Die Unsinkbar III in Exilia, Weidmond XII

  • Gegen Ende des Weidmonds waren die Segel der Unsinkbar III vor Exilia in Sicht. Die Reise von Katzhafen hier her verging ohne größere Probleme. Zwar war es ein permanenter Kampf mit den einfachen Matrosen der Soldatenfuselladung Herr zu bleiben, doch waren Wind und Wetter günstig gewesen.
    Bald würde die Pechnacht auf die Schwarze Nacht folgen und der Kapitän freute sich schon mächtig selbst an Land gehen zu können um die Tavernen unsicher zu machen. In gebührendem Abstand zu den steilen Felsklippen die gut hundert Schritt in die Höhe ragten, befahl er den Anker zu werfen und während er zu den Leutfeuertürmen blickte und die frische Briese genaß, wartete er auf die Ankunft der exilionischen Hafenmeisterei.

  • Zwar hatte man die Unsinkbar III schon vor einiger Zeit am Horizont entdeckt, dennoch verging eine geraume Weile, während der der Kapitän schließlich dem exilianischen Lotsenboot dabei zusehen konnte, wie es auf scheinbar zufälligem Kurs kreuzend näher kam, ehe es an der Unsinkbar III längslief. Die Wellen schlugen recht hoch und enthüllten zwischendurch immer wieder die scharfkantigen Klippen, die die Strecke bis zur Küste in ein gefährliches Labyrinth verwandelten.
    Als sich das Lotsenboot in Rufweite befand, scholl eine Stimme über die Wellen: "Willkommen in Exilia, Unsinkbar III! Der vor euch liegende Abschnitt ist äußerst gefährlich. Sofern ihr den Hafen Exilias anlaufen wollt, bitten wir um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen, um euch sicher dorthin zu lotsen". An der Reling war ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht und förmlicher aber recht schlichter grüner Kleidung erschienen, dem diese Stimme zu gehören schien. Erwartungsvoll blickte er zum Kapitän der Unsinkbar III hinüber.

    „Wenn Ihr es genau nehmen wollt: Man spricht es [ˈgal.vɪn]. Das e am Ende ist stumm.“

  • Nachdem der Lotse an Bord gekommen war und dem Steuermann erklärte was und wie es zu tun sei, hielt man auf die Klippen zu. Immer wieder musste der Lotse selbst ans Steuerrad greifen, wenn es ihm mit den Kurzkorrekturen nicht schnell genug ging. Zwar war das Portal zum unterirdischen Hafen Exilias gigantisch, doch die Kogge selbst nicht gerade klein. Direkt nach Eintritt in das unterirdische Reich, wurden Taue von der Unsinkbar III geworfen und an Flaschenzügen der Hafenmeisterei befestigt. Das letzte Stück zum Ankerplatz legte das altehrwürdige Schiff dann im Schlepptau fort. Dem Steuermann fiel dabei die Aufgabe zu die Kogge ruhig zu halten.


    Endlich angelegt, sprang der Lotse mit einer höflichen Verabschiedung von Bord und wurde vom Hafenmeister abgelöst, der mit dem Kapitän den offiziellen Part regelte. Hafengebühren wurden entrichtet, ohne dass die Unsinkbar III unter der Hand Münzen austeilen musste. Die Flagge Raetiens machte vieles möglich erkannte die Mannschaft wieder einmal. Der Prisenmeister wurde mit Gold zu den hiesigen Kontoren geschickt und die Deckmanschaft bereitete alles für das Löschen der Ladung vor: Fässer und Flaschen voll feinstem Soldatenfusel. Fein deshalb, weil die wenigsten der Flaschen diesen seltsamen Bodensatz enthielten, der für die Armeerationen so bekannt war.
    Nachdem das Geschäft äußerst schleppend anlief, trotz der ausgezeichneten Mundpropaganda allerlei Matrosenpack, vermeinte der Kapitän schon, er müsse mit der gesamten Ladung wieder ablegen. Doch er ein oder andere Soldat Exilias erirrte sich in den Hafen und diejenigen die bereits bei Ostwacht und Dreistätt gekämpft hatten, waren auch überaus vertraut mit dem herrlichen scharfen Geschmacks dieses Gebräus. So liesen sie es sich nicht nehmen den Trunk zu erwerben. Ob aus nostalgischen Gründen oder einfach nur, weil der Harnisch wieder einmal eine Politur benötigte war dem Kapitän einerlei, zumindest hatten die Soldaten Münzen, im Gegensatz zur zivilen Bevölkerung des Protektorats.
    Am Vorabend des Ankerlichtens wurde dann auch noch ein gewisser Hetzbold van Grimmich beim Kapitän vorstellig, ausgestattet mit einem sehnlichen Beutel Gold und dem Wunsch wohl halb Exilia mit Soldatenfusel zu vergiften. Der Kapitän, von ähnlichem Schlage als van Grimmich, einigte sich nach dem Genuss einer halben Flasche des Teufelszeugs recht bald mit dem Zunftmeister der handelnden Zünfte und lies ein Drittel ihrer Ladung in Exilia zurück, wohlwissend, dass die Truhe am Fussende seiner Schlafstätte nun um einiges schwerer war.