Aus Angst wird Zorn

  • Uhlakk wandte sich wieder Khenai zu "Sag mir, Junge... was wurde dir schon beigebracht?"


    Der kleine Ork schaute fragend und legte die Stirn in Falten.

  • "Ich kann in den Schatten gehen", antwortete das Kind.


    Naira nickte.
    "Aber gegen ein Schwert hast du noch nie gekämpft", ergänzte sie. "Das wäre etwas, das Uhlakk dir beibringen könnte.
    Und auch dem Chazsmyr"
    , wandte sie sich an den Drow. "Khenai kann dir zeigen, wie man in den Schatten geht. Nur was bringen wir Uhlakk bei? Gibt es was, was DU besonders gut kannst, Chazsmyr?"

  • Uhlakk musste kurz auflachen "Muhahaha... vai ist ein alter Ork und vermutlich lasst vai sein Leben bald auf dem Feld der Ehre." Der kleine Ork beruhigte sich und fügte hinzu "Aber vorher zeige ich euch wie man um seine Freiheit und sein Leben kämpft. In den Arenen der Blasshäute habe ich die Kriegskunst vieler Völker erlernt, vor langer, langer Zeit..." Er überlegte kurz "... mein alter Freund Kami konnte auch in den Schatten gehen... aber vermutlich anders als na es vermag, kleiner Freund."

    „Auk iglaach navaak!“ Möge das Blut unsrer Feinde in Strömen fließen!

    The post was edited 1 time, last by Uhlakk ().

  • Chazsmyr hatte im Gegensatz zu Khenai schon eine Waffe geführt, das war jedoch lange her. Sein Muskelgedächtnis jedenfalls konnte sich an die Abläufe nicht mehr erinnern. Das sagte der Drow jedoch nicht, denn es war besser, wenn er alles noch mal von vorne lernen würde. Außerdem würde er anscheinend Dinge lernen, von denen er bisher nicht einmal gehört hatte... In die Schatten gehen, beispielsweise.


    Dann richtete die Lethi ihre Frage an die Schwarzhaut und regte damit Chazsmyr zu einem intensiven Nachdenken an, denn er wusste nicht, was er besonders gut konnte. Er hatte in seinem Leben schon einiges getan, aber nichts davon richtig gelernt. Das Versorgen von Tieren hatte Naira sicher nicht gemeint, also sagte der Drow stattdessen:"Ich kann Feuer machen... Und ich kann warten."


    Das klang jetzt erstmal nicht so herrausragend, aber der Wert von jemandem, der Warten konnte, wurde einem meist erst bewusst, wenn jemand geduldig sein musste, der absolut nicht geduldig war.


    Der Drow zuckte zusammen, als Uhlakk los lachte und lauschte dessen Worten aufmerksam. Der kleine Ork schien sehr viel Erfahrung zu haben.

  • "Warten... das ist gut...", nickte Naira, erstaunlicherweise sehr ernsthaft. "Warten.... das ist auch..... ein Aspekt von Terra..... Wir Lethi... warten..... wir warten....."
    Ihre Augen verloren sich einen Moment lang in der Ferne des Waldes.


    Khenai sagte: "Man muss auch warten können, wenn man in den Schatten geht."


    "Ja", fuhr Naira aus ihren Gedanken. "Genau. Um in den Schatten zu gehen, muss man warten können. Man muss reglos sein und eins werden mit Terra... egal ob du unter einem Tisch sitzt oder durch ein Lager gehst. Dann wirst du vergessen und verschwindest. Dann bist du in den Schatten. So heißt unser Volk ja auch: Lethi. Die, die vergessen wurden. Die, die verborgen sind."


    Sie goss Chazsmyr noch einen Becher Tee ein und reichte ihn ihm. Dabei lächelte sie freundlich.
    "Kein Wunder, dass du warten kannst. Und sicher konntest du auch gut in den Schatten gehen, sonst wärst du nicht so lange Zeit unentdeckt geblieben. Denn dein Volk ist mit unserem verwandt. Es ist noch etwas von unserer Dunkelheit in dir."

  • Auf Chazsmyrs Gesicht machte sich unglaubliche Erleichterung breit, da er anscheinend doch mal etwas konnte, was wichtig war.
    Er lächelte, denn so wie es aussah, hatte seine Fähigkeit, sich nahezu aus dem Blickfeld anderer heraus zu halten, oder eher aus ihrem Aufmerksamkeitsbereich, doch noch einen tieferen Sinn. Das erfüllte den jungen Drow mit Freude, weil damit die vielen Stunden, die er herum gesessen hatte, weil er es musste, nicht vergeudet gewesen waren.


    Dankbar nahm der Junge den Becher Tee entgegen. "Dann würde ich gerne lernen, wie ich in die Schatten gehen kann. Es scheint noch mehr zu sein, als bisher, wo ich einfach mit viel Vorsicht und Stille dafür sorgen konnte, dass niemand mich wahr nimmt... na ja, meistens jedenfalls."


    Chazsmyr lächelte verlegen.


    "Es wäre schön, darin noch besser zu werden."

  • "In den Schatten zu gehen ist keine... Funktion", sagte Naira nachdrücklich. "Also es kann schon eine Funktion haben, man macht es aus einem bestimmten Grund, meistens jedenfalls..."
    Sie war sich selbst nicht sicher, wie sie es beschreiben sollte. Wieder fühlte sie die Woge in sich, die sie von den Anderen trennte. Es war so einfach, wenn man es fühlte... so schwer zu beschreiben mit den Worten der Menschen.
    "Man geht nicht in den Schatten aus Angst. Weil die Anderen einen nirgendwo sonst sein lassen würden!", fängt sie neu an, mit fester Stimme.
    "Das ist einer der größten Irrtümer über uns! Wir sind nicht dort hinunter gegangen, weil wir verfolgt wurden. Oder weil wir uns verstecken wollten. Stattdessen - wollten wir einfach weiter dem Strom folgen. Dem Strom des Daseins, auf den wir lauschen... ja, das ist gut... wenn du in den Schatten gehst, dann lauschst du auf den Gesang der Tiefe. Dann wirst du eins mit dem, was geschieht."


    Sie fischt mit dem Finger ein Blättchen Tee aus ihrem Becher und legt es auf ihre geöffnete Handfläche.
    "So.... bist du eins. Alle sehen dich, und du siehst dich. Alles ist um dich. Alles kann dich verändern."
    Nun reibt sie über das Teeblatt, so dass es durchsichtig wird und sich allmählich auflöst.
    "Jetzt.... bist du immer noch da. Aber überall. Es geht nicht mehr um dich, du wirst eins mit dem Anderen. Das ist der Beginn vom Verstecken."
    Sie nimmt ein neues Teeblatt, legt es auf die Handfläsche und schließt dann die Hand.
    "Und jetzt.... jetzt siehst du nur noch das, was um dich ist. Und das, was um dich ist, umschließt dich. Es sieht nur noch sich selbst. Da drinnen aber bist du und hörst zu. Ohne Verstecken. Ohne Veränderung. Nur weiß man nicht, ob du eins bist oder auch alles... Aber du bist innen... in dem, was geschieht. Du bist in den Schatten. Verstehst du, was ich meine?"

  • Chazsmyr fühlte sich kurz getadelt, weil er dazu neigte, Dinge auf sich zu beziehen, wenn sie eindeutig in seine Richtung gingen. Aber die neue Art zu denken, auf die er wehrt legen wollte, setzte ein und ließ ihn nur stumm und zustimmend nicken. Während dessen formten sich in seinem wachen Geist viele Gedanken, die es zu sortieren galt.


    Der Drow lauschte Naira aufmerksam, ihr leicht den Kopf zugewandt, noch nicht alles verstehend, aber doch langsam begreifend, dass die Kategorien, in die sein Verstand Dinge einzuordnen versuchte, nicht mehr existierten, zumindest der Wirklichkeit nicht gerecht wurden, da es zu viele Facetten von einer Sache gab, bis aus der einen Sache durch ihre Andersartigkeit etwas vollkommen neues erwuchs.


    Chazsmyr begriff, dass Verstecken aus Angst nicht mehr seine erste Option sein sollte, vielmehr aber doch, das Verbergen, um genauer und schärfer sehen zu können, sich besser sehen und einschätzen zu können. Es dauerte eine ganze Weile, die Pupillen des Dunkelelfen bewegten sich rasch, er sah Naira an, dann wieder schweifte sein Blick ins Feuer ab, welches seinen Geist zu beruhigen vermochte.


    Langsam nickte Chazsmyr, noch nicht sicher, ob er die gesamte Tragweite verstanden hatte. "Xas, ich... bekomme eine Ahnung davon. Aber ich vermute, dass es am deutlichsten zu spüren ist, wenn man es selbst macht, wenn man... in die Schatten geht."


    Und er fügte hinzu: "Manchmal... wenn es nötig ist, ist es aber auch gar nicht so schlimm, wenn die anderen einen nicht sehen. Aber... es war auch nicht schön, unbeachtet zu sein, als wäre man nicht mehr da."

  • Uhlakk lauschte den Worten der Spitzohren und drückte Khenai an sich.


    "Und was bringen wir dem alten Ork bei, Khenai?" Die Grünhaut lächelte, so dass seine Hauer wieder zu vorschein kamen, die er zuvor unter die Oberlippe geschoben hatte.
    Erst jetzt viel auf, das ein Zahn etwas abgebrochen war und der andere einen Ring trug.

  • Uhlakk lachte kurz auf und rubbelte mit der Hand über den Kopf des Kleinen. "Harharhar.... guter Junge. Nunja... na muss wissen ... wir Orks sind zwar ein kriegerisches Volk, aber wenn afal in Frieden leben können, dann tun afal auch dies."


    Er kniff sein vernarbtes Auge zusammen und lächelte.

  • Chazsmyr hatte den Worten Uhlakks mit großem Interesse gelauscht und bei seiner letzten Bemerkung auch eifrig genickt. Das entsprach anscheinend genau dessen, was er sich wünschte. Allerdings hatten die anderen ihm mittkerweile auch die Augen dahingehend geöffnet, dass er sich immerhin auch im Kampf trainieren sollte.


    Es gefiel dem jungen Drow hier immer besser und er erinnerte sich an Nairas Worte, dass sein Aufenthalt hier auch seiner Heilung diente und eine Verschnaufpause bedeutete, jedoch auch sicher ihre Herausforderungen mit sich bringen würde. Chazsmyr, von Natur aus neugierig, freute sich schon auf die kommenden Tage.


    Da er nichts zu sagen hatte und eher seinen neuen Gedanken nachhing, schwieg der Schwarzhäutige und wandte seinen Blick dem Feuer zu. Er hatte das Gefühl, dass er endlich an einem Ort angekommen war, wo er sein Ich finden oder neu definieren konnte. Der Ausdruck in Chazsmyrs Augen hatte jetzt schon jegliche Gehetztheit verloren, er schien sich wohl zu fühlen.


    Da es dunkel war, legte er auch endlich mal seinen Hut ab, der ihn vor der Sonne schützte und bettete ihn auf seinem Schoß.

  • Der Tag wich der Nacht und die Gefährten versammelten sich um ein großes Feuer. Goblins, Trolle, Orks und Oger versammelten sich um den alten Geschichten und Legenden zu lauschen. Es wurde gegessen und getrunken und man feierte ausgelassen den erfolgreichen Tag.

  • Chazsmyr lauschte den Geschichten mit großer Spannung und versuchte nicht zu offensichtlich zu gähnen, aber irgendwann war es dann um ihn geschehen. Sei Oberkörper kippte nach vorne und ein ruhiger Atem ging von ihm aus. Der kleine Drow war tatsächlich einfach so am Feuer eingeschlafen.

  • Die Nacht war kühl. Die Laute der nachtaktiven Tiere hallten durch den Wald und hier und da rauschten die Blätter. Die Wachen taten ihren Dienst und der Rest in Kjona schlief.


    Als der Mond der Sonne platz am Himmel machte erwachte Uhlakk in seiner Unterkunft. Heute würde er diesem Drow das Kämpfen beibringen. Uhlakk zog seine schwarze Lederrüstung an, steckte sein Schwert in die am Gürtel baumelnde Scheide und nahm seine Axt in die Hand. So verließ er sein Zelt und ging der Unterkunft des Drow entgegen.

  • Chazsmyr wusste nicht, wie er auf die Schlafstatt gekommen war, wo er die Nacht verbracht hatte. Zu müde und benebelt war er gewesen von den vielen Geschichten, den Eindrücken und vor allem dem Alkohol, bei dem für ihn eine kleine Menge reichte, um ihn den letzten Abend - oder zumindest dessen Ende - vergessen zu lassen. Nun schlief er demnach tief und fest an einem unbekannten Ort, hoffentlich sicher, vielleicht sogar in Nairas Hütte, da von der jungen Schwarzhaut so gar keine Gefahr auszugehen schien. Dass der grüne Ork das zu Ändern beabsichtigte, davon ahnte Chazsmyr noch nichts. Beim Aufwachen würde er feststellen, dass sein Kopf schrecklich brummte, sicherlich nicht förderlich, wenn sich ein kampferprobter Ork mit einem befassen wollte. Aber der Junge war zäher, als es den Anschein machte - nur gerade nicht, denn er schlief traumlos, was bedeutete, dass er tief und fest und vor allem ruhig schlief.