur vom Hörensagen, wahrscheinlich die Fae, die in der Hütte am Steinbruch lebte.


    Etwas auf dem Boden erregte Silas' Aufmerksamkeit, und als er sich nach vorne beugte konnte er die kleinen Lichter sehen, als Regentropfen auf die Steine trafen. Fasziniert blickte der Magier sich um und sah, dass sich wohl in ganz Engelsweg diese Lichter ausbreiteten. Neugierig streckte er eine Hand aus und wischte über eine nasse Mauerkante, wobei sich die Lichter langsam auflösten. Er spürte etwas in der Luft, was sich fast, aber eben doch nicht ganz wie Magie anfühlte. Da die Lichter aber keinen schädlichen Effekt zu haben schienen, und niemand der Versammelten irgendwie besorgt reagierte, verschob Silas eventuelle Fragen auf später.


    Als Sylvana zusammen mit Salim, Ravi und einer ihm unbekannten Frau auf Kimberley zugingen, lehnte Silas sich ein Stück zur Seite, um die Szenerie besser erkennen zu können. Was zwischen ihnen gesprochen wurde, konnte er über die Entfernung und die leisen Gespräche hinweg zwar nicht hören, aber dafür sah er, dass die Mutter Konfessor Kimberley ihre Kerze überreichte. Silas gab ein leises, erstauntes Pfeifen von sich. Mit dieser Geste hatte er nicht gerechnet, und er war sich alles andere als sicher, was genau das jetzt für Kimberley bedeuten würde. Vielleicht würde Salim ihm ja ein wenig erklären können, und wenn nicht, würde Silas sich auch so über ein Gespräch freuen. Seit sein Ordensbruder zur Ausbildung in Engelswacht war, sah man ihn nur sehr selten.


    Die Gruppe um Davion löste sich gerade auf und in Begleitung von Emain und der Fae ging dieser über den Platz in Richtung des "Zwielichts", was Silas daran erinnerte, dass er sich trotz, oder eher gerade wegen, des Lichterfestes in seinem Gasthaus zumindest mal blicken lassen musste. Ein paar Leute aus dem Tross waren zwar so freundlich, heute auszuhelfen, aber das entband ihn ja nicht von seinen Aufgaben.


    Der Magier wollte sich gerade von der Wand abstoßen, um seine eigene Kerze zu verteilen, als sein Blick an Vater Murdo hängen blieb, der dort anscheinend in Gedanken versunken vor der Kapelle stand, sein Licht von einer Hand in die andere wandernd.

    Die anderen Gäste an dem langen Tisch warfen Phi zwar den einen oder anderen irritierten Blick zu, als sie sich etwas ruppig Platz machte, rückten dann aber bereitwillig weiter zusammen. Auf Davions entschuldigende Blicke hin lächelten sie freundlich zurück und prosteten den beiden kurz zu. Offensichtlich war man bester Feiertagslaune und nicht gewillt, sich über irgendeine Kleinigkeit zu ärgern.


    In Erwartung des Lichterfestes und den damit einhergenden Gästen hatte man im Zwielicht Platz für zusätzliche Tische gemacht, und wesentlich mehr Kerzen als sonst tauchten den Schankraum in ein warmes, behagliches Licht. Auf einem Stuhl in der Nähe des Tresens saß ein junger Mann mit einer Laute und spielte eine leise, unaufdringliche Melodie. Auf einem stabilem Tisch neben ihm waren drei angezapfte Holzfässer aufgestapelt, und immer wieder gingen Gäste dorthin, um sich einen Krug zu füllen. Etwas versteckt neben den Fässern stand eine entkorkte, aber noch gänzlich unberührte Flasche.


    Um der großen Anzahl der Gäste Herr zu werden, halfen mehrere Angehörige des Trosses heute Abend im Gasthaus aus, einer von ihnen, ein kahlköpfiger Mann in den Vierzigern nahm Davions Bestellung auf, bevor er sich an Phi wandte: "Was darf ich Euch bringen?"

    "Schon unterwegs." Silas wandte sich dem anderen Magier zu.


    "Dann wollen wir mal. Was genau braucht ihr alles für dieses Analyse-Ritual? Und wollt ihr es als Vorbereitung oder als Abschluß der mundanen Untersuchungen ansetzen?"