Drum prüfe, wer sich...


  • Wann? Unmittelbar nach dem "Treffen unter Gleichgesinnten"

    Wo? Kjona

    Wer? Einwohner Kjonas, Andere auf Anfrage

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    Der Wald dampfte nach dem Regen. Das warmgoldene Sonnenlicht war bereits wieder nach dem kräftigen Guss zurück und spielte in dem Schwaden, die aus dem hohen Gras aufstiegen.


    Naira war auf den Felsen geklettert, der ihr seit drei Jahren dazu diente, im Dämmer unzähliger Abende zu warten, und zu lauschen. Die neuen Einwohner Kjonas hatten diese Angewohnheit des Spitzohrs längst kennengelernt - mittlerweile ahnte vermutlich auch jeder, was genau sie dort suchte.


    Aber diesmal war etwas anders. Denn jetzt kauerte sie nicht oder lag auf dem Stein - sondern stand, leicht breitbeinig, und blickte etwas nervös zwischen den Stämmen hin und her.
    Sie räusperte sich.


    "Du hast mir nie etwas vorgeschrieben!" rief sie mit leicht kratziger Stimme. "Also tu es jetzt bitte auch nicht!"
    Das war die Eröffnung, und noch klang sie sehr vorsichtig. Sie schwieg, scheinbar auf eine Regung aus dem Wald wartend.


    Aber alles blieb still.




    "Du hast mir immer die Wahl gelassen! Ich bin von alleine in den Schacht zu den Kalten Tiefen gesprungen!"erklang ihr Ruf erneut.


    Und wieder lauschte sie, diesmal länger. Doch im Wald regte sich nach wie vor nichts. Eher schienen Vögel und Zweige noch stiller geworden zu sein.

    "Es war eine Prüfung! Ich habe dadurch bewiesen, dass ich dir vertraue!

    Weil ich NICHTS war auf Mythodea, nur ein Welpe - und NICHTS wusste!

    Ich sollte ein Element auswählen... mich ihm anbieten. Ihm Treue schwören. Mich ihm ganz hingeben -

    - aber in Wahrheit warst DU das Element für mich!"

    Sie ließ den Kopf plötzlich hängen und sah auf ihre Füße, offenbar beschämt.

  • Nach einigem Schweigen blickte sie wieder auf und drehte sich auf dem Felsen, in alle Richtungen Ausschau haltend.


    "Wenn du mir aber doch nur verdammt nochmal GESAGT hättest, wer und was du wirklich warst und bist - dann hätte ich nicht raten müssen!" schrie sie dann.


    "Dann müsste ich heute nicht Tag für Tag und Nacht für Nacht deine Worte von damals interpretieren wie irgendein blöder Priester!

    Nur dass ICH leider kein heiliges Buch mit deinen Worten habe, sondern bloß meine Erinnerung!"


    Sie holte Luft, dann brüllte sie noch lauter:

    "Ich habe GEGLAUBT, dass du die Wahrheit verkörperst! Ich habe dich gegen alle Unterstellungen verteidigt!



    Ich habe GEGLAUBT, dass DAS MEINE fortwährende Prüfung wäre, an dich zu GLAUBEN!

    Selbst wenn alle mir sagen, dass du mich BELOGEN, VERBLENDET und AUSGENUTZT hast!

    Und ich....ich....."


    Sie suchte nach Worten.

  • "....jetzt stehe ich hier und fühle mich SCHULDIG, weil ich verunsichert werde! Weil sogar WALAYS zu mir kommt und mich WARNT, dass ich dich in den Reihen der Kell´Goron wiedersehen werde!


    Ich QUÄLE mich mit der Frage, ob ich so DUMM war, dir zu vertrauen - oder so UNTREU bin, an dir zu zweifeln!


    Ich BESTRAFE mich seit drei Jahren dafür, dass ich Terra verfluche für diese Prüfung - aber WAR es wirklich ihre Prüfung?!


    Oder hast du nur einen neuen Weg gesucht, für DICH?


    Oder hast du mich wirklich... wirklich in meiner Unwissenheit... "


    Das Spitzohr brach ab und sank auf die Knie. Alle Kraft war aus ihr gewichen.

    Ihren Handrücken drückte sie auf ihren Mund, als verbiete sie sich selbst, weiterzusprechen.

  • Die Gedanken waren rasend in ihrem Kopf geworden, bis sie in einem Nebel ineinander gerieten und sie niederdrückten.

    Ihr Kopf fühlte sich an, als hätte jemand auf ein hohles Gefäß geschlagen... es dröhnte, und sie verstand kein einziges Wort!


    Die Kälte der Verbindung und die Hitze ihrer Verzweiflung schienen Dampf zu bilden - Dampf und Nebel waren in ihr, so wie es auch außen um sie aufstieg!


    Doch Naira war kein Wesen, das sich lange niederdrücken ließ. Ihr Trotz war größer, und sie war ja mit einem ZIEL hierher gegangen!


    Walays hatte ja auch gesagt, dass es keine Schande wäre, selbst wenn er richtig lag und sie sich hatte täuschen lassen.

    Überhaupt - stand das jetzt doch gar nicht zur Debatte!


    Möglichst geschmeidig versuchte sie wieder in den Stand zu kommen.


    Immer noch schwieg der Wald.




    "Wie auch immer!" setzte sie ihre letzten Gedanken laut fort.



    "Ich... ich ehre die Verbindung, die du bereit warst einzugehen! Ich denke, ich kann erahnen, wie sehr du MIR vertraut hast, dass du sie eingegangen bist!"


    Betont langsam blickte sie sich wieder um. Sie war sich bewusst, dass sie in diesem Punkt nicht undankbar erscheinen durfte.

  • "Aber ich kenne ihre NATUR nicht!" rief sie nach der dramatischen Pause.

    "Ich weiß nur noch, was du mir über die Zukunft gesagt hast! Und die steht mittlerweile in der Tür!

    Es hat sich bewahrheitet, was du vorhergesagt hast!"


    Wieder versuchte sie eine gewisse angemessene Ehrerbietung zu zeigen. Sie war sich bewusst, welche schrecklichen Zweifel sie eben noch ausgesprochen hatte...


    "Nur jetzt hänge ich an dir!" bat sie weiter.

    "Und ich will kein Klotz sein!

    Umgekehrt will ich nicht in irgendwas reingezogen werden!

    Ich bin nicht vorbereitet auf... was auch immer du vorhast! Du hast mich nichts weiter gelehrt.

    Nicht mal, wie man ein sterbliches Leben lebt. Du siehst ja, wie schlecht ich mich einfüge!"


    Sie schüttelte den Kopf. Diese Jahre, in denen sie sich abgesondert hatte, streng und pflichtbesessen geworden war! Wo es immer nur um die Gerechtigkeit und Wahrheit der Welt - nie um Gefühle gegangen war!


    "Ich habe den schlechtesten Ruf im Norden, den man sich vorstellen kann... weil ich auf absolut dumme Weise versucht habe, dir gleich zu sein!

    Aber ich habe wohl alles missverstanden... vielleicht hätte ich dein Gegenstück sein sollen, statt auf deinem Weg zu gehen...

    Vielleicht hast du mich deshalb nicht gebraucht. Denn ich bin einfach zu klein, um deine Ideale zu erfüllen!

    Und unsere Verbindung macht mich nur schwer, und immer schwerer.

    Vor diesem Hintergrund... sollten wir sie..."


    Das Spitzohr schnappte nach Atem. Sie KONNTE es nicht aussprechen! Hatte es in ihrem Kopf so oft geübt, aber es wollte nicht über ihre Lippen!

  • Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte sie sich wieder gesammelt.


    "Ich bin immer noch - der Kleine Sturm!" rief sie und ließ ihre Stimme so weit klingen, wie es nur möglich war. Sie hatte eine erstaunliche Stimme, die oft dazu beitrug, sie zu unteschätzen - meistens brüchig und hoch für die Ohren der Siedler, aber wenn sie sich entspannte und ihre Kraft losließ, füllte sie den Umkreis des Waldes mit einem tiefen vollen Klang.


    "Also wenn du meine Seele willst - dann komm und hol mich!


    Andernfalls - werde ich jetzt gehen! Und unsere Verbindung brechen.

    Hörst du?! Ich werde mich losreißen!" 

  • Ein Ast knackte laut im Unterholz und das unverkennbare Rascheln von Schritten im Laub war zu hören.
    Irgendjemand gab sich da gerade so gar keine Mühe leise zu sein. Außerdem war der- oder diejenige wohl nicht alleine.
    Mindestens eine weitere Person musste noch bei ihr sein, denn es war eine weibliche Stimme zu hören, die sich mit jemandem unterhielt.

    "Das hörte sich aber nicht so an. Kannst du schon etwas sehen, Vijeta?"


    Es folgte keine Antwort, doch im nächsten Augenblick trat ein Edalphi-Krieger mit gezogenem Schwert und Schild zwischen die Bäume um den Findling.

    Das musste wohl der angesprochene sein. Als er mit einem kurzen Blick die Lage um Naira erfasst hatte, schien er sich weitestgehend zu entspannen.

    Zumindest senkte er Schild und Waffe, steckte diese aber noch nicht weg.

    Hinter ihm kam Satinka zum Vorschein, die unverholen neugierig versuchte über seine Schulter zu spähen.
    Als sie Naira erkannte, schlüpfte die Edalphi einfach kurzerhand an dem Krieger vorbei und trat auf die Lichtung.

    "E'Saíd. Ist alles in Ordnung?", begrüßte sie die Elbe knapp, aber mit der typischen Handbewegung der Edalphi.

    "Wir hörten dich schreien, konnten aber zunächst nicht genau verstehen, worum es ging. Daher habe ich beschlossen, dass wir lieber mal nachschauen gehen sollten."

  • Dass auf ihr Geschrei hin tatsächlich Schritte ertönten und jemand aus dem Wald trat, erschütterte die Elbe dermaßen, dass sie instinktiv schutzsuchend auf dem Felsen in die Hocke ging.

    Sie konnte es nicht fassen, dass das wirklich geschah!

    Vor allem aber konnte sie nicht einordnen, warum da ein ganz anderer Mann stand als der, dem sie ihre Worte versucht hatte mitzuteilen.


    Vijeta musste bemerken, welchen Schreck das Spitzohr wegen ihm bekommen hatte. Sie schien eine Attacke zu erwarten, zumindest sah sie so aus, als würde sie im nächsten Moment zwischen die Bäume davon hüpfen...


    Doch Satinkas Stimme holte sie in die Gegenwart.

    "Äh... Magica mit euch!" erwiderte Naira und begab sich von der Hocke in eine bequemere Sitzposition auf dem Felsen, die es ihr gestatten würde, gegebenenfalls schnell von dort wieder herunterzukommen.


    "Ich... bin etwas durch den Wind!" gab sie zu.

    "Ich habe ein... Problem mit einer ... Beziehung. Ich hab versucht mir Rat von verschiedenen Magiern zu holen. Aber Walays hat mir geraten, erstmal das Gespräch zu suchen statt sie mit Magie zu brechen zu versuchen!"


    Naira hatte sich nie entscheiden können, ob sie die Edalphi als Menschen sah oder als "Andere". Die Edalphi kamen ihr immer so erwachsen vor, dass sie dazu neigte, sich ihnen gegenüber defensiv-kindlich zu verhalten, wie sie es bei den status-orientiert auftretenden Menschen vorsichtshalber tat... Andererseits hatte sie die Edalphi sprunghaft genug erlebt, um sie als "Andere" zu verstehen und ihnen zu vertrauen.

  • Viel mehr, als das Senken seiner Waffe, damit Naira klar wurde, dass er sie nicht angreifen würde, konnte der Edalphi-Krieger nicht tun.
    Während Vijeta seine Aufmerksamkeit nun auf die nähere Umgebung richtete und damit Naira und Satinka den Rücken zudrehte,

    sah Satinka sich suchend um, ob sie den Gesprächspartner der Elbe denn entdecken könnte.

    Da das nicht der Fall war, fragte sie ungläubig: "Und er ist dir eine Antwort schuldig geblieben und einfach gegangen?"

  • "Ich weiß nicht mal, ob er mir zugehört hat." erwiderte Naira seufzend und glitt vom Felsen, auf Satinka zugehend. Sie wirkte besorgt, aber lächelte die Edalphi freundlich und eteas hoffnungsvoll an. Schon oft hatten sie miteinander zu tun gehabt, und mehr als einmal hatte die Edalphi guten Rat für die Elbe gehabt.


    "Ich dachte, ich versuchs mal! Denn ich weiß nicht genau, wo er ist - er hat gesagt, dass er hier irgendwo in meiner Nähe bleibt, aber... ich hab ihn schon lange nicht mehr gesehen. Und eigentlich --"

    Naira stockte. Ihr fiel plötzlich wieder etwas ein, woran sie einfach nicht megr gedacht hatte.

    "Eigentlich lässt er sich bei mir nur in der Dunkelheit blicken. Wenn die Sonne untergegangen ist. Er ist einer, der in den Schatten geht."

    Dass sie mit "Schatten" nicht nur den Beleuchtungszustand meinte, war durchaus herauszuhören.

  • "Oh… Ach so..." Es war Satinka anzusehen, dass sie keine Vorstellung davon hatte, was „in den Schatten gehen“ denn noch heißen sollte, außer dem Offensichtlichen.

    Sie versuchte kurz abzuschätzen, wie der Stand des Goldenen Wagens am Himmel war.

    "Ich glaube es dauert noch ein wenig, bis es dunkel wird." , sagte sie grübelnd und sah dann Naira wieder an.

    "Du bist wegen eurer Verbindung besorgt." , sprach sie dann das aus, was sie als Empathin spürte.

    "Wenn du möchtest, Naira, erzähl mir davon. Ich kann dir nicht sagen, ob ich helfen kann, oder nicht, aber manchmal hilft es, wenn man selbst nochmal über das Problem laut nachdenkt." , bot sie der Elbe mit einem freundlichen Lächeln an.

  • Naira nickte dankbar . Die neuen Menschen in Kjona hatten schon so viel darüber herausgefunden, dass es keinen Sinn mehr machte, weiter dazu zu schweigen.


    "Ich mache mir Sorgen , weil ich vielleicht mehr Gegengewicht hätte sein sollen , statt ihm nachzueifern! Ursprünglich wollte ich genau das sein - ich wollte eine Queste für Magica erfüllen, um mich als würdig zu erweisen. Sie sagte, Tuachal bräuchte eine Frau an seiner Seite, damit er wieder seinen Weg klar sieht. Aber das konnte ich nicht .... bieten.

    Deshalb habe ich ersatzweise jemanden gesucht, der auch äußerst gefährlich ist und ebenfalls seinen Weg zu verlieren droht! Dem wollte ich helfen und im Sinne Magicas sein Gegenstück sein. Aber dann - war er so... anziehend durch seine Dunkelheit. Da wurde ich immer mehr wie er!

    Und jetzt bin ich nicht mehr lebenslustig und frei! Andere meiden mich und misstrauen mir. Und Walays und Ernst glauben, dass ich mich an jemand Schlechtes gebunden habe - was ich ganz schnell brechen sollte, bevor der Streit unter den Elementen größer wird !" fasste sie zusammen.