"Gleich und Gleich gesellt sich gern"

  • Landuin seufzte als Yael fragte wer den Verlust des Speeres zu verantworten hatte. Er hatte diese ganze Sache in den letzten Wochen einfach zu oft durchgekaut und war der Sache langsam überdrüssig geworden. "Es waren Unzählige...unteranderem auch die Freundschaftsträger Magicas aus unserem Siegel. Es verärgert mich immer noch, aber im nachhinein kann ich ihnen noch nicht einmal wirklich böse sein, da sie im Sinne Magicas gehandelt haben. Keine Ahnung warum sie einen "Friedensbaum" wollte, wo sie den Frieden als Aspekt doch abgelegt hatte?" Er verdrehte etwas die Augen dabei, denn er wollte über das Thema momentan einfach nicht mehr reden. "Asamantes und Cerenna gaben ihn uns gegen Merth´yar. Das war sein Ziel. Keine Igriana, keine Emilie, kein Timoriel, kein sonst wenn. Einzig allein Merth´yar sonst niemanden." Fügte der Ritter abschließend missgestimmt hinzu.


    Er schaute etwas mitfühlend, als sie vom Verlust ihrer Fähigkeiten sprach. Solch eine Verletzung durch die Leere wünschte er niemanden. "Ein sehr harter und schlimmer Verlust den du erleiden musstest. Kann man dir irgend wie helfen?" Fragte er vorsichtig und ein klein wenig zurückhaltend. Es war nämlich kein einfaches Thema über das sie sprachen.


    "Und ich hatte mich schon gewundert, warum ich immer so einen stechenden Blick in meinem Nacken spüre." Schmunzelte der Albernier, als die Edalphi von den Beobachtungen der Leere erzählte. Wohl wissend, das er damit nicht scherzen sollte. "Stehe ich jetzt fortan auch in deinem Buch?" Fragte er neugierig und dachte dabei an seine eigenen Aufzeichnungen, die er aus dem selben Grund führte. "Ich habe auch so etwas bei mir, aber schon sehr viel länger, als ich auf diesem Kontinent bin. Man weiß nie, was mit einem alles passieren kann." Rechte hatte er damit. Es konnte schneller passieren, als jemanden lieb sein konnte.


    "Ich konnte mich auch nicht von ihr verabschieden. Als sie Krähensang den Todesstoß versetzte, half ich Darin dem Schlächter dabei einen Heroldskörper zu vernichten. Das Einzige was ich ihr zu Ehren tun konnte, war ein Bildnis, wie das von Marîen anfertigen zu lassen und den Bracar Keltoi als Geschenk zu machen." Es klang wehmütig aber dennoch war er stolz darauf, so eine große Tat in dieser Weise zu würdigen. Yaels Verlegenheit auf Grund des weiteren Lobes ihrer Person war dem jungen Conchobair nicht verborgen geblieben. Etwas unverständlich schüttelte er leicht den Kopf. "Ich werde wohl nie verstehen warum du dich immer so klein auf Grund deiner Tat machst..." Sprach er mit einem herzlichen und aufrichtigen Lächeln und erhobt sich wieder. Ein Gedankengang durchfuhr ihn und er dachte kurz nach. Wollte den Arm nach ihr ausstrecken, zögerte aber und ließ ihn unten. Dafür war jetzt nicht der rechte Zeitpunkt, auch wenn er sie vermutlich gerne umarmt hätte, aber Geborgenheit war hier vielleicht momentan Fehl am Platze. "...Du bist wunderbar Yael." Es war zutiefst aufrichtig und ehrlich. Er hatte immer noch das Lächeln und nahm wieder auf seinem Stuhl platz. "Da das näher kennenlernen auf Gegenseitigkeit beruht möchte ich dir das eine oder andere auch anvertrauen. Frag mich alles was du möchtest und ich versuche deine Fragen zu beantworten, vorher aber sage ich dir was ich jetzt tun werde." Der Ritter wirkte jetzt zuversichtlich, selbstsicher und zielstrebig. "Ich werde mich weiter in meinem Glauben an die Herrin festigen, werde dann an die Weltenschmiede schreiten und Merth´yar erschlagen. Immer und immer wieder, bis ich ihn endgültig vernichtet habe. Dann werde ich auf den höchsten Punkt der Weltenschmiede klettern und das Zeichen Aeris hießen. Ganz wie es ihr gebührt." Er wirkte fest entschlossen bei diesen Worten sie auch umsetzen zu wollen. "Und wenn jemand meint, das er darin besser sein sollte als ich, dann soll er es versuchen mit dabei zu übertreffen."

    Wir sind die Wölfe, hört unseren Ruf!


    Wo das Wort versagt, spricht das Schwert !


    Mors certa, hora incerta.


    Hast du das Glück Albernier zu sein, hast du tatsächlich Glück.

  • Sie wollte ihn nicht weiter unglücklich stimmen, also bohrte sie nicht weiter hinsichtlich des Speers. Es war sowieso Vergangenheit. Auf seine Frage, ob man ihr helfen könne, sagte sie schlicht: "Einige Siedler haben mir versprochen, sie würden das heilen. Ich weiß bisher nur von Faryanne, dass man sowas...wiederherstellen kann. Aber diejenigen, die das gesagt haben, haben es vermutlich vergessen. Ich...weiß auch nicht." Offensichtlich war die Edalphi hier enttäuscht worden. Man hatte ihr gesagt, dass es nicht umsonst gewesen sei. Dass man es heilen würde, dass das wieder werden würde. Und mit jedem Tag, den sie daran geglaubt hatte, hatte sie einen wartend verschwendet. "Vielleicht ist es besser so und ich finde mich damit ab, als immer in Hoffnung auf einen Retter zu warten." Sie klang verbittert, weshalb sie es Landuin gegenüber entschärfte, indem sie ihn anlächelte, er hatte sie ja nicht enttäuscht. Vermutlich noch nicht. "Entschuldige, ich bin... einfach schon sehr oft enttäuscht worden. Und ich will nicht wie ein Krüppel um Hilfe bitten." Stolz. Ausgerechnet an dieser Stelle war sie also stolz, zu stolz. Wie ein kleines Mädchen, das diese Eigenschaft erst noch lernen musste.


    "Mein Buch ist noch nicht vollständig, wenn du das meinst, aber nein, wann hätte ich dich den hineinschreiben sollen? Und vor allem mit welcher Geschichte?", fragte sie. "Und was hast du, wenn es kein Buch ist? In meinem hier sind auch mehr Zeichnungen als Wörter", plapperte sie, während sie das Buch, das dem über die Schande der Erben äußerlich ähnelte herauszog und wie zum Beweis eine beliebige Seite aufschlug, wo sich auf der linken Seite ein Bild eines langhaarigen Edalphimannes fand, während auf der rechten Seite in sauberen grünen Buchstaben etwas über den Abgebildeten stand, offensichtlich handelte es sich um einen gewissen Tarkan, der offensichtlich Yaels bester Freund war, wenn man die ersten Wörter überflog.


    Sie ließ sein Kompliment wirken, räumte ihm Zeit ein und genoß es auch sichtlich, dann wurde der Gesichtsausdruck spitzbübischer und sie tippte sich mit einem ihrer schmalen Finger an die Nase, wohl überlegend, was sie ihn fragen sollte. Und dann, wie er es nun schon öfter gesehen hatte, entschied sie schnell, zum Trotz, dann doch ohne nachzudenken: "Was hält dich am meisten in der Welt? Aus deiner Vergangenheit, eine konkrete Person, ein Gegenstand oder ein Ereignis." Sie wartete, beobachtete ihn.


    Dann formulierte er seine Herausforderung und kurz war sie verlockt, einfach nur, um es ausgesprochen zu haben, zu antworten, dass sie sein Ziel schneller erreichen würde. Aber es wäre nur Reflex gewesen und nicht die Wahrheit, weshalb sich ihr Körper nach einer kurzen Anspannung wieder entspannte. Sie trank einen Schluck, während sei auf seine Antworten wartete.

  • "Wenn du es wünscht und ich daran denken, dann kann ich Caramell und unsere Heilerinnen fragen, ob sie eine Lösung für deine Narben kennen." Bot der Ritter der Edalphi an. Er hatte Mitleid mit ihr, den es gefiel ihm nicht, dass sie darunter leiden musste. "Nur wenn du es wie gesagt möchtest. Enttäuscht zu werden ist leider eine sehr unangenehme Begebenheit, die tiefe Schmerzen verursacht...ich weiß wovon ich rede." Sagte der Albernier und betrachtete sie. Sein Blick blieb unweigerlich an ihren Narben hängen und er versuchte schnell davon abzusehen und auf ihr Buch zu schauen.


    "Nun in naher Zukunft wirst du mich vielleicht mit dieser Geschichte dort hinein schreiben. Damit oder wie ich kopfüber mit einem Bein an der Mauer der Weltenschmiede hänge, weil ich mich mit der Fahne vollkommen selbst überschätzt habe." Sagte Landuin und schaute Yael dann schweigend für einen Moment an, nur um danach bei der Vorstellung der Situation zu lachen. Ob sie das wirklich so verstand, wie er es gemeint hatte? Unweigerlich musste der Ritter leicht Schmunzeln, als er das Bild von Tarkan ansah. "Zufall oder Absicht das du mir deinen besten Freund zeigst?" Fragte er und behielt das Schmunzeln bei.


    Bei der Frage was ihn in der Welt halten würde, wurde der junge Conchobair plötzlich ganz still und ging in sich. Sie hatte eine wirklich sehr gute Frage gewählt. Sein Blick ging auf das weiße Band an seinem rechten Arm, das an seinen Enden gut sichtbar ein Aeriszeichen vorwies. Er macht das Band ab, betrachtete es etwas und brach dann endlich sein Schweigen. "Einiges..." Antwortete der Aerisstreiter ruhig und bestimmend. "Meine Familie, meine Freunde, meine Profession, mein Glaube..." Zählte er fast schon nüchtern auf und wurde dann wieder ruhig und ließ einen Augenblick verstreichen. "...Liebe..." Es klang fast leise und verletzt. Er schüttelte kaum sichtbar den Kopf, um die nachfolgenden Gedanken daran zu vertreiben und sammelte sich um weiter zu erzählen. "Auch ich bin in meinem Leben zutiefst enttäuscht worden...zwei Mal...und ich dachte das es mir beim ersten Mal schon eine große Lehre gewesen ist, aber ich war ein zweites Mal so blind vor Gefühlen, das es mir wieder passierte." Sprach er kühl und betrachtete wieder das weiße Stoffband. Der Blick war dabei nicht kühl, sondern traurig, sehr traurig sogar. Dieses Band schien eine sehr große Erinnerung zu beinhalten. "Es ist jetzt gut fast 10 Jahre her, als ich an der Schlacht der 1000 Oger teilnahm..." Ein möglicher Themenwechsel? "...Durch übernatürliche Kräfte wurden die Oger auf das Mittelreich losgelassen und Kaiser Hal befahl sie an der Trollpforte aufzuhalten. Mit 10.000 Mann aus allen Landstrichen des Reiches zogen wir gegen sie. Ich war noch ein junger Ritter, wie so viele die dort kämpften. Es war eine ungleiche und grauenvolle Schlacht die viele Opfer forderte. Zu viele, den es kehrten nur 3000 nach Hause zurück. Die Oger waren gnadenlos und fraßen alles was sie in ihre Pranken bekamen. Männer wie Pferde und ich musste es hilflos mit ansehen. Wir kämpfen mit all unser Kraft und konnte nur durch das Geschick unseres Reichsmarschalls, dem ruhmreichen Helme Haffax und unserem stählernen Willen gewinnen. Das ich noch lebe verdanke ich dem Herrn von Winterfeld, den er war es, der eine dieser Kreaturen zu Fall brachte, als sie mich vom Pferd gerissen hatte und töten wollte..." Die Erzählung wirkte sehr stumpf, aber man konnte erkennen das Landuin die Erinnerung daran zuzusetzen. Er wurde erneut still und war jetzt in sich gekehrt. Sein Blick blieb am Feuer hängen und er umschloss das weiße Band in seiner rechten Hand jetzt sehr fest. So fest das, dass Weiße in sein seinen Fingerknöcheln hervortrat. Er zitterte und wirkte angespannt "Alles was mir blieb sind...leere Gräber...und...die Erinnerung." Brach der Ritter das Schweigen und schien mit den Tränen zu kämpfen. Diesen Kampf gewann er nicht gänzlich, den erneut lief eine einzelne Träne seine Wange herunter. Wie sehr musste diese Seele schon gelitten haben? Landuin schüttelte die weiteren Gedanken daran ab. "Verzeih mir...ich werde sentimental." Sprach er trocken und schaut die Edalphi wieder an. "Möchtest du noch mehr über mich erfahren? Dann frage ruhig weiter. Das...war erst der Anfang...Du hast jetzt etwas aus meiner Vergangenheit, einen Gegenstand, ein Ereignis und eine Person, auch wenn ich noch keinen Namen genannt habe." Fuhr er fort und wartete die Reaktion von Yael ab. War es eine Aufforderung, um ihre Neugier zu befriedigen oder wollte der Albernier einfach nur seelische Lasten los werden?


    Als der Neffe des Schwertkönigs seine Herausforderungen formuliert hatte, merke er direkt, das es keine so gute Idee war, es direkt neben einer Freundschaftsträgerin Aeris zu tun. Mental schlug er sich selber gegen die Stirn wie dumm er gehandelt hatte, jedenfalls für diesen Moment, da die Edalphi schon genug gelitten hatte und er sie damit jetzt nicht auch noch frustrieren wollte, da sie dabei nicht mithalten konnte. "Du dämlicher Holzkopf..."

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  • "Hmja. Hilfe wegen der Narben wurde mir schon angeboten, schaut ja keiner gern an sowas", entschäfte sie flapsig ihre neueste Entstellung. "Aber ich war bei Frey, der ist nach meinen bisherigen Erkenntnissen der begnadetste Heiler, den ich kenne und er hat die Verkrustung abbekommen, aber gesagt, dass Ritualnarben eben nicht so ohne weiteres verheilen. Nicht wie normale Wunden. Also ja, ich freue mich, wenn deine Freunde oder Bekannten helfen können."


    Sie lachte: "Ma, das mit der Weltenschmiede ist tatsächlich ein guter Ansporn für das Buch! Nein, ich hab Tarkan nicht absichtlich aufgeschlagen, das war ein Zufall. Kennst du ihn? Er ist ein Todgeborener, aber jetzt ist er bei den ewigen Schwertern. Derzeit" sie blätterte weiter "schreibe ich an dem Eintrag über Aminaah. Sie hat dann doch ihre Spuren hinterlassen." Zu sehen waren einige wenige Seiten in Yaels schlichter Schrift, daneben allerdings unfertige Zeichnungen über die Hohepriesterin, obgleich sie auf jedem Bild etwas anders aussah, so, als wäre es schwierig, sie korrekt zu zeichnen.


    Dann lauschte sie seinen Erzählungen, und je länger er sprach, desto sicherer wurde sie sich, dass er diese Dinge nicht los würde lassen können. Wie auch, es schien ihn über alle Maße geprägt zu haben. Andererseits war ein jeder, der Mitraspera bewohnte, ähnliches gewohnt, so er denn nicht in den Tunneln lebte oder...nun ja, in der goldenen Stadt. Krieg, Verluste, Tote und Trauer waren leider stetiger Begleiter aller Mitrasperani und all diese schrecklichen Erfahungen würden Landuin hier ebenso erwarten, wie sie seine Vergangenheit prägten. Er kannte mit Sicherheit bereits ähnliches von seinem neuen Zuhause. "Könntest du... ich meine... wirst du...hmmm", sie brach ab. Überlegte. Dann nahm sie noch einen entschlossenen Schluck aus ihrem Krug, leerte ihn und sah dann zu dem Ritter, auch wenn der Alkohol den irgendwie unsicheren Gesichtsausdruck nicht gänzlich bekämpft hatte. "Diese Relikte... aus deiner Vergangenheit. Sie sind dir wichtig, das war ja auch die Frage... also..." Feth. Wie sollte sie das in aller Elemente Namen raus bringen, ohne wie eine bösartige Irre zu wirken? "Es ist so ein schwieriges Unterfangen mit dem Loslassen. Wenn man es loslässt und es am Ende nicht zum Ziel führt, dann hat man dem Wind umsonst" ein Geschenk gemacht... Aber es war nicht umsonst. Wie sollte sie das nur erklären? "also dann ist es vielleicht schwieriger als Geschenk zu verstehen..." Es war ärmlich, aber zu klareren Worten konnte sie sich nicht durchringen. Wie untypisch für einen Edalphi, nicht einfach zu sagen, was sie meinte. Dann kniff sie die Augen zu, vermutlich, um dem Abernier nicht ins Gesicht sehen zu müssen und sagte schnell: "Ich hab nach dem Wichtigsten gefragt, weil du entweder den schweren, vermutich schnelleren Weg gehen kannst oder den langsameren, vermutlich leichteren. Jetzt gleich kannst du dich entscheiden. Aeris wird diese Relikte von dir verlangen. Du wirst sie loslassen und dem Wind schenken, bis du so frei bist, dass du zurückkehren kannst, mit gewandeltem Blick darauf."


    Einige Körner ließ sie die Augen geschlossen, bis sie schließlich ziemlich bedrückt zu ihm rübersah.

  • "Ich frage sie wie gesagt ob sie eine Lösung kennen. Versprechen kann ich nichts, aber es ist eine weitere Möglichkeit eine Lösung finden zu können. Ich möchte dich nur nicht weiterhin deswegen traurig gestimmt sehen. Das steht dir einfach nicht zu Gesicht." Entgegnete der Ritter hilfsbereit. Er wusste um die Fähigkeiten seiner Freunde und war zuversichtlich das sie eine Lösung finden würden bzw. wenigstens jemanden kannten, der so etwas angehen konnte.


    "Ja ich kenne ihn. Satinka hatte mir etwas über seinesgleichen erzählt und ich habe mitbekommen, wie er sich den ewigen Schwertern auf dem Ostturnier im letzten Jahr angeschlossen hat." Erzählte er und betrachtete danach die Zeichnung die Yael über Aminaah angefertigt hatte. "Ich verstehe immer noch nicht ganz warum Aminaah das alles getan hat?" Der Albernier suchte wohl wirklich immer noch nach einer zufriedenstellenden Antwort.


    Sein Blick nahm nachdenkliche und auch fragende Züge an, als er merkte das die Edalphi nach passenden Worten zur vollständigen Hinwendung an Aeris suchte. Viel es ihr wirklich so schwer passende Worte an ihn dafür zu finden oder hatte sie bedenken ihn mit den falschen Worten zu verletzen? Er nickte zustimmend bei ihren letzten Sätzen. Sie hatte recht mit dem was sie sagte. "Ja...du hast recht. Sie sind mir wichtig, aber irgend wann ist es auch Zeit für Veränderungen." Kommentierte Landuin zustimmend und zog dann wortlos einen Anhänger um seinen Hals hervor. Auf dem kleinen Zinnanhänger war eine geflügelte Kriegerin mit Lanze und Schild abgebildet, die mit der Lanzen einen Drachen aufspießte, der ihr zu Füßen lag. Er nahm den Anhänger von seinem Hals und hielt ihn vor sich hin, damit Yael ihn betrachten konnte. Der Blick des jungen Conchobair wurde entschlossen. "Der Anfang..." Entgegnete er kühn und zuversichtlich nach einem Augenblick der Stille. Der Anhänger wanderte auf das Tischchen. So als wollte er sagen: "Siehe her, ich lasse los!" In seiner Hand hatte er immer noch das weiße Band mit dem Aeriszeichen. Er betrachtete es erneut für einen Moment, blickte dann auf das Feuer und dann wieder auf das Band. Der Ritter dachte kurz über etwas sehr intensiv nach. Wie aus der Armbrust geschossen sagte er dann: "...und die Erinnerung daran wird folgen." und wickelte sich das Band wieder um den rechten Arm. "Sie hat ihren Grund dafür gehabt, warum sie so entschieden hat, wie sie es tat, auch wenn ich den tatsächlichen Grund wohl nie erfahren werde." Sagte er akzeptieren ohne darüber nachgedacht zu haben, das Yael den Kontext dazu wohl überhaupt nicht kannt. "Stätig schneller dabei werden, dass soll mein Ziel sein. Einige Dingen werden schnell gehen, einige werden ihre Zeit dafür in Anspruch nehmen. Ich werde auf meinem Weg auch ab und an straucheln und stürzen, aber ich werde wieder aufstehen, mir den Staub von den Kleidern klopfen und weiterlaufen. Bis ich an meinem Ziel bin. Ich bin bestrebt es zu schaffen...Aeris kennt nur einen Weg...den nach vorne!" Es klang kämpferisch, zuversichtlich und bestrebt. Hatte er gerade wirklich einen großen Schritt nach vorne gemacht? Landuin lächelte Yael leicht an, um ihre Betrübtheit etwas zu vertreiben als sie ihre Augen wieder öffnete.

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  • "Ma, ich hoffe einfach, dass wenigstens die Narbe im Gesicht weggeht." War das Eitelkeit? Irgendwie klang es nicht so. Vermutlich hatte es etwas mit der Tatsache zu tun, dass die Edalphi einfach gefallen wollten und das schöne Volk genannt wurden und es nicht ihrem Wesen entsprach, etwas anzunehmen, was ihrer Aufgabe entgegenwirkte. Vielleicht hätte es sogar geholfen, Yael noch weiter von ihrem Volk zu entfernen, ihr die nächste Verkrüppelung einfach zu lassen, sie selber konnte ja keinerlei Magie mehr wirken und folgerichtig auch nichts mehr dagegen unternehmen.


    "Warum Aminaah was getan hat? Ich glaube, ich hatte die letzten Wochen doch recht gute ... Einblicke...in diese Frau. Und obwohl ich sie verabscheue und ehrlich sagen kann, dass sie eine wirklich widerliche Kreatur gewesen ist, fand ich ihre Handlungen durchaus nachvollziehbar...Was also ist unklar geblieben?", fragte die Edalphi, während sie bei ihren Worten über Aminaah aussah, als wäre sie in einen Haufen Unrat gefallen.


    Dann beobachtete die ehemalige Kindererzieherin das, was Landuin tat und beugte sich auch kurz vor, um die geflügelte Gestalt zu betrachten. Ansonsten gab sie dem Ritter so viel Raum, wie sie konnte, auch wenn sie nicht ganz mitkam. Schließlich war er zu einer Entscheidung gekommen, hatte - wie groß auch immer dieser letztlich sein würde- einen Schritt auf das Land, seine neue Heimat, auf Aeris zu getan. Yaels Augen blieben an dem Tischchen hängen und "Sie wird gut darauf acht geben" war alles, was sie zu seinem Entschluss sagte. Irgendwie war es ein feierlicher Moment für die Edalphi, sie hatte offensichtlich passende Worte gefunden, die nicht verletzt hatten und innerlich dankte sie Aeris dafür, auch wenn sie sich schon jetzt für ein potentielles nächstes schwieriges Gespräch vornahm, ihre Stimme, wenn sie sie schon für Aeris nutzte, nicht brüchig sein zu lassen.


  • "Und selbst wenn wir keine Lösung dafür finden. Du bist und bleibst wunderschön." Versuchte der Albernier die Edalphi aufzuheitern. "Wie ich schon sagte: Es gibt innere und äußere Schönheit und die innere Schönheit ist immer stärker." Munterte er sich weiter auf.


    Der Ritter ging einmal kurz in sich, um die Gedankengänge die er zu Aminaah hatte richtig zu fassen. "Ja warum hat sie sich entflammen lassen und sie Merth´yar angeschlossen?. Sie war ein Naldar. Warum hat sie das nur getan? War es die Angst vor der Leere und dem vermeintlichen Versprechen eines "Heilsmittel" von Seiten Merth´yars?" Fragte er erkenntnissuchend, den er war sich immer noch nicht sicher ob das was er darüber wusste, wirklich wahr war. "Gut 2 Jahre ist es jetzt her. Da sah ich wie Aminaah im Körper von Niara versuchte das Lager der Naldar zu betreten. Maríen verwehrte ihr den Zugang und verstieß sie aus ihrem Volk. Aminaah hat vor Wut getobt und sie angeschrien, das sie kein Recht dazu hätte sie aus der Gemeinschaft der Naldar zu verstoßen." Erinnerte sich der junge Conchobair und dachte weiter nach. Sein Blick ging von Yael auf das Feuer über.


    "Ich habe dir noch gar nicht erzählt wie ich zu Aeris "gefunden" habe. Möchtest du die Geschichte hören?" Fragte er dann und schaute noch einen längeren Augenblick auf das Feuer. Erst dann wandte er sich davon ab und betrachtete wieder die schöne Edalphi und wartete ihre Reaktion ab.

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  • "Hmm... also... Ich... wir, ach. Ich habe diesen Brief geschrieben, ich weiß nicht, ob du ihn gelesen hast, meine jüngste Tochter hat ihn erhalten, wie, kann ich dir nicht sagen. Sie ist deswegen aus der goldenen Stadt hierher gekommen, damit sie meine Freunde findet und damit sie das lesen. Ich fand, als ich ihn las, dass er zwar einerseits ziemlich deutlich macht, wie knapp die Austreibung nur noch funktionieren konnte, aber andererseits auch gut erklärt, was Aminaah einst antrieb." Sie reichte ihm eine dünne Pergamentrolle, die sie aus der Tasche zog, sie sah recht abgenutzt aus, war aber in Yaels Handschrift gut leserlich geschrieben. Nur die Unterschriften waren durchgestrichen. Offensichtlich waren es die fehlgeschlagenen Versuche Yaels, ihren Namen als Unterschrift unter den Brief zu schreiben, weil immer wieder Buchstaben aus Aminaahs Namen hinzukamen. Schließlich stand nur "Ein Kind der Freiheit" unter all den durchgestrichenen angefangenen Namen.



    Mein lieber Freund,
    eigentlich wollte ich dir diese Zeilen nicht aufbürden. Aber ich habe zu wenig Zeit, um noch länger nachzudenken, wen dieser Brief wohl erreicht und sie würden vermuten, dass ich Valas schreiben würde. Aminaah ruht nicht, sie verzehrt sich Stund um Stund selbst, gebiert sich aus den vergehenden Flammen und der staubigen Asche, um sich, mich erneut als Zunder der Rache anzubieten. Ihr Hass auf die Sturmgeborenen scheint überflammt von ihren Gelüsten, die Fremden büßen zu lassen und die falschen Schöpfungen zu vernichten. Jetzt schlafe ich, klammere mich an den Traum, dass dieser Brief von Aeris getragen mein Leben noch einmal wendet. Ach Aqua, sogar in deine Tiefen würde ich mich stürzen, um dieses Brennen endlich in den stumpfen Tiefen des Ozeans dem verzehrenden Gesang der Levanen zu opfern. Und doch. Ein Volk – ein Wille, kein anderer wird brennen. Bleib bei mir, Häßliche! Verbrenne, entzünde, verbrenne!


    Immer wieder sehe ich ein Bild vor mir, tiefe Nacht, eine weite, ewig scheinende Steppe unter der stillen, leeren Stadt auf dem Felsen, es ist bitterkalt, doch ich verglühe. Meine Wange schmerzt vor der Hitze, ich fühle meine Haut schmelzen, es ist schön. Der Wind ist beißend kalt, doch ich lache, in die Ebenen der Nacht, kühn und stolz lache ich den Wind aus. Neben mir wärmt ein riesiges Feuer auf dem Dach meine Dunkelheit, während eine wohlbekannte, wunderschöne Stimme schreit. Nein, sie singt, es ist eine Melodie voller Erkenntnis, dass die Welt brennen wird in den hellsten, schönsten Farben, es wird dem Sturm gefallen, diese schönste aller Stimmen dieses Geschenk herausschreien zu hören. Niemals sonst hätte sie dieses Lied singen können und nur ich allein lausche ihrer wehklagenden Hymne an den unterliegenden Sturm. Schließlich zerfällt meine Schwester Achyla zu Asche und der wunderschöne Teppich aus Tönen, den ihre Schreie über die Weiten der Steppe gewoben hat, verblasst in der letzten dunklen Stunde, die vor der Dämmerung noch einmal alle Kraft von mir verlangt. Dieser eine Takt, in welchem ich noch hätte umkehren können schmiedet meine Entschlossenheit endlich zu einem unbezwingbaren Bekenntnis an die Flamme, spätestens jetzt, wo ich für meine geliebte Schwester Rache würde nehmen müssen. Es war so leicht gewesen, ihr glänzendes Haar zu entflammen und so unendlich schwer, ihrer makellosen Haut zuzusehen, wie sie langsam zerfiel. Er ist ein Leuchtfeuer gegen das Vergessen, so wunderschön und verzehrend hässlich, gottgleich. Und so ist es meine Bereitschaft zum Opfer, dieses Bild meiner Schwester niemals mehr zu vergessen, was die Rettung für mein Volk, vereint im Hass, sein wird. Ich liebe ihn. Mit dem Verstummen ihrer Schreie ertränkt mich die Kälte – ein Feuer ohne Wärme. Leer, wogegen es brannte.


    Es ist alles taub, Städte brennen wie Haut zerfallen ihre Häuser und hinterlassen Gerippe, die sich knochenhell vor den Flammen abzeichnen. Wenigstens wärmt der stinkende Rauch die Taubheit, der Schmerz kämpft gegen das Vergessen, die Qual obsiegt und erfüllt mich mit heilender Rache. Flammen lecken an meiner Seele hinauf, fressen meine Träume von Freiheit, doch jeder Preis muss gezahlt werden für mein Volk. Goldene Dächer werden der Sonne trotzig entgegenglänzen, die Strahlen in Verehrung zurückzuwerfen und sich wärmen lassen, ohne, dass es alle verbrennen wird. So wie jedes Volk nur einen Willen hat, so schwer zu verstehen. Die Nacht ist so kalt und ich weiß nicht, wieso. Irgendwas zehrt an mir, verschlingt mich, einmal nur, doch es ist Albtraum wie unabwendbares Kleinod aller Liebe zugleich. Alles vergeht, um ewig wiedergeboren zu werden. Ich verbleibe in meinem Ansinnen, sie niemals mehr gehen zu lassen, aber ich habe Angst, ich sterbe an ihr. Mein Hilferuf ist verhallt, so werde ich nur noch einen Willen haben können, um zu töten. Hier haben sie mir meine Träume geraubt, ich meine letzte Freiheit geopfert, bald muss es zu Ende sein. Sag der Kühnheit, dass ich versage und mich vor ihm schäme. Dem Mut aber sage, ich lasse trotz meiner Angst nicht ab! So Aeris du mich siehst, nimm Rache an mir, sobald dein Zeichen dir den Weg weist, weil ich und die meinen nicht schnell genug waren.



    Yael sah ihn nicht an, als er las. Es schien ihr unangenehm zu sein, sowohl, dass sie sich derart in Aminaah verloren hatte, aber wohl auf eine verrückte Art auch, dass sie nun doch wieder alleine war. Als sie vermutete, dass er fertig war, sagte sie: "Ich glaube, Aminaah ist über die Zeit zu ihrem Wahn auch noch böse geworden, dennoch vermute ich in ihren ersten Taten so etwas wie ehrliche Sorge um ihr Volk. Sie war sich sicher, dass sich die Naldar, das stolze Volk, niemals nur durch Worte und Argumente für Ignis gewinnen lassen würden und dass es nur mit sehr mächtigen Gefühlen wie Trauer, Hass, Verzweiflung aber der dadurch erst wirklich sichtbar werdenden Liebe und Freundschaft dazu kommen würde, dass sie entflammt werden können. Und genau dafür hat sie gesorgt, den Weg bereitet für ein Inferno unter ihresgleichen, damit aus der Asche etwas neues entstehen kann, etwas verwandeltes zwar, aber ein Volk, das stärker aus den Flammen schreiten kann. Lieber Ignis als die Leere" Yael klang überhaupt nicht begeistert, atmete einmal tief ein und aus und sprach weiter: "Die Naldar heute wurden aller Schwäche entledigt als Aminaah damals die Naldar dazu zwang, zu sterben, ins Exil zu gehen oder zu brennen. Die Stärksten nur überlebten das, der Rest war Zunder oder eben.... nicht in der Lage zu leben." Jetzt war es schon recht deutlich in Yaels Gesicht zu sehen, was sie dabei fühlte und schließlich: "Aminaah hatte niemanden mehr zu lieben, niemanden mehr, der für sie oder für den sie Freundschaft empfinden konnte. Nur ihr Opfer gegen die Leere, als sie das Ahnmark der Naldar auf die Ebene der Ignis brachte. Ich vermute, dass sie ohne Achylas Tod damals nicht in der Lage gewesen wäre, das Ahnmark dorthin zu bringen. Also musste sie selbst all die Trauer, die Verzweiflung und den Hass spüren und diese abartige Liebe zu Merthyar. Und darin ist sie aufgegangen, hat sich darin verloren. Ich glaube, sie ist schlicht verrückt geworden, hat Gefallen an diesen Gefühlen gefunden - also bei anderen...." Sie brach ab und wandte sich abrupt von den Flammen ab. Schließlich stand sie sogar auf und ging ein zwei mal hin und her, bis sie schließlich den Stuhl noch ein wenig weiter vom Feuer wegzog und sich wieder hinsetzte.


    Kurz schüttelte sie sich und sagte schließlich, als sie offenkundig die in ihr aufsteigenden Gefühl niedergerungen hatte: "Ma, ich denke, jetzt wäre die Geschichte, wie du zu Aeris gefunden hast, ein willkommener Ausgleich."



  • Er nahm die Pergamentrolle entgegen und begann sehr interessiert zu lesen. Zeile um Zeile begann die Erkenntnis in ihm zu wachsen. Der Brief beinhaltete Dinge die er noch nicht kannte. Als er fertig war, rollte er die Rolle wieder zusammen und gab sie der Edalphi zurück. "Ihr Gedanke war gut, aber die Umsetzung war schlecht." Kommentierte der Albernier trocken das vergangene Handeln Aminaahs. "Ihre Angst vor der Leere muss gewaltig gewesen sein, wenn sie sich solcher Handlungen bedient. Sie muss sehr gelitten haben...und darum macht die Liebe blind und wird vom Wahnsinn geleitet" fuhr er fort und es klang wie Mitleid aber war es das wirklich?


    Nachdem sich Yael etwas vom Feuer weggesetzt hatte, stand er auf, nahm seinen Mantel vom Stuhl und legte ihn ihr über die Schultern. Der Ritter ging kurz in sich und ließ seine Hände auf ihren Schultern ruhen. Sein Blick war auf das Feuer gerichtet "Als Merth´yar damals die Städte der Naldar niederbrannte war ich fassungslos als ich davon erfuhr..." Begann er dann zu erzählen. "...Ich wollte helfen, doch mir waren die Hände auf Grund meiner Verpflichtungen gebunden und man ließ mich nicht. Hätte man mich doch ausziehen lassen, wäre ich wohl alleine auf weitem Flur gewesen. Also griff ich zu meiner mächtigsten Waffe die ich außerhalb des Schlachtfelds führe...der Feder und begann zu schreiben. Ich rief Meines gleichen dazu auf dieser Ungerechtigkeit endlich Einhalt zu gebieten und nach dem ritterlichen Codex, der für uns alle gleich ist, egal woher wir stammen, die Barmherzig- und Gerechtigkeit siegen zu lassen. Beschütze die Hilf- und Wehrlosen, die Armen und Schwachen, die Kranken und Alten vor Leid, Unterdrückung und Ungerechtigkeit..." Der junge Conchobair schwieg für einen Augenblick und beobachtete das Feuer dabei, wie es mit seinen Flammen das Holz verzehrte. "...niemand kam...niemand von diesen unzähligen Ritter dieses Kontinents beantwortete diesen Ruf und ich tat alleine das, was ich am Besten konnte und stellte mich schützend vor die Naldar, wo ich es konnte." Seine Stimmt klang enttäuscht und er nahm die Hände wieder von den Schultern der Edalphi. Er griff nach seinem Stuhl und zog ihn ebenfalls etwas vom Feuer weg. Wieder nahm er Platz und betrachtete das Feuer. "Ich habe im Jadekrieg schreckliche Dinge getan...Dinge die gegen den Codex sind, wenn man ihm zu 100% folgt."


    Als Yael um seine Geschichte bat, dachte er kurz nach. Die Flammen des Lagerfeuers schienen vor seinen geistigen Auge eine Silhouette abzuzeichnen. Landuin begann daraufhin zu Schmunzeln "Es war eine Naldar..." Sagte er und blickte zu der Edalphi herüber. Er wirkte plötzlich so glücklich bei dem Gedanken an sie. "...eine Hüterin..." fuhr der Ritter fort und dachte für einen kurzen Augenblick darüber nach, ob es wirklich richtig wäre auch den Namen zu nennen bzw. diese ganze Geschichte zu erzählen? Am Ende hatte es ihm doch so viel Kummer bereitet. Er gab sich einen Ruck und tat es dann doch "...sie heißt...Sarria und ist für mich die schönste Frau die ich je gesehen habe." Als er ihren Namen aussprach klang es sehr herzlich und voller Wärme. "Auf dem Konvent vor 2 Jahren lernten wir uns kennen und lieben. Sie eroberte mein Herz im Sturm. Etwas das ich dachte schon längst verloren zu haben. Es hielt gut 1 1/2 Jahre, dann löste sie unsere Verbindung beim letzten Feldzug. Es schmerzte sehr und das tut es immer noch..." Seine Finger umgriffen leicht das weiße Band an seinem Arm. Der momentane Gedanke an Sarria hatte sich sehr gefestigt und er verstummte einen kurzen Augenblick. Ein leiser Seufzer durchbrach dann die Stille "...aber ich hasse sie dafür nicht. Sie tat es weil es richtig war, weil sie es tun musste. Meine Gefühle für sie sind immer noch stark und ich verdanke ihr so viel. Durch sie und ihr Volk konnte ich erst die Herrlichkeit Aeris erkennen. Am Ende war es aber der Tod Marîens der Aeris endgültig in mir weckte." Die Stimmung und die Stimme des jungen Conchobair begannen zu schwanken. Die Erinnerungen daran waren sowohl schön, aber auch schmerzhaft. Es war etwas das ihn festhielt, das er aber auch loslassen wollte. Landuins Blick ging wieder auf das Feuer über. "Von Marîens Tod erfuhr ich im Lager der Naldar. Sarria weinte bitterlich wegen ihr in meinen Armen und wollte in dieser Nacht nicht mehr von meiner Seite weichen. Ich ließ sie nicht alleine. Ich konnte und wollte nicht und es war gut so. Am nächsten Tag ging ich auf das Schlachtfeld und hielt blutige Ernte unter den Untoten. Ich schlug zornerfüllt um mich und ließ meinem Hass freien Lauf. Die Rache nahm Besitz von mir. Keine Gnade für die feigen Mörder am Kristallthron. Mit jedem Hieb zermalmte ich ihre Knochen und zertrümmerte ihre Schädel. Ich erschlug sie zu Dutzenden und brüllte ihnen meinen Zorn und meinen Namen entgegen, auf das sie wissen würden, wer ihre Existenz beendet. Am Ende war mein Zorn und mein Hass nicht befriedigt. Sie waren immer noch da." Er sprach kühl und das Feuer spiegelte sich in seinen Augen wieder. "Jouari sagte einst zu mir das ich nicht mehr um Marîen trauern soll. Sie würde es selber nicht von mir wollen. Sie hat recht damit, aber Marîen wirkte mir so vertraut. Als ob ich sie mein ganzes Leben schon kennen würde und dabei kannten wir uns nur so kurz...viel zu kurz. Ihr Lächeln hat mich alle meine Sorgen vergessen lassen." Die Kühle begann zu weichen. Traurigkeit und Kummer hatte sich in seiner Stimme angesammelt die er versuchte zu verbergen. Er atmete einmal tief ein und aus um die Gedanken zu vertreiben und wendete sich wieder der Edalphi zu. "So hat Aeris mich für sich gewonnen..."

    Wir sind die Wölfe, hört unseren Ruf!


    Wo das Wort versagt, spricht das Schwert !


    Mors certa, hora incerta.


    Hast du das Glück Albernier zu sein, hast du tatsächlich Glück.

  • Sie schwieg eine Weile, ließ das Gesagte etwas sacken. Die ein oder andere Ergänzung wollte sie dann aber doch anbringen. "Sie hat gesehen, wie Aeris erster Avatar damals an die Leere fiel, zumindest glaube ich, dass sie daran dachte während des Exorzismus...als sie ihrem früheren Volk nochmal all ihren Hass entgegenschleuderte. Ich will sie nicht in Schutz nehmen, Aminaah war eine widerliche Frau, die sich sehr an Leid und Tod anderer ergötzt hat und über die Zeit völlig vergessen hatte, dass sie eigentlich FÜR ihr Volk gehandelt hatte. Aber früher, ganz früher, waren ihre Motive wohl mal von einem höheren Ziel geleitet und zumindest hat sie am Ende nicht so versagt wie Merthyar." Dann überlegte sie, ob sie dem Ritter erzählen sollte, was sie während der Zeit getan hatte, als die ersten Naldarstädte gefallen waren. Sollte sie das wirklich sagen? Wer würde hier alles zuhören? Auf der anderen Seite, sie saß im Viertel des Nordens, den Leuten, die sich mit alledem wohl am besten auskannten... Wieder kaute die Edalphi auf ihrer Unterlippe. Sie hätte lieber etwas episches erzählt, so wie er. Aber gut, die Wahrheit änderte sich nicht durch einen Wunsch, zumindest nicht in der Vergangenheit, also druckste sie halblaut heraus: "Es gab andere, die etwas unternommen haben. Aber keine Ritter und unter keinem Kodex. Ich selbst war nur..." mitschuldig, komm schon, Yael, spätestens bei dem einen hast du dich auch beschmutzt "gezwungenermaßen beteiligt, obwohl ich das Ansinnen schon verstanden hab." Das konnte so alles keinen Sinn für ihn machen. Zwischen ihren Augen hatte sich eine Falte gebildet und ihre Stimme klang gepresst, als sie schließlich von den Gräueltaten sprach: "Kurz nach dem Fall der ersten Stadt, ich war damals noch Anwärter bei den Tivar Khar´assil, hatte mein damaliger Ausbilder entschlossen, mit seinem Freund zusammen, auch ein Ewiges Schwert und Träger von Aeris Gunst, dass sie die Razash´Dai in ihrer Moral erschüttern, damit vielleicht der ein oder andere Kluge von ihnen beim nächsten Kampf nicht mehr gegen die Naldar und die Siedler ziehen will, weil dort... noch schlimmere Umgangsweisen herrschen als bei ihnen." Sie wandte den Blick ab, dachte an diese furchtbaren Monate. Schnell schob sie noch hinterher "Die beiden sind Drow.", spätestens das müsste alles erklären, zumindest soweit sie die Dunkelalben bisher kennengelernt hatte, waren sie sich in ihrem Hang zu unmenschlicher Grausamkeit alle recht ähnlich. Vermutlich wollten deshalb auch die wenigen unter den Razash´Dai, die sie im Palast Achames gefunden hatte, die zum naldarianischen Widerstand gehörten, nicht mit ihr zusammenarbeiten, weil Yael ihnen zu verrückt, zu böse war... Die Edalphi seufzte.


    Als der Albernier von der Naldarhüterin sprach lauschte die Edalphi andächtig. So klang die schöne Art von gegenseitiger Inspiration und Zuneigung für sie. Dann aber wurde die Erzählung dunkler und das Kind der Freiheit umschloss die Kette um ihren Hals mit der rechten Hand. Es war eine Spirale, in der eine Phiole eingelassen war- viele trugen sie, die Asche Mariens. Yael lächelte, Marien also hatte ihm die ersten Flügel geschenkt. Auf diese Art würde der ehemalige Kristallthron noch für sehr lange Zeit weitergetragen. Schließlich wollte sie zumindest kurz erklären, wie sie zu ihr gestanden hatte: "Ich habe Marien während ihrer Strafe bei den Tivar Khar´assil kennengelernt. Ich war damals gerade in meiner ersten Ausbildung und ich hab viel von ihr gelernt, vor allem, wie man - und sie konnte das besser, als ich es je gelernt habe- mit Würde aus einer Situation herauskommt, in der man zu etwas gezwungen wurde. Niemand wollte das bei Marien noch tun, sie war sogar beim Hof fegen wie eine Königin." Der berühmte Stolz der Naldar, jeder, der einmal diese Aura gesehen hatte, wusste, was Yael meinte. Sie wünschte sich so sehr auch so eine Ausstrahlung, viel mehr aber noch, dass Marien zurückkommen würde.

  • Der Ritter stand auf, als die Edalphi mehrere Dinge über Aminaah ergänzte und nahm die beiden Krüge um sie wieder zu füllen. Dabei hörte er weiterhin zu und reichte Yael den wieder gefüllten Krug. Seinen eigenen stellte Er wieder auf das Tischchen und holte dann aus seinem Zelt eine kleine Schale. In ihr befanden sich Kekse und eine vermeidlich braune Süßigkeit. Schokolade vielleicht? "Hier für dich.“ Sagte er und reichte der Edalphi die kleine Schale. "Der Wandel beinhaltet nicht immer etwas Gutes. Das scheinen aber viele vergessen zu haben oder wissen es überhaupt nicht. Auch ich bin nicht frei davon und habe Dinge im Jadekrieg getan auf die ich nicht stolz bin.“ Entgegnete der junge Conchobair kühl und warf einen Holzscheid für das Feuer nach. Die Gedanken an seine Taten schienen sich vor seinen Augen zu manifestieren und die Erinnerung an die Schlacht kehrte zurück. "Ich war in inkognito im Östlichen Siegel um im Kampf gegen Merth´yar und Esthaer de vo Canar zu helfen. Nur drei Personen wussten das ich dort war: Dein Vater, Cupa und der Herr von Winterfeld. Gegenüber allen anderen verbag ich mein Äußeres und trat nur ganz in weiß mit einem Turban auf. Auf dem Schlachtfeld erschlug ich die Razash´Dai vom Pferderücken aus, dort wo ich ihrer habhaft werden konnte. Wohl bewusst das ich auf ehemalige Naldar einschlug doch für mich mussten diese Verräter sterben. Einer von ihnen stellte sich als besonders widerstandfähig heraus. Er hatte mir einen guten Kampf geliefert und war rasend vor Zorn, weil ich mehrere seiner Brüder erschlagen hatte, doch an meinem Plattenpanzer biss er sich die Zähne aus. Halbtod lag er vor mir und ich weiß nicht ob er um Gnade flehte oder mich einfach nur verhöhnte. Es war mir gleichgültig und so nahm ich ein Seil, band das eine Ende an seinen Fuß und das andere an den Sattel meines Pferdes. Dann setzte ich mich auf mein Pferd und ritt los. Ich schlief ihn zu Tode, als Mahnung für alle anderen die sich mir weiterhin in den Weg stellen würde...“ Der Albernier führt seine Erzählung nicht weiter aus, sondern verstummte für einen Augenblick "...ich war über mich selbst verwundert, dass ich zu so etwas je fähig sein könnte und ekelte mich vor mir selbst, das ich zu so einem Monster geworden war.“ Fuhr er dann kühl fort.


    Er griff nach dem Krug und trank einen Schluck. Nicht weil er Durst hatte, sondern damit der Gedanke an seine Tat verschwand. Landuin war dieser Tage anders geworden. Etwas das er nicht sein wollte. "Ich weiß das es sehr wohl andere gab die nicht tatenlos zusahen, wie Merth´yar auf der Asche der Naldarstädte sein Reich errichtete, aber es waren keine Ritter unter ihnen. Keiner der dem Codex folgt und das beschämt mich, das gerade die, die so viel Wert auf Tugenden und Ideale legen nicht einen Finger krumm gemacht haben. " Sprach der Albernier verbittert und nahm einen weiteren Schluck aus dem Krug. "Wo waren Reiter und Ross als unzählige Frauen und Kinder, Alte und Wehrlose zu Asche verbrannten? Wo war sie die stolzen Krieger die weder Tod noch Namenlosen fürchten? Wo war die Elite der Schlachtfelder die sich für die Gläubigsten und Frommsten halten?" Fragte er mehr in den Raum als zu der Edalphi und man merkte das er sichtlich angespannter und auch wütend wurde. Seine Hände ballten sich zu Fäusten bis schon das Weiße an seinen Fingerknochen hervortrat. Er versuchte sich zu beherrschen. "Ich sage dir wo sie waren. Sie saßen mit ihren feisten Wänzten und faulen Ärschen hinter ihren hohen Mauern und taten nichts, weil ihnen die Naldar Scheiß egal geworden sind! Den für sie sind sie nur Diener die man bereitwillig opfern kann und keinen Wert haben! Lasst sie doch krepieren, was gehen die uns schon an. Sie sind doch nur Diener, davon gibt es auf diesem Kontinent doch mehr als genug!" Platzte es dann wütend aus ihm heraus und der letzte Satz glich einer "Nachäffung" der wohl allgemeinen Auffassung die vermutlich viele Ritter von den Naldar hatten. Der junge Conchobair atmete schnell und war aufgebracht. Solche Worte vernahm man von ihm für gewöhnlich nicht. Ja sie waren sogar eine extreme Ausnahme, den er war darauf bedacht stets seine Haltung zu bewahren und Maße zu halten. Aber auch er hatte sich verändert und so kam es seit er sich Aeris zugewandt hatte immer wieder einmal vor das diese Ausnahmen häufiger auftraten. Der Zorn stand im buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Es dauerte ein paar Augenblicke bis er sich wieder beruhig hatte. Stille war eingekehrt und nur das Knistern und Knacken des brennenden Lagerfeuers war zu vernehmen. "Verzeih mir...ich kann so etwas nicht mehr unterdrücken...es wollte hinaus." Erklärte er sich. Jetzt nahm er einen großen Schluck aus dem Krug und stellte ihn dann ab.


    "Ja Marîen hatten wirklich die Ausstrahlung einer Königin. Den majestätischen Antlitz strahlte sie zu jeder Zeit aus und sie hüllte damit alles in Frieden." Der Albernier begann zu lächeln. Die Gedanken an den Kristallthron hatten seine Laune wieder gehoben. "Sie hat wie ein kleines Kind gestrahlt als ich ihr den Fächer schenkte, den ich extra für sie hatte anfertigen lassen. Dieses Lächeln werde ich nie vergessen. Ihr Tod hat mich trotz der Kürze die wir uns kannten tief getroffen und ich wollte die Trauer der Naldar lindern und so ließ ich eine Ikone zu Ehren Marîens anfertigen. Ich konnte sie damit zwar nicht wieder lebendig machen, aber ich konnte ihre Schönheit damit einfangen und die Erinnerung an sie lebendig machen. Die Naldar weinten im Tempel als ich ihnen die Ikone zeigte. Nicht vor Trauer sondern vor Freude, das sie noch einmal die Herrlichkeit Marîens erblicken durften." Er wirkte äußerlich jetzt wieder traurig, aber innerlich war er sehr zufrieden und glücklich. Es schien förmlich aus ihn heraus zu strömen. Die Erinnerungen an Marîen und die Naldar machen ihn glücklich und die Traurigkeit begann wieder schlagartig zu weichen. "Die Nacht ihres Todes ist eine zu tiefst einprägsame Erinnerung für mich gewesen, den sie beinhaltet vermeintlich auch den Höhepunkt der Liebe zwischen Sarria und mir." Gänzlich war die Traurigkeit aber noch nicht gewichen. In seinen Augen war sie noch für mehrere Augenblicke präsent, als er an die geliebte Hüterin dachte. "Glaube mir Yael auch ich vermisse sie und es wäre schön wenn sie wieder da wäre, aber das würde sie selber nicht wollen. Sie will das wir alle wie wir Aeris Kinder sind nach vorne schauen und gehen. Ich habe geschworen die Naldar mit meinem Leben zu beschützen und diesen Schwur will ich einhalten. Sie sind für mich keine Diener. Sie sind meine Freunde..." Er stockte kurz bei seiner Ausführung, den er erachtete sie als falsch. "...Nein viel mehr noch...sie sind Teil meiner Familie geworden." Beendete Landuin mit fester und überzeugter Stimme. Das Glück, die Erkenntnis und die Zufriedenheit strahlten jetzt förmlich aus ihm heraus. Wahrlich dieser Mann war wahrhaftig ein albernischer Ritter.

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  • Yael betrachtete den Albernier, anders als zuvor, als würde sie in seinem Gesicht nach etwas suchen. Er hatte also ähnlich schreckliche Dinge vollzogen wie die Dunkelalben, wenigestens hatte er es selbst getan und es nicht befohlen. Die Edalphi fühlte sich dumm. Sie hatte so lange gegen diese Art der Grausamkeit gekämpft, hatte so unendlich viele Chancen verstreichen lassen und war weit unter ihrem Potential geblieben. Und wozu? Aeris interessierte die sterbliche Moral überhaupt nicht. Und Yael? Interessierte sie das noch? Wieviel Grausamkeit hatte sie von den Drow erfahren, wieviel von den ewigen Schwertern, wie viel von den alten Herrschern? Sie verzog ihr Gesicht, kurz nur hatte es einen häßlichen, bösen Zug. Tief in ihrem Herzen wusste die Edalphi, dass sie den Großteil ihres Lebens verschwendet hatte mit ihrer Schwäche und ihrem Leid und der Unfähigkeit, sich aus diesen Gefühlen zu befreien. Niemals würde sie zu der Größe gelangen, die sie benötigte, um die Rebellion wirklich voranzutreiben, wenn sie sanft war. Oder nachgiebig, gütig, schwach. Und dennoch war es dem edalphischen Wesen nunmal zueigen, sich immer um alle zu bemühen, stets das Wohl aller zu sehen. Sie alle vom goldenen Volk wollten gefallen, die Schwachen genauso achten wie die Starken und in allem und jedem einen Ausgleich sehen. Doch das musste aufhören. So würden die Edalphi und auch die anderen Völker niemals über die Siedler hinweggkommen. Und die Siedler, ja, die hatten genau wie die alten Herrscher diese Abartigkeit und Grausamkeit im Blut, dass, was auch die Elemente so unmenschlich machte. Deshalb wurden auch diese Wesen so viel öfter geliebte Kinder oder Träger der Freundschaft und die Elementarvölker erkannten das und bewunderten diese Erwähten für genau das, was sie abartig machte. Weil sie herrschsüchtig, unmoralisch oder grausam waren. Und Yael gehörte nach ihrem für einen Edalphi fast zur Neige gelebten Leben jetzt zu diesem Schlag. Wie grausam also konnte sie sein?


    Stumm hatte sie die Schale entgegengenommen, um nichts davon anzurühren und ihn weiter anzusehen. Bis ihr auffiel, dass sie unhöflich wurde. Sie hatte sich eine Weile in Gedanken verloren, war deutlich stärker in sich gekehrt als das bisherige Gespräch. Schließlich tauschte sie die Süßigkeiten, die sie offensichtllich nicht zu essen gedachte mit dem Krug und trank einen tiefen Schluck, wie, um die Gedanken runterzuspülen. Yael hörte zu, nickte zustimmend, doch wirkte es nicht so enthusiastisch wie zuvor, irgendwas lag der Edalphi wohl im Magen, sie fuhr sich fahrig mit der Hand über eine der frischen Narben an ihrem Unterarm. Und so abgelenkt, wie sie war, folgte sie nicht dem ganzen Gespräch mit voller Aufmerksamkeit und schreckte dann hoch, als er von den Dienern sprach. Sofort kehrte die Falte zwischen ihren Augenbrauen zurück, diese senkte sich aber schnell wieder, als Yael den Kontext verstand. Dann sprach er über die Naldar und sie ließ ihn ausführen, was er für das stolze Volk empfand, unterbrach ihn nicht und ließ sich sogar von ihm anstecken, was die bessere Stimmung anging. Eine Weile gab sie dem Gefühl, welches sich zwischen den beiden Aeriskindern ausgebreitet hatte Raum, stellte sich innerlich vor, welche Farbe die Stimmung wohl gerade haben würde und bedauerte fast, in die Harmonie hineinzusprechen. Aber der Gedanke beschäftigte sie: "Meinst du, es war falsch, den Razash´Dai, deinen Feind, so zu behandeln? Grausamkeit kann Leben retten, hat Valas mir erklärt. Wenn sich diese Tat herumspricht, überlegt es sich die nächste Tochter Aminaahs vielleicht, dir die Darothssöhne auf den Hals zu hetzen, weil sie diese Grausamkeit fürchtet. Oder war es Rache? Lust an diesem Vorgehen?" fragte sie, während sie sich eine unangenehme Farbe vorstellte, die jetzt ein häßliches Muster in die Harmonie malte, gerade auch wegen den letzten Nachsätzen. Der Kampfesrausch und die Lust am Töten hatte sie bei jenen, die das Kriegshandwerk ihr eigenen nannten, schon unzählige Male gespürt.

  • Der junge Conchobair bemerkte das die Edalphi die Schale nicht angerührt hatte und griff dann selbst danach. Er aß ein Stück des Braunen etwas. "Du verpasst etwas. Horasische Schokolade schmeckt sehr gut." Entgegnete er ihr nachdem er das Stück Schokolade heruntergeschluckt hatte und bot ihr mit einem leichten Lächeln die Schale erneut an.


    Als sie nachfragte ob er sein Handeln im Jadekrieg als falsch erachtete nickte der Ritter. "Das Credo meiner Familie lautet: "Wo das Wort versagt, spricht das Schwert". Wir Conchobairs sind ein stolzes Geschlecht das unteranderem für seine Treue, Gefolgschaft und seinen Kampfgeist bekannt ist. Der Kampf ist für uns das letzte Mittel wenn alle anderen Möglichkeiten auf eine friedliche Lösung gescheitert sind. Eine friedliche Lösung gab es für den Jadekrieg aber nie, man ging sofort zum Kampf über. Ich habe den Namen meiner Familie und die unseres Credos beschmutzt, den es war falsch in diesem Krieg unehrenhaft zu kämpfen. Für mich ist Ehre mehr als nur im Sieg zu finden. Ich weiß das die Ewigen Schwerter das anders sehen, aber wer ehrenhaft ist stellt sich über seine Feinde. Als ich den Kal´Hatrani zu Tode schlief, war ich nicht ehrenhaft sondern habe ich das getan was wir ihnen immer vorgeworfen haben. Das sie grausam, unbarmherzig und gnadenlos sind. Ich habe mich zu ihnen herabgelassen, weil mein innerer Wolf mich zu dieser Tat trieb, weil er sagte das es richtig und gerecht sei Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Meine Selbstbeherrschung reichte in diesem Moment einfach nicht aus und so gab ich nach. Dabei verlor ich vollkommen die Erkenntnis aus den Augen, das die Razash´Dai keine Verfementen sondern Anhänger Ignis sind..." Landuin wählte seine nächsten Worte wohlüberlegt, da er nicht wollte das Yael es falsch auffassen würde. "...Gegen die Verfementen zu kämpfen ist immer ehrenhaft, gegen Anhänger Ignis zu kämpfen kann je nach Art und Weise wie man es tut, die eigene Ehre in Frage stellen." Erklärt er und schaute die Edalphi fragend an. Gespannt ob sie das auch wirklich verstand. "Ja Valas mag damit recht damit haben, das Grausamkeit Leben retten kann, aber auch nur wenn man damit mehr Leben retten kann, als man nimmt." Die Worte klangen sehr moralisch, als sie aus seinem Mund kamen. Es schien der einzige Weg zu sein, den er bei dieser Begebenheit akzeptierte. "Bei "Grausamkeit" muss ich immer an Kaiser Perval denken." Ließ er fast schon beiläufig fallen. Sein Blick wurde ernst, sehr ernst sogar als Yael ihn fragte ob er Gefallen an seiner Tat empfand "Ich verspürte keine Lust an diesem Vorgehen...ganz im Gegenteil. Rache macht blind und dieser ganze Krieg halt uns blind gemacht sowie die Rache nur noch mehr genährt und letztendlich dazu beigetragen das Merth´yar gegen Ain von Calor in der Hohld gewinnen konnte. Dieser Krieg hätte nie begonnen werden dürfen, den er hat uns von Anfang an geschwächt und die Verfementen gestärkt." Sagte der Albernier missgestimmt und griff nach dem Krug um die für ihn "bitteren" Gedanken hinunter zu spülen.


    "Jetzt frage ich aber dich und ich hoffe du verzeihst mir das ich so vermessen bin und dich das überhaupt frage: Hast du Gefallen und Lust oder vielleicht sogar Genugtuung empfunden, als du letztes Jahr auf dem Ostturnier Ozzimandias verprügelt hast, weil seine Stimme das Lied über Mandred nicht mehr hervorbringen konnte? Hast du es aus eigenen Antrieb getan oder weil die Regentin es dir befahl?" Die Frage war hart, das wusste Landuin selber, aber er wollte es wissen.


    Er begann sie etwas besorgt in ihrem Gespräch anzuschauen, als er merkte das sie gedanklich abzuschweifen schien. "Alles in Ordnung bei dir? Bedrückt dich etwas?" Fragte er nach.

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    Hast du das Glück Albernier zu sein, hast du tatsächlich Glück.

  • "Ma, viele der ewigen Schwerter sahen das genauso als unpassend, dass die Mitray´Kor gegeneinander zogen in der Hohld. Aber wenn die Elemente rufen, können jene, die ihnen nahestehen, selten verweigern. Ich selbst griff schon die meinen an und wurde bereits angegriffen, weil es Streit zwischen Aeris und Ignis oder Terra gab", sie dachte an ihren Ruf im Ostreich, wo sie eine verurteilte Attentäterin war, seit sie Ain wegen einer Zwistigkeit zwischen Ignis und Aeris angegriffen hatte und an den Archon der Dornen, der ihr im Kampf um die Vorherrschaft in der Globule der Eliinshar deutlich aufgezeigt hatte, wie weit er für Terra gehen würde.


    Dann schaute sie verwundert, als er den großen Barden erwähnte und bei all den Gesprächen über das unehrenhafte Töten von Elementarvölkern auf qualvollste Weise wie den Verlust der eigenen Seele dabei erschien ihr der Bruch zu dieser Lapalie so typisch für einen Siedler, dass das in einem Atemzug genannt werden konnte, dass sie sich kurz nicht im Griff hatte und fassungslos aufkeuchte, als hätte dieser abrupte Wechsel ihr körperlich aufgezeigt, wo er stand. Sie wirkte enttäuscht. Dann zuckte sie mit den Schultern, war sich nicht sicher, ob sie dem Gespräch tatsächlich Antwort stehen sollte, aber da es für ihn wohl wichtig war, antwortete sie kühl: "Ma, das hat mir Genugtung verschafft. Natürlich hat es das. Ich hab es bei den ewigen Schwertern niemals anders gelernt und der Barde dort war ein ... guter Anlass... für ihre und auch meine Trauer. Sie, also die Mitray´Kor, hat mir das zunächst nicht befohlen, sie hat es gefühlt, das ist vermutlich für jemanden, der nicht über die edalphische Art der Einfühlung verfügt, etwas schwammig, für mich war es wie ein klares Wort. Sie war traurig, zornig, außer sich - auch darüber, dass Mandred durch den Abbruch seines Ehrenlieds durch diesen berühmten Sänger noch im Tode gedemütigt worden ist. Ich bin ein Empathin so wie die meisten des goldenen Volkes und Ain von Calor wohl der Mensch mit den stärksten strahlenden Emotionen überhaupt... ich war zudem selbst mit Mandred in Gefühl und Tat verbunden, wenn auch nicht auf die gleiche Art wie die Regentin und ma, auch ich vermutete in der Präsentation zunächst zu Unrecht eine Provokation. Aber Spott und Ähnliches sind die ewigen Schwerter durchaus, gerade von den Siedlern des Nordens, gewöhnt" Wieder zuckte sie mit den Schultern, schätzte die Situation damals von ihrer Seite erneut unproblematisch ein, auch wenn der Ritter durchaus bemerken konnte, dass sie dennoch gerade nur noch gegen einen inneren Widerstand mit ihm sprach. "Sie musste es nicht sagen. Aber ich hab trotzdem gefragt, ob sie möchte, dass ich ihn schlage, schließlich ist das keine Burg der ewigen Schwerter gewesen, wo eine Schlägerei das natürliche und angemessene Verhalten ist, sondern das Reich des Phönix und obwohl ihr Siedler ganz oft Gewalt ohne Waffen als gangbaren Weg seht, ist der Osten da manchmal anders. Dieses Mal aber offenkundig nicht, denn die Regentin wollte, dass ich das tue. Ich entschuldigte mich vorab bei dem Barden, der offenkundig gar nichts für den Bruch seiner Stimme konnte, was mir, als ich ihn erreichte, auch klar wurde. Aber dennoch, ma, ab diesem Zeitpunkt hat es mir leid getan und vielleicht wäre der Abend ohne den Befehl...die Erlaubnis...anders verlaufen, aber Genugtuung, einen Moment des Ausgleichs, doch, hat es mir doch geschenkt, weil diejenigen, die Mandred umgebracht haben, für mich, für sie, für uns alle, nicht greifbar waren." Sie dachte an den Thul´heen, der so lange von ihrer Tochter gepflegt worden war und dann in dieser schrecklichen Welt hatte sterben müssen. Dann besann sie sich auf die entgegengebrachte Feindseeligkeit und fragte spitz: "Darf ich fragen, warum dich von meinen vielen Auseinandersetzungen ausgerechnet diese interssiert? Weil es ein Siedler ist, den du kennst? Und wie du auf die Idee kommst, das mit dem Zutodeschleiffen eines Razash´Dai zu vergleichen?" Sie sprach voller Bitterkeit, wohl nicht ob der Tatsache, dass sie offenkundig dem Barden Unrecht getan hatte, das war für jemanden, der von den ewigen Schwertern erzogen worden war, einfach nicht mehr nachvollziehbar, dass da sehr viel mehr als der körperliche Schmerz für den Barden an einer vermeintlich harmlosen körperlichen Auseinandersetzung hing, sondern ob seines Vergleichs dieser Tat mit der seinen. Sie war fertig, hatte alles gesagt und starrte den Albernier jetzt herausfordernd an. Ihre philosophischen Gedanken über die Grausamkeit hatte sie jetzt völlig aus den Augen verloren, ebenso seine Äußerung über Ehre, die sie mit Sicherheit sonst niemals unkommentiert gelassen hätte.


    Von Außen betrachtet musste es fast ein wenig amüsant wirken, wie die Edalphi sich in ihrem Stuhl nach vorne gelehnt hatte, obwohl sie nach den Strapazen der Austreibung der letzten Nacht mit Sicherheit keinen Wettkampf - egal welcher Art - gegen den Albernier gewonnen hätte. Aber so war der ihr Element eben, schnell, unüberlegt und wechselhaft, bei beiden Teilnehmern des Gesprächs war das bisweilen zu bemerken. Diesmal würde es an der Reaktion des Ritters liegen, was sich aus der angespannten Stimmung ergeben würde.

  • "Die letzte Auseinandersetzung zwischen Aeris und Terra brachte mir einige blaue Flecke und ziemliche Kopfschmerzen ein. Die davor, hätte mich auch töten können." Kommentiere Landuin trocken. "Möge ich nie in die Situation geraten wo ich jemanden mehr als nur ein paar blaue Flecke verpassen muss." Der Gedanke daran jemanden von seinen Freunden ernsthaft etwas antun zu müssen, weil Aeris mit einem ihrer Geschwister im Streit lag, ließen ihn innerlich schaudern. Dieser Gedanke behagte ihm überhaupt nicht, aber er wusste das es dazu in der Zukunft kommen könnte.


    Aufmerksam hörte er Yael zu, als sie ihm eine Antwort auf seine Frage gab. Es war nicht ganz offensichtlich warum der Albernier ihr diese Frage überhaupt gestellt hatte. Wollte er nur sehen wie weit er bei ihr gehen konnte, war es Neugier oder eine bewusste Provokation weil er streiten wollte? Er hatte sie auf jeden Fall damit aus dem Konzept gebracht "Dann beruht es auf Gegenseitigkeit, denn Hohn und Spott ist der Norden auch von den Ewigen Schwertern gewöhnt. Es sind alle von einander gewöhnt. Der Osten und der Norden ziehen im gleichen Maßen übereinander her, der Westen über den Süden, der Süden über die Mitte und alle gemeinsam über die Freyenmark. Wir hassen uns alle gemeinseitig und das Einzige was uns "zusammenhält" ist der Kampf gegen die Verfementen. Doch was wird aus uns, wenn sie einmal nicht mehr da sind?" Der junge Conchobair kommentiere er dann fast schon belanglos. Als müsste er sich tagtäglich mit dieser Auffassung auseinandersetzen. Er schien es leid zu sein und sein ironisches Lächeln untermalte das Ganze nur noch mehr.


    Die Bitterkeit der Edalphi konnte er förmlich spüren. Seine Frage war zu weit gegangen. "Ich habe dich deswegen gefragt, weil ich wissen wollte was der Auslöser für diese Handlung war. Viele deiner Handlungen kenne ich nicht persönlich, bei dieser war ich aber anwesend. Es gab Unstimmigkeiten wer der eigentliche Initiator war. Du oder die Regentin? Ein Teil der Gäste glaube du hättest es selber getan und so sah es für mich auch erst aus, weil ich direkt neben dem Barden stand und seine Laute hielt, als du zuschlugst..." Erklärte sich der Ritter. "...nebenbei ein beachtlicher Schlag. Ich war sehr beeindruckt von dem Schwinger. Du hast ein gutes Auge für Präzision." fügte er dann einfach anerkennend in den Satz mit ein. Wollte er damit die Stimmung etwas auflockern und sie etwas beruhigen? "Andere wieder herum waren direkt der Auffassung, es ginge von vornerein von der Regentin aus. Warum es überhaupt passierte war nur denjenigen wie mir, die dabei waren als Mandred starb, klar. Es bliebt die Frage im Raum ob man einfach nicht sah oder es nicht sehen wollte, das Ozzimandias körperlich nicht in der Lage war diese Lied vorzutragen. Meine Anerkennung aber dafür das er sich trotzdem dieser Herausforderung gestellt hat. Nun ja...diese ganze Begebenheit führte dazu, das die gesamte Delegation aus dem Norden umgehend das Fest verließ. Ich war der Einzige der blieb, da ich mein Versprechen für einen gesanglichen Beitrag nicht brechen wollte." Fuhr er fort. "Hast du meinen Beitrag überhaupt gehört?" Wieder einfach so zusätzlich in den Raum geworfen. Landuin ließ einen winzigen Augenblick Stille zwischen den beiden herrschen, dann schaut er ihr in die Augen. Sein in seinem Gesicht zeichnete sich Reue ab. "Yael der Vergleich tut mir leid. Er war unpassend da er keinen richtigen Zusammenhang aufweist. Ich sehe das dir das nicht behagt und ich wollte dich damit nicht kränken oder beleidigen. Das habe ich aber wie es scheint getan zu haben und es tut mir aufrichtig leid. Ich will mit dir nicht streiten. Vor allem nicht heute Nacht, da alleine schon deine Anwesenheit diese Nacht so unheimlich bereichert hat und ich sie mit dieser Dummheit gerade kaputt gemacht habe. Damit du siehst das es mir wirklich leid tut, hast du einen Wunsch frei der moralisch nicht verwerflich sein darf." Sagte er aufrichtig und mit reuig zu ihr. Würde sie die Entschuldigung annehmen? Der Albernier hoffte es jedenfalls.

    Wir sind die Wölfe, hört unseren Ruf!


    Wo das Wort versagt, spricht das Schwert !


    Mors certa, hora incerta.


    Hast du das Glück Albernier zu sein, hast du tatsächlich Glück.