• wann: Spätwinter
    wer: jeder der mag


    Das Kommen und Gehen kaiserlicher und Goldeschiffe war schon lange nichts besonderes mehr, es hatte sich eine gewisse Routine eingestellt.
    Doch diesmal war etwas anders...


    Der schlaksige Junge mit dem freundlichen Gesicht stieg unsicher die Stelling der PHOENIX herunter. Er trug einen bordeauxroten, geschlossenen Mantel kaiserlicher Art, der edel mit schwarzem Pelz besetzt war und einen ebenso gearbeiteten, sohl dazu gehörenden Hut. Das allein zeigte schon seine Stellung an, jedoch liess die diamantenbesetzte Agraffe am Hut und die sonstigen Accessoires keinen Zweifel, dass dieser Junge reich oder wichtig oder beides war.
    Die PHOENIX hatte bereits einige Tage zuvor angelegt, doch der Passagier hatte bisger keine Anstalten gemacht, von Bord zu gehen, er hatte sich auch nur selten an Deck gezeigt. Nachdem Ser Randokar gestern an Bord gewesen war, hatte er wohl beschlossen heute in Aktion zu treten.

    recht bals hatte er sich orientiert und war recht zügig und ohne nennenswerte Verlaufer in die Stadt gegangen, dort hatte er sich direkt zur Grossen Halle begeben.
    Ein Brief aus der Botschaft dürfte ihn als Diplomaten angekündigt haben, ohne jedoch die genaue Funktion zu nennen.

  • Auch wenn man sich an den Anblick der Leute aus den Kaiserlanden inzwischen weitgehend gewöhnt hatte- sie stachen allein schon aufgrund der Farben, die sie trugen, meistens aus der Menge heraus- blieb manch ein Blick an der Gestalt und Kleidung des jungen Mannes hängen, während er über den Vorplatz der Großen Halle ging. Garmsch', der Hüne, der an deren offenen Tor Wache stand und selten mehr tun musste, als alle zu grüßen, die hineingingen (und selbst das musste er nicht tun, es ergab sich einfach daraus, dass er so gut wie jeden kannte. Nur wenn er ein Gesicht nicht wiedererkannte, zog er überhaupt in Erwägung, den Eintritt zu verweigern), sprach ihn an:

    "Guten Tag, junger Herr! Ihr seid neu in Exilia und seht so aus, als kämt Ihr aus den Kaiserlanden. Wohin möchtet Ihr? Die Botschaft ist da drüben." Er wies mit der freien Hand ungefähr in die richtige Richtung.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • "Grüsse! Leopold von Kampen mein Name, tatsächlich wolte ich, bevor ich mich zur Botschaft begebe, das hier in der Grossen Halle abgeben" Mit den Worten zog er einen Umschlag aus dem Ärmel, der an den Protektor adressiert war.

  • Garmsch' der noch immer kaum lesen konnte, zögerte erst ein wenig, dann nahm er den Umschlag entgegen und reichte ihn möglichst beiläufig seinem Wachkameraden. Dieser hielt ihn mit ausgestreckten Händen von sich weg und las vor, was darauf geschrieben stand. "Ein Brief an den Protektor also", resümierte Garmsch' und fügte hinzu: "Wir versichern euch, dass er ankommen wird. Leopold von Kampen..." Offenbar prägte er sich in diesem Moment Gesicht und Namen ein. "Gibt es sonst noch etwas, das wir für euch tun können? Wenn ihr neu in der Stadt seid, solltet ihr auf jeden Fall auf dem Weg zur Botschaft einen Abstecher in die Bäckerei machen! Es ist das zweite Gebäude zu eurer Rechten, nachdem ihr die Große Halle verlassen habt." Er deutete durch den offenen Torbogen, der zum Sturmhang führte und machte so deutlich, dass er hier mit dieser Bezeichnung den ganzen Bezirk der Großen Halle und nicht das Gebäude selbst meinte. "Dort gibt es das beste Brot aller Welten!"

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Leopold sah sich um... "Von diesem Bäcker wurde mir bereits berichtet, ich denke, ich werde ihm heute noch einen Besuch abstatten, allerdings sollte ich erstmal zur Botschaft. Ich danke Euch und denke, wir sehen uns!"
    Es war ersichtlich, dass Leopold sich theoretisch in Exilia auskannte, in der Praxis jedoch noch einige Orientierung benötigte. Zumindest hatte er sich gut vorbereitet.


    (Brief als PN)

  • in den folgenden Tagen und Wochen wurde Leopold immer öfter im Gefolge Ser Randokars gesehen, nach einiger Zeit schliesslich wurde er allein aktiv und übernahm diverse Aufgaben für die Botschaft.

    Es dauerte nicht lange, und das erste Getuschel kam unter den in Exilia anwesenden Kaiserländern auf. Zunächst hinter vorgehaltener Hand, dann irgendwann auch ganz offen... Und schlieslich posaunte es einer in der Taverne zum Rothhorn frei heraus: Leopold von Kampen soll die minderjährige Tochter des Herzogs von Lotharingen geschwängert haben.
    Während Gilde und Botschaft sich weiter nicht dazu äussern und bei Nachfragen dementieren, zerreissen sich die Seeleute ganz ungeniert die Mäuler...

  • (2 Tage vor dem Valentinstag)
    Natürlich waren die gerüchte der Botschaft nicht entgangen. Die meisten der Exilanten, die auch im Gildekontor arbeiteten, verkehrten im Rothhorn und die Gilde stand nahezu täglich mit der Botschaft in Kontakt.
    "Mich wundert, dass das Gerücht so schnell nach nach Mithraspera gelangt ist." gab Leopold beim Frühstück in der Küche der Botschaft zu verstehen. "Naja, Seeleute sind notorische Tratschtanten... da bleibt nichts geheim. " gab Randokar zurück, während er auf einem Stück Trockenfleisch herumkaute. "Kann man denn da gar nichts gegen machen?" "Nein."

    Nach dem Essen tat Leopold, der bisher trotz seiner Jugend recht besonnen wirkte, dann aber etwas eher unüberlegtes. Er entschied sich, auf einem Lark auszureiten. Randokar erzählte er davon nichts, der Reichsritter hatte selbst seine Erfahrung mit den grossen blauen Vögeln gemacht und seither auf das Reiten, zumindest auf Larks, verzichtet. Er hätte es dem Jungen sicher ausgeredet.
    Zwei stunden später kam der Lark allein zurück, von Leopold keine Spur.
    Die Torwache informierte die botschaft umgehend darüber und nicht viel mehr als 20 Minuten später begaben sich drei Personen auf die Suche: Zwei Botschaftsleute und ein Mann in Gelehrtentracht der Gilde, wahrscheinlich ein Arzt.

    Und eben diese trugen wiederum eine Stunde später Leopold, auf eineb Ast sitzend in die stadt. Leopolds linkes Bein war komplett bandagiert und der Junge machte keinen all zu glücklichen Eindruck, zumal er bei jeder Bodenunebenheit das Gesicht vor Schmerz verzog.

  • Aufgrund seiner Verletzung musste Leopold die filgenden Tage und (Strafe muss sein!) auch die Feierlichkeiten zum Valentinstag in der Krankenstube verbringen. Randokar hatte für sich selbst festgelegt, dass er die Angelegenheit nicht weiter verfolgen würde.
    Zwei Wochen später war Leopold wieder in der Stadt zu sehen, wenn auch noch immer auf Krücken humpelnd und mit einem Verband um das linke Bein, der eine kompliziert anmutende Schienung des Unterschenkels sowohl festhielt als auch verdeckte.
    Zumindest schien die Abenteuerlust des jungen Adligen ersteinmal gedämpft worden zu sein.