Neue Suche - altes Wissen

  • Durch die düsteren Straßen und Gassen nähert sich eine einzelne Gestalt von eher geringerer denn durchschnittlicher Größe dem prächtigen Bauwerk, welches allgemein hin als der Sitz des Amtes der Jurisdiktion bekannt ist.
    Sein Äußeres entspricht dem eines leichtgerüsteten Fährtenlesers und seine Kleidung ist aus robustem Leder. Simpel, aber zweckmäßig. Sein Gang scheint gemäßigt und sein Blick schweift ruhelos über die Anwesenden Wesen, Gebäude, Gassen ...und Schatten.
    Zielstrebig schreitet er auf die Front des kolossalen Bauwerks zu, bleibt kurz vor den Stufen zum Haupteingang stehen und nimmt die Imposanz dieses Ortes mit allen ihm zur Verfügung stehenden Sinnen in sich auf.


    Auch wenn er nicht zum ersten Mal hier her gekommen ist, so beeindruckt ihn die Macht dessen, was in den schier endlos erscheinenden Gängen und in den unzähligen Kammern zu denen sie führen verborgen liegt. Hinter den massiven Türen und Mauern lagern Unmengen an Wissen und Artefakten und in den Gängen tummeln sich Gelehrte und Bittsteller gleichermaßen. Und über allem wacht sie, ...die Herrin der Gesetze, die Juristrix Maxima.


    Das was der Unbekannte jedoch sucht, wird er nicht innerhalb dieses Gebäudes finden, ...sondern darunter.
    Stumm greift er in die Innentasche seiner Weste und kramt ein paar lose Zettel hervor. Nach kurzer Studie einer Karte und einer genauen Anleitung packt er sie wieder weg, wendet sich zielstrebig von der Hauptfassade ab und begibt sich auf verschlungene Wege bis in die Keller des Gebäudes.

  • Durch alte Katakomben suchte er sich achtsam seinen Weg. Der faulige Geruch von Nässe und verwesendem Papyrus lag unterschwellig in der Luft und seine Fackel spendete eher den Schatten einen freudigen Tanz auf den alten Ziegeln, anstatt wirklich Helligkeit zur Orientierung.


    Plötzlich änderte sich was in der Struktur des Ganzen. Eine einzige Türe, alt und wurmstichig das Holz und rostig die Beschläge, zog seine Aufmerksamkeit auf sich.
    Ihm wurde berichtet, er würde erkennen welche Türe mit seinem Schlüssel zu öffnen wäre ...und nun glaubte er sie gefunden zu haben.

  • Langsam steckte er den Schlüssel in das Schloss und drehte ihn. Das Schloss öffnete sich fast geräuschlos und strafte sein optisches Alter lügen.
    Entschlossen atmete er noch einmal tief durch und betrat die Räumlichkeiten, in denen er nach Wissen suchen wollte.


    In dem Raum hinter der Tür befanden sich auf engstem Raum unzählige Regale mit Büchern und Folianten. An den Wänden gab es Fackelhalterungen und die brennenden Scheite spendeten mulmiges Dämmerlicht. Ein kleiner Tisch mit ein paar Shreibutensilien und ein alter Stuhl waren in eine Ecke verbannt worden. Dort war es Besuchern möglich sich zurückzuziehen und die Studien zu beginnen, die die Suchenden hier her trieb.


    Mit mulmigem Gefühl begann er den Raum abzuschreiten und sich so einen Überblick über die Art der gelagerten Dokumente zu verschaffen.
    Missmutig stieß er seinen Atem aus und begann sein Werk.

  • Das ungute Gefühl schien sich als berechtigt zu bewahrheiten.


    Als Sturm das erste Schriftstück berührt, schwingt die schwere Türe wie von einem unmerklichen Luftzug angestoßen lauthals ins Schloss. Erschreckender weise scheint es nicht mit dieser unheimlichen Begebenheit getan. Sturm hört, wie sich die Stifte und Bolzen innerhalb des Schlosses wie von Geisterhand selbst zu verschieben beginnen, es klingt, als würde sie sich verschließen. Auf der Seite der Türe, die in das Rauminnere zeigt ist kein Schlüsselloch zu sehen. Was sollte das bloß? Saß er in der Falle? Welch böser Streich...

  • Vor Schreck überrumpelt worden zu sein, ließ er das gerade erst ergriffene Pergament zu Boden fallen. In der Sekunde, in der es auf dem Boden aufschlug, hatte er sich schon hingekniet, instinktiv einen Dolch gezogen und lauschte aufmerksam.
    Aus der Richtung der Türe, durch die er diese Kammer betrat, vernahm er diese seltsamen Geräusche der sich verschiebenden Bolzen, doch bevor er sich der Türe näherte sah er sich gehetzt im gesamten Raume aufmerksam um.
    Offensichtlich eingeserrt zu werden war eine Sache, aber darauf zu bauen alleine eingesperrt worden zu sein eine ganz andere. Während sein Kopf sich darum Gedanken machte, ob er speziell "Sie" oder irgendeine andere mächtige Person des Nordens verärgert hatte, forschten all seine anderen Sinne nach verräterischen Geräuschen oder Hinweisen auf einen Hinterhalt.


    Stumm verharrte er für mehrere Augenblicke, bevor er auch nur wagte einen Fuß in Richtung Türe zu setzen.

  • Er konnte nichts sonst mehr hören. Die Mechanik der Tür kam zur Ruhe und kein Laut drang an sein Ohr. Alles schien wieder wie zuvor, mit dem Unterschied, dass er nun anscheinend gefangen war zusammen mit den kostbaren Manuskripten.

  • Nachdem er sich vergewissert hatte das keine Meuchler oder andere "bösen" Überraschungen in der Kammer auf ihn lauerten, entspannte er sich ein wenig, steckte den Dolch weg und bewegte sich vorsichtig in Richtung Türe.


    Kurz musterte er diese und war versucht sich seinen Rückweg wieder zu eröffnen. Notfalls mit den Dietrichen, die er in seiner Weste mit sich trug. Doch dann kam ihm ein ganz anderer Gedanke. <All das Wissen was hier lagert muss von unschätzbarem Wert sein. Es ist nur zu verständlich diesen Schatz auch zu schützen.>
    Langsam begann er zu begreifen, was damit gemeint war "Überlegt Euch gut, wann Ihr den Schlüssel einzusetzen wünscht, er wird die Türe nur für Euch öffnen." Nur ihm und nicht etwaigen Verfolgern oder Gästen seinerseits war es gestattet, zumindest temporär, diesen Tempel des Wissens zu betreten. Und dies offensichtlich auch nur einmalig.
    Er wusste genug über Fallen und Schlösser, um seine linke Hand darauf zu verwetten, dass der Schlüssel dieses Schloss nicht ei weiteres Mal öffnen würde. Was ihn zu dem Problem brachte, wie er diesen Ort wieder verlassen könne.


    Kurz holte er tief Luft, schüttelte den Kopf und begann mit dem, weswegen er hierher gekommen war. Später würde er sich immer noch Gedanken darüber machen, wie er hier weg kam. Dann jedoch zumindest mit dem Wissen, nach dem er gesucht hatte.
    Gemächlich schritt er zu dem immer noch am Boden liegenden Pergament, hob es auf und staubte es ab, bevor er es entrollte und auf dem Weg zu dem Tisch mit dem Lesen begann.

  • Die Stunden verstreichen unmerklich, wärend sich immer wieder das selbe Schauspiel wiederholt. Buch um Buch und Pergament nach Pergament werden behutsam aus den Reihen der Regale entfernt, durchforstet und für ihn wichtige oder interessante passagen auf ein Blatt Papyrus kopiert, bevor es wieder an seinem Platz abgelegt wird. Alles um ihn herum verliert ein wenig an Bedeutung, während er sich in die Texte vertieft und so langsam immer mehr die Hintergründe zu verstehen beginnt, die diese Welt beherrschen zu scheinen.

  • Durch etliche Folianten, Bücher und Manuskripte hatte er sich nun durchgekämpft und einiges an interessantes Wissen zu Tage gefördert. Wieviel Zeit bis Dato verstrichen war, war schwerlich zu sagen, da die Fackeln und Laternen schon unnatürlich lang brannten ohne auch nur ein kelines Stück zu vergehen. Vielleicht würden sie sogar endlos brennen oder der Lauf der Zeit funktionerite hier anders, als gewöhnlich. Bei Magie war stets mit allem zu rechnen.


    Leider war das was er suchte nur rudimentär in dem zu finden, was hier in dem Gewölbe lagerte. Letztendlich beschloss er seine Studien nun abzubrechen und das gesammelte Wissen erst einmal in Sicherheit zu bringen. Das lezte Buch stellte er, ebenso wie all die anderen davor auch, wieder feinsäuberlich an seinen Platz. Ordnung (zumindest dieser Art) musste sein. Schliesslich sollte nicht Jeder auf den ersten Blick erahnen, dass sich hier wer Zutritt zu all dem Wissen verschafft hatte.
    Später würde er dann die zweite Möglichkeit versuchen, um an Ergebnisse zu seinen Fragen zu kommen.


    Nachdem er seine Abschriften feinsäuberlich zusammenrollte und in seiner Kleidung verstaute, machte er sich auf und begab sich zu der Tür, durch die er diesen verborgenen Teil des Gewölbes betreten hatte. Beiläufig zog er den Schlüssel hervor und begutachtete sowohl ihn, als auch die Türe selbst.

  • Als Sturm näher trat mit dem Schlüssel in der Hand und das unheimliche, niemals flackernde Licht, das den Raum erhellte, mit seinem Körper verdeckte, sah er auf einmal, dass der Schlüssel anfing zu glühen, ganz leicht und nur im Kontrast von Sturms Schatten auf dem rauen Holz der Türe.
    Das Glühen verschwand sofort, wenn Licht auf den Schlüssel fiel, doch in der Dunkelheit war es ein feines, bläuliches Pulsieren...

  • DAS ...war äußerst interessant. Der Schlüssel schien im Schatten zu leuchten. Im Licht hingegen nahm er sein ursprüngliches Aussehen, nämlich das eines normalen Schlüssels wieder an.


    Er wiederholte diesen Vorgang noch zwei mal, bevor sich ein Gedanke in seinem Kopf breit machte.
    << In der Dunkelheit offenbart sich eine zweite Wahrheit. Sehr interessant. Wenn auch nicht verwunderlich für ein Land, in dem das Licht nur ein geduldetes oder notwendiges Übel ist.>>


    Es erinnerte ihn an die Geschichten seines Vaters, der oft von einer Welt hinter dem Spiegel erzählte. Auf welcher Seite ds Spiegels man stand, war stets das Geheimnis, welches es zu lüften galt.


    Aus einer Laune heraus trat er einen Schritt zur Seite und versperrte dem Licht durch seinen Körper den Weg auf den Teil der Türe, der für gewöhnlich das Schloss enthielt.
    ...Langsam und sehr bedächtig führte er den Schlüssel ein kleinwenig näher an die Tür heran und beobachtete beides.

  • Sturms Verständnis für diese Welt schien sich auszuzahlen. Ein unsichtbares Schlüsselloch begann im gleichen schwachen Blau zu leuchten. Es war elegant und reich verziert und es sah fast aus, als hätte es kleine, spitze Zähne. Ja, die schmale, leuchtende Öffnung schien beinahe ein wenig größer zu werden, als Sturm mit dem Schlüssel langsam näher kommt...

  • Ein Schmunzeln huschte über seine Lippen als er sah, was dort geschah. In seinem Werdegang hatte er schon so manches Schloss gesehen ...und geöfnet, aber ein solches ist ihm bisher noch nicht untergekommen.
    Dann schoss ein weiterer Gedanke durch seinen Kopf. <<Was, wenn es sich mit dem ganzen Raum hier so verhält? Vielleicht gibt es noch eine Bibliothek hinter dieser hier offensichtlichen.>>
    Kurz war er versucht die Fackeln und Laternen zum Erlischen zu bringen, nur um zu sehen ob er mit seiner Vermutung Recht behalten sollte. Doch dann besann er sich darauf, dass Sie ihm schon großes Vertrauen entgegenbrachte, allein weil er dieses offensichtliche Wissen nutzen durfte. Er wollte dieses Vertrauen nicht so einfach dadurch zerstören, dass er seine Nase in Sachen steckte, die ihn noch nichts anging. Dies war vielleicht die Privatssphäre des Nordens und es wäre dumm und ...unhöflich in ihr herum zu buddeln. Dummheit und Neugier, beides Eigenschaften die zu einem raschen Tode führen können in diesem Lande. Und eh war es wohl so, dass er es, falls es ihr Wille sein sollte, erfahren würde. Früher oder später.
    Sollte es sich jedoch nur um einen Test handeln, so riskierte er es lieber zu versagen und als Dumm abgestempelt zu werden, statt einen Verrat an dem Vertrauen in ihn zu riskieren. Sein Blick wanderte wieder weg von den Fackeln und hin zu dem hungrigen Schloss.
    Still zollte er dem Erbauer des Schlosses seinen Respekt und schob den Schlüssel in dieses filigran-ziselierte und hungrige Schloss, um die Türe zu öffnen.

  • Als der Schlüssel nur noch eine Haaresbreite vor dem Maul des leuchtenden Schlüssellochs entfernt war, erwachte es zum leben und riss sein liebliches, kleines Maul weit auf, um den Teil des Schlüssels zu verschlingen, den Sturm ihm hinhielt.
    Es begann genüsslich zu kauen und leuchtete mehr und mehr dabei. Immer kräftiger traten die Züge des kleinen eckigen Monsters hervor, die Sehnen, die seine schwarzen Beißer bewegten, die Ornamente, die zuvor nur eine Planchette waren, wurden zu winzigen, plastischen Zügen einer metallisch, lebendigen Schlosskreatur.
    Hungrig doch nicht gerade bedrohlich - wenn man denn kein Schlüssel war - zerknirschte es die vorderen Teile seines Males und zog mit seinen winzigen, blauen Kiefern den Rest seines Schlüssels weiter in seinen dunklen Rachen...

  • Kurz zuckte er mit der Hand vom Schlüssel zurück, bevor ihm bewusst wurde das nicht seine Finger die Lieblingsspeise des lebenden Schlosses sind, sondern der Schlüssel als solches. Fasziniert betrachtete er den Vorgang ein paar Augenblicke und bewunderte den Architekten dieses Schlosses noch mehr. Wahrscheinlich war hier mehr Magie als Schlosserei am Werk, aber das tat seiner Bewunderung keinen Abbruch. Nun, wo der Schlüssel fast gänzlich verspeist, zumindest aber unweigerlich zerstört war, versuchte er durch leisen Druck auf das Holz der Pforte selbige zu öffnen. <<Das glaubt mir keiner.>> Dachte er bei sich.

  • Mit einem leisen, gierigen Verschlingen, zog das Schloss die letzten, jämmerlichen Reste des Schlüssels nicht ruckartig, aber kraftvoll aus Sturms Hand. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man dem Hunger des kleinen Wesens lieber nicht im Wege stehen mochte, doch da Sturm den Schlüssel nicht festhielt, schien er sich in dem Schloss einen Verbündeten geschaffen zu haben.


    Es rülpste erstaunlich tief für seine geringe Größe und der Schlüssel war nach einem letzten erbärmlichen Knirschen fort.


    Eine kleine, blau leuchtende Metallzunge leckte über die Leftzen des lebenden Schlosses und dann legte sich so etwas wie ermattete Zufriedenheit auf seine Züge - was natürlich schwer auszumachen war, da das Schloss keine Augen besaß und keine rechte Mimik, und dazu noch aus blauen Schatten zu bestehen schien. Dennoch, es schien zu Schnuppern und zu Kauen und dann mit einem sanften Klicken, ließ es die Bolzen der Tür sich verschieben, und sie sprang einen kleinen Spalt auf.
    Das Schloss schlief und Sturm war frei.

  • <<Wo bekomme ich bloß so ein Schloss zum Schutz für meine ...Wertgegenstände her>> dachte er bei sich.
    <<Das würde glatt jedem unvorbereiteten Dieb die Finger abnagen.>>


    Voller Verwunderung über dieses Schloss öffnete er die Türe vorsichtig und begab sich allmählich nach Draußen. Nicht jedoch ohne hinter sich die Türe zuzuziehen und ein "Auf Wiedersehen." in Richtung des Schlosses zu murmeln. Fast auf eine Erwiderung des Schlosswesens wartend machte er sich dann doch auf, um diesen Ort schnell und unauffällig zu verlassen.

  • Das Schloss antwortete ihm nicht, vielleicht hatte es ihn auch schon vergessen in seinen verqueren, unvorstellbarem, kleinen Gemüt, voll gefressen, satt und glücklich, oder vielleicht konnte es auch einfach nicht antworten, wer weiß... Magie ist ein seltsames Pflaster.


    Die Tunnel und Gänge der Archive waren menschenleer. Sturm traf niemandem bei seinem Weg hinaus in die offenbaren Straßen von Paolos Trutz, wo die Geheimnisse der Wirklichkeit verdeckt waren, von einem dicken Staubfilm der lichtdurchfluteten Realität.