"Nun, Protektor Galwine Camdagnir, was den Auftrag für die BEREMON angeht, das müssen wir mit den Unteroffizieren beraten, da kann weder ich noch Vallas jetzt bereits eine eindeutige Zusage machen. Was mich betrifft, so werde ich mich in den nächsten Tagen mit Bruder Vitus in Verbindung setzen. Solltet Ihr den Cubitor Zarim Duronius sehen, teilt ihm bitte mit, dass ich auch an einem Gespräch mit ihm interessiert bin, ich denke auch auf dem Gebiet der Alchemie, die zugegebenermassen nicht mein Fach ist und in der meine Kenntnisse, sagen wir eher bescheiden sind, können wir uns gegenseitig unterstützen.
Was das Recht angeht, so bin ich begierig, auch etwas mehr über das Rechtswesen Mythodeas, des nördlichen Siegelreiches und Exilias zu erfahren. Teilt mir mit, wo ich den betreffenden Rechtsgelehrten finde oder gebt ihm meinen aufenthalt bekannt, wir logieren im 'Grünen Graben' "
Heinrich hatte als Wortführer als erster geantwortet und sah nun Randokar an.
"Ich bin dabei, seit der Sache mit der Kasse von Johann Pesiolus sollte bekannt sein, dass ich für jede Schandtat zu haben bin, solange ich sie nur vor dem Erbauer rechtfertigen kann. Gerne unterhalte ich mich mal mit Euren Offizieren und Feldwebeln, aber vom Seekrieg verstehe ich nicht viel, das ist Vallas' Metier." Randokar schien irgendwie amüsiert bei dem Gedanken an die "Sache mit der Kasse von Johann Pesiolus", was auch immer es damit auf sich haben mochte. Vallas meinte nur knapp: "Heinrich hat, was die BEREMON betrifft bereits alles gesagt, aber ich denke, es wird machbar sein, die Jungs wollen wieder raus auf See, die Beach tut ihnen nicht gut."
"Teilt mir mit, wo ich den Werftmeister finde, ich habe da schon Ideen. Was Cubitor Duronius angeht, ich denke, ich habe da was für ihn." Timeon sah Heinrich fragend an, nachdem dieser genickt hatte, fuhr er fort: "Die BEREMON hat beim Salut für den verstorbenen Protektor Valentin nahezu ihr gesamtes Pulver verschossen. Ohne Munition ist unsere Hauptbewaffnung, die acht Kartaunen, nutzlos. Das Rezept für dieses Pulver ist mir bekannt, allerdings habe ich weder die Möglichkeiten noch die Zutaten, es herzustellen. Hier ist ein Alchimist vonnöten."
Timeon kramte schliesslich in einer schwarzen Tasche herum und entnahm ihr ein kleines, in Leder gebundenes Buch. er legte es vor Galwine auf den Tisch und sagte mit Stolz in der Stimme: "Lest dieses Buch und lasst es mir dann wieder zukommen, an der Entwicklung der DANSER war ich beteiligt." "Timeon, du hast den Auftrag doch schon..." "Aber ich werde dem Protektor doch wohl meine Referenzen zeigen dürfen..." "Ja, schon gut..."
Als Galwine das Buch aufschlug, waren darin sehr feine und deteilreiche Zeichnungen von Schiffen enthalten, dazu standen diverse technische Daten. auf der Titelseite stand "DIE SCHIFFE DER KAISERKICHEN FLOTTE, Stand Sommer anno 1475 ppa." Auf Seite 16 war ein Schiff zu sehen, dass bis auf den Heckaufbau der BEREMON entsprach, HAMMERBURG-Klasse stand darunter, auf der Folgeseite waren nicht weniger als 19 Schiffe dieses Typs aufgeführt. Zwei Schiffe, die BEREMON und die APOLLINARAION waren extra angegeben, diese beiden Schiffe waren für spezielle Zwecke umgebaut worden.
Die BEREMON
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Als Heinrich ihm auftrug, Cubitor Duronius etwas auszurichten, verlosch das Lächeln auf Galwines Zügen für einen Moment. Bei aller Freundlichkeit, mit der er den Gästen begegnete, schien in Vergessenheit geraten zu sein, wer er war. Kurz war er versucht, Heinrich zurechtzuweisen, zügelte sich jedoch und beschloss, als er seinen weiteren Worten folgte, Heinrichs Wortwahl als unbedachtes Missgeschick zu verbuchen. Schließlich kehrte das sachte Lächeln zurück. Zustimmend nickte er leicht mit dem Kopf, als Heinrich endete und bestätigte Randokars Worte auf die gleiche Weise.
Auf Vallas Worte antwortete er, ebenfalls Zustimmung und Geduld vermittelnd, mit einem einfachen "Gut."
"Ihr könnt ihn gleich auf eurem Weg zurück zur BEREMON treffen. Er sollte sich jeden Tag während der Arbeitsstunden in der Werft aufhalten und die Arbeiter dort, werden euch zu ihm führen, wenn ihr nach ihm fragt," warf Galwine direkt nach Timeons ersten Satz ein und fügte hinzu: "Ich bin auf die Ergebnisse gespannt!" Die Enthüllung, Timeon wüsste, nach welcher Rezeptur das Pulver der BEREMON hergestellt wurde, ließ Galwine sinnieren: Es war seit Jahren bekannt, dass die Wirkung von Schwarzpulver auf Mythodea seit Jahren abnahm. Hatten die ersten Exilanten sich damit noch ihren Weg in das Unterreich sprengen können, vermochte es heute kaum mehr eine Kugel durch die Luft zu tragen. Warum es sich so verhielt, hatte ihm bisher noch kein gelehrter erklären können- und er glaubte, auf die besten zurückgreifen zu können, die sich im ganzen Nördlichen Siegel fanden. Doch vielleicht verhielt es sich mit dieser Rezeptur anders? Er gestand sich ein, dass es von schier unschätzbarem Wert für ihr geplantes Bauvorhaben wäre, könnten sie größere Mengen Gesteins anders als durch bloße Muskelkraft einer Unzahl von Arbeitern bewegen. Er würde den Cubitor beauftragen, sich mit Timeons Rezept auseinanderzusetzen. Während daher Timeon in seiner Tasche kramte, sagte er: "Der Cubitor wird davon hören und ich bin sicher, dass sich einer seiner Gehilfen als geeignet erweisen wird, sollte er selbst nicht abkömmlich sein."
Galwines Lächeln wurde breiter, als er das Buch des stolzen Konstrukteurs zur Hand nahm. Er schlug es auf und las ein paar Überschriften und hob es näher ans Auge, um eine der Zeichnungen zu betrachten. Er verstand nicht viel von Schiffen und die Bedeutung der technischen Daten konnte er nur zu einem kleinen Teil entschlüsseln, doch zeigte er sich angemessen beeindruckt, als er das Buch schloss, es ein Stückchen neben sich auf den Tisch legte und , die Hand noch für einen Augenblick darauf ruhen lassend, sagte: "Ich bin beeindruckt und danke euch. Dieses Werk verspricht viel. Nun bin ich in der Tat gespannt zu erfahren, was ihr gemeinsam mit Herrn Talbot zu verrichten im Stande seid. Ihr werdet euer Buch in Kürze zurückerhalten.""Euch wird nicht entgangen sein, dass sich des Abends stets viel Volk in der Großen Halle versammelt. Die Begegnungen und die Feuer, die dort unterhalten werden, sind der beste Weg, dem eisigen Griff Aeris', mit dem sie unsere Heimat in den nächsten Monden umschlossen halten wird, zu begegnen. Wenn es meine Pflichten zulassen, bin ich dort ebenfalls häufig anzutreffen. Wie jeder Exilant und Gast, seid ihr in der Großen Halle willkommen. Auf diese Weise mag sich euch die Gelegenheit bieten, mir in "weniger formellem Rahmen" von eurer Heimat zu berichten."
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"Wir danken Euch!" antwortete Heinrich, "Und würden uns nun gern wieder auf den Weg machen, da viel Arbeit auf uns wartet." Heinrich war nicht entgangen, dass Galwine seine simple Bitte um Kontaktvermittluzng mit Zarim wohl falsch verstanden hatte. Andere Länder, andere Sitten und demzufolge auch andere Wortwahl. Zwar sprach man die selbe Sprache, doch waren die Gepflogenheiten uberall ein wenig anders... es könnte schwierig werden mit der mythodeanischen Diplomatie... Er versuchte die letzten Worte so klingen zu lassen, dass sie als Bitte um Entlassung verstanden würden.