Auf zu Jacques...

  • Der alte wirkte nun sichtlich unzufrieden mit der sich entwickelnden Situation. Das Eindrängen auf ihn bereitet ihm ziemliches unbehagen. Normalerweise ist er derjenige, der hier das Sagen hat und nicht derjenige, der Bedrängt wird.
    Von dem Becher in der Hand, nahm er erst einmal einen großen Schluck und bewegte sich dabei ein paar Schritte weg von den Gästen.


    Walther schien in sich zerrissen, wusste er doch nicht, ob er fasziniert und erfreut darüber sein sollte, dass sein Boss eine 'Eingeschenkt' bekommt oder ob er mal sicherheitshalber die Armbrust auf das gefährlicheste Ziel, den Recken mit den riesigen Schwert, der Dutzende Rahks mit nur halbsovielen Schlägen niedergemacht hat, richten soll, bevor es hier eskaliert... Er saß wie versteinert da...


    An Vianne gerichtet versuchte der Kerkermeister einen geraden Satz heraus zu bringen. 'Bitte Misses ähm... ich meine Miss... Beruhigen wir uns ähm... doch ein wenig...' Er ring schwer nach den passenden Worten. Wollte er doch diesen seltsamen Gefangenen, den ihm die Hafenwache einfach aufgebrummt hat, loswerden.


    'Ihr Bruder wurde uns von der Hafenwache... ähm... übergeben. Die haben ihn... ähm... von dem Kapitän, der den... ähm... Jacques an Bord hatte... Er hat wohl... ähm... Probleme bei der Überfahrt... ähm... gem... bereitet.'


    Mit einem weiteren Schluck Wein, versuchte er wohl wieder seine Nerven zu beruhigen. Dabei blickte er von Vianne über Aaliyah zu Reana, zu Alexij und zurück zu Vianne.


    'Er soll von großen... ähm... Schrecken und Dä... ähm... Monstern gebrabbelt haben... Hat der Mannschaft... ähm... nen gehörigen Schrecken eigejagt... Der Käpt'n hatn.. ähm festsetzten lassn... Jetzt ham wirn... ähm... hier zu... ähm... Gast.'


    Vor sich hin stotternd, trank er einen weiteren Schluck und blickte ein wenige gefasster wieder zu Vianne.


    'Ähm... Miss... das Zeugs ihres Bruders.. ähm... es ist...' Er drehte seinen Kopf zu Walther, der noch immer wie versteinert da saß und bellte ihn an. 'Los hol die Sachen von den Irr... ähm... Gefangenen!' Wieder ruhiger an Vianne '... hier und ihr... ähm... wollt es sicherlich auch mitnehmen?'


    Der letzte Teil wirkte schon mehr wie eine Frage und fragend blickte er wieder alle vor ihm stehenden an. Er hoffte nun die Fragen beantwortet und die Personen zu frieden gestellt zu haben.

  • Aaliyah nahm das Papier, welches Vianne ihr und Reana reichte und überflog es. Doch egal welche Vereinbarungen darauf geschrieben sein sollten, für sie stand fest, dass Vianne es erst unterschreiben sollte, nachdem sie diesen Mann, welcher sich als ihr Bruder bezeichnete, gesehen hatten. Ihr Blick wandte sich kurz zu Reana. Sie schien genauso wenig von der Situation begeistert zu sein wie sie und Aaliyah hatte die Hoffnung auch in ihr eine Unterstützung ihrer Ansicht zu haben.
    Nachdem sie fertig war das Formular zu lesen, sah sie zu Vianne und meinte zu ihr: "Ich bleibe bei meiner Ansicht. Wir, vor allem du Vianne, müssen diesen Gefangenen erst sehen, bevor hier irgendetwas unterschrieben wird."
    Das Stottern des Kerkermeisters rang Aaliyah ein kaum merkliches Lächeln ab. Die Anwesenden hatten den Spieß umgedreht und umso sicherer die Freunde wurden, umso unsicherer schien der alte Mann zu werden, welcher sich eben noch groß vor ihnen getan hatte. Sie hörte seine Worte und versuchte das Gestotter welches er von sich gab zu verstehen. Wenn wirr und unverständliches reden ein Grund war hier zu landen, dann gehörte spätestens jetzt auch dem Kerkermeister eine Zelle reserviert, dachte sie bei sich.
    Aus dem Gesagten hörte sie jedoch heraus, dass der Kerkermeister selbst nicht wirklich mehr wusste, als das was er eben sagte. Der Gefangene hatte also der Mannschaft einen Schrecken eingejagt als er von Monstern und Dämonen sprach.
    Wieder kam in Aaliyah ein Gedanke auf. Ein komischer Kontinent. Menschen die einfach Stimmen hören, werden nahezu wie Heilige behandelt und Menschen welche verwirrt sind und wirr daher reden, werden eingesperrt. Aaliyah konnte hinter ihrem Gedanken keinen sinnvollen Zusammenhang erkennen, wo bei beiden Phänomenen im Kern der Unterschied lag. Sie schüttelte kaum merklich ihren Kopf und dachte sich ihren Teil.
    "Gut.", begann sie und sprach an Vianne gewandt weiter: "Nun wissen wir zumindest weswegen er hier sitzt. Für mich hört es sich so an, als säße hier ein sehr verängstigter Mann. Entweder hat er Schreckliches erlebt, was er zu verarbeiten sucht und die Schrecken verfolgen ihn seitdem oder er ist einfach ein verrückter Mann. Wie dem auch sei, wir können das nur herausfinden indem wir ihn zu Gesicht bekommen. Unterschreib nicht bevor er hier vor uns steht oder wir vor ihm." Aaliyahs Worte klangen ernst. Vor allem auch weil sie seit Mythodea mehr von den Schrecken dieser Welt gesehen hatte, als ihr wohl Anfangs lieb gewesen war. Vielleicht hatte dieser Jaques noch Schlimmeres erlebt. Diese Möglichkeit wollte sie nicht außer Betracht lassen. Bei ihren letzten Worten lächelte Aaliyah Vianne sanft an. Es war ein Lächeln was Vianne zeigen sollte, dass Aaliyah ihre forsche Art von eben und ihre Forderung diesen Mann zu sehen, begrüßte und sie hinter ihr und ihrer Entscheidung stand. Dann wandte sie sich wieder zurück an die anderen. Bleib bei deiner Forderung Vianne. Du bist nicht allein. Wir sind alle hier um dir den Rücken zu stärken., dachte Aaliyah noch für sich und wartete auf die weitere Entwicklung des Ganzen.

    Aaliyah von Ateş<br />Stadträtin Êrengards<br />zuständig für innere Angelegenheiten und Recht

  • Alexij beobachtete das Geschehen. Die Damen hatten den Kerkermeister sichtlich im Griff, dem schien das gar nicht zu passen bzw. er wirkte stark überfordert. Der Ritter hielt sich im Hintergrund und beobachtete.

    &quot;Ich bin nicht so gut mit Worten...ich sehe mich eher als ausführenden Arm der goldenen Herrin&quot;

  • Auch Reana hatte das Schreiben gelesen und war sich noch sicherer als zuvor es sei besser den Gefangenen zuerst zu sehen. Aber warum der Kerkermeister versuchte die Sache so hinaus zu zögern war ihr ein Rätsel wenn er den Gefangenen doch offensichtlich loswerden wollte. Vielleicht glaubte er nicht daran, dass es sich tatsächlich um den Bruder der jungen Frau handelte und das konnte Reana ihm nicht verdenken. Auch sie war sich der Sache nicht sicher und zweifelte an den Verwandtschaftsverhältnissen. Sie meldete sich nun auch zu Wort.
    "Werter Herr," wandte sie sich an den Kerkermeister in dem freundlichsten Tonfall, den sie angesichts der Lage hervor bringen konnte, "Würden sie uns die Freundlichkeit erweisen und uns nun endlich zu dem Gefangenen führen, damit wir die Angelegenheit zügig und ohne Zwischenfälle hinter uns bringen können?" Sie wollte endlich heraus aus diesem Kerker, am liebsten ohne irgendeinen irre vor sich hin brabbelnden Gefangenen aber wenn es sich tatsächlich um Viannes Bruder handelte blieb keine andere Wahl. Auf jeden Fall wollte sie die Sache zügig hinter sich bringen um aus diesem dunklen, ungemütlichen und feuchten Kerkerloch heraus zu kommen.

    Reana Riavelli<br />Stadträtin Êrengards <br />Kuratorin für äußere Angelegenheiten