Es war eine traurige Rückkehr der Exilanten, die Protektor Valentin auf den Feldzug begleitet hatten. Boten waren voraus geschickt worden und hatten die schreckliche Nachricht in der Stadt an der Klippenkante verkündet und so kam es, dass fast eintausend Siedler die Straße flankierten, die vom Tor des Ostwindes zur Großen Halle führte, als der Tross die Tore der Stadt erreichte.
Keine Seele begrüßte den Tross mit blanker Freude, denn ein jeder wusste, was das schwarz beplante Gespann, das nun in mitten der Heimkehrer an ihnen vorbeifuhr, mit sich brachte: Zeiten der Unsicherheit - vielleicht sogar Not und vor allem den Verlust eines Menschen, der die Stadt stark gemacht hatte, und den die meisten Siedler sehr geliebt hatten. Langsam schloss sich die Menge hinter dem Zug und folgte ihm, zur Traube werdend, zum Herz der Siedlung. Lange noch standen die Siedler auf dem Vorplatz der großen Halle und in den angrenzenden Gassen, denn niemand gab ihnen Weisung zu ihrer Arbeit zurückzukehren und erst als es längst dunkel geworden war kehrten die meisten von ihnen zurück in ihre Hauser. Doch der Schlaf Exilias in dieser Nacht war unruhig und voll verzagen.
Inmitten der Großen Halle wurde der Leichnam aufgebahrt:
Hier lag Protektor Valentin aus Exilia und obschon der Körper mit dem heimkehrenden Tross die ganze Strecke vom Feldzug bis nach Exilia gebracht worden war, hatte die Zeit dem Körper bisher nichts anhaben können, denn seine kalten Züge wirkten frisch und unberührt, als wäre der heimtückische Mord erst vor wenigen Stunden geschehen.
In den folgenden sieben Tagen und Nächten jedoch - denn so lange dauerte die Totenwache an - begann Terra dem Leib zuzusetzen, sodass unter den einfacheren Siedlern das Wort umging, Valentin habe erst nach Hause zurückkehren müssen, bevor der Körper sich mit dem Tode habe abfinden können. Es ist dies das „erste Wunder“ Valentins.
Noch am Tage der Rückkehr wurde Valentins getreuer Lark, genannt Xerberus, zur Larkschreihöhe geführt und gen Norden geschickt. Es heißt, der Testamentsvollstrecker selbst sei es gewesen, der das Reittier enthauptete.
Als die sieben Tage der Totenwache verstrichen waren, schließlich, nahm man den Leib Valentins, salbte ihn, schlug ihn ein in kostbare Seide und trug ihn hin zur Promenade der Unsterblichen. Der letzte Ritus war es, mit dem man nun den Körper bedachte und als man geendet hatte, schickte man Valentin nach Norden, ganz wie es der Brauch der Exilanten war.
An der Brüstung der Promenade hatte man einen adäquaten Platz auserkoren, an dem eine Statue des Protektors errichtet werden würde. Schon jetzt war der Sockel vorbereitet worden und in die steinerne Gedenktafel waren folgende Worte getrieben:
Protektor Valentin aus Exilia
erster seines Namens
Vergiss niemals seine Güte,
vergib niemals seinen Tod.
Um Valentins Streben für das Protektorat Exilia, das Land und seine Bürger zu ehren, fand am Abend dieses Tages ein gewaltiges Fest statt, zu dem alle Exilanten geladen waren. Die Arbeit hingegen, wurde in ganz Exilia für diesen Tag bei Strafe untersagt (ausgenommen natürlich den Soldaten der Wache).
Auch hatte man während der gesamten Woche der Trauer die Stadttore mit Schwarzen Stoffbahnen verhängt und keinem Fremden gewährte man in dieser Zeit Zugang oder Zuflucht zur Stadt.
Ohne dass ein Befehl dieser Art ausgegeben worden wäre, hängten nach und nach auch die Bewohner aller Häuser als Zeichen der Trauer schwarze Stofffezen über ihre Türen, die nicht wieder Abgenommen wurden, bevor die winterlichen Stürme sie sich von selbst holen würden.
Dem großen Turm an der Hauptstraße, der bisher schlicht „hoher Turm“ genannt worden war gab man den Namen „Valentins Wacht“ und noch viele Tage, nachdem der Körper nach Norden Geschickt war, legten Siedler hier, wie auch an der Gedenktafel auf der Promenade der Unsterblichen, Blumen und Briefe an den verschiedenen Protektor nieder.
Wie von Valentin in seinem Testament vorgesehen, gingen alle Amtsgeschäfte, sowie die Protektorenwürde über auf Galwine Camdagnir. Dessen Bestätigung durch die Exzellenzen des Nordens steht noch aus.
Große Erwartungen sind es, denen sich der neue Protektor wird stellen müssen, denn die Herrschaft Valentins war eine Ära der Sicherheit und des Wohlstands.
Ruhe in Frieden, Valentin aus Exilia.